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Das Bare wird zum Staatsfeind

Lange habe ich sie für einen Scherz gehalten. Seit einiger Zeit nicht mehr. Nämlich die Gefahr einer Abschaffung des Bargelds. Die Menschen haben sich in den letzten Jahren schon zu viele Einschränkungen ihrer Freiheit gefallen lassen, als dass nicht auch das noch kommen könnte. Man denke an die ständig steigenden Abgaben- und Staatsschuldenquote, an die sich immer mehr vermehrenden Gesetze und Verordnungen, an die wachsenden Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Daher spricht viel dafür, dass die Bürger in ihrer empfundenen Wehrlosigkeit auch die Abschaffung des Bargeldes schlucken werden.

An dieser arbeiten nämlich viele starke, wenn auch oft nur hinter den Kulissen agierende Interessen.

Dazu gehört etwa die gesamte Plastikkarten-Industrie, von der Kreditkarte bis zur „Near Field Communication“ (NFC). Ihre Produkte bieten zweifellos angenehme Vorteile und ihre Nutzung wächst daher ganz natürlich (wogegen es auch nichts zu sagen gibt). Sie würde freilich geradezu raketenartig abheben, würde das Bargeld abgeschafft. Leiden würden dann scheinbar nur die Bankomat-Hersteller.

Großes Interesse an einem Bargeldende haben auch Polizei und Strafverfolger. Manche Formen der Steuerhinterziehungs- und Schwarzgeld-Kriminalität wären ohne Banknoten nicht mehr möglich. Freilich sehen wir auch jetzt schon, dass die wirklich großen Verbrechen längst nicht mehr mit Bargeld passieren. So war der 50-Millionen-Schaden, den soeben FACC erlitten hat, ein reiner Internet-Betrug, der ganz bargeldlos abgelaufen ist, bis die Überweisungen irgendwo Richtung Osten versickert sind.

Das allergrößte Interesse am Bargeld-Ende hat vor allem die Politik selber, auch wenn sie es nicht öffentlich zugibt. Es wäre ein Paradies für die Obrigkeit, wenn sie dadurch einen totalen Zugriff auf Geld und Eigentum der Bürger bekäme. Wie leicht wären dann weitere Abgabenerhöhungen, Schuldenmacherei, eine Vermehrung der Bestechungssubventionen und eine intensivierte Kontrolle der Bürger.

Genau auf dieser Linie liegen die neuen österreichischen Steuergesetze, deretwegen nun sogar bei (vorerst nur manchen) Theatergarderoben zeitraubend Rechnungen ausgestellt werden. In Italien sind Bargeschäfte nur noch bis 3.000 Euro möglich, in Spanien bis 2.500 und Frankreich in bestimmten Fällen gar nur bis 1.000. Und nirgendwo haben sich die Menschen gewehrt.

Jetzt droht als nächste Etappe die Abschaffung der 500-Euro-Noten. Und danach – sogar noch vor dem totalen Ende der Banknoten – das Verbot des Privatbesitzes von Gold und ausländischen Währungen. Genau das hat es übrigens schon in Nationalsozialismus und Kommunismus gegeben.

Ich glaube übrigens gar nicht, dass es in EU oder EZB schon einen ausgefeilten Masterplan bis hin zur gänzlichen Abschaffung des Bargelds, und damit eines Eckpfeilers der Freiheit, gibt. Aber die konvergierenden Interessen sind so stark, dass wohl unabwendbar ein Schritt auf den anderen folgen wird. Bis das angeblich edle Ziel erreicht ist.

Ich schreibe in jeder Nummer der Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung „Börsen-Kurier“ die Kolumne „Unterbergers Wochenschau“.

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