Man muss sich dieses geistige Biotop wie ein Narrenhaus vorstellen, sorgsam gezimmert aus Albernheiten, Binnen-I und moralischer Selbstüberhöhung von Neurotikern. Wer eintritt, verliert rasch die Orientierung – nicht, weil die Räume so komplex wären, sondern weil jede klare Linie als obszön gilt.
Sprache wird hier nicht mehr verwendet, sondern überwacht. Aus dem schlichten "Studenten" wird "Student hick innen" oder ein akrobatisches "Studierende", das klingt, als hätte man beim Sprechen auf halber Strecke ein bisschen den Verstand verloren. Man spricht nicht mehr, man absolviert eine linguistische Gehorsamsprüfung: jede Bemerkung ein semantisches Minenfeld, jeder Satz ein Balanceakt zwischen Gesinnung und Grammatik. Sprachverbote und -gebote sind ein untrügliches Zeichen totalitärer Systeme.
Die dereinst als notwendige Korrektur realer Missstände gestartete #MeToo-Bewegung ist in diesem Milieu zur Dauererregung mutiert. Aus konkreten Fällen wurden Dogmen. Verdacht ersetzt Beweis, Empörung die Abwägung. Es genügt nicht mehr, Unrecht zu benennen – man muss es maximal aufladen, bis jede Nuance nivelliert worden ist. Das Ergebnis ist eine Kultur, in der nicht mehr zwischen Fehlverhalten und Verbrechen unterschieden wird, sondern nur noch zwischen Schuld und noch mehr Schuld.
Besonders bizarr wird es dort, wo sich Wirklichkeit und digitale Projektion überkreuzen. "Virtuelle Übergriffe" werden mit einem Ernst behandelt, der realen Opfern keinen Raum überlässt. Man operiert mit Begriffen, als ließe sich jede Grenzüberschreitung pixelgenau skalieren. Das Tragische wird relativiert, indem man es inflationiert. Am Ende steht ein moralischer Einheitsbrei, der alles gleich schlimm findet und damit überhaupt nicht mehr ernst genommen werden kann.
Im pädagogischen Bereich nimmt das Ganze Züge einer experimentellen Versuchsanordnung völlig durchgedrehter Psychomanipulanten an. Der Kindergarten wird zur Bühne identitärer Selbstfindung buntgekleideter Sexualclowns, lange bevor beim Kind ein stabiles Selbst überhaupt existiert. Erwachsene projizieren ihre sexuell fragwürdigen Theorien auf Kinder, als wären diese formbare Rohstoffe für gesellschaftliche Utopien. Orientierung wird dabei nicht gegeben, sondern aufgelöst. Was früher Entwicklung hieß, wird heute zum Sexkino für Minderjährige degradiert.
Parallel dazu blüht eine eigentümliche Zahlenmystik: Dutzende, teils Hunderte Geschlechtskategorien, fein säuberlich benannt, katalogisiert und doch flüchtig und sinnbefreit. Wer diesen Gesslerhüten nicht die gebotene Referenz erweist, wird sozial ausgegrenzt oder neudeutsch: gecancelt. Die Biologie, einst solide Grundlage, wird zur bloßen Erzählung herabgestuft – ein Relikt aus der Zeit, als Fakten noch zählten. Man ersetzt sie durch ein System subjektiver Zuschreibungen für die Alphabetmenschen, das zwar maximale Individualität verspricht, aber vor allem maximale Verwirrung stiftet. Wenn jeder alles sein kann, verliert auch das Anderssein seine Bedeutung.
Am heikelsten wird es dort, wo diese Ideologie in irreversible Entscheidungen mündet. Die Debatte über medizinische Eingriffe bei Minderjährigen wird mit einer Leichtigkeit geführt, die entsetzt. Vorsicht gilt als Verdacht, Einspruch als Feindseligkeit. Wer bremst, steht moralisch bereits im Abseits. Dabei geht es um Eingriffe mit langfristigen Folgen – körperlich wie psychisch. Doch im Eifer der richtigen Haltung wird das Risiko klein- und die angebliche Körperempfindung großgeredet.
Der Ausblick ist ernüchternd. Eine Gesellschaft, die ihre Sprache verkrampft, die Wirklichkeit relativiert und Kinder zu Spielbällen von Perversen macht, sägt an den eigenen Grundpfeilern. Sie verliert die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig, real und konstruiert, Schutz und Übergriff. Was als Fortschritt verkauft wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als intellektuelle Selbstverwirrung. Und so irrt man weiter durch ein sexuell aufgeladenes Labyrinth, immer tiefer hinein, überzeugt, den Ausgang schon gefunden zu haben, während draußen die Wirklichkeit wartet, vollkommen unbeeindruckt von Gendersternchen und Pride-Paraden.
Silvio Pötschner ist HNO-Facharzt und Gerichtssachverständiger.








