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Fünf Jahre verschlafen

Eine der beklemmendsten Statistiken, die jüngst von einem der vielen Forschungsinstitute veröffentlicht worden ist, hat die Entwicklung der Gewinne, der Löhne und der Pensionsausgaben in den letzten Jahren verglichen. Sie ist leider öffentlich völlig untergegangen – und zeigt doch eindrücklicher als viele andere Daten die Wurzel des österreichischen Übels, zeigt den dringenden Handlungsbedarf für die Politik, wollte sie sich wirklich den großen Problemen des Landes stellen. Was sie – weder Regierung noch Opposition – aber ganz offensichtlich nicht vorhat.

Denn sie kümmert sich lieber um kleinliches, aber dennoch teures Herumdoktern am Benzinpreis. Sie hat dadurch bei den Menschen den Eindruck erweckt, als ob es in der Kompetenz der Regierung läge, dramatische Entwicklungen des Weltmarkts wegzuzaubern.

Dort aber, wo sie etwas tun hätte können, tat sie nichts. Denn Tatsache ist, dass sich Gewinne, Löhne und Pensionsausgaben in den letzten fünf Jahren dramatisch auseinanderentwickelt haben. Das ist besonders bei den Pensionsausgaben der Fall. Und diese sind von allen volkswirtschaftlichen Kerndaten jene Stellschraube, deren Entwicklung zu hundert Prozent von politischen Entscheidungen gesteuert werden könnte.

Im Vergleich zum Jahr 2020 sind im Vorjahr nach Berechnungen der "Agenda Austria" die Gewinne nominell auf 119 Prozent gestiegen, die Arbeitnehmerentgelte, einschließlich der Beamten hingegen auf 137 Prozent und die Pensionsausgaben gar auf 146 Prozent. Dabei ist völlig klar: Nur das, was die Unternehmen erwirtschaften, kann dann in die Löhne fließen, kann in einem Umlagesystem die Pensionen finanzieren. Wenn sich diese Faktoren auseinanderentwickeln, donnert das Land gegen die Wand.

Was ist da passiert? Zum Ersten haben globale Krisen und die Konjunkturentwicklung die Gewinne kastriert, zum Zweiten sind die zahlenstarken Babyboomer massenweise in Pension gegangen, zum Dritten haben die Gewerkschaften bei den Lohnrunden zeitweise viel zu kräftig zugeschlagen, zum Vierten war die Politik bei den Erhöhungen der Beamtenlöhne und Pensionen aus Populismus zu großzügig, zum Fünften hat die europäische wie nationale Politik immer stärker (mit sozialen oder ökologischen Begründungen) die Wirtschaft reglementiert und abgewürgt, und zum Sechsten leben die Menschen länger, kassieren also länger Pension.

Bis auf die ersten zwei Punkte zeigen alle anderen ein klares Versagen von Politik und Sozialpartnern, die falsch oder gar nicht gehandelt haben.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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