Gold und die monetäre Gezeitenwende drucken

Lesezeit: 4:30

Bereits zum 12. Mal erschien jetzt der von den beiden Fondsmanagern der Incrementum AG, Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek, verfasste In Gold we Trust-Report. Auf mehr als 200 Seiten analysieren die Autoren verschiedenste Einflussfaktoren des Goldpreises. Mit über 1,7 Millionen Downloads (2017) weltweit zählt diese Goldstudie zu den meistgelesen einschlägigen Publikationen weltweit. Vom renommierten Wall Street Journal wurde der In Gold we Trust-Report als "Goldstandard aller Goldstudien" bezeichnet.

Die diesjährige Ausgabe wählte zum Leitmotiv das Bild einer fundamentalen Gezeitenwende, die sich mit Bezug auf Gold insbesondere auf drei Ebenen vollzieht: 1) die geldpolitische Gezeitenwende; 2) die währungspolitische Gezeitenwende; 3) die technologische Gezeitenwende.

Ein wenig mehr im Detail zu diesen drei Gezeitenwende.

1) Die geldpolitische Gezeitenwende

Die Wende von Quantitative Easing (QE) zu Quantitative Tightening (QT) hat in der öffentlichen Debatte erstaunlich wenig Aufmerksamkeit erregt. Zentralbanken um den Globus haben durch die Schaffung einer gigantischen Liquiditätsschwämme in den vergangen zehn Jahren die Preise von Vermögenswerten (insb. Aktien, Anleihen, Immobilien) massiv in die Höhe getrieben. In diesem Zeitraum wurden unvorstellbare 14.357 Mrd. US-Dollar von den führenden Zentralbanken (FED, EZB, BoJ, PBoC, SNB) geschöpft und in Wertpapiere veranlagt. Zu den großen Gewinnern des QE gehören die Anleihen- und Aktienmärkte. Mit einer Länge von 108 Monaten und einem Anstieg von 262 % ist der aktuelle Bullenmarkt einer der längsten und kräftigsten in der Geschichte der USA. Diese relative Stärke des Aktienmarktes erhöhte die Opportunitätskosten des Goldes, das, so die Autoren, dadurch vergleichsweise ins Hintertreffen geriet.

Sollte insbesondere in den USA die schrittweisen Verkürzung der Zentralbankenbilanz tatsächlich wie geplant umgesetzt werden, dürften spätestens 2019 die oben genannten Zentralbanken die Zentralbankenliquidität in toto reduzieren. Die Folgen dieser geldpolitischen Gezeitenwende, die in den USA bereits eingeläutet wurde und die im Euroraum bald folgen dürfte, könnten dramatisch sein. Zumal das Auslaufen der außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen wie des QE begleitet wird mit dem schon vollzogenen bzw. zumindest debattierten Einstieg in den Zinserhöhungszyklus.

2) Währungspolitische Gezeitenwende

Die De-Dollarization, das heißt die schleichende Abwendung vom US-Dollar als alles dominierende Weltleitwährung und damit die Umformung der unipolaren in eine multipolare Welt- und Geldordnung, setzt sich fort. Besonders auffällig äußert sich dies zum einen darin, dass die Zentralbanken seit 2008 als Nettokäufer von Gold auftreten. Insbesondere China, Russland und die Türkei haben ihre Zentralbankbestände an Gold seit 2007 deutlich erhöht und zwar um 307% (China), 408% (Russland) und 486% (Türkei). In Q4/2007 hielten China, Russland, die Türkei und Indien zusammen 1.524 Tonnen Gold, was 5,1% der damaligen Gesamtgoldreserven der Zentralbanken entsprach. In Q4/2017 kommen sie zusammen schon auf 4.804 Tonnen Gold oder 14,3% der Gesamtgoldreserven der Zentralbanken. Nicht minder bemerkenswert ist der Umstand, dass in Russland mittlerweile knapp 55% der Zentralbankgeldmenge M0 durch Gold gedeckt sind, während der Deckungsgrad des engsten Geldmengenaggregats in der Eurozone bei 9,5% und in den USA bei 8,8% liegt. Zum anderen setzt speziell China Schritte, um im Öl- und Goldhandel nicht mehr auf die Weltleitwährung US-Dollar zurückgreifen zu müssen.

Für die USA, so die Autoren, könnte der schleichende Verlust des hegemonialen Status der Weltleitwährung weitreichende Konsequenzen haben. Eine sinkende Nachfrage nach US-Dollar und Treasuries würde sowohl die Preisinflation befeuern als auch die Zinsen weiter nach oben treiben. Beides wäre Gift für die Konjunktur.

Alles in allem deuten viele Entscheidungen der Zentralbanken darauf hin, dass wir uns auf eine multi-polare Welt- und Geldordnung hinbewegen, in der Gold eine bedeutendere Rolle spielen dürfte. Denn insbesondere für Staaten, die die US-zentrische (hegemoniale) Weltordnung skeptisch betrachten, hat Gold den Vorteil, dass es weitestgehend politisch unabhängig ist.

3) Technologische Gezeitenwende

In rasantem Tempo vollzieht sich ein epochaler technologischer Wandel. Immer mehr Finanztransaktionen werden mit dem Smartphone oder über das Internet getätigt. Mit der Erfindung von Kryptowährungen erfährt die Digitalisierung des Geldes eine weitere Beschleunigung.

Die Autoren vertreten die These, dass Gold und die Kryptowährungen sich nicht feindlich gegenüber stehen. Vielmehr könnten sie ihre jeweiligen Stärken im kooperativen Miteinander noch stärker ausspielen. So sind erste goldgedeckte Kryptowährungen schon erfolgreich lanciert worden. Die Golddeckung soll den Kryptowährungen die starke Volatilität nehmen, die Blockchain-Technologie den Erwerb und die Nutzung von Gold als Zahlungsmittel demokratisieren und erleichtern.

Als weitere Höhepunkte enthält der diesjährige Report zwei Exklusivinterviews. Im Gespräch mit dem US-amerikanischen Analysten Luke Gromen (FFTT) wird vor allem die Zukunft des US-Dollar thematisiert. Dr. Richard Zundritsch, der Neffe des bekannten Nobelpreisträgers Friedrich A. von Hayek, kommentiert den in "Entnationalisierung des Geldes" dargelegten Vorschlag seines Onkels, einen Wettbewerb unter (privaten) Währungen zuzulassen. Durch das Aufkommen von goldgedeckten Kryptowährungen gewinnt diese Idee erneut an Aktualität.

Der In Gold we Trust-Report überzeugt durch die Vielschichtigkeit seiner Analyse und die Breite der behandelten Themen, zu denen neben den bereits erwähnten Schwerpunkten das Fortschreiten der finanziellen Repression, das Tauziehen zwischen inflationären und deflationären Kräften, die Diskussion möglicher Krisenauslöser auch Goldthemen im engeren Sinne zählen wie die technische Analyse und ein Blick auf die Minenaktien.

Der Report ist in einer englischen und einer deutschen Ausgabe sowie jeweils in einer Kurz- und Langfassung verfügbar und kann gratis unter www.ingoldwetrust.report heruntergeladen werden.

 "Gregor Hochreiter ist als Ökonom (Universität Wien) selbständig tätig.

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  1. fewe (kein Partner)
    07. Juni 2018 21:09

    Ich verstehe nicht, was man mit einer privaten Währung meint.

    Eine Währung bezieht sich immer auf die Wirschaftsleistung - also den Geldbedarf - in einem definierten Raum. Also Staat etc.

    Eine private Währung hingegen ist nichts anderes als eine Ware, von der man nur hoffen kann, dass sie stark nachgefragt wird und so an Wert gewinnt oder diesen dann hält. So wie Gold. Damit der Wert gehalten werden kann, muss die Menge begrenzt sein.

    Bei einer Ware kann ich keine Darlehenszinsen verrechnen, weil sie sonst irgendwann platzt. Bei einer Währung kann ich Darlehenszinsen verrechnen, wenn ich sie automatisiert schleichend entwerte. Aber die Menge muss auf den Wirtschaftsraum abgestimmt sein.

  2. fewe (kein Partner)
    07. Juni 2018 20:41

    Um zu wissen, dass Währungen nur vorübergehend einen Wert haben und Gold immer einen Wert hat - zumindest in den letzten paar Jahrtausenden - braucht man keine Studie.

    Ganz einfach: Vor ca. 50 Jahren hatte eine Semmel beim Bäcker 65 Groschen gekostet heute kostet sie etwa so viel in Cent. Vor 50 Jahren hatte ein einfacher Golddukaten etwa 100 Schilling gekostet, heute kostet er so viel in Euro.

    In den letzen 50 Jahren hat unsere Währung im Schnitt pro Jahr 5 bis 6% an Wert verloren.

    Dazu brauche ich keine Studie, sondern nur einen Taschenrechner.

    Für Gold wird man trotz Schwankungen immer irgendwas bekommen und man kann es beliebig teilen.

  3. Hugo v. Hofmannsthal
    07. Juni 2018 13:55

    Willkommen in der Steinzeit! - Wir waren schon einmal weiter.

    Es kann wohl nicht als Fortschritt bezeichnet werden, wenn in einer globalen Welt selbsternannte Warloards wieder beginnen ihre eigenes Geld zu drucken und ihre Machtbereiche abstecken. Dass Simplifizierungen und allgemeine Vereinheitlichungen, nur weil einige beispielsweise nicht zwischen Männlein und Weiblein unterscheiden können, nicht funktionieren und das auch mit einer einfachen einheitlichen Weltwährung nicht funktioniert, sollte nicht zu verhängnisvollen und vorhersehbaren Rückschritten führen. Die Komplexität unseres auch wirtschaftlichen Zusammenlebens ist zu vielschichtig, als dass man sie durch eine einfache bequeme universal einheitliche Währung abbilden könnte. Ein Fortschritt kann nur darin bestehen, dass man diese Komplexität versucht in der Realität auch abzubilden und all die offenen und verdeckten Quersubventionierungen und Marktverfälschungen beseitigt.

    Vor der Flat Tax Diskussion gab es eine Zeit, wo das Finanzsteuersystem als Steuerungsmechanismus einer Gesellschaft betrachtet wurde und nicht nur reine Geldbeschaffungsmaschine war, um Löcher im Querfinazierungsystem zu stopfen. Eine Tabaksteuer hat Sinn, da damit die Mehrkosten im Gesundheitssystem durch Rauchen deckt wird, genauso wie die Mineralölsteuer und anders mehr. Da gewisse Wirtschaftkreisläufe unverhältnismäßige Mehrkosten und Risiken im Gesamtsystem verursachen, ist eine wirtschaftliche völlige Trennung von rudimentären Wirtschaftkreisläufen bis hin zu eigenen Währungsystemen erstrebenswert.
    http://www.god.co.at/index.php/9-startbeitrag/130-einheitswaehrung

    • fewe (kein Partner)
      07. Juni 2018 21:00

      Ich glaube, Sie sehen das zu blauäugig. Tabaksteuer, Alkoholsteuer, Mineralölsteuer etc. sind einfach Steuern auf Waren, auf die jene, die sie konsumieren wollen nicht verzichten wollen und dabei nicht auf die Kosten schauen. Das ist alles.

      Vor etwa 20 Jahren, als SMS aufgekommen sind hatte man in Thailand - ich glaube es war Thailand - eine Steuer auf SMS überlegt. Weil man eben alles besteuert, was Suchtcharakter hat. Und nicht um damit irgendwelche Kosten zu kompensieren, die durch das Schreiben von SMS entstehen würden.

      Die Behandlungskosten von Rauchern oder Alkoholikern sind freilich höher, aber jene die daran erkranken leben auch erheblich kürzer. Das gleicht sich aus.

    • Hugo v. Hofmannsthal
      13. Juni 2018 14:31

      Im Aktiengeschäft gibt es höhere Zinsen für Risikoaktien. Dieser „Spieltisch“ ist aber durch die weit höheren gesamtwirtschaftlichen Verluste bei keiner Nähe kostenneutral und die HypeAlpenAdria etwa ist hier nur eine lokale Größe, die sich im gesamten Währungssystem wahrscheinlich unter noch größeren Fischen völlig verliert.

    • Hugo v. Hofmannsthal
      13. Juni 2018 14:32

      Auch wenn es nie ausgesprochen wird; Kriege sind Raubmorde, von denen unterschiedliche Profiteure leben. Auch hier ist ein „Spieltisch“ von einige Wenigen, die wegen der allgemeinen Haftung und auf Kosten der moralischen Wertegemeinschaft unverhältnismäßige Schäden hinterlassen. Durch Kriege das westliche Währungssystem zu sanieren, gelingt nach Jugoslawien, Libyen, Irak etc. immer weniger.

    • Hugo v. Hofmannsthal
      13. Juni 2018 14:32

      Das sind nur zwei Bereiche und es gäbe noch einige andere, wobei die Auswüchse im Sozialwesen wie Erbsen zählen erscheinen. Wäre man ordnungs- und wahrheitsliebender, würde man nicht nur von einigen wirtschaftlichen Krankheiten genesen, sondern fände auch eine friedlichere und weniger geschädigte Welt wieder.

  4. Ökonomie-Vergelter
    07. Juni 2018 12:28

    Sobald die Zentralbanken die Geldmenge zurückfahren, wird von ihnen Gold auf dem Markt geworfen werden, um das Geld einzuziehen - dies bitte zu bedenken!

    • fewe (kein Partner)
      07. Juni 2018 20:50

      Ich verstehe nicht, was Sie meinen. Warum sollten die Zentralbanken die Geldmenge zurückfahren wollen? Sie brauchen es einfach nur entwerten.

      Die werden ganz sicher kein Gold für das Papier hergeben.

      Ganz im Gegenteil wird der Besitz von Gold fast immer verboten, wenn es eng für die Währung wird. Man will ja die Leute komfortabel enteignen können und das geht doch nicht, wenn sie Gold besitzen dürfen. Die tauschen sonst alles Geld in Gold um, wenn es knapp davor ist zu krachen.

    • Ökonomie-Vergelter
      08. Juni 2018 08:29

      Weil es immer so geplant war, dass nach der Phase des QE die Geldmenge wieder zurückgefahren wird.

      Die durch die subprime-Krise geplatzte Blase wollte man ja in den Griff bekommen, indem die Volkswirtschaften mit Geld geflutet werden, um eine Rezession wie Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu verhindern.

      Für Zentralbanken ("ZB") ist die Herausgabe von Gold gegen Papiergeld nicht dasselbe wie bei Privaten, denn Gold aufkaufen könnte eine ZB mit geschöpftem Geld - "fiat money" - jederzeit, wenn auch mit - allfälligen - Nebenwirkungen für die Währungsstabilität.





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