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Den ORF kann nur noch eine Neugründung retten

Wissen Sie, wann Sie das letzte Mal die »Zeit im Bild 2«, dieses Flaggschiff österreichischer Nachrichtensendungen, gesehen haben? Ich auch nicht. Lineares Fernsehen ist tot. Es ist einen langsamen und im Grunde recht wenig beachteten Tod gestorben. Einzelne Widerstände dagegen, etwa durch mich, der ich mich lange gegen »Streamen« gewehrt habe (und zuvor noch länger gegen alle Art privaten Bezahlfernsehens), haben spätestens mit Beginn unseres jungen Jahrtausends jede Kraft verloren.

Die totale Umwälzung unserer Medienlandschaft ist zwar noch nicht abgeschlossen, meine Mama wird der täglichen Steiermark-Heute-Sendung weiterhin treu bleiben, das Gros des Publikums ist aber schon weitergezogen. Zu Netflix, Amazon-Prime und wie sie alle heißen. Als Sparefroh-Familie haben wir selbstredend nur einen und da den günstigsten Netflix-Zugang, den dafür seit guten vier, eher fünf Jahren. Und vom Prime-Konto, das es neuerdings familiär auch gibt, darf ich Ihnen hier nichts erzählen; unsere Kinder wissen zur Stunde nichts davon (oder sie verbergen ihr Wissen zumindest gekonnt vor ihren Eltern.) 

Natürlich betrifft diese Umwälzung auch den Printmedienbereich. Mein Patensohn, geboren im Jahr 2000, kennt als mittlerweile Student den Begriff eines »Tageszeitungs-Abonnements« nur mehr als Theorie. Er lebt in einer Welt, in der gedruckte Tageszeitungen einen ähnlichen Anachronismus darstellen, wie die früheren Kohorten an Kohleschauflern auf Dampflokomotiven oder -schiffen für mich. Dabei erfüllt mich mit Traurigkeit die Gewissheit, dass meine regionale Lieblingstageszeitung, wenn sie denn ihr letztes Tafelsilber verkauft haben wird und ihren letzten guten Redakteur mit einem goldenen Handschlag verabschiedet hat, auch aufhören wird, zu existieren. Weil mein Patenkind und seine Altersgenossen als regelmäßige Kunden einfach nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Von den Nachgeborenen ganz zu schweigen.

Man könnte da was machen, aber ich wollte mich hier auf den Rundfunk konzentrieren. Und der öffentlich-rechtliche hierzulande, der ORF, der ist ja derzeit täglich in den Schlagzeilen vertreten. Aber nicht, weil er endlich damit beginnen will, seine Sender – ob Fernsehen (dringend) oder Radio – in das neue Medienzeitalter zu transformieren. Oder endlich seinem Bildungsauftrag nachkommen möchte. Nein, es geht um Genitalfotos, Beziehungsgeflechte und – vielleicht – strafwürdiges Verhalten einzelner Mitarbeiter. (Was mir sehr egal ist und zunehmend als Belästigung erscheint.)

Anstatt, dass es um das beginnend mit der Ära Zeiler kontinuierlich schlechter und schlimmer gewordene Programm geht, das sich diese Anstalt Tag für Tag auszustrahlen traut. Der ORF, einst durchaus als Avantgarde europäischer und damit weltweiter öffentlich-rechtlicher Sender zu bezeichnen, ist zu einem »Bilderlradio« und einer Abspielmaschine von noch immer vor allem US-amerikanischer seichter Unterhaltung verkommen. Dass dabei die gesamten Nachrichtenformate unter einer linkslinken Schlagseite segeln, ist mir im Übrigen gar nicht erster Anlass für meine Kritik an meiner mir im Grunde – diese Erinnerung lass ich gerne in mir weiterleben – so lieben heimischen Sendeanstalt.

Wirklich täglich konsumiere ich nur mehr die drei Morgenjournale auf Ö1, die sind, da gibt es gar nichts, noch immer hervorragend gemacht. Die erfüllen plusminus alle Informationsanforderungen. Und wenn da eben zwischendurch die deutlich kommunistische Mehrheit der »Mitarbeitenden« in der einen Nachfrage oder der anderen Zusammenfassung dezent aufblitzt, dann höre ich da großmütig darüber hinweg. Die Kollegen dort verrichten einen ausgezeichneten Job. Für ihre irrigen privaten Ansichten möchte und kann ich sie als Demokrat in keiner Weise verurteilen.

Was ich verurteile, sind beispielsweise die technischen Unzulänglichkeiten dieses mit einer runden Milliarde (!) finanzierten Unternehmens. (Kein anderer Sender macht mit seiner Verschlüsselung so viele Probleme, wie der ORF auf allen unseren Fernsehern.) Oder die mangelnde Kreativität im ORF-Streamingangebot. (Wieso ist die Bedienung der ORF-Internetdienste nicht ähnlich professionell aufgebaut wie Youtube oder eben Netflix? Warum gibt es nicht alle hauseigenen Produktionen gesammelt aufzurufen?) Und letztlich verurteile ich natürlich auch die zu wenig demokratisch ausgewogene Ausrichtung dieses Senders in seiner Berichterstattung.

Wir brauchen einen öffentlich-rechtlichen Sender, aber der ORF in seiner heutigen Form hat jede Berechtigung verloren, von allen Bürgern dieses Landes verpflichtend subventioniert zu werden. Dieser ORF gehört zerschlagen und neu aufgestellt. 

 

Christian Klepej ist Unternehmer und gibt in Graz das Monatsmagazin Fazit heraus. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Hirschegg-Pack und Graz.

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