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Die wichtigste Zukunftsinvestition wird ignoriert

Menschen der Wirtschaft denken leider oft sehr kurzfristig. Politische Entscheidungsträger erst recht. Die aktuelle Entwicklung von Inflation, Budgetdefizit, Wirtschaftswachstum, Jahresbilanz, Quartalsergebnissen, ja oft auch die Frage, ob genug Geld für die Gehälter am Firmenkonto ist, stehen da meist im Zentrum. So wichtig das alles ist, so katastrophal ist, dass dabei viel Wichtigeres ignoriert wird.

Vergessen wird der weitaus wichtigste Stoff, aus dem die Zukunft einer Nation, eines Unternehmens, einer Branche entsteht: Das sind die Menschen, das ist die nächste Generation, das ist das sogenannte Humankapital.

So sind alle Wirtschaftsvertreter zwar zu Recht wegen der im Vergleich zur Auslandskonkurrenz hohen Lohnnebenkosten besorgt. Aber viel weniger besorgt sind sie um die beklemmende Entwicklung der Demographie, um den immer dünner werdenden Nachwuchs der Zukunft. Ja, viele sind sogar dafür, für eine Reduktion dieser Lohnnebenkosten auch Familienleistungen zu kürzen – also Leistungen, die zur Motivation jener gedacht sind, welche die Arbeitskräfte, die Unternehmer, die Wissenschaftler der Zukunft großziehen. Es wird sogar wachsender Druck auf Frauen ausgeübt, doch lieber voll in den Arbeitsprozess einzurücken, statt sich dafür zu entscheiden, mit Freude und in größerer Zahl den für die Zukunft so wichtigen Nachwuchs heranzuziehen.

Jene Unternehmer, die wirklich an diese Zukunft denken, müssten sich auch vehement wehren gegen eine Bildungspolitik, die sich schon wieder in Gleichmacherei versucht, die schon wieder die Gesamtschule propagiert. Nach dem Motto: Wenn man diese mit acht Jahren Dauer nicht durchgebracht hat, so versucht man es halt mit sechs Jahren.

Dabei brauchte Österreich auf vielen Gebieten für die Zukunft nicht eine Nivellierung nach unten, sondern eine noch besser ausgebildete Elite. Eine Elite für alle Bereiche, für Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, ja und auch Politik. Je länger man aber alle Kinder ins Prokrustesbett der Gleichmacherei zwängt, je mehr man die heimischen Kinder dazu missbrauchen will, als Sprachlehrer für Zuwanderer-Kinder aus kulturfernen Nationen dienen zu müssen (weil man es nicht wagt, mehr Druck auf deren Eltern auszuüben, damit sie sich selbst um eine echte Assimilation ihrer Kinder kümmern), umso weniger gibt man den wirklichen Talenten eine gute Chance. Dabei sollten wir alle längst wissen, dass die ganze Nation vor allem davon abhängt, ob wir genug Genies, tolle Erfinder und Unternehmer haben werden.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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