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Bei der Fußballweltmeisterschaft sind Deutschland wie Österreich bereits ausgeschieden. Zugleich stecken beide parallel in schlimmen Wirtschafts- und Staatskrisen. Ebenso haben beide in diesen Tagen intensive Reformgipfel veranstaltet und deren Ergebnisse groß verkündet. Beim Vergleich der beiden Reformversuche haben die Deutschen aber eindeutig ein Tor mehr erzielt.
Die deutschen Reformen scheinen auch ein Stück konkreter zu sein als die österreichischen, die vielfach nur aus Überschriften oder gar – den ursprünglichen Reformintentionen total widersprechenden – neuen Ausgaben bestehen, die niemand tragen will (etwa für die Primärversorgungseinrichtungen oder die Verkleinerung der Kindergartengruppen), oder aus Vorhaben, für die man die Zustimmung einer Oppositionspartei bräuchte, welche die österreichische Koalition aber nicht hat und wohl auch nicht bekommen wird.
Andererseits stecken die Deutschen noch viel tiefer in der Krise als die Österreicher. Auch politisch: Während die deutsche Koalition nur noch von 34 Prozent der Wähler unterstützt wird, so haben die österreichischen Koalitionsparteien mit zusammen 46 Prozent noch eine kleine Chance, auch nach den nächsten Parlamentswahlen eine Mehrheit der Sitze zu haben – freilich steht die österreichische Koalition primär deshalb besser da, weil in Wien drei Parteien in der Regierung sitzen, in Berlin hingegen nur zwei. Schwarz und Rot alleine kämen in Österreich mit 38 Prozent auch kaum besser davon als die deutsche Schwarz-Rot-Koalition.
Jedenfalls sollte man in beiden Ländern abwarten, was überhaupt dann in die Wirklichkeit umgesetzt wird – und vor allem: Wie das geschieht. Ganz Österreich denkt mit Schrecken etwa an das Ergebnis der Babler-Reform, also an die Reduktion der Mehrwertsteuer auf ein paar Lebensmittel und der gleichzeitigen Einführung einer Paketsteuer. Diese Reform ist zwar vielleicht budgetneutral, aber sie führt jedenfalls zu nicht gedeckten bürokratischen Umstellungskosten in der Wirtschaft (insbesondere für Verwaltung, Kassenautomaten und Computerprogramme) sowie zu kranken Absurditäten wie der unterschiedlichen Besteuerung von Weckerln mit und ohne Bestreuung. Und die aktuelle Milderung der Inflation hängt eindeutig mit den Entwicklungen im Golfkrieg zusammen und nicht mit der Babler-Reform.
Aber gehen wir halt wieder einmal voll verzweifelter Hoffnung davon aus, dass diesmal die Dinge nicht ganz so peinlich enden ...
Was aber haben nun die Deutschen – zumindest politisch – beschlossen? Es sind doch eine Menge Punkte, die in der Summe das Land und vor allem seine Wirtschaft ein wenig aus dem Koma aufwecken könnten. Es sind etliche Punkte dabei, die trotz sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung eine kleine Beschneidung einiger Exzesse des Sozialstaates bedeuten. Etwas, was im Babler-Österreich leider nicht möglich ist – wo andererseits der Sozialstaat in der Vergangenheit eine Spur gemäßigter gewesen ist.
Wenn alles zu Gesetzen geworden ist, ist in Deutschland künftig rechtens:
Es gibt allerdings auch einige kontraproduktive Beschlüsse:
In Summe ist da viel dabei, was auch für Österreich gut wäre. Es wäre daher dringlich, nach dem weitgehenden Scheitern der großen Staatsreform mit den Bundesländern nun einen koalitionsinternen Anlauf zu machen, bei dem die deutschen Punkte einer nach dem anderen abgearbeitet werden. Jeder einzelne Punkt sollte hierzulande ernsthaft geprüft und umgesetzt werden, sofern er in Österreich nicht ohnedies schon Realität ist, und sofern er nicht am Njet der beiden Oppositionsparteien scheitert.
Denn eines muss klar sein: Österreich hat gegenüber Deutschland schon durch die Größe und durch den globalen Imagevorteil der deutschen Wirtschaft gewisse Nachteile. Diese Nachteile hat die Alpenrepublik in der Vergangenheit durch ihre etwas größere soziale Flexibilität halbwegs austarieren können. Es wäre fatal, wenn nun auch dieser Vorteil jetzt auf die Seite der Deutschen wechseln sollte. Noch dazu, wo die durchschnittliche Lebenserwartung die Österreicher auf ein Leben – und damit aber auch ein Pensionskassieren – hoffen lässt, dass mehr als ein Jahr länger dauert als das der Deutschen.
Um noch einmal in die derzeit dominierende Fußballwelt zurückzukehren: Dort hat Österreich bei einem Spiel in der allerletzten Sekunde durch einen Austauschspieler noch ein sehr wichtiges Ausgleichstor erzielen können. Diese Chance hat die Alpenrepublik auch im entscheidenden wirtschaftlichen Wettbewerb noch, nachdem sie davor viele Chancen ausgelassen hat. Aber die Uhr läuft bald aus. Und der Reformwille ist bei einem Babler noch viel geringer als bei einem Klingsbeil.
Braucht es auch da einen Austauschspieler?