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Wenn der Kuss zum Judaskuss wird

Seltsame Welt des Geldes: In der Theorie achten die Zentralbanken streng und mit Unterstützung der Strafgesetze darauf, dass niemand ihre Monopolstellung bricht, dass niemand Geld fälscht. Seit rund 15 Jahren müssen sie jedoch hilflos der Entwicklung von globalen Kryptowährungen wie der Bitcoins im globalen Internet-Nirwana zusehen. Und jetzt beginnen auch staatliche(!) Museen mit der Ausgabe von etwas, was einer Währung zumindest verdammt ähnlich schaut.

Im Grunde sind die von ihnen neuerdings ausgegebenen "Non fungible Tokens" (NFT) nämlich nichts anderes als elektronisches Geld. Es gibt keinen anderen echten Zweck dieser immateriellen Dinge, die digitale, angeblich nicht austauschbare, angeblich nicht fälschbare Miniteile bekannter Gemälde sind. Nur sind sie den Währungsmonopolisten bisher nicht richtig aufgefallen, weil die neue Ersatzwährung nicht aus der Welt des Geldes kommt, sondern aus jener der Kunst. Aber auch Euro-Banknoten sind aufwendig gestaltet. Dennoch hat sie niemand als Kunstwerk in der Brieftasche, sondern nur als Tauschobjekt und als vermeintliche Wertsicherung.

Zwar ist Klimts "Kuss" künstlerisch wertvoller als die Brückengrafiken auf Euro-Noten. Aber in Wahrheit hat es ebensowenig mit Kunst zu tun, wenn der "Kuss" jetzt vom Belvedere in kleine digitale Stückchen zerschnitten und verkauft wird. Denn wenn ich das Bild sehen will, muss ich weiterhin ins Museum gehen.

Die NFT sind also ein guter Schmäh der immer in Geldnot befindlichen Kulturinstitutionen. Dennoch ist keineswegs auszuschließen, dass die NFT nicht nur eine Spende an Museen sind, sondern durchaus als Wertaufbewahrung dienen können. Man denke etwa an die Briefmarken. Manche davon haben für Sammler ein Tausendfaches jenes Wertes erreicht, den sie ursprünglich als Honorar für den Transport eines Briefes hatten. Wichtig war für diese Wertsteigerung nur zweierlei: erstens, die Seltenheit einer Marke; zweitens, die Popularität des Markensammelns.

Beides ist für die Marken Vergangenheit. Beides kann auch ganz leicht den NFT passieren, beginnen doch schon mehrere Museen mit ihrer Ausgabe.

Marken wie NFT können daher noch viel schneller ihren Wert verlieren als Euro-Banknoten. So schnell diese auch derzeit von der EZB inflationiert werden, damit sich die Staaten der EU – insbesondere jene mit hohen Schulden – auf Kosten der Sparer über Wasser halten können.

Auch der "Kuss" kann zum Judaskuss werden.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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