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Wie erwartet ist APA-Geschäftsführer Clemens Pig der neue ORF-Generaldirektor. Und wie in diesem Tagebuch schon einmal klar geschrieben, hat er keine Chance, den ORF noch einmal zu dem anerkannten und von der ganzen Bevölkerung geschätzten Leitmedium zu machen, das er unter Gerd Bacher wirklich und unter Teddy Podgorski weitgehend gewesen ist. Diese Chancenlosigkeit beruht weniger auf Geldmangel, weniger auf der inzwischen erstandenen Konkurrenz anderer inzwischen entstandener Fernseh- und Radioanstalten, sondern auf drei ganz anderen Gründen.
Der erste dieser Gründe liegt in seiner Person. Pig ist kein Journalist – er ist aber jetzt der oberste und weisungsberechtigte Chef des größten österreichischen Medienhauses, der größten Journalisten-Agglomeration des Landes. Journalismus lernt man aber nicht an der Spitze der Hierarchie (und schon gar nicht an einer Universität), sondern wie ein Handwerk nur, indem man von unten anfängt. Journalisten kann man aber nur führen, wenn man ihr Handwerk beherrscht (Erfolgreiche Theaterdirektoren sind immer Regisseure oder Schauspieler).
Pig ist nicht nur Geschäftsführer wie bei der APA, sondern auch oberster Chefredakteur, der jetzt einen im Gleichschritt nach links marschierten Redakteurshaufen wieder zur Linie der Ausgewogenheit, der Objektivität und der Erreichung aller Lager bewegen müsste. Dies umso mehr, als die Bevölkerung, wie sämtliche Wahlergebnisse und Umfragen zeigen, heute in ihrer Mehrheit deutlich rechter steht als in den Zeiten Bachers.
Zum ORF sollten eben auch konservative, christlich orientierte, heimatbewusste, wirtschaftsliberale, migrations-, feminismus- und islamkritische Österreicher wieder Vertrauen fassen können. Denn das haben sie im breiten Umfang verloren. Das werden sie aber angesichts der schwer ideologischen Einstellung der meisten Redakteure keinesfalls können.
Das sind nur ein paar der wichtigsten von den ORF-Redaktionen praktisch geschlossen boykottierten Themen und Persönlichkeiten. Bei Pig scheint klar zu sein, dass er nicht einmal versuchen wird, einen dieser Punkte umzusetzen. Hat er doch in der APA völlig tatenlos zugesehen, als die dort früher über um objektive Korrektheit bemühte Redaktion völlig in den linken Mainstream abgeschwommen ist.
Der zweite Grund, warum Pig scheitern muss – warum auch jeder andere Kandidat vielleicht mit Ausnahme von Johannes Larcher gescheitert wäre –, hängt eng mit dem ersten zusammen: Die ORF-Redaktionen haben dem schwachen bisherigen Generaldirektor ein unglaubliches Redaktionsstatut abgetrotzt (auch wenn sein Hinauswurf ein himmelschreiender Skandal gewesen ist, ist eben doch festzuhalten, dass Roland Weißmann bei allen Fragen, die über Geld hinausgingen, furchtbar überfordert gewesen ist).
Jenes Statut gibt den redaktionellen Politkommissaren so viele Rechte, dass sie de facto jeden Vorgesetzten abberufen können, wen auch immer Pig künftig in die mittleren Führungspositionen berufen sollte. Die Basis und die Räte dürfen jedenfalls ganz legal und ungestraft ein dauerhaftes Kesseltreiben gegen jeden Vorgesetzten inszenieren, sodass kein Vorgesetzter es wagen wird, gegen die Redakteure auch nur einen einzigen der oben genannten Punkte durchzusetzen (sollte ihn Pig überhaupt damit beauftragen). Aber auch schon vor dem Statut war gegen die militanten Typen in der Redaktion praktisch nichts mehr zu erreichen. Der letzte, der das eine Zeitlang versucht hat, war der Chefredakteur Werner Mück – bis er vor rund zwanzig Jahren genau deswegen abgeschossen worden ist.
Der dritte Grund des Scheiterns: Pig hat als erste inhaltliche Festlegung über sein Team ausgerechnet die Geschlechterparität angekündigt. Er will also nicht die Besten suchen, sondern krampfhaft jeweils eine Frau und einen Mann bestellen, was die Chancen auf eine Wiedererringung des Publikums-Vertrauens noch weiter reduziert.
Und der vierte Grund, warum Pig scheitern muss: Er wird finanziell Tag und Nacht wegen des soeben beschlossenen Wegfalls von 93 Millionen aus dem Staatsbudget so unter Druck stehen, dass er vor lauter Sparen, Sparen, Sparen überhaupt keine Zeit mehr finden wird, sich um seine eigentliche Aufgabe zu kümmern, selbst wenn er das wollte und könnte. Diese Aufgabe wäre in einem Satz: Der ORF-Chef soll erstens ständig das gesamte Programm überdenken (wozu müssen wir beispielsweise für den wenig gesehenen Boulevardsender ORF1 oder für die Übertragung von Formel-1-Rennen Zwangsbeiträge zahlen?); und er soll zweitens die journalistischen Programmteile etwa durch Realisierung der kurz aufgezählten zehn Punkte wieder zu dem machen, was sie laut Gesetz sein sollten.
Wäre der Job nicht sehr gut honoriert, müsste einem dieser Clemens Pig wirklich leid tun. Hat er doch keine andere Chance als zu scheitern, als zusehen zu müssen, wie der ORF weiter an Seher- und Hörer-Quoten verliert, wie er weiter an Vertrauen verliert.