Der Euro ist ein Erfolgsmodell und Elvis lebt

Lesezeit: 3:30

"Ein neues Spiel, ein neues Glück" sang Siw Malmkvist in den 1960ern und stürmte damit die Hitparaden. Seitdem das Finanzcasino zum liebsten Aufenthaltsort der Staatenlenker geworden ist und sie zusammen mit den Zentral- und Geschäftsbankern das monopolisierte Fiatgeld hemmungslos inflationieren, kommt indes ein altes Wienerlied zu neuen Ehren: Das Glück ist ein Vogerl. Fortgeflogen ist es gleich.

Dazu passt die Analyse des an der Universität Erlangen-Nürnberg habilitierten Ökonomen Antony P. Mueller. Er konstatiert, dass das globale Finanzsystem zwar einen Boom erlebt, dass aber die durch die ungebremste Geldmengenvergrößerung scheinbar bewältigte Krise bereits alle Voraussetzungen für die nächste schafft. Dass es zu einer schmerzhaften Korrektur der ökonomischen Verzerrungen kommen wird, steht für Professor Mueller außer Frage. Nur der Zeitpunkt, zu dem das passieren wird, ist ungewiss.

Vor 20 Jahren wurde der Euro als Verrechnungseinheit eingeführt. Geldscheine und Münzen kamen im Jahr 2002 in Umlauf. Mittlerweile sind 23 Länder auf die von Anfang an als politisches, und nicht als wirtschaftliches Projekt lancierte europide Esperantowährung umgestiegen. Letzter Beitrittskandidat war Litauen anno 2015.

Einer der wesentlichsten Maßstäbe für die Qualität einer Währung ist deren Stabilität. Die bemisst sich an ihrer Kaufkraft, nicht am Wechselkurs zu anderen papierenen Währungen, die – wie der Euro – ebenfalls keinen Warencharakter und damit keinen intrinsischen Wert aufweisen.

Ein zuverlässiger Indikator für die Geldqualität ist ihr Verhältnis zum Gold, also zu jenem Edelmetall, das bis 1971 eine (wenn auch zu diesem Zeitpunkt bereits stark eingeschränkte) "Ankerfunktion" für das internationale Währungssystem hatte. Unter dem vietnamkriegsbedingten Eindruck eines Goldabflusses aus amerikanischen Tresoren schloss US-Präsident Nixon das "Goldfenster" und setzte damit – erstaunlicherweise mehr oder weniger unkommentiert – die de facto größte Enteignungsaktion aller Zeiten ins Werk.

Bei der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung kostete eine Feinunze (31,103g) des gelben Metalls 288 Euro. Am 3. 1. 2019 sind für dasselbe Gewicht dagegen 1.136,- Euro fällig (36.111,- Euro pro Kilogramm). Der Euro hat somit gegenüber dem "Wertanker" Gold bereits 75% seines Wertes eingebüßt – und das in gerade einmal 20 Jahren.

Um sich auszumalen, was das für jene immer kleiner werdende Gruppe bedauernswerter Zeitgenossen bedeutet, die sich nicht auf Teufel-komm-raus verschuldet haben, sondern der einst als Tugend geltenden Sparsamkeit frönen und finanzielle Rücklagen gebildet haben, bedarf es nicht allzu viel Phantasie: Wer unter den herrschenden Bedingungen spart, kann seinen Reserven beim Schwinden zusehen und wird tagtäglich ärmer. In der Doppelmühle zwischen Nullzins und Preisinflation gefangen, ist derzeit kein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen – jedenfalls nicht im Euroland. Die amerikanischen Notenbanker sind – nach dem achten Zinsschritt nach oben – für die nächste Krise deutlich besser aufgestellt als Mario Draghi und seine geldsozialistischen Genossen.

Wer auf der Suche nach Sicherheit, etwa durch den Kauf einer zu vermietenden Eigentumswohnung oder eines Zinshauses, in "Betongold" investiert, ist dafür der Willkür der die Politik beherrschenden Neidgenossenschaft schutzlos ausgeliefert und lebt in der permanenten Gefahr einer direkt oder indirekt erfolgenden Enteignung. In Berlin zeichnet sich bereits ab, wohin die Reise in den kommenden Jahren gehen könnte: Privat finanzierter Wohnraum soll nach dem Willen linker Aktivisten verstaatlicht werden. Die Blockparteien werden – auf der Jagd nach korrupten Wählern – dafür sorgen, dass es auch so kommt.

Silber, das einst ebenfalls als Geld in Gebrauch war, weist, seitdem seine Bedeutung für die technische Verwendung (z. B. in der Photo- und Filmindustrie) stark abgenommen hat, eine sehr hohe Volatilität auf und schafft beim derzeitigen Wertverhältnis von 1:65 zum Gold zudem Lager- und Transportprobleme. Edelsteine wiederum, beispielsweise die bei Anlegern begehrten lupenreinen Brillanten, weisen zwar eine extrem hohe Wertdichte auf, sind leicht zu transportieren, können zudem nicht mit Metalldetektoren aufgespürt werden, sind aber zweifellos eine "Expertensache" und in Krisenzeiten vermutlich nicht ganz leicht zu verwerten.

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles, lässt Dichterfürst Goethe sein Gretchen im ersten Teil des Faust-Dramas seufzen. In der Tat: wer sich mobile und zuverlässig werthaltige (wenn auch keine Zinserträge generierende) Rücklagen schaffen will, kommt am Gold nicht vorbei. Zur Illustration: vor 2.000 Jahren war im Imperium Romanum für eine Unze Gold eine solide Herrenausstattung zu haben. Eine Goldunze reicht auch heute noch aus, um ein komplettes Herrenausfit zu erwerben.

Gesetzt den utopischen Fall, der Euro würde eine Zeitspanne von 2000 Jahren überleben: Für 1.136 Euro gäbe es in 2000 Jahren nicht einmal mehr einen Hemdknopf.

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Januar 2019 19:34

    Eine hervorragende Analyse. Die Überzeugung der EU Obrigkeit war und ist, das Primat der Politik vor der Wirtschaft. Der Euro wurde aus rein politischen Motiven eingeführt, hat seither die Wirtschaft der EU in die Wettbewerbsunfähigkeit geführt.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorotti
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    06. Januar 2019 19:22

    Herr Tögel: wie immer ist Ihrem Kommentar nichts hinzuzufügen !

    Was mich, als lebenslanger Sparer für ein halbwegs gesichertes Rentenleben so wahnsinnig verwundert ist, daß NIEMAND, absolut NIEMAND eine Montag bis Sonntag Demo veranstaltet. (Und das elendigliche ist, ich bin schon zu alt dafür.)

    Früher hat man Diebe an den Pranger gestellt. (Wenn nicht vorher aufgehängt)

    Heute können wir die EZB-ler weder wählen, noch abwählen, noch sonst was.
    (unter EZB-ler verstehe ich natürlich mehr !)

  3. Ausgezeichneter KommentatorPrinz Eugen von Savoyen
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Januar 2019 22:18

    Der Euro ist ein Erfolgsmodell und Elvis lebt...

    Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Natürlich lebt der King.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorfxs
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Januar 2019 20:41

    Vor etwa 50 Jahren kostete meine erste Halbe Bier im Gasthof 3 Schilling. Heute kriege ich im Gasthof nicht einmal um 3 Euro eine Halbe.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorPrinz Eugen von Savoyen
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    13. Januar 2019 22:18

    Der Euro ist ein Erfolgsmodell und Elvis lebt...

    Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Natürlich lebt der King.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorfxs
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Januar 2019 20:41

    Vor etwa 50 Jahren kostete meine erste Halbe Bier im Gasthof 3 Schilling. Heute kriege ich im Gasthof nicht einmal um 3 Euro eine Halbe.

alle Kommentare

  1. Prinz Eugen von Savoyen (kein Partner)
    13. Januar 2019 22:18

    Der Euro ist ein Erfolgsmodell und Elvis lebt...

    Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Natürlich lebt der King.

  2. fewe (kein Partner)
    11. Januar 2019 16:18

    Mit Gold haben Sie freilich sehr recht. Es ist leicht zu prüfen und es kann beliebig geteilt werden. Es schwankt zwar manchmal stärker im Wert - beispielsweise vor 20 Jahren lag Gold bei ca. 350 EUR so weit ich mich erinnere -, aber es ist jedenfalls auch an einem solchen Tiefpunkt immer noch etwas wert.

    Diamanten halte ich für sehr kritisch, weil nicht wirklich bekannt ist, welche Menge davon vorhanden ist.

  3. fewe (kein Partner)
    10. Januar 2019 06:37

    Ich hatte in der Schule noch gelernt, dass Staaten wie die DDR ohne goldgedeckte Währung nur wertloses Geld haben.

    Mir ist das im Prinzip egal. Der Euro funktioniert bislang und es wird hoffentlich so bleiben.

    Anlagen in Geld waren sowieso noch nie eine Königsidee.

    Der Vorteil des Euro ist, dass er einen sehr großen Wirtschaftsraum umfasst. Wenn man den krachen lässt, verlieren auch jene, die sich daran bereichern wollen.

    Der USD hat heute nur noch ca. 3 Prozent des Wertes wie vor 100 Jahren.

    Ein Golddukaten hatte vor ca. 50 Jahren in Österreich ca. 100 ATS gekostet, heute ca. 100 EUR. Die Inflation läuft also stetig, ist aber nötig, damit eine Währung nicht irgendwann kollabiert.

  4. fxs (kein Partner)
    09. Januar 2019 20:41

    Vor etwa 50 Jahren kostete meine erste Halbe Bier im Gasthof 3 Schilling. Heute kriege ich im Gasthof nicht einmal um 3 Euro eine Halbe.

    • Undine
      09. Januar 2019 23:00

      Ich habe heute auf dem Markt 10 Eier gekauft, das Stück zu 44 Cent, das wären umgerechnet 6,05 Schilling pro Ei!

    • fewe (kein Partner)
      10. Januar 2019 20:43

      @Undine: Ein Salzstangerl beim Bäcker kostet heute 10 Schilling.

    • Undine
      10. Januar 2019 22:55

      Der Euro IST ein Teuro! Wir wurden/werden ganz schön betrogen!

    • fewe (kein Partner)
      11. Januar 2019 15:38

      @Undine: Das ist keine Besonderheit des Euro, das ist bei jeder Währung, die über längere Zeit hinweg funktionieren soll, der Fall.

      Es muss einfach das Anwachsen der Geldmenge durch Verzinsung von Geldanlagen mit Inflation in kleinen Schritten ausgeglichen werden. Wenn das nicht passiert, dann zerreißt es irgendwann die Währung.

      Um Ende der 1970er-Jahre gab es eine ziemlich starke Inflation. Damals waren die Darlehenszinsen bei fast 20 Prozent, auf ein Sparbuch hatte man bis zu 10 Prozent bekommen, weil die Inflation so hoch war. Das ist dann nur nicht so dramatisch in Erinnerung geblieben, weil bald der USD auf die Hälfte abgewertet worden ist. Dagegen schauten ATS/DM extrem stabil aus.

    • fewe (kein Partner)
      11. Januar 2019 16:05

      @fxs: Vor allem hieß die "Halbe" damals noch Krügel und der Gasthof - je nachdem - Wirtshaus oder Gasthaus. ;-)

  5. pressburger
    06. Januar 2019 19:34

    Eine hervorragende Analyse. Die Überzeugung der EU Obrigkeit war und ist, das Primat der Politik vor der Wirtschaft. Der Euro wurde aus rein politischen Motiven eingeführt, hat seither die Wirtschaft der EU in die Wettbewerbsunfähigkeit geführt.

  6. otti
    06. Januar 2019 19:22

    Herr Tögel: wie immer ist Ihrem Kommentar nichts hinzuzufügen !

    Was mich, als lebenslanger Sparer für ein halbwegs gesichertes Rentenleben so wahnsinnig verwundert ist, daß NIEMAND, absolut NIEMAND eine Montag bis Sonntag Demo veranstaltet. (Und das elendigliche ist, ich bin schon zu alt dafür.)

    Früher hat man Diebe an den Pranger gestellt. (Wenn nicht vorher aufgehängt)

    Heute können wir die EZB-ler weder wählen, noch abwählen, noch sonst was.
    (unter EZB-ler verstehe ich natürlich mehr !)





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