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Die Psychologie der EZB-Menschen drucken

Lesezeit: 2:30

Nie werden sie es offen zugeben, aber insgeheim wünschen sich die Machthaber in der Europäischen Zentralbank wohl: "Hoffentlich geht die Hochkonjunktur-Phase bald zu Ende – dann werden wir wieder von den Zurufen verschont, die Zinsen anzuheben."

Es wird nämlich derzeit immer schwieriger für Signore Draghi & Co, ihre Politik zu rechtfertigen. Sie finden kaum noch einen ökonomischen Indikator, mit dem sie zumindest verbal verteidigen könnten, dass sie ständig weiter Geld drucken.

Warum tun sie es dann? Warum handeln sie gegen den Ratschlag fast aller unabhängigen Ökonomen? Die erste sich aufdrängende Erklärung sieht die Ursache dieses Verhaltens in geistiger Inflexibilität: Wer einmal falsch abgebogen ist, der will seinen Fehler nur ungern zuzugeben, der verteidigt lieber den falschen Weg möglichst lange als richtig.

Aber so simpel geht es bei der EZB nicht zu. Relevanter sind vielmehr zwei andere Erklärungen für ihr Verhalten.

Die erste: Sobald die Zinsen im Euro-Raum anziehen, würden etliche Blasen platzen und massive Pleitenwellen losbrechen. Zwar kann niemand seriös sagen, wie hoch die sein werden. Manche Ökonomen meinen, dass sogar zehn Prozent der existierenden Unternehmen eigentlich todgeweihte Zombies sind. Die Möglichkeit, sich fast gratis refinanzieren zu können, ermöglicht jedenfalls auch vielen kranken Unternehmen seit Jahren ein Weiterleben.

Auch wenn man spätestens seit Schumpeter weiß, wie notwendig eigentlich das ständige Sterben kranker Unternehmen ist, scheut man sich als Verantwortlicher natürlich psychologisch davor, den Knopf zu drücken, der die Zombies wirklich sterben ließe. Das Teuflische ist freilich: Je länger man das hinauszögert, umso mehr solcher am Leben gehaltener Toter gibt es, umso schlimmer wird dann deren Massenexodus sein. Das hat man ja im Kommunismus schon genau beobachten können.

Der zweite Grund: Auch wenn die EZB rechtlich unabhängig ist, so ist doch jeder einzelne dort sitzende Präsident, Gouverneur, Direktor usw. auch Bürger seines Heimatlandes. Wer das ignoriert und den Beteuerungen glaubt, dass jeder dieser Machtträger rein dem europäischen Gedanken und den Verträgen verpflichtet wäre, der lebt auf dem Mond und hat keine Ahnung vom menschlichen Denken.

Jeder in der EZB sitzende Exponent eines besonders stark von Schulden geplagten Landes weiß: Wenn die Zinsen anziehen, dann stürzt mein Land ebenso in die offene Krise wie vor einigen Jahren Griechenland. Und wenn man aus Italien kommt, weiß man das ganz besonders gut.

Denn die meisten Euro-Regierungen haben nicht das getan, was die einzige Rechtfertigung dieser Nullzinspolitik wäre: mit deren vorübergehender Hilfe rasch zu sanieren und Schulden abzubauen. Hätten sie das getan, hätten sie heute so wie Deutschland einen Budgetüberschuss. Da aber beim Sanieren immer die Protestrufer am lautesten sind (und angeblich Wahlen beeinflussen können), lebt man lieber mit EZB-Hilfe weiter auf Kosten der Sparer und der Zukunft.

Ich schreibe in jeder Nummer der Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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  1. Ausgezeichneter Kommentatordssm
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    09. April 2018 11:30

    Wenn wir schon beim Thema EZB sind, dann sollten wir das Wesentliche behandeln, nämlich die geplante europäische Einlagensicherung. Seltsam, aber dieser wohl größte Umbau der EU wird hinter eine Nebelwand aus Zins- und Wertpapierkaufdiskussionen versteckt.

    Wenn es unseren Politikern gelingt dieses Folterwerkzeug durchzudrücken, dann gibt es keinen Austritt aus der EU mehr, ein Brexit ist dann unmöglich. Denn die Alternative wäre ein Bankenchrash wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat.

    Mich wundert es immer wieder wie die wesentlichen Themen, welche eine breite demokratische Diskussion erfordern würden, totgeschwiegen werden.

  2. Ausgezeichneter KommentatorW. Mandl
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    09. April 2018 08:22

    Wenn es stimmt, dass der Nachfolger von Draghi der Deutsche Weidmann wird, der dem derzeitigen Gelddrucken skeptisch gegenüber steht, so vermute ich, dass Draghi seine Amtszeit aussitzen wird und die harte und unpopuläre - aber völlig richtige - Maßnahme der Zinserhöhung elegant seinem Nachfolger überlassen wird.

  3. Ausgezeichneter KommentatorJosef Maierhofer
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    09. April 2018 07:20

    Wenigstens in Österreich wird von der Regierung versucht, zumindest ein Nulldefizit zu erreichen und auch Überschüsse zum Tilgen der Staatsschulden.

    Ich meine die Politik des Herrn Draghi ist gewissenlos, wenn er sie so weiterführt.

    Zum 'Zombiesterben' möchte ich nur anmerken, dass bei diesen Firmen selbst ohnehin wegen der starken Förderungsverflechtung mit den meist staatlichen Förderstellen ein hoher Prozentsatz von 'Arbeitszombies' arbeitet, meist fern von Arbeit und Realität, ähnlich dem Konsum vor der der Pleite, oder Semperit, oder AUA, etc., also der zusätzlich Schaden bloß noch in der 'Zuwanderung ins Sozialsystem' besteht, wo bereits die ausländischen 'Kriegsheere gegen uns' geparkt sind und die Messer wetzen, welche dann durch den Wegfall der Förderkosten wieder irgendwie ausgleichbar sein könnten (müssen). Wegen einiger arbeitsloser Betriebsräte würde ich mir keine grauen Haare wachsen lassen.

    Nachdem ich heuer wieder nach Griechenland fahre, um dort Freunde zu besuchen, werde ich die dortigen Auswirkungen der dortigen (aufgeweichten und abgebogenen) Maßnahmen studieren und auch hinterfragen und eben vor Ort und direkt.

    Ein Gespräch mit einem potentiell geschädigten österreichischen Sparer, er schichtet gerade um zu Deniz Bank, zeigt die Auswirkung der EZB Maßnahmen. Er hat etwas von glatter Betrug gesagt. Als ich ihn auf die amerikanischen Tendenzen, Europa in einen Krieg gegen Russland zu hetzen aufmerksam gemacht habe und durch ein paar weitere Sanktionszwänge und Verbote es ganz leicht sein kann, dass er seine Ersparnisse dann in Moskau pflegen müsste, hat er gemeint, auch das wäre ihm egal. So geht es eben unseren ausgenützten Sparern, die nicht investieren, oder nicht mehr.

    Dass die Protestrufer nicht immer Wahlen beeinflussen können, wurde gestern in Ungarn aufgezeigt, dort wurde nämlich der 'point of no return' noch nicht überschritten, so scheint es.

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  1. Günther Hoppenberger (kein Partner)
    12. April 2018 17:43

    Was einem gelingen kann (Deutschland) ist eben nicht für alle möglich. Deutschland hat durch die exorbitant überzogenen Exporte, seine Schulden ja nur auf andere Länder übertragen. Genau aus solchen vermeintlichen Problemlösungsversuchen ergeben sich doch die Spannungen in der Welt.

  2. Rüdiger Stix (kein Partner)
    12. April 2018 08:39

    ...leider sehr wahr...

  3. dssm
    09. April 2018 11:30

    Wenn wir schon beim Thema EZB sind, dann sollten wir das Wesentliche behandeln, nämlich die geplante europäische Einlagensicherung. Seltsam, aber dieser wohl größte Umbau der EU wird hinter eine Nebelwand aus Zins- und Wertpapierkaufdiskussionen versteckt.

    Wenn es unseren Politikern gelingt dieses Folterwerkzeug durchzudrücken, dann gibt es keinen Austritt aus der EU mehr, ein Brexit ist dann unmöglich. Denn die Alternative wäre ein Bankenchrash wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat.

    Mich wundert es immer wieder wie die wesentlichen Themen, welche eine breite demokratische Diskussion erfordern würden, totgeschwiegen werden.

    • Rau
      09. April 2018 12:39

      Ich glaube fast, diese alles übertünchende Migrationskrise soll genau diese Ablenkung liefern und schlussendlich jenes Chaos verursachen, das nötig ist diese EU Diktatur zu festigen und all das umzusetzen, was man sonst nie durchbringen würde. Man sieht es ja am derzeitigen Widerstand der Völker gegen diese weitere Vertiefung der EU. Der muss noch gebrochen werden.

    • Tegernseer
      09. April 2018 13:41

      Leider fehlt es bei 95% der Bevölkerung oder mehr an wirtschaftspolitischer Einsicht! Selbst in diesem Forum wird dieses Thema viel zu wenig diskutiert.

  4. W. Mandl
    09. April 2018 08:22

    Wenn es stimmt, dass der Nachfolger von Draghi der Deutsche Weidmann wird, der dem derzeitigen Gelddrucken skeptisch gegenüber steht, so vermute ich, dass Draghi seine Amtszeit aussitzen wird und die harte und unpopuläre - aber völlig richtige - Maßnahme der Zinserhöhung elegant seinem Nachfolger überlassen wird.

  5. Josef Maierhofer
    09. April 2018 07:20

    Wenigstens in Österreich wird von der Regierung versucht, zumindest ein Nulldefizit zu erreichen und auch Überschüsse zum Tilgen der Staatsschulden.

    Ich meine die Politik des Herrn Draghi ist gewissenlos, wenn er sie so weiterführt.

    Zum 'Zombiesterben' möchte ich nur anmerken, dass bei diesen Firmen selbst ohnehin wegen der starken Förderungsverflechtung mit den meist staatlichen Förderstellen ein hoher Prozentsatz von 'Arbeitszombies' arbeitet, meist fern von Arbeit und Realität, ähnlich dem Konsum vor der der Pleite, oder Semperit, oder AUA, etc., also der zusätzlich Schaden bloß noch in der 'Zuwanderung ins Sozialsystem' besteht, wo bereits die ausländischen 'Kriegsheere gegen uns' geparkt sind und die Messer wetzen, welche dann durch den Wegfall der Förderkosten wieder irgendwie ausgleichbar sein könnten (müssen). Wegen einiger arbeitsloser Betriebsräte würde ich mir keine grauen Haare wachsen lassen.

    Nachdem ich heuer wieder nach Griechenland fahre, um dort Freunde zu besuchen, werde ich die dortigen Auswirkungen der dortigen (aufgeweichten und abgebogenen) Maßnahmen studieren und auch hinterfragen und eben vor Ort und direkt.

    Ein Gespräch mit einem potentiell geschädigten österreichischen Sparer, er schichtet gerade um zu Deniz Bank, zeigt die Auswirkung der EZB Maßnahmen. Er hat etwas von glatter Betrug gesagt. Als ich ihn auf die amerikanischen Tendenzen, Europa in einen Krieg gegen Russland zu hetzen aufmerksam gemacht habe und durch ein paar weitere Sanktionszwänge und Verbote es ganz leicht sein kann, dass er seine Ersparnisse dann in Moskau pflegen müsste, hat er gemeint, auch das wäre ihm egal. So geht es eben unseren ausgenützten Sparern, die nicht investieren, oder nicht mehr.

    Dass die Protestrufer nicht immer Wahlen beeinflussen können, wurde gestern in Ungarn aufgezeigt, dort wurde nämlich der 'point of no return' noch nicht überschritten, so scheint es.





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