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Neid statt Wohlstand

Gewiss, die Umfrage ist vom IHS veröffentlicht worden, einem Institut, das nicht gerade berühmt für Meinungsumfragen ist. Dennoch dürfte das Ergebnis in der Tendenz nicht ganz unrichtig sein: 89 Prozent der Österreicher halten die Vermögensverteilung für zu groß. Und 87 Prozent sind für eine Vermögenssteuer für die reichsten zehn Prozent. Das sollte ein Weckruf für alle sein, die um die wirklichen wirtschaftlichen wie demokratischen Zusammenhänge wissen.

Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Stimmung irgendwann auch zu einer politischen Mehrheit wird, selbst wenn die Forderung nach einer Vermögens- und Erbschaftssteuer derzeit nur von Parteien vertreten wird, die zusammen nicht einmal ein Wählerdrittel hinter sich haben.

Aber: "Steter Tropfen höhlt den Stein". Es ist zu verlockend, neue Steuern einzuführen, die eh nur zehn Prozent, eh nur die "Superreichen" treffen, um sich das mühsame ständige Sparenmüssen zu ersparen. Immerhin trifft ja jedes wirklich wirksame Sparen – egal ob auf der Einnahmenseite oder der Ausgabenseite – am Ende irgendeine mehr oder weniger lautstarke Gruppe. Das bloße "Sparen im System" gibt es eher nur in der Politikerrhetorik.

Damit ist freilich unser Wohlstand im Kern bedroht. Nur wissen das halt immer weniger, weil die großen Medien des Landes – und noch weniger der Schulunterricht – nie die Zusammenhänge, also das Faktum vermitteln: Es kann keinen "Kapitalismus" mit all seinen segensreichen Wohlstandsfolgen geben, wenn es kein Kapital gäbe. Und es gibt kein Kapital im Lande, wenn man die Menschen dafür bestraft, eines zu haben. Dann ist das Kapital, dann sind die Reichen schneller im Ausland, als man hinschauen kann.

Ein spannendes Exempel sind etwa die USA, wo ja für jeden Bundesstaat der bundes- und außenpolitische Rahmen gleich ist. Trotzdem gibt es dort einen massiven Exodus von Unternehmen und "Reichen" weg aus Kalifornien und New York Richtung Texas und Florida, nur weil sich die Steuern dramatisch unterscheiden. Dabei sind Kalifornien und New York in Sachen Kultur, Universitäten und zum Teil auch Klima viel interessanter als die neuen Ziele.

Der gleiche Trend lässt sich auch anderswo beobachten: Von Irland bis Argentinien, von Schweden bis Griechenland haben Staaten, die in schweren Krisen waren, den Wiederaufschwung zu neuem Wohlstand nur dadurch geschafft, dass sie wieder attraktiv für Kapital und Kapitalisten geworden sind. Bei uns aber regiert derzeit der Neid statt des Erkennens solcher Kausalitäten.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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