Warum Gold wieder glänzt

Lesezeit: 3:30

1.408,02 Euro kostet die Feinunze Gold am 13. 8. 2019 um 08:30 Uhr. Der Preis für ein Kilo liegt zu diesem Zeitpunkt bei 44.444.00 Euro. Nach einer mehrjährigen Seitwärtsbewegung hat der Preis des gelben Edelmetalls in den letzten Monaten gewaltig zugelegt und strebt möglicherweise einem neuen Allzeithöchststand entgegen.

Das ist alles andere als ein Wunder, denn unsichere Zeiten treiben stets den Goldpreis. So auch diesmal:

  • Unabsehbare Entwicklungen im aktuellen Handels- und Währungskrieg der USA gegen den Rest der Welt und insbesondere gegen China.
  • Der bevorstehende Brexit und die wachsende Kriegsgefahr im Persischen Golf bilden nicht zu unterschätzende Risikofaktoren für den Welthandel.
  • Wie, wann und zu welchen Peis die aktuellen Unruhen in Hongkong beigelegt werden könnten, ist nicht abzusehen.
  • Aktuelle Meldungen über die Ausbildung einer veritablen Kreditblase in der zweitwichtigsten Volkswirtschaft der Welt, China, steigern die Gefahr einer weltweiten Wirtschaftskrise.
  • Der Wirtschaftsmotor Deutschlands, der stärksten Volkwirtschaft Eurolands, gerät ins Stottern. Das von der politischen Klasse des Landes entfesselte Kesseltreiben gegen die eigene Industrie und von außer Rand und Band geratenen linken Kräften immer häufiger geäußerte Enteignungsphantasien beginnen Wirkung zu zeigen.
  • Schließlich steigern die Unsicherheiten auf dem Währungssektor die Goldnachfrage sowohl staatlicher, als auch privater Investoren.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Bestände der internationalen Notenbanken wurden gegenüber den Vorjahren stark aufgestockt. Allein im letzten Quartal wurden von ihnen rund 224 Tonnen Gold zugekauft. Bei einer durch zunehmende Explorations- und Abbaukosten limitierten Produktionsmenge wirken all diese Faktoren klarerweise preistreibend. Wie auch bei den für die Produktion von Batterien benötigten "Seltenen Erden" zeigt sich die Funktion von Märkten: Die Nachfrage bestimmt den Preis.

Auch Sparer, die durch die anhaltende und auch in den nächsten Jahren zu erwartende Nullzinspolitik geschädigt werden, suchen wieder vermehrt Sicherheit im Goldhafen. Das starke Interesse an physischem Gold korrespondiert mit dem wachsenden Misstrauen gegen das intrinsisch wertlose, staatliche oder suprastaatliche "Fiatgeld".

Das ist, sofern es Europa betrifft, insofern kein Wunder, als mit der Kür Christine Lagardes zur Nachfolgerin von Mario Draghi für den Posten des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB), eine glühende Etatistin und erklärte Bargeldgegnerin an Einfluss gewinnt. Schon in ihrer Zeit als IWF-Chefin hatte sie mehrere "wissenschaftliche" Papiere ausarbeiten lassen, die eine systematische Zurückdrängung und langfristige Abschaffung des Bargeldes propagieren.

Bei der Verfolgung dieses Ziels wird nicht mit dem Holzhammer, sondern recht subtil vorgegangen. Der Verzicht auf die Verwendung von Bargeld soll mit allerlei Märchen schmackhaft gemacht werden und wurde im sozialistischen Musterstaat Schweden beinahe schon vollkommen umgesetzt. Ziel: hoheitliche Totalüberwachung und Beseitigung jeder Hürde auf dem Weg zur Enteignung privater Wirtschaftsakteure.

Es liegt auf der Hand, dass der Bürger in einer bargeldlosen Welt der Bürokratie ohnmächtig ausgeliefert sein wird. Kein Einkauf, keine Hotel- oder Reisebuchung mehr, die dem wachsamen Auge des Großen Bruders entgeht. Der von George Orwell in seinem dystopischen Roman "1984" geschilderte, totalitäre Überwachungsstaat wird dann Realität.

Doch nicht alle werden sich dem anmaßenden Treiben der Regierungen und den mit diesen verbündeten Zentralbanken widerstandslos fügen. Der Besitz anonymer, nichtdigitaler physischer Werte wird dann als einzige Möglichkeit genutzt werden, der Kontrolle des Leviathans zu entgehen und eine für die staatlichen Späher uneinsehbare Privatsphäre zumindest teilweise zu erhalten. Abgesehen davon – und mindestens genauso wichtig: im Unterschied zu beliebig inflationierbaren, ungedeckten Papierwährungen verfügen Edelmetalle erwiesenermaßen über eine dauerhaft werterhaltende Funktion.

Ob die derzeit als Alternative zum staatlichen Fiatgeld stark im Aufwind befindlichen digitalen Kryptowährungen dem Schutz von Geldvermögen und Privatsphäre der Bürger eine den Edelmetallen vergleichbare Funktion werden übernehmen können, darf bezweifelt werden. Was, im wahrsten Sinn des Wortes, "unbegreiflich" ist und nur in elektronischen Anzeigen existiert (mit entsprechender Sachkenntnis und technischer Ausrüstung auch überwacht und konfisziert werden kann), wird im Krisenfall keinem Vergleich mit "harter Münze" standhalten. Es ist etwa kaum anzunehmen, dass – im Fall der Fälle – ein Landwirt gegen virtuelle "Coins" Eier, Milch und Speck herausrücken wird. Für klingende, glänzende Münzen dagegen ist das sehr viel eher wahrscheinlich und empirisch vielfach erwiesen.

Ob es zum Einstieg in die Welt des physischen Goldes zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits zu spät ist oder nicht, hängt ganz von der Einschätzung der Zukunft ab. Die Zeichen stehen jedenfalls auf Sturm. Einen Teil seines Vermögens in Gold zu veranlagen, kann nie ein Fehler sein.

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien. 

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorGandalf
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    14. August 2019 12:36

    Natürlich blieb es unserem echten Wirtschafts- Praktiker vorbehalten, wieder einmal das Richtige aufzuzeigen, bevor es die meisten überhaupt bemerkt hatten: Das derzeit ständige und offenbar unaufhaltsame Ansteigen des Goldpreises. Danke, Herr Tögel! Die Gründe hat er deutlich genug dargelegt, ebenso, dass eine solche Entwicklung meist Übles befürchten lässt - zumindest war das in der Vergangenheit immer so. Nun, der Zug ist an sich noch nicht endgültig abgefahren. Durch einen Ausstieg unseres Landes (dem andere mit Freude folgen würden) aus dem Kerker der EZB und dem Spielgeld des Euro könnte noch vieles gerettet werden. Aber das ist vielleicht doch zu optimistisch; ich werde jetzt zur Bank gehen und dort Golddukaten kaufen; zwar zu einem bereits sehr hohen Kurs, aber - zumindest derzeit - noch anonym (wenn's nicht zu viel sind).

  2. Ausgezeichneter KommentatorPennpatrik
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    14. August 2019 16:24

    Wir haben uns die Straßenräuber selbst gewählt.
    Die Prolos sind der Meinung, dass es ihnen besser gehen wird, wenn Andere nichts mehr haben. Sie werden den Unterschied zwischen Nichts und Garnichts noch in die Fresse gehauen bekommen.

  3. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    14. August 2019 18:54

    Der Goldpreis ist ein sicherer Indikator in welche Richtung sich das Vertrauen der Mensche zu ihren Institutionen bewegt. Z.Z. hat der kleine Mann keinen Grund den Politikern die ihn regieren zu vertrauen. Es sei den, er ist meschuge, oder er glaubt dem ORF.
    Gold kaufen könnte in Zeiten wie diesen, eine gute Anlage sein. Was geschieht mit den gekauften Gold, sollte es dazu kommen was die Enteigner in der EU beabsichtigen, die liquidierung des Bargeldes. Bedeutet, das gekaufte Gold wird unverkäuflich, bedeutet aber auch, wer zu viel Gold sein Eigentum nennt, wird bestraft. Volksschädling.
    Totalitäre Regime haben ihre Untertanen gezwungen ihr Gold, Schmuck, ohne Entschädigung abzuliefern.


alle Kommentare

  1. FerroZwei
    17. August 2019 10:10

    Wenn man sich die Daten der Weltwirtschaftskrise 1929, aber auch der Hyperinflationen nach den beiden Weltkriegen ansieht, erkennt man, daß es drei Assetklassen gab, die diese Stürme gut überstanden haben: Gold, Immobilien und Aktien.

    Wohingegen drei andere Assetklassen ihre Besitzer jedesmal mit leeren Händen haben dastehen lassen: Anleihen, Sparguthaben und Papier-Bargeld.

    In den USA wurde Gold bekanntlich durch die Roosevelt-Regierung konfisziert. Der Besitz von Goldmünzen oder Goldbarren (über $ 100, damals ca. 3 Unzen) wurde verboten. In Deutschland wurden nach beiden Hyperinflationen Immobilienbesitzer mit einer heftigen Steuer belegt, und so um ihre Werterhaltung gebracht.

    Was bleibt? Genau: Aktien. Am besten in Form einer weltweit gestreuten, dividendenstarken Veranlagung. Evtl. auf einem Auslandsdepot (natürlich steuerehrlich!) gelagert, auf das der eigene Raubstaat keinen Zugriff hat - im Fall der Fälle.

    Am besten: Ein Teil Gold, ein Teil Immobilien und ein Teil Aktien. Das Gold natürlich nicht im Bankschließfach und die Immobilie selbstgenutzt. Das wird nicht alle Eventualitäten abdecken, aber doch die meisten.

    • fewe (kein Partner)
      19. August 2019 06:10

      Ja, wichtig ist dazu noch, dass die Immobilien nicht mit Hypotheken belastet sein dürfen. Dann sind die nämlich schnell weg.

  2. fxs (kein Partner)
    16. August 2019 21:28

    Es gibt auch Dollar, Franken und viele weitere Währungen in die man diversifizieren kann, natürlich in "bar". Sowie es neben Gold auch andere werterhaltende Mineralien, etwa Silber und Platin gibt, die -wie Gold- in der Münzprägung verwendet werden. Man kann also diversifizieren!

  3. pressburger
    14. August 2019 18:54

    Der Goldpreis ist ein sicherer Indikator in welche Richtung sich das Vertrauen der Mensche zu ihren Institutionen bewegt. Z.Z. hat der kleine Mann keinen Grund den Politikern die ihn regieren zu vertrauen. Es sei den, er ist meschuge, oder er glaubt dem ORF.
    Gold kaufen könnte in Zeiten wie diesen, eine gute Anlage sein. Was geschieht mit den gekauften Gold, sollte es dazu kommen was die Enteigner in der EU beabsichtigen, die liquidierung des Bargeldes. Bedeutet, das gekaufte Gold wird unverkäuflich, bedeutet aber auch, wer zu viel Gold sein Eigentum nennt, wird bestraft. Volksschädling.
    Totalitäre Regime haben ihre Untertanen gezwungen ihr Gold, Schmuck, ohne Entschädigung abzuliefern.

  4. Pennpatrik
    14. August 2019 16:24

    Wir haben uns die Straßenräuber selbst gewählt.
    Die Prolos sind der Meinung, dass es ihnen besser gehen wird, wenn Andere nichts mehr haben. Sie werden den Unterschied zwischen Nichts und Garnichts noch in die Fresse gehauen bekommen.

  5. Gandalf
    14. August 2019 12:36

    Natürlich blieb es unserem echten Wirtschafts- Praktiker vorbehalten, wieder einmal das Richtige aufzuzeigen, bevor es die meisten überhaupt bemerkt hatten: Das derzeit ständige und offenbar unaufhaltsame Ansteigen des Goldpreises. Danke, Herr Tögel! Die Gründe hat er deutlich genug dargelegt, ebenso, dass eine solche Entwicklung meist Übles befürchten lässt - zumindest war das in der Vergangenheit immer so. Nun, der Zug ist an sich noch nicht endgültig abgefahren. Durch einen Ausstieg unseres Landes (dem andere mit Freude folgen würden) aus dem Kerker der EZB und dem Spielgeld des Euro könnte noch vieles gerettet werden. Aber das ist vielleicht doch zu optimistisch; ich werde jetzt zur Bank gehen und dort Golddukaten kaufen; zwar zu einem bereits sehr hohen Kurs, aber - zumindest derzeit - noch anonym (wenn's nicht zu viel sind).





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