Die Republik der Primitiven

Lesezeit: 2:30

Die brillante und zugleich kompakte Analyse von Christian Zeitz hat mir nicht nur zutiefst aus der Seele gesprochen, sondern auch zahlreiche schlafraubende Reflexionen zur Situation unserer Gesellschaft hervorgerufen. Als Vater von vier Kindern wird es heutzutage immer schwieriger, bei Heranwachsenden in der Wertevermittlung mit dem edukativen, kulturellen und politischen vorherrschenden Dilettantismus zu konkurrieren.

Als Kind teilweise im Kreise einfacher Unterkärntner Bauern und gleichzeitig in einem durchaus großbürgerlichen Haus in Wien aufgewachsen, sind mir sehr früh die gewaltigen materiellen Unterschiede unserer Gesellschaft bewusst geworden, jedoch ohne irgendwelche Konflikte hervorzurufen, da ich schon sehr früh begreifen durfte, dass Glück und Zufriedenheit auf vorwiegend immateriellen Komponenten aufgebaut ist. 

Die Anpassungsprobleme zwischen einfachsten Lebensverhältnissen und gewissem Überfluss zeigten sich eher in einer unglaublichen Wehmut am Ende der Ferien, den Bauernhof und die Freunde im Dorf verlassen zu müssen. Die sogenannte Enge der dörflichen Gemeinschaft, das gemeinsame Meistern von auch handfesten Konflikten, kleinen und großen Katastrophen, die Pflege von Traditionen und Bräuchen haben seit Urzeiten in unserer Gesellschaft einen festen Wertekanon geschaffen, der nun in unserem ganzen Land am Zerbrechen ist.

Die Folgen des ubiquitären Dilettantismus einen letztendlich die sogenannten Eliten bis zum Hilfsarbeiter durch ihre Orientierungslosigkeit, Neid, geistiger Entwurzelung, Glaubensverlust, moralischer Beliebigkeit und öffentliche sexuelle Zügellosigkeit in grenzenloser Primitivität. Die Jugend huldigt ihren gepiercten und tätowierten Göttern rund um die Uhr vor ihrer Bezugsperson, dem Fernseher, um umgehend das als real Empfundene nachzuahmen. Das Karriereziel ist die Mindestsicherung, denn geregelte Arbeit und Eigenverantwortung könnten die Scheinwelt zerstören. 

Die Schuld an dieser Entwicklung liegt an meiner und der vorangegangenen Generation, die mit leistungsfernem gewerkschaftlich verordnetem Anspruchsverhalten Leistung und Eigenverantwortung als Last, statt als Unabhängigkeit empfunden haben. Der Weg des geringsten Widerstandes ist zum Credo unserer Lebensplanung geworden. Bequemlichkeit und der Verlust jeglicher Abstrahierungsfähigkeit haben uns zu willfährigen Lemuren gemacht, die sich den Vorgaben politisch korrekter Götzen lieber nicht entgegenstellen, um ja nicht als Außenseiter auffällig zu werden.

Der Verlust der elterlichen Vorbildfunktion als (moralischer) Richtungsweiser treibt unsere Kinder in die Arme extremistischer Heilsversprecher, oder hinterlässt sie in primitiver Agonie.

So endet auch diese Entwicklung in „meinem“ Dorf: Die Kinder grüßen nicht mehr; die Kirche ist leer; am Kirtag (so nennt sich tatsächlich noch diese Veranstaltung) plärren volksdümmliche Bands ihre primitiven Texte aus den Lautsprechern, sodass jede Unterhaltung unmöglich ist; die Jugend bricht die Lehre zum x-ten mal ab und geht zum Tätowierer, um den primitiven Idealen ähnlich zu sein; die Eltern sind nicht verheiratet, da dies ein finanzieller Nachteil wäre; die Traditionsvereine lösen sich auf, da die Alten, die alles zusammengehalten haben, wegsterben; und man geht in Leiberl und Trainingshose zum Begräbnis. Nur der Wirt macht noch ein Geschäft, denn der Alkohol hilft noch manchmal gegen die unendliche Leere. 

Dr. Georg Ludvik ist niedergelassener Facharzt für Urologie und Androloge.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    13x Ausgezeichneter Kommentar
  2. Ausgezeichneter Kommentatorcarambolage
    13x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2016 11:41

    Danke sehr Hr. Dr. Ludvik, diese Beobachtungen mache ich auch seit langem.
    Mit dieser forcierten Primitivität in Verbindung mit den anderen Killer-Umständen (Schulden, Überfremdung etc.) wird diese hervorragende Kultur bald untergegangen sein. Danke auch an den ORF, der hier besonders fleißig dabei mithilft und nicht als Korrektiv wirkt.

  3. Ausgezeichneter KommentatorErich Bauer
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2016 12:27

    Max Frisch meinte einmal: "Am Ende der Aufklärung steht das Goldene Kalb."

  4. Ausgezeichneter KommentatorBob
    8x Ausgezeichneter Kommentar
    27. April 2016 14:29

    Ja, der Weg zurück in die Steinzeit ist steinig.

  5. Ausgezeichneter KommentatorGennadi
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    30. April 2016 09:26

    Warum nur herumreden, warum nicht konkret ansprechen?
    Dahinter steht die Religion des Marxismus, der seit jeher inhuman und familienfeindlich war.

    Umso erstaunlicher, dass die Anhänger des politischen Islam - Muslimbrüder, Milli Görüs, Islamische Glaubensgemeinschaft, etc. - so innig und kräftig mit der Sozialistischen Partei zusammenwirken.

  6. Ausgezeichneter Kommentatorfewe
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    29. April 2016 19:16

    Wir sind in verlotterter Kleidung herumgelaufen, war auch nciht schön, aber Tätowieren ist leider nicht einfach wegzuwaschen.

    Die Moralvorstellungen - sofern sie nicht übertrieben werden -, die Aufgabenaufteilung und die Famile als solche, die Erziehung, Lernen etc. ist alles über hunderttausende Jahre erprobt und hat sich so als vorteilhaft erwiesen.

    Erschreckend ist die Erziehung der Kinder, von denen jede unangenehme Erfahrung und jeder Konflikt ferngehalten wird. Sie haben nie gelernt, Konflikte zu lösen oder mit schwierigen Situationen fertig zu werden.

    Durch das Aufhetzen der Bevölkerung aufeinander sind sie leicht lenkbar, sind von einem Nanny-Staat abhängig und dumm gehalten.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorGennadi
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    30. April 2016 09:26

    Warum nur herumreden, warum nicht konkret ansprechen?
    Dahinter steht die Religion des Marxismus, der seit jeher inhuman und familienfeindlich war.

    Umso erstaunlicher, dass die Anhänger des politischen Islam - Muslimbrüder, Milli Görüs, Islamische Glaubensgemeinschaft, etc. - so innig und kräftig mit der Sozialistischen Partei zusammenwirken.


alle Kommentare

  1. Gennadi (kein Partner)
    30. April 2016 09:26

    Warum nur herumreden, warum nicht konkret ansprechen?
    Dahinter steht die Religion des Marxismus, der seit jeher inhuman und familienfeindlich war.

    Umso erstaunlicher, dass die Anhänger des politischen Islam - Muslimbrüder, Milli Görüs, Islamische Glaubensgemeinschaft, etc. - so innig und kräftig mit der Sozialistischen Partei zusammenwirken.

  2. fewe (kein Partner)
    29. April 2016 19:16

    Wir sind in verlotterter Kleidung herumgelaufen, war auch nciht schön, aber Tätowieren ist leider nicht einfach wegzuwaschen.

    Die Moralvorstellungen - sofern sie nicht übertrieben werden -, die Aufgabenaufteilung und die Famile als solche, die Erziehung, Lernen etc. ist alles über hunderttausende Jahre erprobt und hat sich so als vorteilhaft erwiesen.

    Erschreckend ist die Erziehung der Kinder, von denen jede unangenehme Erfahrung und jeder Konflikt ferngehalten wird. Sie haben nie gelernt, Konflikte zu lösen oder mit schwierigen Situationen fertig zu werden.

    Durch das Aufhetzen der Bevölkerung aufeinander sind sie leicht lenkbar, sind von einem Nanny-Staat abhängig und dumm gehalten.

  3. Bob
    27. April 2016 14:29

    Ja, der Weg zurück in die Steinzeit ist steinig.

  4. Erich Bauer
    27. April 2016 12:27

    Max Frisch meinte einmal: "Am Ende der Aufklärung steht das Goldene Kalb."

    • Der Tetra
      27. April 2016 14:14

      Wenn man sich den Tanz um selbiges betrachtet, dann muss die Aufklärung schon vor längerer Zeit zu Ende gegangen sein ;)

    • oberösi
      27. April 2016 18:12

      @Erich Bauer,
      Schön, auch hier vermehrt auf ef-Leser zu stoßen, meint Josef B.;-)

  5. carambolage
    27. April 2016 11:41

    Danke sehr Hr. Dr. Ludvik, diese Beobachtungen mache ich auch seit langem.
    Mit dieser forcierten Primitivität in Verbindung mit den anderen Killer-Umständen (Schulden, Überfremdung etc.) wird diese hervorragende Kultur bald untergegangen sein. Danke auch an den ORF, der hier besonders fleißig dabei mithilft und nicht als Korrektiv wirkt.

  6. simplicissimus
    27. April 2016 11:17

    Traurig, aber wahr.





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