Waldheim wäre 100: späte Genugtuung für den zu Unrecht Verfemten drucken

Lesezeit: 5:00

Seit 1998 hängt sein Porträt wieder in der Eingangshalle des Hauptquartiers der Vereinten Nationen in New York. 1986 war es entfernt worden, als im Zuge einer von führenden SPÖ-Politikern miteingefädelten und vom World Jewish Congress (WJC) quasi zu einer weltumspannenden öffentlichen Erregung aufgeheizten Medienkampagne irgendein Fanatiker (oder Gedungener) ein Hakenkreuz auf die Leinwand des Ölgemäldes gekratzt hatte. Aufwallungen und Auseinandersetzungen um Kurt Waldheims Vergangenheit hatten noch an Schärfe zugenommen, als der amerikanische Justizminister Edward Meese den – trotz oder gerade wegen der Kampagne – zum österreichischen Bundespräsidenten Gewählten 1987 auf die "Watchlist" setzte, was ein Einreiseverbot nach sich zog.

Kurt Waldheim hat darunter gelitten. Sein gesamtes Wirken als österreichisches Staatsoberhaupt (1986 bis 1992) blieb davon überschattet. Zu Beginn seiner Amtszeit sei es "zu einer Form der politischen Auseinandersetzung gekommen, die in diesem Land nie wieder passieren darf", sagte er später und fügte bedauernd hinzu, "unter dem Druck massiver und für mich vielfach verletzender Angriffe nicht immer jene Worte gefunden zu haben, die meinem Leben und meinen Gefühlen, dem Schicksal meiner Generation und meiner Heimat, aber auch der Größe der Verbrechen von damals gerecht wurden".

Ein gefälschtes Dossier

Dennoch war es eine Genugtuung für ihn, dass er – spät, aber doch – durch Werke amerikanischer Sachkenner rehabilitiert wurde: In "Wie man auf die Watchlist kommt", dem 1997 erschienenen Buch von John R. Mapother, und in Harold H. Tittmanns "Die Verteufelung. Eine Dokumentation der US-Rufmordkampagne gegen Waldheim" von 2001. Die genannten Autoren führten jeweils den akribischen Nachweis, dass Waldheim zu Unrecht auf die Liste gesetzt worden war.

Schlimmer noch: Das dem Justizminister(ium) zuarbeitende Office of Special Investigation (OSI) – WJC-"Ermittler" Eli Rosenbaum wurde später sogar OSI-Direktor  – wusste von der Fragwürdigkeit der Quellen, etwa des berüchtigten,  aber von Medien geradezu aufgesaugten "Odluka-Dossiers" aus der Desinformationsabteilung  des tito-kommunistischen Geheimdienstes UDBA. Es handelte sich dabei um ein Konvolut gefälschter Dokumente vom 18.12.1947, welche Belgrad an die Kriegsverbrecher-Kommission in London übermittelt und auch in Verhandlungen mit dem österreichischen Außenminister Karl Gruber über jugoslawische Gebietsansprüche in Südkärnten ins Spiel gebracht hatte, um dessen Sekretär Waldheim zu diskreditieren.

Waldheims junge Jahre glichen der Jugend vieler seiner Zeitgenossen. Am 21. Dezember 1918 als Sohn eines Lehrers, der den vormaligen Familiennamen Vaclavec hatte eindeutschen lassen, zu St. Andrä-Wördern in Niederösterreich geboren, meldete sich Kurt Waldheim nach der Matura am Gymnasium in Klosterneuburg als Freiwilliger zum Militärdienst im Bundesheer und diente als Kavallerist in Stockerau. Dem Studium der Rechtswissenschaften ging von 1937 bis 1938 der Besuch der Wiener Konsular-Akademie (heute Diplomatische Akademie) voraus – mit dem Ziel, die diplomatische Laufbahn einzuschlagen.

"Stille, präventive Diplomatie"

Wie die meisten der vom gebürtigen Österreicher Hitler dem Deutschen Reich "angeschlossenen" "Ostmärker" wurde Waldheim zur Wehrmacht eingezogen, nahm an der Besetzung des Sudetenlandes teil und sah – als Dolmetscher und Ordonnanzoffizier im Stab der Heeresgruppe E – diverse Kriegsschauplätze, vornehmlich auf dem Balkan. 1944 erhielt er Urlaub, um das akademische Studium in Wien (mit der Promotion zum Dr. iur.) abzuschließen und Mag. Elisabeth Ritschel zu ehelichen, die er an der juristischen Fakultät der Universität Wien kennengelernt hatte und mit der er 63 Jahre verheiratet sein sollte; aus der Ehe mit ihr (Elisabeth Waldheim starb im 95. Lebensjahr am 28.02.2017) gingen drei Kinder hervor.

Bei Kriegsende schlug sich der Oberleutnant Kurt Waldheim von Triest aus nach Baden bei Wien zu seiner Familie durch. Noch 1945 trat er in den diplomatischen Dienst der neu entstandenen, aber (bis 1955) besetzten (und daher im politischen Handeln eingeschränkten) Republik ein und – über die politische Abteilung des Außenamtes – direkt an die Seite des Außenministers Karl Gruber als dessen Sekretär. Später nahm er an den Verhandlungen zum österreichischen Staatsvertrag (1955) teil, wurde Botschafter in Kanada, vertrat Österreich in den UN. 1968 berief Bundeskanzler Josef Klaus (ÖVP) den Parteiungebundenen zum Außenminister. Als solcher war er seinerzeit auch maßgeblich an den Verhandlungen mit Italien wegen des Südtirol-Konflikts beteiligt, woraus sich 1969 Autonomie-"Paket" und Operationskalender ergaben sowie 1972 das Zweite Autonomie-Statut mit einer gewissen Gesetzgebungs- und Verwaltungsautonomie in Kraft trat.

"Stille, präventive Diplomatie" kennzeichnete das Wirken des UN-Generalsekretärs Waldheim, das ihn zwischen 1972 und 1981 von New York aus an die Krisenherde des Weltgeschehens führte: Namibia, Südafrika, Angola, Bangladesch, Vietnam, Zypern oder Nahost. Sein ehrliches und weithin geschätztes Bemühen um Streitbeilegung und Konflikteindämmung trug freilich angesichts der "Stellvertreterkriege", die im Schatten des Ost-West-Gegensatzes geführt wurden, nicht immer und nicht überall Früchte.

Eine dritte Amtszeit blieb ihm versagt

Waldheim verärgerte Washington, als er sich gegen die Bombardierung von Deichanlagen in Nordvietnam wandte. Gleichermaßen zog er sich den Zorn Israels und der Vereinigten Staaten zu, als er Arafats Auftritt vor der UN-Vollversammlung verteidigte. Die Auswirkungen sollte der angehende Pensionisten, dem (wegen Pekings Veto) die angestrebte dritte Amtszeit am East River versagt blieb, allerdings erst  zu spüren bekommen, als ihn die ÖVP, für die er in der Bundespräsidentenwahl 1971 gegen Franz Jonas (SPÖ) schon einmal – allerdings erfolglos – ins Rennen gegangen war, 1986 abermals aufstellte.

Gegen den parteifreien Kandidaten für das Amt des Staatsoberhaupts traten führende SPÖ-Politiker, die erstmals seit 1945 den Einzug eines "Bürgerlichen" in die Hofburg fürchten mussten, und ihnen nahestehende publizistische Organe besagte Hetzkampagne los. Der leider nicht immer geschickt Agierende wurde von 53,6 Prozent der Österreicher trotzig gewählt. Er sah sich in den Mittelpunkt von ehrenrührigen Attacken des "World Jewish Congress" (WJC) gerückt. Selbst der Befund einer internationalen Historiker-Kommission, wonach er keinesfalls persönlich in Kriegsverbrechen, geschweige denn in Judendeportationen verwickelt gewesen sei, konnte das nicht verhindern. Die "Affäre" überdauerte seine gesamte Amtszeit.

Waldheim trat zwar nicht zurück, 1992 aber auch nicht noch einmal an - obwohl das möglich gewesen wäre. Durchaus auch höchst selbstkritisch, da er sich selbst einst als SPÖ-Grande an der Kampagne beteiligt hatte, war daher die Bekundung des damaligen Nationalratspräsidenten Heinz Fischer 1992 in der Bundesversammlung zu verstehen gewesen, wonach "dem Menschen und dem Bundespräsidenten Unrecht zugefügt wurde". Fischer war als späterer Bundespräsident  auch eine der letzten politischen Persönlichkeiten, die seinen Vorvorgänger noch bei Bewusstsein sah und mit ihm auf dessen bewegtes Leben zurückblickte, das 89 Jahre währte. Am 14. Juni 2007 verstarb Kurt Waldheim im Kreise seiner Familie. Nicht nur sie gedenkt seiner am 21. Dezember 2018 – aus Anlass seines 100. Geburtstags.

Der Autor ist deutsch-österreichischer Historiker und Publizist.                               

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  1. Ausgezeichneter KommentatorPennpatrik
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    19. Dezember 2018 17:53

    In der Affäre Waldheim zeigt sich die ganze Schäbigkeit der Linken. So sind sie.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    20. Dezember 2018 07:40

    Niedertracht in Höchstform. Nur die Sozis, die Sozis Sinowatz&Gangster, haben Interesse gehabt die Verleumdungskampagne gegen Waldheim loszutretten.
    Die Dienstzeit von Kurt Waldheim war bereits vor den Wahlen den Geheimdiensten vollumfänglich bekannt. Trotzdem, oder gerade, weil nichts zu beanstanden war, haben die Amerikaner, sowie die Russen, Kurt Waldheim gewählt. Hätte es zu dieser Zeit nur den geringsten Verdacht gegeben, wäre Kurt Waldheim von den Siegermächten und ihren Satelliten nicht gewählt worden. Den Sozis haben es vorgezogen einen herausragenden Österreicher zu verleumden, anstatt stolz zu sein, dass ein Österreicher dieses Amt vorzüglich, gelobt von allen, ausgeübt hat.
    Die Affäre Waldheim ist noch immer aktuell. Sie zeigt auf zu welchen Abscheulichkeiten die Roten auch in der Zukunft fähig sein werden.
    PS. Auch Helmuth Schmidt und Franz-Josef Strauss waren Wehrmachtsoffiziere.

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  1. fewe (kein Partner)
    24. Dezember 2018 10:01

    Es ist erstaunlich, dass eine Partei, die so gerne - und immer wieder - das Ausland gegen Österreich mobilisiert überhaupt noch von genügend Leuten gewählt wird, sodass sie noch im Nationalrat vertreten ist.

    Die Spitze war ja das Betteln um Sanktionen gegen Österreich im Jahr 2000. Dass die Verursacher - in der Hauptsache in der SPÖ - dafür nicht hinter Gittern gelandet sind, zeigt leider, dass der Rechtsstaat nicht mehr wirklich funktioniert. Einer davon wurde später sogar Bundespräsident. Und Klestil hatte sich ja auch sehr "verdient gemacht" in dieser Sache.

    Widerwärtige Gestalten sind das.

  2. Zraxl (kein Partner)
    22. Dezember 2018 13:21

    Waldheim war kein Kriegsverbrecher. Dem niederträchtigen linken Gesindel war, wie üblich, kein Mittel zu schlecht, um einem politischen Gegner zu schaden. Die miesesten Heuchler haben es zu größten Ehren gebracht, und so sie nicht schon gestorben sind, heucheln Sie noch heute.

    Dennoch ist diese Hagiographie so unnötig wie ein Kropf. Über Waldheim zu schweigen ist ausreichend.

    Waldheim hat sich übrigens bitter gerächt: Er hat seinen Schwiegersohn installiert.

  3. pressburger
    20. Dezember 2018 07:40

    Niedertracht in Höchstform. Nur die Sozis, die Sozis Sinowatz&Gangster, haben Interesse gehabt die Verleumdungskampagne gegen Waldheim loszutretten.
    Die Dienstzeit von Kurt Waldheim war bereits vor den Wahlen den Geheimdiensten vollumfänglich bekannt. Trotzdem, oder gerade, weil nichts zu beanstanden war, haben die Amerikaner, sowie die Russen, Kurt Waldheim gewählt. Hätte es zu dieser Zeit nur den geringsten Verdacht gegeben, wäre Kurt Waldheim von den Siegermächten und ihren Satelliten nicht gewählt worden. Den Sozis haben es vorgezogen einen herausragenden Österreicher zu verleumden, anstatt stolz zu sein, dass ein Österreicher dieses Amt vorzüglich, gelobt von allen, ausgeübt hat.
    Die Affäre Waldheim ist noch immer aktuell. Sie zeigt auf zu welchen Abscheulichkeiten die Roten auch in der Zukunft fähig sein werden.
    PS. Auch Helmuth Schmidt und Franz-Josef Strauss waren Wehrmachtsoffiziere.

    • Beobachter 2 (kein Partner)
      23. Dezember 2018 10:31

      Welcher Historiker beleuchtet die Wehrmachtsvergangenheit des sehr schön dekorierten Hptm d. Res. u. Taktiklehrers an der Wr. Neustädter Kriegsschule Dr. Rudolf Kirchschläger? Wo war er in Russland? Was hatte er gesehen? Warum kam es im April 1945 noch zum Massaker der Roten Armee an den von Hptm Kirchschläger kommandierten Wr. Neustädter Kriegsschülern, Hitler-Jungen u. Angehörigen d. Volkssturmes? 200 Kadetten fielen, mehrere 100 wurden verletzt. Hatte er nicht auch "nur seine Pflicht" getan? Warum existieren keine Bilder Kirchschlägers in Uniform der Deutschen Wehrmacht? Waldheim wurde von Sozialisten ans Kreuz genagelt, Kirchschlägers Wehrmachtsvergangenheit war hingegen nie ein Thema!

    • Undine
      23. Dezember 2018 12:03

      Zum PS: Sehr zu empfehlendes Buch:

      "Das verdammte Gewissen" von Erich MENDE - Zeuge der Zeit 1921-1945, HERBIG-Verlag

    • Beobachter 2 (kein Partner)
      24. Dezember 2018 06:17

      Erich Mende war Major der Deutschen Wehrmacht und wurde u.a. mit dem Deutschen Kreuz in Gold sowie dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach dem Krieg war er Mitglied der FDP und u.a. Minister sowie Vizekanzler. Sein Buch ist ein bedeutendes Stück deutscher Zeitgeschichte.

  4. Pennpatrik
    19. Dezember 2018 17:53

    In der Affäre Waldheim zeigt sich die ganze Schäbigkeit der Linken. So sind sie.

    • otti
      19. Dezember 2018 19:30

      Pennpatrik: "........zeigt sich die ganze Schäbigkeit ......"

      Und es zeigt deren strategisches Talent, und es zeigt deren Unterwanderung in den Medien,den Schulen, den Unis und es zeigt die haarsträubende Unfähigkeit der konservativen ?, der nicht linken Minderheit. Und wenn man seinem Schwiegersohn so dahinschwadronieren hört - z.B. die Mitschuld der Ungarn am WK 1 - dann verzweifelt man auch am althergebrachten Familiensinn. Und überhaupt an ihn.
      Vom Odenwald - ebenso gebildet wie gescheit und seriös und sympathisch teilt das Schicksal eines Florettfechters gegen die Heugabelbrutalität eines Stallknechtes.

      Und das Verrückte ist, Vom Odenwald ist nicht allein !!!!!

    • FranzAnton
      20. Dezember 2018 20:25

      Schäbigkeit? ein unpassend verharmlosender Ausdruck für diese weltweit organisierte Clique.

    • oberösi
      21. Dezember 2018 02:26

      Die Schäbigkeit ist beileibe kein Phänomen, das den Linken vorbehalten wäre, denk ich an die Rolle der VP in der Südtirolfrage. Hier war es der Sozialist Kreisky, der die Anliegen der Südtiroler nachhaltig vertrat, die VP hingegen hat diese schmählichst verraten, um sich den neuen Mächtigen anzubiedern, der Autor hat dazu detailliert publiziert.

      Oder denk ich an die geiferende Schäbigkeit, mit der Bürgerliche, zusammen mit den Sozialisten, die Habsburger nach dem WKI behandelten. Aus einem Minderwertigkeitskomplex und Neid heraus, der offensichtlich gerade viele Bürgerliche auszeichnet.

      Charakterlosigkeit ist eine Sache, die demokratisch verteilt ist.





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