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Um Gottes Willen, keine Christen!

Schweigemärsche zum Gedenken an die vielen Millionen verfolgter Christen in der Welt gehören zum festen Programm der Kirchen in Österreich. Der Erzbischof von Wien und die Oberen anderer christlicher Kirchen gehen mit Kerzen in den Händen durch die Kärntnerstraße. Das ist gut so, auch wenn die Zahl der Teilnehmer an diesen Kundgebungen beschämend klein ist.

Wenn´s aber ernst wird und es darum geht, verfolgte Christen aus Syrien oder dem Irak zu retten oder zu schützen, verschanzt sich der Kardinal der römisch-katholischen Kirche hinter der üblichen politischen Korrektheit, nach der man angeblich nicht zwischen den Opfern unterscheiden dürfe. Er schäme sich für die Regierung der tschechoslowakischen Republik, sagte Christoph Schönborn, weil sie nur wenige Flüchtlinge aufnehme und ausschließlich Christen aus Syrien. Man fragt sich: Sonnt er sich in seiner besonders hohen Moral oder fürchtet er sich vor der öffentlichen Meinung, die natürlich verlangt, dass niemand „bevorzugt“ wird. Wahrscheinlich beides. Die Regierung in Prag zeigte sich jedenfalls nicht beeindruckt vom Fremdschämen aus Wien.

Der Bischof von Graz-Seckau hat in seinem Palais eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien untergebracht. Muslime selbstverständlich. Er schmeichelt sich, dass sie ihn „Vater“ nennen und lässt ihnen dafür beibringen, dass man bei uns den Müll trennt, denn das ist ja bekanntlich der wichtigste unter den „europäischen Werten“, die die Immigranten annehmen sollen. Nicht zu vergessen auch das Rechtsstehen auf der Rolltreppe beim Kastner und Öhler! Warum soll man sie denn mit so komplizierten  und unangenehmen Sachen wie der Religionsfreiheit (das ist immer die der anderen) traktieren? Auf die Idee, Christen in sein Haus zu nehmen, ist er nicht gekommen.  

So gut wie jeden Tag kann man in der Katholischen Nachrichtenagentur lesen, dass die Christen im Nahen Osten nicht nur Kriegsopfer wie auch die Muslime sind, sondern zugleich einer spezifischen Verfolgung wegen ihres Glaubens ausgesetzt sind, die unterdessen die Ausmaße eines Völkermords angenommen hat. Der Papst redet neuerdings auch jeden Tag davon. Die Verfolger sind nicht nur die Mörderbanden des IS, sondern ganz normale Muslime jeder Denomination, ob Schiiten im Irak oder Sunniten in Syrien.

Nur im Herrschaftsgebiet der syrischen Regierung des Präsidenten Assad waren die Christen früher und sind sie jetzt einigermaßen sicher. „Wir Christen im Nahen Osten sind verletzlich, weil wir wenige sind“, klagt der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche. „Wir bilden keine Umma, wir haben kein Öl, und der Westen will seine Geschäfte mit den muslimischen Ländern nicht gefährden, indem er uns verteidigt.“

Die Verfolgung geht noch weiter, wenn die Christen auf der Flucht sind: In Flüchtlingslager in der Türkei werden sie oft nicht hineingelassen und auch in Europa hat die Drangsalierung kein Ende. Wenn Christen die Opfer von Schlägereien in Flüchtlingsquartieren werden, beschönigt die Polizei das damit, dass es dort eben so eng sei. Aus Traiskirchen wird berichtet, dass sich Musliminen weigern, in der gemeinsamen Küche zu kochen, wenn auch Christinnen sie benützen wollen. Beinahe schon selbstverständlich ist, dass daraufhin die Christinnen die Küche zu verlassen haben, denn die Lagerleitung will sich Scherereien ersparen. Das alles ist kein Grund für die katholischen Würdenträger, ihren Glaubensgenossen zu Hilfe zu eilen oder sie bevorzugt aufzunehmen.    

Gottseidank gibt es aber Juden, die sich um das Schicksal der verfolgten Christen im Nahen Osten kümmern. Lord George Weidenfeld hat in London eine Organisation „Safe havens“ gegründet, die zweitausend Familien einen Start im Westen ermöglichen soll: „Wir konzentrieren uns dabei auf christliche Flüchtlinge aus Syrien, weil sie die Hilfe am dringendsten benötigen. Wir brauchen Quoten für Christen aus dem Orient“. Aus kirchlichen Kreisen hat man solche Sätze nicht gehört.

Dr. Hans Winkler ist Kolumnist. Er war früher Leiter des Wiener Büros der „Kleinen Zeitung" und deren stellvertretender Chefredakteur.

 

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