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Italien, Schweden, USA: die Corona-Relationen und Zusammenhänge

Studiert man die Aussagen von zehn medial befragten "Experten" zur Corona-Pandemie, dann findet man rund dreißig völlig konträre "wissenschaftliche" Aussagen – je nach Zeitpunkt, da sich die Herren äußern (Corona-Dame habe ich keine gefunden). Außer dass weltweit seit Monaten eine ansteckende Virus-Infektion grassiert, die in China ihren Ausgang genommen hat, gibt es noch immer keine einzige Aussage, die völlig außer Streit stehen würde. Staunend steht man als medizinischer und naturwissenschaftlicher Laie vor diesem Faktum. Und bedauert Regierungen, die sich da entscheiden müssen. Man versteht zwar die politischen Zwänge, die die meisten Regierungen zu ihren Entscheidungen gebracht haben – auch wenn man sie zunehmend für fragwürdig hält. Man rätselt aber über die Gründe, warum die Pandemie in einzelnen Ländern so unterschiedlich verläuft, findet interessante Zusammenhänge zu den am meisten betroffenen Ländern und staunt über die Zahlen aus Schweden, das einen deutlich anderen Weg als alle anderen gegangen ist.

Aber auch bei Schweden hängt die Interpretation total damit zusammen, mit welchen anderen Ländern man wie vergleicht. Dass diese Vergleiche jedenfalls sehr wichtig wären, liegt jedoch auf der Hand. Denn nur dadurch kann man empirisch herausfinden, welche Kausalitäten da laufen, welche Maßnahmen offensichtlich wirken – und welche nicht. 

Welche Daten zieht man bei solchen Vergleichen überhaupt heran, um brauchbare Antworten zu finden?

Ganz ausscheiden sollte man jedenfalls chinesische Zahlen. Denn China hat so viel gelogen, hat so viele Zahlen nachträglich korrigiert und ist nach wie vor so wenig kontrollierbar, dass man da kein Vertrauen haben kann.

Besonders absurd ist auch der von vielen Medien ständig praktizierte Vergleich zwischen absoluten Zahlen, weil dabei natürlich große Länder wie die USA automatisch immer an der Spitze liegen. Dieser Vergleich ist so abwegig und manipulativ, dass eigentlich die Fake-News-Polizei des Innenministers einschreiten müsste. Aber das tut sie natürlich nicht, weil es ja Fake-News der klassischen Medien sind.

Auch die ständig verkündeten Zahlen der Infektionen in einem Land sind weitgehend unbrauchbar. Denn sie sind vor allem von einem abhängig: davon, wie viel in einem Land überhaupt getestet wird, sowie davon, wie zuverlässig die jeweiligen Tests sind. Wenn intensiv getestet wird, was richtig ist, und was auch die WHO empfiehlt, kommt man zwangsläufig auf eine viel größere Zahl von Infizierten. Denn viele Menschen haben schon die Virus-Infektion gehabt, ohne – erfreulicherweise – es überhaupt zu merken. Oder ohne die Symptome ernst genommen zu haben.

Am ehesten kann man die Todesfälle vergleichen. Aber auch da gibt es zwei ganz unterschiedliche Methoden.

  • Die eine ist der Vergleich der "Übersterblichkeit", also die Relation der Todesfälle in den Corona-Wochen mit dem langjährigen Durchschnitt. Da zeigte sich in Österreich etwa seit Mitte März eine Steigerung von 13 Prozent – was durchaus vergleichbar ist mit schweren Grippe-Jahren. Um die Übersterblichkeit seriös zu analysieren und zu vergleichen, ist es in Wahrheit aber viel zu früh. Dazu müsste man auch aus allen anderen Ländern die Zahlen haben. Dazu müsste man überdies wohl das ganze Kalenderjahr abwarten, weil es völlig offen ist, ob einige Menschen nur ein paar Wochen früher sterben, als sie sonst halt später sterben würden, oder ob es fürs ganze Jahr eine signifikante Übersterblichkeit gibt.
  • Die andere Methode ist der Vergleich der Corona-Toten mit der Einwohnerzahl. Auch dabei gibt es keineswegs Eindeutigkeit. Denn erstens sagt diese Totenzahl nur, ob ein Verstorbener vorher positiv auf das Virus getestet worden war. Aber es ist nicht klar, ob er AM Virus gestorben ist oder nur MIT dem Virus, jedoch eigentlich an einer anderen Krankheit. Obduktionen finden meistens nicht statt, die Eindeutigkeit verschaffen würden. Überdies dürften nicht alle Länder nach den gleichen Regeln messen: Werden etwa nur die im Spital Verstorbenen gezählt oder auch alle anderen? Manche meinen wieder – aber ebenfalls ohne harte Beweise –, dass beispielsweise Italien die Zahlen übertreiben würde, um die europäischen Hilfen besser zu aktivieren.

Trotz dieser Zweifel scheint mir dennoch der Vergleich der Todesfälle pro 100.000 Einwohner unter allen imperfekten Methoden der relativ seriöseste zu sein, um die Politik einzelner Länder und die Erfolge einzelner Strategien zu bewerten, aber insbesondere konkrete Kausalitäten herauszufinden. Die diesbezüglichen Werte einzelner ausgewählter Länder (weitgehend nach dieser Statistik ausgewählt):

Spanien               51
Italien                  45
Frankreich          36
Großbritannien 32
(nach einer noch unbestätigten zweiten Zählweise: 39)
Schweden          25
USA                     18
Luxemburg        15
Deutschland        8
Österreich            7
Finnland               5

Dieser Vergleich ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich.

So widersprechen die wirklichen Relationen der Dauer-Berichterstattung vieler Medien über die USA. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind die Todeszahlen der USA zwar mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland oder Österreich. Aber beispielsweise in Spanien sind sie fast dreimal so hoch wie in den USA. Die fast täglichen Hassberichte insbesondere des ORF über die USA sind daher auch in Sachen Corona reine Hetze.

In dieser Negativ-Statistik liegen drei ganz andere Länder voraus: Spanien, Italien und Frankreich (wenn man einmal die Ungewissheiten über die britischen Zahlen beiseitelässt, die das Land eventuell an die dritte Stelle bringen könnten). Die drei Genannten haben erstaunlich viele Gemeinsamkeiten: Sie sind alle große und alte EU-Mitglieder; sie sind alle romanische Staaten; sie sind alle katholisch; sie haben alle eine hohe kulinarische und kulturelle Lebensqualität; sie liegen alle in Sachen staatlicher Verschuldung ganz oben im europäischen Spitzenfeld; und sie werden alle von Linksregierungen geleitet.

Aber keiner dieser Faktoren erklärt wirklich, warum die Todeszahlen dort so katastrophal sind. Der Faktor "Linksregierung" erklärt höchstens, warum die ideologisch schlagseitigen Medien keine Lust haben, sich kritisch mit ihnen zu befassen, geschweige denn so aggressiv, wie sie die Amerikaner oder Briten begleiten.

Auch dass sie alle drei romanisch sind, scheint aufs erste eine völlig irrelevante Gemeinsamkeit zu sein. Es fällt aber auf, dass man dieses Kriterium auch anderswo findet: So sind in Belgien die Corona-Zahlen vor allem im französischsprechenden Wallonien besonders katastrophal; und in der Schweiz im italienischsprechenden Tessin. Auffallenderweise sind auch in dem zu 27 Prozent von Menschen aus dem südlicheren Italien bewohnten Südtirol die Zahlen deutlich schlechter als in Nordtirol (obwohl Ischgl von Vizekanzler Kogler und manchen Kampfmedien eine Zeitlang als der Hauptquell allen Übels dargestellt worden ist).

Mangels eingehender wissenschaftlicher Untersuchungen des Phänomens kann man dazu vorerst nur Spekulationen anstellen. Die kann man aber nicht ganz unterlassen, weil die Zusammenhänge in der größten Krise seit 1945 einfach viel zu wichtig sind, als dass man Jahre warten könnte. Daher seien zumindest einige der in den letzten Wochen besonders häufig aufgestellten Vermutungen über die möglichen Zusammenhänge aufgelistet (Häufig genannt wird auch der intensive Kontakt zwischen Italien und China – aber der kann es wohl nicht sein, weil es den in Spanien oder Frankreich nicht gibt):

  1. Die drei Länder haben deutlich weniger Intensivbetten (Spanien 10 pro 100.000 Einwohner; Italien 9 und Frankreich 16) als etwa die USA (26), Österreich (29) oder Deutschland (34). Großbritannien hat gar nur 7. Das klingt aufs erste nach einer massiv signifikanten Korrelation. Aber aufs zweite entdeckt man, dass es andere EU-Länder mit noch weniger Intensivbetten gibt. Vor allem gibt es noch keine seriösen Untersuchungen zur entscheidenden Frage: Sind in diesen Problemländern Menschen deswegen gestorben, weil kein Intensivbett frei war?
  2. Sind in diesen Ländern die Altersheime in einem besonders schlechten Zustand?
  3. Liegt es an der Zahl der Beatmungsgeräte (die ja auch außerhalb von Intensivstationen eingesetzt werden)?
  4. Setzen dort die Ärzte tendenziell falsche Behandlungsmethoden ein?
  5. Ist dort das Gesundheitssystem generell schlechter? Diese Erklärung ist extrem plausibel, wie die beklemmenden Zahlen der Todesfälle durch antibiotikaresistente Bakterien zeigt: Im Jahr 2015 (aktuellere Zahlen habe ich nicht gefunden) sind in Italien 10.762 Menschen durch solche Spitalskeime umgekommen (die Ansteckung erfolgt meist in Gesundheitseinrichtungen). Im viel größeren Deutschland betrug der Vergleichswert nicht einmal ein Viertel. In Österreich war die Zahl der Todesfälle durch solche Keime nur 276. Das heißt: In Italien war die Gefahr, an so einem Keim umzukommen 39 Mal so groß wie in der Alpenrepublik. Und in Frankreich war sie 20 Mal so groß. Das sagt enorm viel über das Gesundheitssystem aus.
  6. Stimmt der Zusammenhang, dass Kleinkinder in jenen Ländern weniger geimpft werden?
  7. Gibt es dort eine signifikant höhere Luftverschmutzung?
  8. Oder ein signifikant höheres Durchschnittsalter?
  9. Kursieren in diesen romanischen Regionen andere Varianten des Virus?
  10. Hängt das vielleicht mit der – von uns eigentlich so bewunderten – typischen Lebens- und Ernährungsweise jener Länder zusammen?
  11. Oder damit, dass in romanischen Ländern generell bürgerliche Disziplin zu den nicht sonderlich ausgeprägten Eigenschaften zählt, weshalb die von den Regierungen verhängten Restriktionen viel zu spät ernst genommen worden sind? Disziplin wird ja gerne zu den germanischen, zu den preußischen (Un-)Tugenden gezählt …

Jeden Tag profiliert sich irgendwo ein Arzt oder sonstiger Experte mit Erklärungen zu diesem und anderen Corona-Phänomenen. Aber vorerst ist keine dieser Erklärungen mit echten wissenschaftlichen Methoden erforscht und abgesichert, dass man ihr viel Vertrauen schenken könnte.

Unglaubwürdig ist jedenfalls die Vermutung, dass diese Länder beim Krankheitsverlauf den anderen einfach nur zeitlich voraus wären. Sie wird schon dadurch widerlegt, dass alle Kurven in fast allen Ländern nach zwei bis drei Monaten verflachen, dass nach diesem Zeitraum überall Todesfälle wie Erkrankungen weniger werden. Auch das ist ein statistisch zwar eindeutiges, aber ansonsten völlig unerklärtes Rätsel.

Fast genau die gleichen Fragen stellen sich zu einem anderen Land, über das derzeit noch viel mehr diskutiert wird als über Italien & Co, also über Schweden. Denn Schweden hat im Vergleich zum Rest Europas weitaus am liberalsten reagiert. Die Regierung hat zwar dringend mehr Distanz und Händewaschen empfohlen, aber Restaurants und Schulen offengelassen und Versammlungen mit maximal 50 Teilnehmern erlaubt.

Dadurch hat Schweden langfristig mit großer Wahrscheinlichkeit den weitaus geringsten wirtschaftlichen Schaden erlitten. Das Land hat auch Rechtsstaat und bürgerliche Freiheiten am wenigsten beeinträchtigt. Dabei hat auch Schweden eine linke Regierung, wenngleich eindeutig ist, dass die schwedischen Sozialdemokraten vor allem wirtschafts- und sozialpolitisch heute rechts von kontinentalen Christdemokraten stehen.

Was heißen nun die schwedischen Zahlen? Die Botschaft ist ambivalent: Die Erkrankungs- und Todeszahlen sind deutlich schlechter als in Österreich oder Deutschland, was rein Corona-politisch eindeutig gegen den schwedischen Weg spricht. Aber die Zahlen sind zugleich dramatisch besser als in den romanischen Ländern. Und die Krankheits-Parameter werden auch in Schweden so wie in den strengen Ländern von Tag zu Tag besser.

Bei der Suche nach einer Antwort kommen wir in Bereiche, wo es keine wissenschaftlichen Eindeutigkeiten mehr geben kann. Denn das Messmodell ist noch gar nicht erfunden, das auf der einen Seite das Ausmaß an Corona-Leid messen und dieses dann vergleichen könnte mit all dem Leid durch Verlust an Arbeitsplätzen, an Zukunft, an Lebensqualität sowie mit dem Leid durch steigende Selbstmorde wie auch durch das Chronischwerden und die vermehrten Todesfälle wegen nicht oder zu spät behandelter anderer Krankheiten. So ist jetzt eine Studie britischer Wissenschaftler schon zum Schluss gekommen, dass wegen Unterlassung von Vorsorgeuntersuchungen alleine an Krebs eine so große Zahl an Menschen zusätzlich sterben wird, dass dieser Wert rund 70 Prozent der Corona-Todeszahlen entspricht.

Ab hier setzt der Moment ein, wo man recht glücklich sein muss, kein Politiker zu sein, der da all diese unterschiedlichen und widersprechenden Ziele, alle Alternativen und Gefahren ohne Hellseherei gegeneinander abwägen muss. Und der dann jedenfalls Entscheidungen treffen muss.

Warum haben sich aber angesichts solcher Schwierigkeiten eigentlich fast alle Regierungen dieser Welt für den Weg des Lockdowns und gegen die schwedische Liberalität entschieden? Darauf ist die Antwort wieder einfach. Denn für jede Regierung war am Beginn der Seuche die Perspektive ziemlich klar: Wäre es bei Beschreiten des schwedischen Weges später zu dem von vielen Experten prophezeiten Massensterben gekommen, dann wäre es zu revolutionären Protesten gegen eine verantwortungslose Mörderregierung gekommen, die weit ärger wären, als es umgekehrt die jetzigen Proteste gegen die strengen anti-Corona-Maßnahmen in einigen Ländern sind. Dann wären die Regierungsmitglieder vor dem Strafrichter gelandet, wenn sie nicht gleich von empörten Massen gelyncht worden wären.

Dieses Risiko wollte nachvollziehbarerweise kein Politiker eingehen. Auch wenn es zweifellos besser gewesen wäre, er hätte es getan. Auch wenn es etliche Indizien gibt, dass die Schweden schon auf gutem Weg zu einer beruhigenden Herdenimmunität unterwegs sind, von der die strengen Länder noch weit weg sind.

Andererseits weiß die Wissenschaft ja nicht einmal: kann es überhaupt Herdenimmunität geben? Kann man nicht auch trotz schon einmal überstandener Corona-Erkrankung bei der nächsten Welle – wie bei der Grippe – wieder angesteckt werden?

Und jedenfalls scheint eines klar: Der liberale Weg war wohl nur mit einem so disziplinierten und gelassenen Volk wie eben den Schweden möglich. Auch wenn dort jetzt Kritiker zu Recht sagen können: In Relation zum Ausland sind bei uns eigentlich schon weit mehr als tausend Menschen zuviel gestorben ...

PS: Interessant ist auch der Vergleich zu Schwedens Nachbarland Finnland. Dort hat es einen strengen Lockdown und als Folge noch weniger Todesfälle als bei uns gegeben. Jetzt hat Finnland aber Angst, die Maßnahmen aufzuheben – weil das Land noch weit von einer Herdenimmunität entfernt ist. Viel weiter als Schweden.

PPS: Ebenso interessant ist Luxemburg, das relativ schlechte Werte hat: Dort wird jetzt erstmals – mit erheblichen Kosten – eine ganze Bevölkerung durchgetestet. Auch dort hat man wohl schon die heimliche Hoffnung auf eine Herdenimmunität …

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