Europa und damit zwangsläufig auch Österreich fallen an vielen Fronten zurück, militärisch, wirtschaftlich, durch den dramatischen Geburtenrückgang. Europa verliert aber auch dort, wo zusammen mit den USA viele noch glauben, dass der Westen weiterhin einsamer Weltmeister sei: nämlich als beneidenswertes gesellschaftliches Modell.
Diesem Glauben widerspricht jetzt die größte je durchgeführte panafrikanische Meinungsforschungs-Welle. Sie zeigt, dass China von den jungen Afrikanern zwischen 18 und 24 deutlich positiver gesehen wird als die westlichen Länder. Das hat viele Ursachen. Das führt aber dennoch nicht zu der theoretisch eigentlich logischen Konsequenz: dass die jungen Afrikaner nach China drängen und dass die afrikanische Massenmigration junger Afrikaner nach Europa zurückginge.
Diese wird weitergehen, weil Europa geographisch viel näher liegt, weil die meisten Afrikaner Englisch oder Französisch halbwegs beherrschen, nicht aber Chinesisch, weil das strenge totalitäre Kontrollland China sowohl die illegale Einreise wie auch das illegale Verbleiben unmöglich macht. Das hängt weiters damit zusammen, dass jungen Afrikanern im liberalen Europa auch jahrelang eine illegale Existenz möglich ist, weil Gesetze und Gerichte hier anlasslose Kontrollen verbieten, weil Abschiebungen oft unmöglich sind, weil das Heimatland nicht festgestellt werden kann, weil die Heimatländer oft eine Rückführung von Menschen aus dem Ausland verweigern, die von dort Devisenbringer sind, im Inland aber nur überflüssige Esser wären.
Trotz des Dranges ausschließlich nach Europa ist das chinesische Gesellschaftsmodell populärer. Das ist dramatisch. Denn Afrika ist der wichtigste Kontinent der Zukunft der Menschheit (die übrigens einst auch dort ihren Anfang genommen hat).
Denn heute schon leben 40 Prozent aller jungen Erdbewohner in Afrika. Und dieser Prozentsatz wird sich noch erhöhen. Während bei Indien und China, den heute einwohnermäßig größten Ländern der Welt, der langsame Rückgang der Einwohnerzahl schon feststeht, ist er in Nigeria & Co noch lange nicht absehbar.
Daher ist es durchaus tragisch, wenn den Afrikanern die straffe Diktatur Chinas, die sich mit der Effizienz einer Schein-Marktwirtschaft verbunden hat, als attraktivstes Lebensmodell erscheint. Dazu tragen viele Faktoren bei:
- China hat viel Geld gerade in Afrika in Infrastruktur und Bergbau investiert. Das geschah zwar praktisch immer nur als Kredit und zur Erhöhung des chinesischen Profits und Einflusses (man denke nur an das bei mehreren Rohstoffen geschaffene chinesische Weltmonopol, das zunehmend nicht nur zum Hinauftreiben der Preise, sondern auch als globales Erpressungsinstrument eingesetzt wird, man denke nur an die Abstimmungen in der UN-Generalversammlung) – aber der Durchschnittsafrikaner sieht vor allem das Entstehen neuer Bahnlinien, Straßen und Häfen dank der Chinesen.
- Denn in der auch für Afrika prägenden globalen Medienberichterstattung erfahren die Afrikaner viel Negatives aus Europa und Nordamerika, aus China hingegen nie. So scheint es in totalitären Diktaturen keine Kriminalität zu geben. Und Korruption ist in China oder auch Russland erst dann ein Thema, wenn der große Führer unter diesem Titel irgendwelche potentiell für ihn gefährlichen Funktionäre kaltstellt.
- Den Europäern hängt auch immer noch die koloniale Vergangenheit in etlichen Staaten nach. Niemand wagt es, in der linksliberalen Meinungsherrschaft an die vielen positiven Seiten der Kolonialzeit etwa im Bereich von Schule und Gesundheit zu erinnern, während die vielen negativen Seiten nicht nur von Afrikanern ständig wiederholt werden (die damit bei den Europäern schlechtes Gewissen und damit Spendierbereitschaft hervorzurufen versuchen), sondern auch von der europäischen Linken, welche die einschlägigen Universitätsinstitute (Afrikanisten, postkoloniale Studien, Politiologie) unter strikter Kontrolle hat.
- Ähnliches bewirkt heute die amerikanische Politik, die seit Jahrzehnten und besonders unter Donald Trump so tut, als sei sie das Maß aller Dinge, als sei jeder einzelne Amerikaner wertvoller als Bürger anderer Länder.
- In jüngster Zeit hat der erfolgreiche Versuch der USA, die Führung Venezuelas auszuschalten und die Politik dieses Landes zu ändern, bei vielen afrikanischen Politikern Sorge ausgelöst, Ähnliches könne auch ihnen passieren.
- Ebenso schlecht angekommen ist der gescheiterte Versuch, Ähnliches im Iran zu tun. Im muslimischen Teil Afrikas sowieso, aber auch im Rest Afrikas hat der Irankrieg die Energieversorgung schwer beeinträchtigt und die Preise in die Höhe getrieben, was in Afrika wie in Europa überwiegend den USA angelastet wird (obwohl eigentlich der Iran mit der Blockade der Straße von Hormus und der Exporte anderer Länder angefangen hat).
- Gerade die linken Europäer haben gleichzeitig vor allem über die EU eine neue Linie der Bevormundung entwickelt, die man durchaus auch als Neokolonialismus bezeichnen könnte: Dieser besteht in den vielen Versuchen, Einfluss auf die Afrikaner zu nehmen. So üben die EU-Staaten Druck auf die Afrikaner in Richtung Klimarettungspolitik aus.
- Ähnlich haben die europäischen Lieferkettengesetze vor allem afrikanische Unternehmen geschädigt, die durch Billiglöhne versucht haben, den Europäern Konkurrenz zu machen.
- Ganz schlecht angekommen ist in Afrika weiters die von den Europäern zu verantwortende – von den USA allerdings ebenfalls immer kritisierte – Schaffung des Internationalen Strafgerichtshofs, der als erstes vor allem afrikanische Politiker ins Gefängnis gebracht hat.
- Besonders üble Konsequenzen hat auch die von Linken, aber ebenso manchen naiven Christen immer wieder ausgestreute Behauptung, dass der Wohlstand Europas und Nordamerikas nur durch die gleichzeitige Armut Afrikas, durch Ausbeutung der Afrikaner möglich geworden ist. Was zwar in keiner Weise stimmt, aber als Milchmädchenrechnung manchen sehr plausibel vorkommt.
- China scheint bei oberflächlicher Betrachtung den westlichen Grundsatz zu widerlegen, dass Wohlstand nur in demokratisch-rechtsstaatlicher Freiheit möglich sei.
- Die wirklichen Ursachen dieses Wohlstands – Rechtsstaat, Marktwirtschaft, Wissenschaft und Freiheit – werden nur von einer Minderheit der gebildeten Afrikaner erkannt.
Das Ergebnis dieser Entwicklungen ist, dass der europäische Rechtsstaat, dass das Modell der Demokratie und Marktwirtschaft immer mehr an Ansehen und Vorbildwirkung verliert. Die vordergründige Effizienz, Disziplin, Ruhe und Ordnung des chinesischen Modells scheinen immer mehr Afrikanern als wichtig und richtig. Dadurch gelingt es den Chinesen sogar, sich als wahre Verfechter der Gleichheit aller Nationen und Völker auszugeben.
- Obwohl sie jeden noch so kleinen Widerstand in der eigenen Bevölkerung brutaler niederschlagen, als selbst Putin das in Russland tut.
- Obwohl sie sich als Mittelpunkt der Menschheit fühlen, als Reich der Mitte.
- Obwohl sie gleich zwei große Völker extrem brutal unterdrücken, die Tibetaner und Uiguren.
- Obwohl sie sich mehr als jedes andere Volk rassistisch der restlichen Menschheit gegenüber als höherwertig ansehen.