Abschied vom Mythos der politischen Machbarkeit drucken

Lesezeit: 2:30

Politiker in allen Parteien und Geldpolitiker in der Wirtschafts- und Währungsunion wollen einen Wandel von Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen rational konstruieren und organisieren. Sie suchen Orientierung in Utopien, in Ideologien, in Visionen sowie in Sonderinteressen und beabsichtigen, mit ihren (macht-)politischen Maßnahmen die von ihnen ersehnten Veränderungen ohne unbeabsichtigte Folgen zu bewirken.

Trotz zahlreicher ungeplanter Folgen absichtgeleiteter politischer Handlungen und trotz Fehlbarkeit der Vernunft, Irrtümern, Fehlern, einem Scheitern der Politik und der Schaffung von (neuen) Problemen durch Politik träumen die Konstrukteure und Organisatoren des Wandels nach wie vor von der "erfolgreichen sichtbaren Hand".

Die rationalistischen Konstruktivisten in allen Parteien und geldpolitischen Institutionen agieren unermüdlich. Sie begreifen Politik nicht als Gestaltung von Rahmenbedingungen in liberalen und rechtsstaatlichen Ordnungen, sondern als universellen Problemlöser.

Als Sozialtechniker und als Tugendwächter haben sie (angeblich) gute Absichten. Sie wollen die Bürger (immer mehr) vor den Folgen ihrer individuellen Irrtümer und Fehler bewahren. Es gibt daher immer weniger politikfreie Bereiche!

Zahlreiche Bürger dieses Landes glauben (leider) an Problemlösungen durch Politik. Ihr Obrigkeitsdenken und ihre Untertanenmentalität fördern die vielfältigen politischen Aktivitäten der etatistischen Planer, Steuerer, Regulierer und Interventionisten, welche die Bürger vor allem im Namen einer (sonderinteressenorientierten) "Umverteilungsgerechtigkeit" und als selbsternannte (umerziehende) Tugendwächter immer mehr paternalistisch bevormunden/besachwaltern, betreuen, animieren und therapieren wollen.

 

Der zwangssolidarische (überforderte) Versorgungsstaat ist mit einer Ethik der Kleingruppe verbunden, die sich für offene Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen nicht eignet.

Vor allem die Kollektivisten und die Egalitaristen in allen Parteien propagieren gerne einen Altruismus. Sie selbst sind jedoch gar nicht selbstlos und solidarisch, sondern vertreten (machiavellistisch) Eigen- und Gruppeninteressen. Machterhalt und Machtausbau sowie persönliche Vorteile stehen dabei im Mittelpunkt.

Auch die Politiker können irren und (große) Fehler machen. Sie fühlen sich aber meist nicht verantwortlich für die Folgen ihrer politischen Handlungen.

Wir könnten einen beträchtlichen Teil des Problems der politischen Verantwortungslosigkeit von rationalistischen Konstruktivisten lösen, indem wir den Bürgern ihre Freiheit(en) und die damit verbundene Eigenverantwortung zurückgeben. Subsidiarität ist erwünscht!

Schon Adam Smith hat erkannt, dass die schrittweise Korrektur vieler kleiner individueller Irrtümer und Fehler durch ein "Lernen im Wettbewerb" zu besseren Lösungen führt.

Nach Smith wird das durch Wettbewerb, Recht, Ethik, Mitgefühl und Gewissen kontrollierte "aufgeklärte Selbstinteresse" im Rahmen von "Spontanen liberalen und rechtsstaatlichen Wettbewerbsordnungen" sozial nützlich und bewirkt nicht nur mehr Wohlstand für alle, sondern dient auch der "gemeinsamen Sache".

Offene Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen sind nicht das Ergebnis eines Entwurfes! Der Machbarkeitswahn von Politikern und Geldpolitikern dient keineswegs den Bürgern. Er ist nicht die Lösung, sondern das Problem.

Die meisten aktuellen sozialen und wirtschaftlichen Probleme sind (umverteilungs-) politisch verursacht. Regulierungs- und Interventionskaskaden sind die Folge!

Wir sollten mehr als bisher das Wirken der "unsichtbaren Hand" ermöglichen und fördern!

Josef Stargl ist AHS-Lehrer in Ruhe und ein Freund der Freiheit.

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  1. Ausgezeichneter KommentatorJohn
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    21. Mai 2018 09:36

    Gratuliere Herr Stargl!

    Eine brilliante Analyse! Und noch dazu in so wenigen Worten alles Wesentliche gesagt - Respekt!

    Zwei Anmerkungen:
    A) Die Kleingruppe schlechthin, in der gelebte Solidarität erfahrbar und auch machbar ist, ist die Familie. Doch genau diese wird von den Zwangsverwaltern fast generell torpediert. Und doch wäre gerade die Familie die Schule der Solidarität schlechthin. Was wir im Kleinen nicht gelernt und erprobt haben, werden wir nie in einem größeren Zusammenhang - wenn auch adaptiert - umsetzen können. Im Großen aber das verwirklichen zu wollen, was seinen alleinigen Platz nur im Kleinen haben kann, ist zum Scheitern verurteilt - Leopold Kohr lässt grüßen!

    B) Die Illusion viele Politiker besteht darin, höchst komplexe Korrelationen zum Positiven ohne wesentliche negative Effekte regeln zu können. Bestehende und grundsätzlich funktionierende Systeme lassen sich, wie Jordan Peterson so treffend bemerkt, nur ganz schwer zum Positiven reformieren, aber sehr leicht zerstören.
    Heißt also, dass Interventionen eine erhebliche Wahrscheinlichkeit innewohnt, das zu verschlechten, was man verbessern möchte.

    Wobei wir bei den klassischen Ausreden und Exkulpierungen von Politikern sind, weshalb ihre so gut gemeinten Pläne doch nicht funktionierten: Entweder die Bürger sind Schuld, weil sie eben nicht mitgegangen sind und ihrem eigenen Glück im Wege stehen, oder aber lt. Fred Sinowatz: Es ist halt leider alles so kompliziert! Das alledings müssten sie ja schon im Vorhinein gewusst haben!

  2. Ausgezeichneter Kommentatorpressburger
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    21. Mai 2018 21:09

    Danke Herr Stargl, Sie haben das Problem das uns die Politikerkaste einbrockt richtig beschrieben. Das Problem ist doch, dass es keine Verantwortung der Politiker für ihre Handlungen gibt und, dass sicher sind, dass sie nie zu ihrer Verantwortung werden stehen müssen. Weil sie unter gleich Korrupten leben, wird niemand verlangen, dass sie für ihre Ideologisch begründeten Rechtsbrechen, Konsequenzen tragen sollen.

  3. Ausgezeichneter Kommentatoroberösi
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    22. Mai 2018 00:35

    Chapeau, wie immer!
    Die Politik ist das Problem, nicht die Lösung. Ob rinks oder lechts ist völlig einerlei. Sie dient allerdings als hervorragendes Placebo (und Sedativum zugleich) für den p.t. Plebs.

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  1. Konfrater
    30. Mai 2018 03:11

    Bismarck hat Politik als "die Kunst des Möglichen" bezeichnet (dies zu einer Zeit, als man das Wort Kunst noch von "Können" ableitete). Heute haben wir es in vielen Bereichen - und ganz besonders in Brüssel - mit einer Funktionärsnomenklatura (und mit ihr verfilzten Medienvertretern) zu tun, die offenbar tatsächlich glauben, Politik bestehe in der Anordnung des gerade Erwünschten auf dem bürokratischen Verordnungsweg. Eine solche Politik kann nur scheitern - es gibt schlicht und einfach keine vorstellbare Möglichkeit, dass sie langfristig funktionieren kann. Und deshalb bin ich auch der festen Überzeugung, dass die Europäische Union mittelfristig zerfallen wird.

  2. Neppomuck (kein Partner)
    25. Mai 2018 11:04

    "Regieren ist die Kunst, Probleme zu schaffen, mit deren Lösung man das Volk in Atem hält."
    Ezra Pound, amerikan. Schriftsteller (1885 - 1972)

    Wie wahr.

  3. oberösi
    22. Mai 2018 00:35

    Chapeau, wie immer!
    Die Politik ist das Problem, nicht die Lösung. Ob rinks oder lechts ist völlig einerlei. Sie dient allerdings als hervorragendes Placebo (und Sedativum zugleich) für den p.t. Plebs.

  4. pressburger
    21. Mai 2018 21:09

    Danke Herr Stargl, Sie haben das Problem das uns die Politikerkaste einbrockt richtig beschrieben. Das Problem ist doch, dass es keine Verantwortung der Politiker für ihre Handlungen gibt und, dass sicher sind, dass sie nie zu ihrer Verantwortung werden stehen müssen. Weil sie unter gleich Korrupten leben, wird niemand verlangen, dass sie für ihre Ideologisch begründeten Rechtsbrechen, Konsequenzen tragen sollen.

  5. John
    21. Mai 2018 09:36

    Gratuliere Herr Stargl!

    Eine brilliante Analyse! Und noch dazu in so wenigen Worten alles Wesentliche gesagt - Respekt!

    Zwei Anmerkungen:
    A) Die Kleingruppe schlechthin, in der gelebte Solidarität erfahrbar und auch machbar ist, ist die Familie. Doch genau diese wird von den Zwangsverwaltern fast generell torpediert. Und doch wäre gerade die Familie die Schule der Solidarität schlechthin. Was wir im Kleinen nicht gelernt und erprobt haben, werden wir nie in einem größeren Zusammenhang - wenn auch adaptiert - umsetzen können. Im Großen aber das verwirklichen zu wollen, was seinen alleinigen Platz nur im Kleinen haben kann, ist zum Scheitern verurteilt - Leopold Kohr lässt grüßen!

    B) Die Illusion viele Politiker besteht darin, höchst komplexe Korrelationen zum Positiven ohne wesentliche negative Effekte regeln zu können. Bestehende und grundsätzlich funktionierende Systeme lassen sich, wie Jordan Peterson so treffend bemerkt, nur ganz schwer zum Positiven reformieren, aber sehr leicht zerstören.
    Heißt also, dass Interventionen eine erhebliche Wahrscheinlichkeit innewohnt, das zu verschlechten, was man verbessern möchte.

    Wobei wir bei den klassischen Ausreden und Exkulpierungen von Politikern sind, weshalb ihre so gut gemeinten Pläne doch nicht funktionierten: Entweder die Bürger sind Schuld, weil sie eben nicht mitgegangen sind und ihrem eigenen Glück im Wege stehen, oder aber lt. Fred Sinowatz: Es ist halt leider alles so kompliziert! Das alledings müssten sie ja schon im Vorhinein gewusst haben!





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