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Corona: Der Dummheiten nächste Etappe

Es ist zweifellos richtig, die Corona-Restriktionen zu lockern. Ein Land kann nicht ständig im aufgeregten Dauerkrisenmodus leben, auch wenn die Pandemie noch keineswegs vorbei ist. Zugleich entlarvt sich das Verhalten des Wiener Rathauses neuerlich als nur noch lächerlich, ständig gegen alles und jedes zu sein, was die Regierung tut, aber selbst sogar dazu zu faul (oder unfähig) zu sein, alle wichtigen Daten über Corona-Patienten tagesaktuell zu melden. Genauso wie das die Durchsage in Zügen bei Passieren der Wiener Stadtgrenze ist, dass man sich jetzt laut Wiener Behörden eine Maske aufsetzen müsse. Dennoch ist das Wie der Lockerung der Corona-Maßnahmen neuerlich alles andere als professionell erfolgt. Die Unfähigkeit da wie dort verblasst aber völlig gegenüber dem Terror der radikalen Impfgegner, die eine Ärztin so sehr terrorisiert haben, dass diese sich in ihrer Verzweiflung in den Selbstmord geflüchtet hat (mit nachträglicher Ergänzung).

Die Morddrohungen gegen diese Ärztin waren kein Einzelfall. Ähnliche Drohungen gab es schon gegen etliche Exponenten der österreichischen Gesundheitspolitik, auch wenn öffentlich darüber nichts berichtet wurde. Einerseits um den Anti-Corona-Extremisten nicht auch noch zu einem Triumph zu verhelfen. Und andererseits um niemand anderen auf blöde Gedanken zu bringen, ähnliches zu tun. Es war für etliche der Bedrohten jedenfalls sehr belastend, monatelang mit kugelsicheren Westen unter dem Hemd herumzulaufen, da die Polizei zumindest in diesen Fällen die Drohungen jedenfalls ernst genommen hat. So, wie auf ihre Weise die oberösterreichische Ärztin die Drohungen ernst genommen hat.

Diese Drohungen sind im Grund genauso Terror wie etwa die Aktionen der Islamisten und der gewalttätigen Linksextremisten, egal ob sich nun herausstellen sollte, die Polizei habe irgendwelche Fehler gemacht (auch wenn es völlig undenkbar ist, jedem von irgendjemandem einmal bedrohten Menschen eine 24/7-Bewachung zu geben), oder ob die Ärztin übersensibel gewesen ist (auch das zu sein und dennoch nicht gemobbt zu werden, ist ein Menschenrecht).

Dennoch darf die Abscheu über diesen Terror nicht daran hindern festzuhalten, dass etliche Kritik an der Corona-Politik der letzten zweieinhalb Jahre durchaus berechtigt gewesen ist. Es war daher auch absolut falsch, dass das Zwangsgebührenfernsehen auch medizinisch qualifizierte Kritiker totzuschweigen versucht hat. Solches Zensurverhalten treibt manche Menschen nur noch mehr in extreme Positionen hinein, weil sie den Eindruck haben, sich anders nicht Gehör verschaffen zu können (Diese Zensur in einem offiziellen Gebührenfernsehen ist auch dadurch nicht aus der Welt zu schaffen, dass ein Privatfernsehsender ebenso einseitig nur die Gegenseite zu Wort kommen lässt).

Die extremistische Eskalation der Impf-Gegner ist aber dadurch dennoch in keiner Weise zu rechtfertigen. Ihr Verhalten diskreditiert auch all jene Politiker, die nicht spätestens jetzt energisch und öffentlich die aggressiven Töne bereuen, die sie von sich gegeben haben (hat einer der Leser von FPÖ oder MFG einen solchen Ton gehört?).

Das darf aber wiederum nichts daran ändern, dass es rund um Corona viel gegeben hat, was man zu Recht kritisieren kann und soll. Zu diesen Kritikpunkten zählt:

  1. dass die offiziellen Jubelrufe über einen totalen Schutz durch Impfungen gegen die Pandemie unseriös übertrieben gewesen sind;
  2. dass die sogenannten Kollateralschäden im gesundheitlichen und psychischen Bereich durch die Pandemie-Bekämpfung viel zu wenig ernst genommen worden sind;
  3. dass die wirtschaftlichen Langfristschäden überhaupt nicht verstanden worden sind – sonst hätte man niemals behaupten dürfen, dass die Österreicher gegen die Folgen einer solchen Katastrophe wirtschaftlich schadlos gehalten würden, "koste es, was es wolle" (Diese Versprechungen beweisen, dass auch bei bürgerlichen Politikern das sozialistische Märchen angekommen ist, dass eine Regierung irgendwelche Zaubermittel hätte, die alle wirtschaftlichen Auswirkungen jeder negativen Entwicklung von den Bürgern fernhalten und jedes Problem ohne negative Folgen für die Allgemeinheit lösen könnte);
  4. dass das Grundrecht Freiheit – von der Meinungs- bis zur Bewegungsfreiheit – als beliebig einschränkbar hingestellt worden ist, was langfristig einer Rückkehr zu totalitären Strukturen den Weg bahnen könnte;
  5. (eine ganz neuartige Erfahrung!) dass nicht nur ideologische oder politische, juristische oder religiöse Rigorismen, sondern auch medizinische Regelungen zu einer Versklavung der Menschen führen können – so könnte etwa die jüngst kursierende Studie, dass zehn Prozent der Menschen als Folge eines erhöhten Cholesterin-Spiegels vorzeitig sterben, mit genau der gleichen Argumentation wie bei den Corona-Einschränkungen dazu benutzt werden, den Österreichern haargenau vorzuschreiben, was und wieviel sie essen dürfen, sei das doch nur zu deren eigenem Vorteil;
  6. dass zumindest der vorletzte Gesundheitsminister, Rudi Anschober, sich in einem Radio-Interview (wenn auch auf Anstiftung eines linken ORF-Redakteurs) dazu hinreißen hat lassen, die Corona-Zwangsmaßnahmen als Vorbild für Zwangsmaßnahmen zur angeblich notwendigen Planetenrettung hinzustellen;
  7. dass unausgereifte Verordnungen immer wieder über Nacht in Geltung getreten sind, ohne dass die Bürger Zeit hatten, sich darauf vorzubereiten;
  8. dass sich gezeigt hat, wie unprofessionell und unflexibel die österreichische Bürokratie aufgestellt ist, sobald sie mit irgendwelchen Dingen konfrontiert ist, die mit der alltäglichen Routine nicht mehr bewältigbar sind.

Kein einziger dieser Kritikpunkte kann aber auch nur im Geringsten Gewaltdrohungen rechtfertigen. Kein einziger Punkt rechtfertigt die aberwitzigen Versuche der Panikmache gegen das Impfen – die etwa durch die verlogene Behauptung erfolgt ist, dass viele Tausende an der Impfung sterben würden. Kein einziger Punkt rechtfertigt auch die Verbreitung des Aberglaubens, dass eine Corona-Infektion lediglich wie ein Schnupfen wäre.

Der ärgste Schaden, den die Impf-Feinde langfristig angerichtet haben, ist den meisten überhaupt noch nicht bewusst: Sie haben all jenen Kräften massiv Munition geliefert, denen schon immer die unkontrollierte Meinungs- und Meinungsäußerungsfreiheit der Bürger zuwider gewesen ist, und die schon seit langem nach Begründungen gesucht haben, diese noch weiter einzuschränken.

Das darf aber wiederum nicht an einer kritischen Beobachtung der jüngsten Aufhebung der Corona-Quarantänepflicht hindern. Denn neuerlich wird eine Vielfalt an ungeklärten rechtlichen Konsequenzen ausgelöst, auf die man sich in den Unternehmen durch die Plötzlichkeit der Neuregelungen überhaupt nicht einstellen hat können. Das aber war vermutlich den gesetzestextenden Beamten egal – oder sie sind schon längst außerstande, sich in das Leben der wirklichen Welt hineinzuversetzen.

Denn offenbar wird jetzt eine Fülle von Corona-Lasten, die bisher der Staat getragen hat, die Arbeitgeber treffen. Da aber die Wirtschaftsvertreter am lautesten über die Quarantänepflicht geklagt haben, weil diese viele Tausende gesunde Menschen vom Arbeitsplatz ferngehalten hat, können sie jetzt nur schlecht über die Neuregelung klagen.

Offenbar müssen sich jetzt alle Arbeitgeber eine Quadratur des Kreises einfallen lassen: Wie hält man symptomlose Infizierte, die aber möglicherweise ansteckend sein könnten, künftig vom Kontakt mit anderen Kollegen oder mit Kunden fern? Wie vermeiden sie es, in Haftungen und Prozessrisiken zu rutschen, wenn jemand angibt, sich am Arbeitsplatz bei einem infizierten Kollegen angesteckt zu haben? Müssen die Arbeitgeber die auf sie entfallenden Kosten einer Erkrankung zahlen (wie bei jedem anderen Krankenstand), wenn es keine Corona-Entschädigung mehr gibt?

Noch dramatischer drohen jetzt die Auswirkungen des Datenschutzes zu werden (also der wohl dümmsten Erfindung, seit der Sozialismus in die Welt gesetzt worden ist). Denn höchstwahrscheinlich darf ein Arbeitgeber ja gar nicht kommunizieren, dass der Mitarbeiter A infiziert ist. Aber wie schützt er dann den Kollegen B und Kunden C? Geht das am Ende nur, Indem er den Infizierten bei vollem Gehalt nach Hause schickt? Noch etwas ist ziemlich offen: Können Arbeitgeber ihre Mitarbeiter zwingen, ihren symptomlosen Infektionszustand zu melden? Und können sie überhaupt ein Interesse an einer solchen Meldung haben?

Weit über den Arbeitsplatz hinaus wird jetzt wohl ein weiteres Problem entstehen: Wird nicht jeder, der wo auch immer eine Maske trägt, automatisch unter Generalverdacht geraten, ansteckend zu sein – auch wenn er "nur" zu den Vorsichtigen zählt oder zu den an einem anderen Leiden Laborierenden? Wie sollen Infizierte, die zwar nicht mehr in Quarantäne bleiben, aber künftig außer Haus ständig Maske tragen müssen, sich etwa im Gasthaus verhalten? Trinken durch die Maske ist ja leider noch nicht erfunden.

Alle diese Umstände werden wohl dazu führen, dass sehr viele der symptomlos Infizierten trotz Pflicht auf das Tragen von Masken verzichten werden. Ebenso logisch ist, dass die Zahl der Corona-Tests weiter abnehmen wird: Denn jetzt muss jeder Symptomlose ja ohnedies arbeiten gehen. Warum soll er sich dafür noch der Mühe eines Tests unterziehen? Schließlich dürften – entgegen den allgemeinen Klagen – gar nicht so wenige Mitbürger die symptomlose Quarantäne als etwas recht Angenehmes empfunden haben: als staatlich vorgeschriebenes und sozial sogar gelobtes Schwänzen der Arbeit.

Man kann sicher sein: Diese und viele andere Fragen werden erst in ein oder zwei Jahren von den Höchstgerichten geklärt werden – freilich erst dann, wenn längst schon wieder ganz andere Regelungen in Kraft sind.

Juristisch und bürokratisch ist die jetzige Neuregelung also alles andere als ein Meisterwerk. Nur sollten wir (und die Politik) auch so ehrlich sein einzugestehen, dass sich viele Schwierigkeiten und Probleme des menschlichen Lebens gar nicht in Paragraphen fassen lassen. Auch wenn Regierungen und Parlamente genau das vielerorts ständig versuchen. Aber letztlich sind es ja oft die Bürger selber – besonders Juristen und Journalisten –, die nach Regelungen und Haftungsklärungen für absolut jede künftige Konstellation rufen.

Während man das bürokratisch-juristische Versagen daher noch irgendwie nachvollziehen, wenn auch nicht ganz entschuldigen kann, sind einige andere Dinge absolut nicht mehr nachvollziehbar:

  1. Die Obstruktionspolitik der Gemeinde Wien.
  2. Das Fehlen von täglichen Daten, die angesichts der dramatischen Folgen von Corona für alle, auch für die Öffentlichkeit, unverzichtbar wären. Etwa darüber:
    • Wieviel Prozent der Verstorbenen und der mit Corona in Spitäler Eingelieferten waren geimpft?
    • Wie viele sind wegen Corona ins Spital gegangen?
    • Und wie viele hatten ganz andere Beschwerden und nur zufällig und beschwerdefrei auch das Virus im Leib?
    • Wie viele der Corona-Toten sind an Corona (also mit Covid als Hauptdiagnose) gestorben und wie viele nur "mit"?
    • Wie groß ist der Anteil jeder einzelnen der risikoerhöhenden Vorerkrankungen an Hospitalisierungen und an Todesfällen (Herzleiden, Diabetes, Krebserkrankungen usw.)?
  3. Am wenigsten nachvollziehbar ist aber, dass sich ein Drittel der Österreicher nicht ausreichend impfen lässt. Glauben sie etwa noch immer an die absurden wie düsteren Schauergeschichten über die Folgen einer Impfung? Oder halten sie sich für immun? Oder machen sie das aus Parteitreue und glauben im strammen Gehorsam, der eigene Parteiführer hat immer Recht? Oder gehören sie einer obskuren Sekte an, die Impfungen verbietet? Oder fürchten sie sich halt wie ein kleines Kind vor der spitzen Nadel? Oder lehnen sie einfach aus Prinzip Dinge ab, die sie nicht verstehen?

In der Tat: Wer versteht schon wirklich, was bei einer Impfung passiert? Das ist nicht nur bei Covid so. Auch generell glauben beklemmend viele – rund zehn Prozent –, dass Impfungen Kindern schaden könnten. Dabei sind Polio wie Pocken die wichtigsten Impfungen für Kinder und haben zwei schwere Geißeln der Menschheit fast ausgerottet.

Aber freilich: Wenn Wissenschaft – siehe insbesondere die beweisfreien CO2-Klimamodelle – ständig für ideologische Zwecke missbraucht wird, wenn selbst die armutschaffende und menschentötende Ideologie des Marxismus und Sozialismus ständig ihre Überlegenheit behauptet, weil sie "wissenschaftlich" sei, wenn der Nationalsozialismus seine Erb- und Rassentheorien als "wissenschaftlich" verkauft hat, dann sollte man sich nicht allzusehr wundern, dass die Menschen eine gesunde Skepsis gegen Machtansprüche der "Wissenschaft" haben. Wir haben alle zu wenig gelernt, dass wissenschaftliche Theorien und Modelle etwas durchaus Anzweifelbares sind, dass Wissenschaft erst dann einen ernstzunehmenden Wahrheitsanspruch hat, wenn sie auch harte empirische und experimentell untermauerte Kausalitätsbeweise liefern kann.

Das können Impfungen in hervorragendem Ausmaß (wenn auch bei Covid eben nicht durch Herstellung eines absoluten, sondern nur relativen Schutzes, also eines Schutzes vor schweren Erkrankungen). Zu allen anderen genannten Ideologien gibt es hingegen keine ernstzunehmenden empirischen Beweise. Bei ihnen gibt es im Gegenteil nur schwere Schäden durch angebliche "Wissenschaft".

(Nachträgliche Ergänzung: Mit etlichen Tagen Verzögerung hat nun das Rathaus stillschweigend nachgegeben und liefert doch zusätzliche Daten). 

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