Fragen & Antworten
Gibt es genug Partner-Anmeldungen als Folge Ihres Appells, damit das Weiterbestehen des Blogs gesichert ist?
Leider noch nicht – obwohl die Menge der zahlenden Partner (derzeit deutlich mehr als 200) alle Prophezeiungen von Online-Experten übertroffen hat, ist die Finanzierung des Blogs noch nicht gesichert. Dennoch bereitet das Team eine Reihe von exklusiven Rechten für die Partner vor, die naturgemäß aber nur dann realisiert werden, wenn auch das Überleben des Blogs selbst gesichert ist. Das wird sich bis Ostern entscheiden.
Wieviele Besucher hat der Blog eigentlich bisher?
Bei 405.364 Besuchen des Blogs wurden 1,215.463 Seiten (eine Seite ist eine Tagebucheintragung samt den Postings) aufgerufen. Jeder Besuch dauerte im Schnitt 5,26 Minuten. Diese Besuche wurden von 111.851 verschiedenen Besuchern abgestattet (eigentlich kann natürlich nur die Zahl der verschiedenen PC/Apple/iPhone-Geräte gemessen werden, egal wieviele Menschen über diese Geräte zugreifen).
Damit ist das Tagebuch binnen kurzem zum weitaus meistgelesenen Blog Österreichs geworden. Wofür allen Besuchern großer Dank gebührt. Und natürlich auch den Tausenden Postern, die nicht weniger als 30.025 verschiedene Kommentare abgegeben haben. Diese standen meist auf sehr hohem Niveau, bisweilen gab es leider auch peinliche Ausrutscher.
Schreiben Sie anderswo noch regelmäßig?
Regelmäßig tue ich das derzeit mit einer Kolumne im wöchentlich erscheinenden Börsen-Kurier (www.boersen-kurier.at) und einer weiteren (Streit-)Kolumne in den Salzburger Nachrichten (www.salzburg.com); unregelmäßig schreibe ich in der Academia, in der Raiffeisenzeitung und in den Conturen.
Welches Team arbeitet an dem Blog mit?
Ich bin dieser Mannschaft zu großem Dank verpflichtet. Auch wenn nur ich im Scheinwerferlicht stehe, ist das – durchwegs junge, aber hochprofessionelle – Team mindestens in gleichem Ausmaß für den Erfolg des Blogs verantwortlich:
- Florian Unterberger: Konzept und Koordination;
- Stefan Olbrich (dieseitenmacher.at): Web-Programmierung;
- Clemens Göller (daskleinebuero.at): Graphik;
- Therese Hamburger: Assistenz;
- Markus Stickler: Lektorat und Administration;
- Andreas Unterberger jun.: Lektorat;
- daneben danke ich vielen journalistischen Kollegen, deren Namen ich aus verständlichen Gründen nicht nennen kann, für wichtige Hinweise, die sie in der eigenen Zeitung nicht verwerten können.
Bisweilen kann man in “Standard”-Postings lesen, dass Sie in der “Wiener Zeitung” rechtsradikale Umtriebe ausgelöst hätten?
Das sind die üblichen Untergriffe, wenn der SPÖ jemand im Wege ist. Da sagt man natürlich nicht, dass man unabhängige kritische Journalisten aus dem Weg haben will, sondern man versucht, sie in altbewährter Manier anzupatzen (die Methoden der Waldheim-Kampagne gelten halt für fanatische Linke als ein Erfolgsmodell). Das muss man schon aushalten, auch wenn es immer wieder bürgerliche Waschlappen gibt, die sich von solchem beeindrucken lassen. Als einzigen “Beweis” können diese Anpatzer die Tatsache nennen, dass ich einmal einen sehr weit rechts stehenden Anwalt zu Wort kommen ließ. Dass derselbe Mann auch mehrfach von APA oder ORF interviewt worden ist, haben die Geiferer ignoriert- Sie glaubten damals – frisch nach Amtsantritt Alfred Gusenbauers – damit einen billigen Vorwand gefunden zu haben, um mich rasch entfernen zu können. Gusenbauer hat jedoch nach drei Monaten die Kampagne der Erregung von einem Tag auf den anderen gestoppt (nachdem diese auch schon vom damaligen Standard-Chefredakteur heftig kritisiert worden war). Vermutlich fürchtete er das schlechte Echo, wenn man für Säuberungen aus parteipolitischen Gründen viel Geld in die Hand nehmen muss. Jener Gastkommentar handelte übrigens nicht von irgendeinem NS-Thema oder der Auschwitzlüge, sondern setzte sich mit der – meiner Meinung nach skandalösen – Forderung des SPÖ-Abgeordneten Jarolim auseinander, in politisch relevanten Prozessen die Richterbank nicht gemäß Verfassung zu besetzen, sondern politisch gesteuert. Das war ein fundamentaler Angriff Jarolims auf das elementare Grundrecht des “gesetzlichen Richters”, der eigentlich noch ein viel deutlicheres Echo verdient hätte. Im übrigen stehe ich dazu, dass ich als Chefredakteur immer Autoren aus allen Lagern zu Wort kommen habe lassen, von weit links bis weit rechts, solange die Texte keine verbotenen oder geschmacklosen Inhalte enthalten haben. Selbst wenn ich die Texte oder die Autoren zutiefst verachte.
Wie haben sich “Presse” und “Wiener Zeitung” unter Ihrer Führung und dann nachher entwickelt?
Beide haben unter mir eine deutliche Aufwärtsentwicklung genommen. Bei der “Presse” ging der Marktanteil an der Leserschaft laut Media-Analyse in meiner Zeit kontinuierlich von 3,9 auf über 5 Prozent hinauf. (in absoluten Zahlen war das ein Plus von 42 Prozent). Inzwischen ist jener Prozentsatz bei der “Presse” im Jahr 2008 wieder auf 3,4 Prozent gesunken, was den Verlust eines Drittels der Leserzahl bedeutet. Dieser Zuwachs ist übrigens nachweislich nicht mit Marketing-Geld erkauft worden: “Die Presse” hatte seit 1918 immer negative Bilanzen – bis auf meine letzten vier Jahre. Dieser Hinweis soll übrigens nicht den Verdienst einiger brillanter Geschäftsführer daran schmälern, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, insbesondere Julius Kainz und Peter Umundum.
Bei der Wiener Zeitung ist in meinen knapp viereinhalb Jahren die Zahl der verkauften Exemplare um 8 Prozent gestiegen (die naturgemäß immer viel höhere Leserzahl ist nicht bekannt, weil die Wiener Zeitung nicht an der Mediaanalyse teilnimmt). Inzwischen ist nach allen mir bekannt gewordenen Zahlen ein deutlicher Käufer-Verlust eingetreten, wobei pikanterweise die von Bundeskanzler Faymann in einer Anfragebeantwortung schon Anfang Jänner zugegebene Käuferverlustzahl zehnmal größer ist, als die vom jetzigen Chefredakteur soeben in einem Interview genannte Zahl . . .
Was tun, wenn ein Posting nicht angenommen wird?
Der häufigste Grund, soweit ich in die Geheimnisse der Software hineinrecherchieren konnte, sind
- erstens: Mehr als zwei Links in einem Posting – dann muss das Posting erst freigeschalten werden;
- zweitens: eine Häufung von verbotenen Worten (insbesondere Sex-bezogene Wörter).
- drittens: Ihr Browser muss Cookies zulassen.
Die Postings sind durch die Negativ-Darstellung (weiß auf schwarz) schlecht lesbar.
Mein Vorschlag: Machen Sie doch die gesamte Seite mit Steuerung und + einfach größer in der Darstellung.
Büchertipps?
Gerne, auch wenn Tipps immer subjektiv sind:
Tom Holland: “Millennium – die Geburt Europas aus dem Mittelalter”. Ein jüngerer britischer Historiker erzählt das von ihm ganz offensichtlich sehr geliebte Mittelalter spannend wie einen Krimi; er beherrscht die Fakten brillant, gibt dem Leser faszinierende Hinweise auf Zusammenhänge, Querverbindungen und Entwicklungsstränge.
Dambisa Moyo: “Dead aid”: Leider nur auf Englisch – die authentische wie grundlegende Abrechnung einer schwarzen Ökonomin mit dem geldvernichtenden Unsinn der Entwickungshilfe.
Wolfgang Schüssel: “Offen gelegt”: Das wichtigste politische Buch des Jahres aus Österreich, in dem der Exkanzler die Schlüsselphasen seiner spannenden Regierungszeit skizziert.
Peter Raddatz: “Von Allah zum Terror”. Sehr mutige Auseinandersetzung mit den grundlegenden Fakten über den Islam, die vor allem mit der frommen Selbsttäuschung aufräumt, der Islam wäre bis auf ein paar radikale Außenseiter eine Religion wie jede andere.
Gerhard Jelinek: “Reden, die die Welt veränderten.” Große Reden der Geschichte werden dem Leser weniger im Wortlaut als in der Interpretation nahegebracht.
Hans Werner Scheidl: “Ente zum Frühstück”: Anekdoten aus der Welt der Medien und der Politik – für alle, die es ganz leicht verdaulich haben wollen, in bekömmlichen Fingerfood-Portionen angerichtet.
Theodor Tomandl: “Das Testimonium-Flavianum-Geheiminis”: Der prominente Jurist geht in einer breitangelegten fiktiven Handlung der Frage nach, ob ein jüdisches Dokument das beste, weil authentische Zeugnis für das Wirken von Jesus Christus abgibt.
Sie nehmen relativ selten zu den Kommentaren Stellung?
Ich lese sie alle, nehme etliche Anregungen für neue, teilweise noch gar nicht erschienene Tagebuchblätter daraus, und freue mich – ob Zustimmung oder Kritik – über das meistens extrem hohe Niveau der Teilnehmer, das sich wohltuend von anderen Foren unterscheidet. Ich sehe aber auch eine alte Regel bestätigt: Wer mit seinem vollen Namen einsteht, argumentiert meist viel ernsthafter, und wer Phantasienamen verwendet, wird viel eher aggressiv oder ausfallend. Wobei ich prinzipiell durchaus Verständnis habe: Ich kenne selbst zwei Teilnehmer, die berufliche Probleme hätten, würden sie mit vollem Namen zeichnen.
Was soll ich jetzt als Zeitung lesen?
Keine einfache Frage, da Österreichs Verleger den Markt aus einem doppelten Irrglauben heraus ruiniert haben:
- „Je größer der Stiefel, desto größer der Absatz“ (in Wahrheit sind derzeit aber weltweit sowohl Boulevard- wie auch Provinzzeitungen am stärksten in der Krise);
- „Nur links hat auf dem Markt Zukunft und bringt die lesefaule Jugend zur Zeitung“ (in Wahrheit waren international in den letzten Jahren nur rechts der Mitte positionierte Medien erfolgreich; in Wahrheit zeigen auch Wahlergebnisse, dass die Jugend nicht links ist, sondern mehrheitlich konservativ bis unpolitisch).
Ich selbst lese: Spiegel, Weltwoche und Economist. Bei den heimischen Tageszeitungen bin ich wahrscheinlich zu subjektiv, um öffentlich ein Urteil abzugeben.
Wenn Sie ihr Projekt ausbauen, würden wir gerne mithelfen. Wie geht das?
Kurzfristig ist das einmal aus Kostengründen ein rein familiäres Projekt. Mittelfristig würde ein Ausbau zweifellos Mitarbeiter benötigen. Ich bitte Hilfsbereite gelegentlich um Mails mit einigen Angaben: Ob das auch ein ehrenamtliches oder nur ein entgeltliches Angebot ist und worin die Hilfe genauer bestehen könnte (Büroarbeiten, Newsletter verfassen, interessante Meldungen/Artikel suchen und zusenden, Recherchen, Verfassen von Beiträgen u.a.). Dankbar wäre ich auch für die Hinzufügung eines kleinen Lebenslaufs.
In der „Wiener Zeitung“ schreibt ein Herausgeber, dass Sie das Haus verlassen haben, „um sich neuen publizistischen Aufgaben zuzuwenden“. Was sind die?
Ich war immer dafür, Klartext zu reden, und daher lehne ich solche floskelhaften Beschönigungen der Wahrheit ab: Ich bin – übrigens ohne Angabe von irgendeinem Grund – gefeuert worden, und nicht, um mich irgendwelchen „Aufgaben zuzuwenden“. Übrigens hat jener weisungsgebundene Beamte, der da plötzlich auftritt und Angaben über mich macht, seit dem Austausch von Weihnachtsgrüßen keinerlei Kontakt mit mir gehabt. Laut Gesetz ist der Bundeskanzler Herausgeber, der übrigens ebenfalls keinen Kontakt gesucht hat, bevor er meine Entfernung (bei vollen Bezügen) angeordnet beziehungsweise zugelassen hat.
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Warum haben Sie immer so kritisch über die Caritas geschrieben? Die tut doch viel Gutes.
Zweifellos, sogar sehr viel Gutes. Meine Kritik richtete sich immer gezielt gegen die Caritas-Exponenten Küberl und Landau, die zwar persönlich sehr sympathisch wirken, die aber in ihren öffentlichen Auftritten namens der Kirche aus dieser einen politischen Agitationsverein machen. Sie machen aus dem christlichen Gebot der Nächstenliebe, das sich an jeden richtet, ein ständiges Verlangen an den Staat, den Wohlfahrtsstaat zu Lasten einer nächsten (ohnedies kaum vorhandenen) Generation ständig noch weiter auszubauen. Womit sie Strukturen schaffen, die die Menschen zum parasitären Verhalten geradezu erziehen, dem einzelnen aber jedes Verantwortungsgefühl für konkrete Nächstenliebe nehmen.

