Alois Stögers Sorgen und Bill Gates Geld

Lesezeit: 4:00

Alois Stöger ist ein Alleskönner. Ein „Wunderwuzzi“, wie man in der Alpenrepublik zu sagen pflegt. Als gelernter Maschinenschlosser (etwas anderes als die darniederliegende verstaatlichte Industrie hat er in seinem erlernten Beruf allerdings nie von innen gesehen) und nach einer fulminanten Gewerkschaftskarriere, war er anno 2008 für das Amt des Gesundheitsministers geradezu prädestiniert. Immerhin kennt er sich als Arbeitnehmervertreter ja bestens mit jenen Tricks aus, die eine medizinische Voraussetzung für die Frühpensionierung bilden.

Berufen wurde Loisl vom bestgeföhnten Mann des Landes – Bundeskanzler Faymann – einem Politprofi, der überhaupt keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann. Fachleute unter sich.

Für einen brillanten Kopf wie Stöger ist der dauerhafte Aufenthalt in ein und demselben Ministerium naturgemäß eine Zumutung. Giert er doch, wie alle Hochbegabten, nach ständig neuen Herausforderungen. Seit September des Vorjahres wurde ihm eine solche zuteil, als er im Zuge einer Regierungsumbildung mit der Leitung des Verkehrsministeriums betraut wurde. In dieser Funktion ist er, ganz nebenbei, auch für Innovation und Technologie zuständig. Warum auch nicht? Gut unterrichtete Kreise wissen zu berichten, dass der Mann problemlos einen Bus von einem Fahrrad unterscheiden, und auch die Vorzüge eines Windrades gegenüber einem AKW auf Anhieb benennen kann.

Nun gäbe es für einen Verkehrs-, Technologie und Innovationsminister in einem Land, das in wirtschaftlicher Hinsicht seit vielen Jahren dramatisch an Boden verliert, und dessen Arbeitslosenzahlen gerade explodieren, eine ganze Menge Baustellen, an denen er seinen überlegenen Geist unter Beweis stellen könnte. Dass das benachbarte Deutschland, nach wie vor der Haupthandelspartner Österreichs, im Begriff ist, unaufhaltsam davonzuziehen, ist ein alarmierender Hinweis darauf, dass es mit Technologie und Innovation hierzulande offensichtlich nicht zum Besten steht.

Aber was ein in der Wolle gefärbter Sozi ist, hat natürlich andere Sorgen. Was sind schon ein paar ins Ausland verlorene Arbeitsplätze gegen die wirklich wesentlichen Gefahren, denen die Heimat der Sängerknaben und Lipizzaner ausgesetzt ist? Ein Minister muss schließlich Prioritäten setzen – und so kommt das Wichtigste zuerst. Welcher Gefahr, so fragt sich der interessierte Beobachter, wirft sich der talentierte Herr Stöger furchtlos entgegen?

Dazu bedarf es einer erläuternden Vorbemerkung: Seit der Einführung neuer, EU-konformer Nummernschilder für Kraftfahrzeuge, gibt es die Möglichkeit, gegen geringes Entgelt ein „Wunschkennzeichen“ zu beantragen. Der Kreativität der Fahrzeughalter sind dabei recht enge Grenzen gesetzt. Maximal sechs Stellen, die letzte davon muss in jedem Fall eine Zahl sein, stehen zur Verfügung. Schlichte Naturen haben somit die Möglichkeit, alle Welt über ihre geistige Verfassung aufzuklären, indem sie etwa als „MAUSI 1“ oder „PEPI 3“ die Straßen unsicher machen. Warum nicht? Wer´s mag …

Jetzt aber ist der Minister einer unerhörten Bedrohung gewahr geworden, die in der missbräuchlichen Verwendung von „NS-Codes“ auf Nummernschildern besteht (möglicherweise hat ihm ein wohlmeinender Freund aus Deutschland, wo man das bereits vor Jahren erkannt hat, darauf aufmerksam gemacht). Schon bisher sind Wunschkennzeichen, die Buchstabenkombinationen wie „SS“ oder „SA“ enthalten, unzulässig. Die amtliche Paranoia geht sogar so weit, dass etwa die Ortskennung für Neusiedl am See (im Burgenland) nicht, der üblichen Abkürzungspraxis folgend, „NS“, sondern „ND“ lautet.

Nun aber sollen, nach dem Willen des unerschrockenen Antifanten Stöger, auch bestimmte Ziffernkombinationen untersagt werden. Ein großartiger Schachzug, denn woran denkt naturgemäß jeder, der der Zahl 88 ansichtig wird? An „Heil Hitler“ natürlich, ist doch der achte Buchstabe des Alphabets schließlich das H. Und 198? 19=S, 8=H – „Sieg Heil“. Fällt doch sofort ins Auge (zumindest dem, der das richtige Kraut raucht).

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Dem ruchlosen Treiben ewig gestriger Narren, die mit „NS-Codes“ auf ihren Kraftfahrzeugen alten Ungeist befördern, soll nun entschlossen Einhalt geboten werden. Würde nämlich am Ende mehr als ein Fahrzeughalter auf die perfide Idee kommen, sein Auto etwa mit der Zahl 18 („Adolf Hitler“) zu schmücken, könnten am Ende schon morgen wieder die braunen Kolonnen durch die Straßen marschieren …

„Deine Sorgen und dem Rothschild sein Geld möcht ich haben“, war ein Spruch, den ich als Kind mit (zu) großen Wünschen oft zu hören bekam. Was für ein glückliches Land Österreich doch sein muss, wenn seine politische Elite sich in einer Zeit, wo mittlerweile beinahe alles den Bach runterzugehen droht, die Muße hat, sich mit solchen „Problemen“ zu befassen.

Jede Gesellschaft hat die Institutionen, die ihr entsprechen (in Österreich etwa im Verfassungsrang stehende Zwangsinteressenvertretungen). Und jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Und die besteht im Land der Hämmer eben aus Leuten wie Alois Stöger. Tu felix Austria!

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorWolfgang Bauer
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Februar 2015 10:54

    Auch hat der Herr Minister erkannt, dass die VOEST eine gute Dividende schüttet. Somit schließt er messerscharf, dass die Privatisierung ein großer Fehler war. Denn andernfalls hätte er jetzt die Dividende für wohltuende Staatszwecke zur Verfügung. Auf die Idee, dass eine nichtprivatisierte VOEST eher gar nicht mehr existieren würde, kommt der große Idiologe (pardon) nicht. Dafür hat er im KURIER-Interview auf die Frage, wieso er sich das Infrastrukturmin. zutraue, gesagt: "Ich komme ja aus der Industrie." Stimmt rein räumlich auch wieder irgendwie.
    Andererseits nach Bures...

  2. Ausgezeichneter KommentatorIngrid Bittner
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Februar 2015 09:29

    Und was kommt als Nächstes??
    Das schwarze Pendant, der Wirtschaftsminister wird die Preise verbieten, es wird nichts mehr 18, 88, oder 198 Euro kosten dürfen.

  3. Ausgezeichneter Kommentatorich will Partner werden
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    21. Februar 2015 22:34

    Sein wir doch bitte froh wenn ein echt ausgelernter Lehrling einem fast Maturanten zeigt wo der Bartl den Most herholt (für unsere deutschen Freunde; wo der Hammer hängt)

  4. Ausgezeichneter Kommentatorefrinn
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Februar 2015 14:06

    Zum Thema 88: Man kann auch das Kind mit dem Bad ausschütten. Seit meiner Jugend verwende ich im Amateurfunk Zahlencodes, die im Morsefunk und somit noch vor Hitlers Zeiten eingeführt wurden. Einer davon heißt 88 und bedeutet "Liebe und Küsse". In Zeiten der totalen Vorratsdatenspeicherung ist nun zu befürchten, daß ich dafür als Nazi "behandelt" werde, wenn ich diese Kombination z.B. in einem sms an eine Freundin verwende ... ;-)

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorich will Partner werden
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    21. Februar 2015 22:34

    Sein wir doch bitte froh wenn ein echt ausgelernter Lehrling einem fast Maturanten zeigt wo der Bartl den Most herholt (für unsere deutschen Freunde; wo der Hammer hängt)


alle Kommentare

  1. lei-lei
    24. Februar 2015 11:45

    Achtung, Achtung!

    Bitteee verachtet mir die Buchstabenfolge "HAHA" nicht - die hat es nämlich in sich, eine explosive Kombination!

    Ein derartiger Anschlag auf die Volksherrschaft muss unverzüglich gesetzlich unterbunden werden!

  2. peter789 (kein Partner)
    21. Februar 2015 23:42

    Lange geht das Ganze eh nimmer gut. UNd das in ganz Europa.

  3. ich will Partner werden (kein Partner)
    21. Februar 2015 22:34

    Sein wir doch bitte froh wenn ein echt ausgelernter Lehrling einem fast Maturanten zeigt wo der Bartl den Most herholt (für unsere deutschen Freunde; wo der Hammer hängt)

  4. Torres (kein Partner)
    21. Februar 2015 21:49

    Und was ist mit KGB, CIA oder NSA? Erlaubt?

  5. efrinn
    19. Februar 2015 14:06

    Zum Thema 88: Man kann auch das Kind mit dem Bad ausschütten. Seit meiner Jugend verwende ich im Amateurfunk Zahlencodes, die im Morsefunk und somit noch vor Hitlers Zeiten eingeführt wurden. Einer davon heißt 88 und bedeutet "Liebe und Küsse". In Zeiten der totalen Vorratsdatenspeicherung ist nun zu befürchten, daß ich dafür als Nazi "behandelt" werde, wenn ich diese Kombination z.B. in einem sms an eine Freundin verwende ... ;-)

    • Gerhard Pascher
      20. Februar 2015 11:45

      CQ:
      23 efrinn. Es ist einfach lächerlich, wenn 70 Jahre nach Kriegsende immer wieder mit solchen Blödheiten umgegangen wird. Mich erinnert dies immer wieder an die letzten Kriegstage, wo in der Schule der obligatorische Abschiedsgruß von manchen Schülern mit einem schlecht verständlichen "Drei Liter" wiedergegeben wurde. Auch solche Antworten auf den sog. Deutschen Gruß waren vereinzelt zu hören: "Bin ich Arzt?" oder "Der soll sich doch selbst heilen".
      73

      Für die Nichtwisser zum Amateurfunk:
      CQ = seek you = allgemeiner Anruf an irgend eine Person
      23 = Ich habe es verstanden
      73 = Herzliche Grüße

  6. Wolfgang Bauer
    19. Februar 2015 10:54

    Auch hat der Herr Minister erkannt, dass die VOEST eine gute Dividende schüttet. Somit schließt er messerscharf, dass die Privatisierung ein großer Fehler war. Denn andernfalls hätte er jetzt die Dividende für wohltuende Staatszwecke zur Verfügung. Auf die Idee, dass eine nichtprivatisierte VOEST eher gar nicht mehr existieren würde, kommt der große Idiologe (pardon) nicht. Dafür hat er im KURIER-Interview auf die Frage, wieso er sich das Infrastrukturmin. zutraue, gesagt: "Ich komme ja aus der Industrie." Stimmt rein räumlich auch wieder irgendwie.
    Andererseits nach Bures...

  7. Ingrid Bittner
    19. Februar 2015 09:29

    Und was kommt als Nächstes??
    Das schwarze Pendant, der Wirtschaftsminister wird die Preise verbieten, es wird nichts mehr 18, 88, oder 198 Euro kosten dürfen.

    • CHP
      19. Februar 2015 10:01

      Solche Preise gibt es nicht! Evt. nur 17,99 , nur 87,99 oder nur 197,99. Die Ziffer 9 muss verboten werden.





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