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Vom traurigen Zustand der Ökonomie

Das „Institut für Höhere Studien“ hat ein schönes neues Quartier –treibt aber seit längerem geistig führungslos herum. Das ist katastrophal, da sich Österreichs Wirtschaft im schlechtesten Zustand seit dem Krieg befindet.

Das ist auch deshalb schlimm, weil dieses IHS früher unter den Herrn Felderer und Keuschnigg der letzte relevante Hort war, an dem noch klar die Prinzipien der Marktwirtschaft vertreten wurden. Es war oft der einzige öffentliche Kritiker der exzedierenden Staatsquoten und Schulden wie auch der jede Initiative abwürgenden Überregulierungen. Diese Kritik ist praktisch verstummt.

Das ist keineswegs Zufall oder bloß Folge eines personellen Interregnums. Vielmehr waren die mutigen Stellungnahmen aus dem IHS für Gewerkschaft und Arbeiterkammer zu unangenehm. Sie haben daher durchgesetzt, dass ein ihnen nahestehender Ex-Beamter Interimsdirektor und der „ökosoziale“ EU- und Agrarlobbyist Fischler Chef des Kuratoriums wurden, das den nächsten IHS-Chef zu bestellen hat. Beides aber sind eindeutig Menschen, die immer ganz weit weg von jedem marktwirtschaftlichen und liberalen Denken gewesen sind.

Das Allerschlimmste aber ließ man jetzt ganz versteckt durchsickern: „Es wird nicht mehr ausdrücklich ein Ökonom gesucht.“ Damit breitet man offensichtlich den Weg für neomarxistische Politologen oder Soziologen vor. Damit würde das IHS endgültig seine Existenzberechtigung verlieren.

Damit wird auch eines der Defizite Österreichs endgültig schlagend: Es gibt kein großes und unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut wie anderswo. Das als solches bezeichnete Wifo hat zwar eine stolze Vergangenheit, schwimmt aber heute weitgehend auf Arbeiterkammerlinie. Bezeichnend war etwa vor kurzem eine Wifo-„Expertin“, die allen Ernstes höhere Umwelt- und Grundsteuern sowie eine neue Erbschaftssteuer verlangte. Und niemand mehr aus dem IHS trat ihr entgegen.

Einige kleinere Institute mit Nähe zur Industriellenvereinigung kämpfen zwar tapfer gegen den Linkskurs des Wifo. Sie sind aber erstens in bestimmten Fragen auch nicht unabhängig. Und sie haben zweitens in keiner Weise die notwendige Größenordnung.

Letztlich werden alle Institute von der Politik und/oder von  Interessenvertretungen finanziert. Sie sind damit abhängig und beeinflussbar.

Die eigentlich völlig freien Universitäten lassen seit längerem in der Ökonomie völlig aus. Es gibt hierzulande aber auch keine unabhängigen Stiftungen, die sich um die Ökonomie kümmern würden. Wenn Wohltäter und Stifter in Österreich etwas tun, dann tun sie das vielmehr immer im Kulturbereich, etwa zugunsten der großen Konzerthäuser oder der Secession. Aber nie zugunsten einer unabhängigen Wirtschaftsforschung, die zu unbeeinflussbaren Positionen und Stellungnahmen im Interesse von Land und Menschen (und eben nicht denen von Parteien und Kammern) führen würde. Was zweifellos zumindest ebenso wichtig wäre wie die Kultur.

Ich schreibe in jeder Nummer der Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung „Börsen-Kurier“ die Kolumne „Unterbergers Wochenschau“.

 

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