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Staaten als Pyramidenspieler

Viele Jahrhunderte lang haben die Menschen nach dem Perpetuum Mobile gesucht, also einer Konstruktion, die sich ganz von selbst ständig regeneriert und zugleich etwas leistet. Jetzt ist es endlich gefunden worden: nämlich in der Welt der europäischen Staatenfinanzierung. Man kann nur hoffen, dass diese epochale, alle mittelalterlichen Alchimisten und jahrelang forschenden Techniker in den Schatten stellende Erfindung möglichst rasch auch gebührend mit Nobel- und anderen Preisen ausgezeichnet wird.

Nämlich bevor es sich als gewaltiges Betrugsschema entpuppt.

An sich klingt es ja toll, was da etwa – auch – die Republik Österreich vermag: Sie nimmt zehnjährige Anleihen auf und bekommt dafür mehr Geld, als sie in Zukunft einmal zurückzahlen muss. Mit dieser Methode könnte man die Republik ohne irgendeine Anstrengung oder Steuern in ein geldvermehrendes Wunderding verwandeln. Man erfüllt immer mehr Wünsche und finanziert alles mit Krediten, die man bei Fälligkeit nur noch mit kleineren Krediten refinanzieren muss. Und so weiter. Bis man am Schluss gar nichts mehr schuldig ist …

Im Grund ist das nichts anderes als ein Pyramidenspiel, wo ja – angeblich – jeder nachher mehr herausbekommt, als er anfangs einbezahlt hat. Organisieren das freilich Private, dann kommt der Strafrichter, bei Staaten nicht. Da kann nur die Geschichte strafen.

Warum tun die Geldhergeber da überhaupt mit, also jene, die man früher Anleger oder Investoren genannt hat, die heute immer öfter nur Banken sind? Der Grund ist klar: Bargeld in einen komplizierten Safe zu verschließen, käme teurer und bleibt dennoch riskant (abgesehen davon, dass es physisch viel zu wenig echte Banknoten gibt). Da erscheint es billiger und einfacher, das Geld beim Staat zu hinterlegen, und dafür halt weniger zurückzubekommen.

Nur gehen sie dabei von zwei Annahmen aus, die durchaus fragwürdig sind: Erstens, dass Staaten absolut und dauerhaft sicher sind – was das Geschichtsbuch nicht gerade beweist. Und zweitens, dass es zehn Jahre lang keine Inflation geben wird – was eine noch kühnere Annahme ist.

Daher flüchten viele mit ihrem Geld – von dem "dank" EZB ja ständig riesige Mengen mehr in Umlauf kommt - eben in andere Anlagen: in Immobilien und Aktien. Dort sind sie wenigstens vor Inflation ziemlich sicher. Vor den anderen Risken freilich oft noch weniger als beim Staat …

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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