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Günter Grass – und wo bleibt da die Moral?

Wenn eine „moralische Instanz“ stirbt.

Günter Grass war ein begabter Autor, Fabulierer, Geschichtenerzähler. Aber er war alles andere als die moralische Instanz, als die er jetzt von manchen apostrophiert wird, und die er selber Zeit seines Lebens wahnsinnig gerne gewesen wäre. Das war Grass schon wegen seines autoritär-besserwisserisch-intoleranten Gehabes nicht.

Das war er aber auch deshalb nicht, weil erst in seinem allerletzten Lebensjahrzehnt bekannt wurde, dass Grass einst – und zwar nicht ganz unfreiwillig – bei der Waffen-SS gewesen ist. Der Hinweis auf dieses Faktum heißt nicht, dass man alten Menschen ewig ihre Jugendsünden vorwerfen soll. Ganz und gar nicht. Aber wer selbst so verbissen die Schuld anderer gesucht hat wie Grass, wer darin in Hinblick auf den Nationalsozialismus lebenslang sogar seine Hauptaufgabe gesehen hat, der verliert jede Glaubwürdigkeit, wenn er eine solche „Kleinigkeit“ verschweigt. Noch dazu, wenn er sich mit antisemitischen Untertönen als Israel-Kritiker betätigt.

Moralische Instanz war er aber auch deshalb nicht, weil er sich mit einer mächtigen Partei ins Bett gelegt hat, also ganz automatisch auch mit vielen von deren Fehlern und Charakterlosigkeiten. Und zumindest seltsam war dabei auch, wie er sich selbst dieser Partei aufdringlicher angedienert hat, als die es selbst haben wollte.

Trotzdem stehen die Chancen gut, dass man wohl auch in Zukunft – auch wenn man das bei Autoren nie sicher vorhersagen kann – seine Werke gerne liest. Einfach als gute Romane. In diese Kategorie aufzusteigen, hat das Grass-Opus jedenfalls gute Chancen, wenn sich einmal der Weihrauchduft des politisch-korrekten Mainstreams verzogen haben wird.

 

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