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Christliches Österreich: Das Ende als Anfang?

Ist Österreich noch ein christliches Land? Viele Indizien sprechen für die Antwort: „mehrheitlich sicher nicht mehr“. Die stark geschrumpfte Zahl der Kirchgänger, die De-facto-Verwandlung der schönsten Kirchen des Landes von Gebetsstätten in Museen bestätigen das ebenso wie Meinungsumfragen. 

Da sagen etwa bei einer Umfrage nur noch 17 Prozent der Österreicher, dass ihnen die Kirche sympathisch sei. Bei einer anderen Erhebung glaubt zwar die Mehrheit irgendwie an ein höheres Wesen, aber nicht mehr an die Eckpunkte des christlichen Glaubensbekenntnisses. Ähnliche Tendenzen lassen sich – auf höherem wie niedrigerem Niveau – in vielen Ländern Europas beobachten. Nicht jedoch in anderen Kontinenten, was man hierzulande oft übersieht.

Jetzt kann man lange über die Ursachen der europäischen Krise räsonieren. Hat das „Aggiornamento“ des Konzils der katholischen Kirche die Attraktivität ihres Mythos genommen? Ist mit der breitflächigen Lockerung vieler religiöser Regeln und Vorschriften automatisch auch die innere Bindung der Menschen an Kirche und Glauben so locker geworden, dass diese gerissen ist? War das Konzil der katholischen Kirche der Grund der Krise oder hat ihre Attraktivität so wie bei den Konzil-losen Protestanten Europas schon lange vor dem Konzil abgenommen?

Ist die Kirche umgekehrt noch viel zu wenig modern, um wieder attraktiv zu sein? Werden sich die Kirchenbänke erst dann wieder füllen, wenn vorne Priesterinnen amtieren, wenn die Kirche schwulen Paaren den Zugang zum Sakrament der Ehe eröffnet, wenn sie aufhört, von unangenehmen Dingen wie schwerer Sünde oder gar Hölle zu reden?

Gewiss hätte es jeder von uns gerne, wenn die Kirche all unsere Fehler, Defizite, Sünden milde ignorierte und uns eine Garantieerklärung für den Himmel ausstellte, so dass wir es nach dem Tod auf Dauer schön haben werden, egal wie wir uns vorher verhalten haben. Unabhängig davon, ob das im Jenseits so funktioniert, zeigt die historische Erfahrung, zeigt all unser Wissen über das Verhalten der Menschen, dass der Weg der ständigen zeitgeistigen Anpassung einer Kirche keinen nachhaltigen Erfolg bringt. Dass sie auf diesem Weg sogar bald an Respekt und Ansehen verliert.

Die Menschen wollen und brauchen nicht nur Liebe, sondern zweitens auch Transzendenz und drittens klare Regeln als Orientierungspunkte. Zugleich aber ist es undenkbar, sich eine Rückkehr der Kirche ins 19. Jahrhundert oder ins Mittelalter vorzustellen.

Der Streit über diese Fragen bindet in den letzten Jahren in Westeuropa fast alle innerkirchlichen Energien – und ist damit vielleicht selbst noch mehr Ursache der europäischen Kirchenkrise, als es die angesprochenen Themen sind. Man denke nur an die Lächerlichkeit des hochemotionalen Streits um die lateinische Messe, wo die einen so tun, als ob die jahrhundertelang praktizierte vorkonziliare Form der Messe plötzlich des Teufels wäre, und die anderen dasselbe von der nachkonziliaren Messe glauben. Man denke nur an den Hass, der jeweils aufkocht, wenn ein Angehöriger des jeweils falschen Flügels zum Bischof ernannt werden soll.

Eine Kirche, deren Flügel fast nichts mehr eint als der Streit miteinander, deren Flügel nur noch gegeneinander statt für ein gemeinsames Ziel nach außen arbeiten, eine solche innerlich zerrissene Kirche muss nach allen Regeln der Organisations- und Management-Lehre und Psychologie an Anziehungskraft verlieren. Wenn man seit vielen Jahren und nun schon unter mehreren Päpsten katholische Priester hört, die bei ihren Predigten und anderen öffentlichen Auftritten gegen den Papst schimpfen, dann ist das der sicherste Weg, um den Menschen die Kirche unsympathisch zu machen. Selbst wenn die Papst-Kritiker Tausende Male recht hätten. Denn die zentrale Rolle des Papsttums war sicher der wichtigste Faktor (zumindest soweit es um diesseitige Faktoren geht), dass die Kirche 2000 Jahre erfolgreich überleben konnte – bei allen Fehlern, ja auch Verbrechen, die in der Papstgeschichte zu finden sind.

Damit aber habe ich schon versucht, zwei Antworten zu geben, wo ich eine erfolgversprechende Strategie der Kirche sehe. Erstens: Nur eine einige Kirche – noch besser: nur ein in allen wesentlichen Punkten einiges Christentum – ist imstande, den Menschen Halt zu geben. Zweitens: Mit dem Prinzip „Anything goes“ wird das Christentum sicher nicht reüssieren können, es muss den Mut haben, klar und deutlich Ja, Ja oder Nein, Nein zu sagen. Das sind – jenseits aller theologischen Argumentationen, was nun Ius divinum sei und was nicht, – ganz nüchterne Hinweise, die zweckorientiert Kausalitäten analysieren.

Geschichtlich noch wichtiger und wirksamer war und ist ein dritter Punkt, der aber meist verdrängt wird, weil er nach Politik klingt: Der Kirche geht es (zumindest im Sinne der anfangs geschilderten Parameter) heute überall dort viel besser, wo sie den Gegenpol zur staatlichen Macht bildet. Oder zumindest lange gebildet hat.

Im kommunistischen Vietnam sind die Kirchen so voll, dass man an Sonntagen schon um 4,30 Uhr die ersten Messen abhalten muss (Wäre vielleicht ein vietnamesischer Papst eine ähnlich spannende Wahl wie einst ein polnischer?). In Polen ist die Kirche stark, weil sie unter der russisch/preussischen und dann unter der nationalsozialistisch/kommunistischen Unterdrückung der einzige Zufluchtsort der freiheitsliebenden Polen war, was naturgemäß eine starke nationale Identifizierung bedeutete. Ähnliches gilt für die Kirchen in Irland, Slowenien, Kroatien oder der Slowakei.

Überall haben sich starke Nationalkirchen entwickelt – gleichgültig ob im Ober- oder Untergrund. Daher ist in diesen Ländern die Kirche auch heute noch stärker als anderswo, obwohl die englische, ungarische, serbische und kommunistische Unterdrückung schon vorbei ist.

Jetzt werden gleich manche sagen: „Die Kirche kann doch nicht nationalistisch sein.“ Nun ist klar: Sie darf das niemals in dem Sinn sein, dass daraus eine Unterjochung oder Verachtung für andere Völker entsteht. Es ist aber total legitim, wenn die Kirche engagiert an der Seite der Freiheit jedes Volkes steht. Die Kirche ist erst dann ganz bei den Menschen, wenn sie nicht nur deren soziale Ansprüche, sondern auch deren Naturrecht auf Heimat, auf sprachliche und kulturelle Gruppenidentität anerkennt. Wenn sie immer an der Seite der Menschen gegen die Obrigkeit steht, also wenn sie einst etwa an der der Bauern und nicht jener der adeligen Grundherrn gestanden wäre, auch wenn es an deren Seite das schönere Leben gab.

Die Kirche ist vor allem dann immer besonders richtig aufgestellt gewesen, wenn sie nicht nur im Einsatz für die nationale Identität und Freiheit an der Seite der Menschen gestanden ist, sondern auch im Kampf gegen Totalitarismen jeder Art, weil diese nicht nur nach der staatlichen Obrigkeit greifen, sondern auch nach dem kompletten Denken, Handeln und Fühlen jedes einzelnen Menschen. Ob das nun der Nationalsozialismus war, der Kommunismus oder aber auch der politische Islam, der jahrhundertelang die Menschen Spaniens, des Balkans, aber auch Süditaliens unterjocht und teilweise versklavt hat.

Das alles ist nicht nur eine Lehre der Vergangenheit. Die Kirche muss immer an der Seite der Menschen und ihrer Freiheit stehen. Und diese Freiheit ist in Gegenwart und Zukunft genauso fragil und bedroht wie in der Vergangenheit. Sie ist insbesondere bedroht durch ein neuerliches Vordringen des Islam nach Europa, der hier binnen weniger Generationen in etlichen Ländern wie Österreich zur Mehrheitsreligion werden dürfte; und der – auch im 21. Jahrhundert – in fast allen Ländern, wo er die Mehrheit hat, Nichtmoslems auf die vielfältigste Art diskriminiert und verfolgt (auch wenn es nicht politisch korrekt ist, darauf hinzuweisen).

Die Freiheit der Menschen wie auch der Kirche ist zugleich bedroht durch einen aggressiven Laizismus der politischen Linken unter der Fahne der Politischen Korrektheit. Neue Meinungsumfragen zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der Österreicher überzeugt ist, dass man in der Öffentlichkeit nicht mehr seine eigene Meinung aussprechen sollte. Die Politische Korrektheit attackiert die Kirchen frontal, wenn sie es (noch?) wagt, die Abtreibung zu kritisieren oder Homosexuelle von Kindern fernzuhalten.

Die Kirche hätte also mehr als genug Herausforderungen, mit denen sie sich auseinandersetzen müsste. In diesen Auseinandersetzungen würde sie auch an eigener Identität gewinnen. Statt dessen ist sie angstvoll und zerstritten, biedert sich Politikern und Boulevardmedien an.

Nur noch jene kirchlichen Funktionäre sind laut und öffentlich zu hören, die als geistige Nachlassverwalter des Marxismus das personalisierte Gebot der Nächstenliebe durch eine immer stärkere Verstaatlichung derselben ersetzen wollen. Und durch eine immer weitere Expansion des ohnedies schon in jeder Hinsicht größten Wohlfahrtssystems der Geschichte, das mittelfristig durch die Einladung zum breitflächigen Missbrauch zum Kollaps verurteilt ist. Die Einstellung dieser Funktionäre steht ganz im Kontrast zu den Bibelworten: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Oder zum Gleichnis von den Talenten. Oder zum Gebot der Nächstenliebe, das immer ein ganz individueller Auftrag und nie einer zur Übertragung von sozialem Engagement auf den Staat war. Das ist nicht nur unchristlich, sondern hat auch im real existierenden Sozialismus und Kommunismus nie funktioniert, sondern zu allgemeiner Verarmung geführt.

Die christlichen Kirchen haben eine gute Zukunft, wenn sie diese auch haben wollen. Wenn sie sich auf ihre Wurzeln und ihren Gründer besinnen, wenn sie einig sind, wenn sie mutig und klar auftreten, wenn sie immer an der Seite des Volkes gegen Macht und Zeitgeist stehen, und wenn sie konsequent für Freiheit und Verantwortung eintreten.

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