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Die Kanten einer Lohnrunde

Die Lohnverhandlungen werden bald in die heiße Runde geraten. Am Montag starten nun auch die Beamten. Man weiß nicht so genau, was sich wirklich hinter den Polstertüren abspielt, hinter denen derzeit etwa um die Metallarbeiter-Löhne gerungen wird. Man weiß einzig, dass die Arbeitgeber diesmal in einer so starken Position sind wie noch nie.

Denn  während in Konjunkturzeiten Streiks eine starke Drohwirkung haben, so erscheinen sie in Krisenjahren eher als ein freiwilliger Beitrag der Arbeitnehmer zur betrieblichen Kostensenkung. Was den Arbeitgebern eine gelassene Stärke gibt, nicht nachgeben zu müssen. Auf der anderen Seite ist es aber das Selbstverständnis der Gewerkschaften, dass sie den Arbeitnehmern alljährlich ein Mehr – an Geld, an Urlaub, an sonstigen Ansprüchen – verschaffen. Da hat es sie auch nicht gestört, dass durch ein überhöhtes Lohnniveau langfristig schon viele Arbeitsplätze nach China, Indien oder Osteuropa vertrieben worden sind. Siehe Hannes Androsch und sein Leiterplattenwerk.

Noch spannender wird es bei den Beamten: Denn sie gelten als jene Gewerkschaft, die am ehesten auch in Krisenzeiten Streiks organisieren kann, und die zugleich am wenigsten den Transfer der Arbeitsplätze ins Ausland fürchten muss.

Die Beamtengewerkschafter haben ihre Lohnverhandlungen immer mit einem Brief an die Regierung begonnen, in dem sie die Abgeltung der Inflation und einen gerechten Anteil am Wachstum verlangen. Diese Formel  würde heuer spannende Ergebnisse bringen: Die Inflation pendelt ja rund um Null. Und das Wachstum wird mindestens drei Prozent ausmachen – nur leider in die falsche Richtung, also kein Wachstum, sondern eine Schrumpfung sein.

Der alljährliche  Schimmelbrief der Beamtengewerkschaft hätte also eindeutig ein Gehaltsminus zur Folge . . .

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