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Der Gottseibeiuns der Linken

 

Herbert Kickl polarisiert wie kein zweiter. Medien, Asylindustrie und Bobo-Szene hassen ihn. Der Chefredakteur der "Presse" stilisiert ihn gar zum Robespierre der FPÖ. Viele Menschen aber, die nicht in linken Filterblasen leben, ihr Geld nicht in geschützten Werkstätten verdienen und die der Durchsetzung von Recht und Ordnung durchaus  etwas abgewinnen können, halten ihn für einen fähigen Mann. Liegt die Wahrheit am Ende in der Mitte?

Der sattsam bekannte "Ibiza-Skandal" gilt gemeinhin als Grund für das Scheitern der türkis-schwarzen Koalition. In diesen Skandal, dem die personellen Konsequenzen der beiden darin verwickelten Personen auf dem Fuß folgen, ist Innenminister Kickl allerdings in keiner Weise verwickelt. Selbst seine schärfsten Kritiker, die jeden seiner Schritte minutiös überwachen, können das nicht behaupten. Dennoch ist er – mehr als alle anderen Freiheitlichen – der bestgehasste Mann im Lande.

Was auch immer der Innenminister in seiner kurzen Amtszeit unternimmt – es wird von der Opposition und den Medien in Grund und Boden verdammt; jeder seiner Schritte als einer auf dem Weg in einen autoritären Staat dargestellt. Ob es um die Schaffung einer berittenen Polizeitruppe geht, um seinen Umgang mit "Flüchtlingen", seine ohne jeden Beweis behauptete Rolle im Skandal um das BVT, oder schlicht um die Einladung zu einer Plauderstunde im ORF-Radio - alles wird zum Skandal aufgeblasen.

Die Verwendung unterschiedlicher Maßstäbe durch die Meinungsbildner – je nachdem, ob es um linke oder nichtlinke Kräfte im Lande geht, ist notorisch. Im Falle Herbert Kickls werden neue Gipfel erreicht. Selbst seine Körpergröße und sein abgebrochenes Philosophiestudium werden hämisch kommentiert. Eine angelernte Hilfskraft als Nationalratspräsidentin oder ein Maschinenschlosser als Gesundheitsminister sind dagegen kein Thema - solange es sich dabei um Sozialisten handelt.

Bundespräsident Van Der Bellen schlägt sich ungeniert auf die Seite der angeblich um die Demokratie besorgten Alarmisten und erklärt, Herbert Kickl nie wieder als Innenminister angeloben zu wollen. Einen Grund dafür nennt er nicht. Pure Willkür, so scheint es, breitet sich im Land der Hämmer aus.

Der Journalist Werner Reichel legt soeben ein Buch vor, in dem er die Zeit von der Angelobung der türkis-blauen Regierung bis zum Bruch der Koalition nachzeichnet, den Kanzler Sebastian Kurz mit dem berüchtigten "Ibiza-Video" begründet. Er spürt den Gründen nach, die dazu führen, dass Kurz am Tag nach dem Rücktritt des Vizekanzlers und der mit dem neuen FPÖ-Chef getroffenen Vereinbarung, die Koalition fortzusetzen, plötzlich die Forderung nach dem Kopf des Innenministers erhebt und damit – ohne Not – die Koalition in die Luft sprengt.

Seither vergeht bekanntlich kein Tag, an dem die Medien – allen voran der dunkelrotgrüne ORF – ihn und die Freiheitlichen nicht mit Unflat überziehen. Das wird wohl nicht ganz ohne Wirkung auf den Ausgang der Wahlen im Herbst bleiben. Immerhin halten viele Rentner (das sind mehr als zwei Millionen Wahlberechtigte) den ORF erstaunlicherweise immer noch für eine seriöse Informationsquelle. Der smarte Jungstar der ÖVP hat sich und seine Strahlkraft möglicherweise doch überschätzt.

Herbert Kickls Karriere ist mit dem Sturz der türkisblauen Regierung Sicherheit noch nicht zu Ende. Nach den Wahlen im Herbst werden die Karten neu verteilt. Dann werden wir weitersehen.

Buchtipp: Werner Reichel: "Kickl muss weg / Der schmutzige Kampf um die Macht" (Verlag Frank&Frei, 249 Seiten, 17,90 Euro)

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien. 

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