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Selbst wer der Meinung ist, auch eine angeblich liberale Partei wie die Neos habe das Recht, mit harten Maßnahmen den Fraktionszwang durchzusetzen, selbst wer bisher mit der Amtsführung von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger im Großen und Ganzen einverstanden gewesen ist, selbst wer anerkennt, dass die Rolle der Neos als drittes Rad am Koalitionsfahrrad eine ziemlich überflüssige und daher undankbare ist, muss jetzt über die Dame zunehmend entsetzt sein (mit nachträglicher Ergänzung).
Dabei geht es keineswegs nur um den Umgang mit dem eigenwilligen Liberalen Veit Dengler, der in einer "liberalen" Partei unerwünscht ist. Genauso empörend sind vielmehr gleich zwei ihrer Entscheidungen der letzten Tage. Diese haben sich beide in ihrem eigenen Wirkungsbereich abgespielt, dem Außenministerium, wo ihr die übermächtigen Koalitionspartner eigentlich nicht direkt dreinzureden haben.
Der erste Skandal ist die Tatsache, dass die Ministerin einen kompletten Bruch der bisherigen österreichischen Israel-Politik zu verantworten hat. Denn Österreich war bisher ein verlässlicher Partner Israels gewesen. Aus sieben klaren Gründen:
Mit dieser Solidarität hat Meinl-Reisinger jetzt Schluss gemacht. Sie hat sich in der EU sogar an die Spitze jener gestellt, die für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Israel sind. Das ist absolut ungeheuerlich.
Sie kritisiert das Verhalten Israels und den Bau von Siedlungen in der Westbank mit dem Argument als problematisch, weil dadurch eine "Zweistaatenlösung" zwischen Israel und den Arabern unmöglich gemacht würde. Das ist eine vordergründige, ja dumme Behauptung. Denn:
Wie auch immer man die Haltung der Außenministerin untersucht: Sie bleibt grauslich. Meinl-Reisinger wird zwar wohl die Unterstützung der Linksparteien bekommen. Es bleibt aber völlig rätselhaft, warum auch die in Sachen Israel bisher so standhafte ÖVP zur Außenministerin schweigt. Ist die Volkspartei gar verärgert über Israel, weil einige linksextremistische jüdische Studenten schon wieder das Denkmal des großen Wiener Bürgermeisters Lueger attackiert haben, das einst nach seinem Tod auf Initiative der Familie Rothschild errichtet worden war?
Sehr ähnliche Fragen muss man an Meinl-Reisinger zu einem zweiten Skandal stellen: Sie hat ihre Diplomaten angewiesen, bei einer UNESCO-Konferenz den massiv nach Korruption riechenden Plan der Gemeinde Wien zu unterstützen, zwischen Stadtpark und Konzerthaus ein gigantisches Hochhaus zu errichten, das die Wiener Innenstadt den imageträchtigen Status als Weltkulturerbe zu kosten droht.
Dabei ist der erfreulicherweise bisher hartnäckige UNESCO-Widerstand gegen das Hochhaus für die große Mehrheit der an ihrem kulturellen Erbe interessierten Wiener die zentrale, wenn auch letzte Hoffnung, dass das undurchsichtige Projekt einer zynischen Geschäftemacherei zwischen einem Spekulanten und den Wiener Genossen noch verhindert werden kann.
Auch da kann man wieder nur voller Beklemmung einige peinliche Fragen an Frau Meinl richten (und an den "Kurier", der die Gemeinde Wien aus nicht unschwer zu erratenden Motiven auch noch massiv unterstützt):
Da ist also kein einziger Staat mit westlicher Kultur dabei, dem man ein Interesse an der Schönheit Wiens zutrauen kann, ja nicht einmal ein Verständnis dafür. Das sind vielmehr lauter Staaten, deren Unterstützung für das Hochhaus aus ganz anderen Zusammenhängen zu erklären ist.
Der allerschlimmste Verdacht drängt sich da aber zum Schluss auf: Hängt vielleicht gar die antiisraelische Wende in der österreichischen Außenpolitik damit zusammen, dass man die Unterstützung von islamischen Staaten für das Hochhaus-Projekt gewinnen wollte?
Haben doch bis auf die beiden militärisch bedrängten Staaten Ukraine und Armenien, die sich beide in ihrer Isolationsangst jede nur denkbare Unterstützung eines EU-Landes einzukaufen versuchen, alle anderen Unterstützerstaaten auf dieser Liste einen starken islamischen Bevölkerungsanteil und haben sich deshalb in letzter Zeit ganz auf die Seite der arabischen Palästinenser gestellt, unabhängig von allem Terrorismus und unabhängig von jenem 7. Oktober.
Sollte es da wirklich den sich aufdrängenden Zusammenhang geben, dann wäre das dann wirklich ein Grund für einen sofortigen Rücktritt der Außenministerin. Egal, was ihre Parteigenossen mit ihr und ihrem Führungsstil anfangen wollen.
Die Frage nach einem solchen Zusammenhang sollte aber auch ein Anlass sein, dass sich der Bundeskanzler und die Europaministerin endlich für diese Fragen interessieren, für die sie ja auch mit zuständig sind. Wenn man schon die Kompetenz für Kultur an den Traiskirchner Hilfsarbeiter Babler abtreten hat müssen.
Nachträgliche Ergänzung: Es ist nicht nur ein Hochhaus, es sind sogar zwei, die dort laut dem noch immer rechtskräftigen Flächenwidmungsplan – der ja einen Rechtsanspruch des Grundeigentümers bedeutet! – gigantische 79 Meter hoch gebaut werden dürfen.