Alternative zur überkommenen Rechts-Links-Einteilung drucken

Lesezeit: 5:30

Dem österreichischen Lyriker und Schriftsteller Ernst Jandl, verdanken wir folgendes, im Jahr 1966 entstandenes Gedicht namens „Lichtung“:

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein llltum

Zunächst fällt die eigenwillige Orthographie des Verses ins Auge. Schnell wird indes klar, dass durch die gezielte Verwechslung von Buchstaben nachdrücklich das Problem der Unterscheidung politischer Positionen unterstrichen wird.

In der Tat hat sich im Laufe der Zeit eine beträchtliche Begriffsverwirrung hinsichtlich der Bedeutung des Begriffspaares Rechts-Links breitgemacht: Was ist „links“, was „rechts“? Wie kommt es, dass in Griechenland rechts- und linksextreme Parteien offenbar problemlos und ohne alle Berührungsängste eine Regierungskoalition eingehen können? Weshalb äußern vom Meinungshauptstrom als „rechtaußen“ schubladisierte Politiker wie Marine Le Pen und Heinz Christian Strache begeisterte Zustimmung zu den Positionen der linksradikalen „Syriza“?

Das heute immer noch verwendete Rechts-Links-Ordnungsschema geht bekanntlich auf die Sitzverteilung in der französischen Nationalversammlung am Vorabend der Revolution zurück. Dort nahmen die den Status quo verteidigenden Kräfte auf der rechten und die eine Veränderung anstrebenden späteren Königsmörder auf der linken Seite des Plenums Platz.

Linker Veränderungswille gegen rechten Wunsch zur Bewahrung des Bestehenden – diese Zuordnung stand am Anfang. Gilt sie auch heute noch?

Keineswegs! Denn heute stehen die (struktur-)konservativen politischen Kräfte, die auf eine Bewahrung und einen weiteren Ausbau wohlfahrtsstaatlicher „Errungenschaften“ aus sind, die mit Abgabenlasten von mehr als 50 Prozent einhergehen, allesamt links. Keine der in den europäischen Parlamenten vertretenen Parteien – gleichgültig, ob sie sich sozialdemokratisch, christlich-sozial, konservativ oder liberal nennen – hat vor, vom ebenso allsorgenden, wie zunehmend totalitäre Züge annehmenden Gouvernantenstaat abzurücken und den Bürger in die ihm sukzessive entrissenen Rechte wieder einzusetzen. Der 180°-Wechsel der Linken von der Seite der Revolutionäre ins Lager der Kräfte der Beharrung und Verteidigung des Status quo ist unübersehbar. Damit verbindet sich logisch, dass jedwede Initiative zur politisch-gesellschaftlichen Veränderung unserer Tage nur von rechts kommen kann.

Die Gegner des auf Zwang und Gewalt gründenden totalen Staates, die Befürworter der Vertrags- und Marktgesellschaft, kurz: die Libertären – sind demnach die neuen „Rechten“.

Allein daran wird offenbar, dass das herkömmliche eindimensionale Ordnungsschema, das sich nur zwischen den beiden Polen rechts und links einbettet, die Realität nicht mehr korrekt abbilden kann. Das führt zu der Verwirrung, die im eingangs zitierten Gedicht angesprochen wird. Eine sinnvolle Einordnung liberaler oder libertärerer Positionen ist im linearen Ordnungsschema nicht möglich. Nichts – nicht das Geringste – verbindet libertäre Positionen mit denen der gewohnheitsmäßig als rechts eingestuften Nationalsozialisten auf der einen oder den der orthodoxen, traditionell links verorteten Sozialisten auf der anderen Seite.

Der österreichische Universalgelehrte und politische Philosoph Erik von Kühnelt-Leddihn hat das Problem der politischen Verortung im eindimensionalen Schema durch zwei politisch unkorrekte Fragen zugespitzt:

„Was soll das sein, die Mitte zwischen Stalins Gulag und Hitlers KZ?“

„Wie kann der Nationalsozialismus rechts sein, wenn er den Sozialismus doch schon in seinem Namen trägt?“

In seinem 1989 publizierten Werk „Die rechtgestellten Weichen“ beschäftigt er sich eingehend mit der Unterscheidung von rechts und links und erstellt einen Katalog, der linkes Denken zusammenfasst. Ein kleiner Auszug aus den von Kühnelt-Leddihn auf die Frage „Was ist links?“ gegebenen Antworten:

  • Materialismus – ökonomischer, biologischer, soziologischer Natur.
  • Messianische Rolle einer Gruppe – Volk, Rasse, Klasse.
  • Zentralismus. Unterdrückung lokaler Verwaltungen, Eigenarten etc.
  • Totalitarismus. Alle Lebensbereiche von einer Doktrin durchdrungen.
  • Völlige, staatliche Kontrolle von Erziehung und Unterricht.
  • Versorgungsstaat von der Wiege bis zum Grab.
  • Antiliberalismus. Freiheitshass.
  • Antitraditionalismus. Man kämpft gegen die „Reaktion”.
  • Gleichschaltung der Massenmedien.
  • Abschaffung oder Relativierung des Privatbesitzes. Falls letzterer nominell bleibt, gerät er restlos unter Staatskontrolle.
  • Verherrlichung der Mehrheit und des Durchschnitts.
  • Plebejismus: Kampfansage an frühere Eliten.
  • Berufung auf das demokratische Prinzip.
  • Ideologische Wurzel in der französischen Revolution.
  • Einsetzung von Säkular-Riten als Religionsersatz.
  • Totalmobilmachung des Neids im Interesse von Partei und Staat.

Jeder einzelne dieser Punkte, bestimmt die Politik moderner Wohlfahrtsstaaten. Nicht einer davon fehlt. Der moderne Wohlfahrtsstaat ist lupenrein sozialistisch verfasst.

Die Frage „Was ist rechts?“ beantwortet Kühnelt-Leddihn so: „Das Fehlen oder das Gegenteil dieser Prinzipien; vergessen wir dabei ja nicht, dass Extreme sich nie berühren. Da stehen wir vor einem sehr beliebten, und daher schon überaus idiotischen Klischee. Als ob extrem groß und klein, kalt oder heiß oder das Leben in Rumänien und in Liechtenstein einander ähnlich wären.“

Die auch von ihm konstatierte Verwirrung resultiert aus der Unzulänglichkeit des eindimensionalen politischen Ordnungsschemas.

Ordnet man die politischen Positionen dagegen auf einem zweidimensionalen Schema ein, wird sofort deutlich, weshalb es immer wieder zu vermeintlichen Übereinstimmungen zwischen „lechts und rinks“ kommt. Die hier vorgeschlagene Einteilung, orientiert sich an einer vom Kollektiv zum Individuum gehenden x-Achse und einer vom Zwang zur Freiheit gehenden y-Achse. Fügt man den oben angeführten Katalog des als „links“ definierten Denkens in dieses Diagramm ein, ist sein Platz im linken unteren als „autoritär“ definierten Quadranten. Hier finden sich gleichermaßen der Bolschewismus (mit stärkerer Ausprägung in Richtung Kollektiv) wie auch der Nationalsozialismus (mit stärkerer Ausprägung in Richtung Zwang).

Im diagonal gegenüberliegenden als „liberal/libertär“ bezeichneten rechten oberen Quadranten findet sich Kühnelt-Leddihns Begriffsbestimmung für „rechtes“ Denken. In diesem Schema erklärt sich schlagartig seine, bei Verwendung eines eindimensionalen Schemas, irritierende Selbsteinschätzung als „rechtsradikaler Liberaler“.

 

Alle im herkömmlichen Politikschema gegeben Zuordnungen für links – wie Betonung von Kollektiv, Gleichheit, Gesinnungsethik, Wille zur fortwährenden Veränderung, Überwachung und Kontrolle – fügen sich in die beiden auf der linken Seite der Darstellung liegenden Viertel. Als „Rechts“ geltende Zuordnungen – wie Individualismus, Freiheit, Verantwortungsethik, Bewahrung des Bewährten, Vertrauen und freiwillige Übereinkunft – in die beiden rechten Viertel.

Mit der Verwendung eines zweidimensionalen Ordnungsschemas kann dem sowohl von Ernst Jandl, wie auch Erik von Kühnelt-Leddihn erkannten Unterscheidungsproblem, wirksam begegnet werden. „Lechts und rinks“ sind damit wirklich nicht mehr zu „velwechsern“.

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

Der vorliegende Text beruht auf einem Vortrag, der vom Autor im November dieses Jahres, bei einer von der Zeitschrift „Eigentümlich Frei“ organisierten Tagung in Usedom gehalten wurde. 

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  1. Ausgezeichneter KommentatorSusanne
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    25. Dezember 2015 21:16

    Ich erlaube mir, in der gezeigten Grafik (eine Art Joharifenster?) die vier wesentlichen österreichischen Parteien einzuordnen:

    GRÜNE = egalitär | FPÖ = liberal (ggfs. BZÖ, TS)
    ___
    SPÖ = autoritär | ÖVP = konservativ

    Da ist mir schon die rechte obere Ecke lieber.

  2. Ausgezeichneter KommentatorWafthrudnir
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    26. Dezember 2015 11:46

    Erik von Kühnelt-Leddihn war auch für mich ein prägender Denker. Seine rechts-links Liste scheint mir allerdings ein wenig unter dem Umstand zu leiden, daß sie weniger ein klares Entscheidungskriterium darstellt, als seine persönlichen Vorlieben widerzuspiegeln scheint.
    Ich bin jüngstens auf eine andere Definition gestoßen, die mir klarer und grundlegender zu sein scheint - die Unterschiede, die Erik von Kühnelt-Leddihn oder auch das obige Schema aufzeigen, ergeben sich quasi als Folge daraus. Der Unterschied soll darin liegen, wie wie Linke und Rechte reagieren, wenn sie auf ein Problem oder eine unerfreuliche Situation stoßen (als Beispiel nenne ich einmal die Gehaltsschere zwischen Mann und Frau, die auf den ersten Blick ja tatsächlich ungerecht wirkt).
    Der Linke stellt sich sofort einen Zustand vor, indem das Problem nicht besteht (also: gleiche Durchschnittseinkommen für alle Geschlechter), er erdenkt also eine Utopie. Danach geht er daran, sie umszusetzen (also: Diskrimnierungsverbote, Quoten, Kampagnen etc.). Bringen die Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, überlegt er andere, stellt die Utopie aber nicht infrage.
    Der Rechte hingegen überlegt, warum der Zustand so sein könnte, wie er ist (Männer und Frauen scheinen ja ähnliche Fähigkeiten zu haben, wieso also unterschiedliche Einkommen) und versucht, die zugrunde liegende Gesetzmäßigkeiten zu finden (z.B. biologisch bedingte Verhaltensunterschiede). Erst bald er diese Gesetzmäßigkeit kennt, macht er Verbesserungsvorschläge, die oft bescheiden auffallen, weil er um unerwünschte Nebeneffekte und die natürliche Begrenztheit unseres Handelns weiß.
    Leider erklärt diese Definition auch, warum die Linke stets attraktiver ist - wer würde nicht das Paradies vorziehen, wenn es zur Auswahl gestellt würde?

  3. Ausgezeichneter KommentatorBob
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    27. Dezember 2015 10:33

    Vollste Zustimmung! Besser kann man es kaum definieren.

  4. Ausgezeichneter KommentatorF.V.
    1x Ausgezeichneter Kommentar
  5. Ausgezeichneter KommentatorSandwalk
    1x Ausgezeichneter Kommentar

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  1. fewe (kein Partner)
    02. Januar 2016 10:06

    Die Streiterei um politisch links oder rechts soll das Volk nur davon ablenken, dass es tatsächlich nur um oben oder unten geht. Links und Rechts macht nur einen Unterschied bei den Geschichten, mit denen die Maßnahmen den Leuten erklärt werden.

    Es geht nur darum, möglichst optimiert beim Einkommen der Menschen zugunsten der immer selben Freundeskreise mitzuschneiden. Dazu gibt es eben mehr oder weniger lukrative Modelle. Links und rechts sind nur die wechselnden Marionetten, die als Politiker dafür ein bisschen mitnaschen dürfen - so lange sie brav sind. Wer sich beispielsweise gegen die Umvolkung in Europa stellt, ist draußen. Wer gegen den Klimawandel-Ablass auftritt, ist draußen. Etc.

  2. Neppomuck (kein Partner)
    27. Dezember 2015 18:35

    Man mag über Jean-Jacques Rousseau denken wie man will, aber seine Erkenntnis „Entre le faible et le fort, c’est la liberté qui opprime et c’est la loi qui libère" (zwischen dem Starken und dem Schwachen ist es sie Freiheit, die unterdrückt und das Gesetz, das befreit) hat bis heute nichts an Wahrhaftigkeit eingebüßt.
    Das „Recht“ ist also als Reißleine gedacht, die menschlichen Egoismen und übertriebenen Machtansprüchen Paroli zu bieten in der Lage ist, bzw. sein soll.

    • Neppomuck (kein Partner)
      27. Dezember 2015 18:39

      Es soll natürlich "... ist es die Freiheit ..." heißen.
      Weiter im Text:
      Das Fundament der Demokratie ist das Volk, das Dach die politischen Vertretungen (Parteien), die ja einem Lippenbekenntnis aller Politiker, die etwas von sich halten, nach „die Rahmenbedingungen“ für die Grundlagen unseres Seins gestalten sollen.
      Rein bipolare Interessenslagen, also das „Links-Rechts-Spannungsfeld“, sind somit für eine gedeihliche Entwicklung des Staatswesens hinderlich und sollten daher als obsolet gelten.
      Erst ab drei Beinen steht man stabil.
      Sollte ein Viertes oder gar Fünftes dazu kommen, ist das auch kein Malheur. Wesentlich ist, dass eine Diktatur der 50,0001 % nicht zustande kommen kann, bzw. eine Zweidrittelmehrheit (siehe Änderung der Verfassung) nicht oder nur sehr schwer von 2 Parteien zu erreichen ist. Damit ist der Bürger nicht auf das Verantwortungsbewusstsein von z.B. zwei großen Parteien angewiesen, sondern kann sehr schnell (!) bei einer sich abzeichnenden Schieflage justierend eingreifen.
      Mit den drei Beinen = Säulen, auf denen dieses vorher metaphorisch angesprochene „Dach“ ruht, sind die heute (Gott sei Dank) etwa gleich starken Parteien Rot, Schwarz und Blau, die oberflächlich betrachtet bzw. idealisierend „das Soziale“, das „Wirtschaftliche“ und letztlich das „Nationale“ als philosophische Grundlage des Staatswesens repräsentieren, gemeint.

      Um diesen segensreichen Zustand der Ausgewogenheit endlich zu erreichen und auch zu erhalten, wären Änderungen an unserem „Demokratischen Algorithmus“, um nicht „System zu sagen, notwendig. Es würde zu weit führen, hier alle sinnvollen Maßnahmen aufzulisten, daher lasse ich es auch, aber wenn man bedenkt, dass unsere Demokratie in ihren Grundlagen sich seit knapp hundert Jahren kaum geändert hat (Verfassung), muss einfach Nachholbedarf bestehen.
      Die „Mächte“, für die der Begriff „Demokratie“ noch vor dem Stellenwert des Weihwassers für den Teufel kommt, hatten immerhin ebenso lange Zeit, den ursprünglichen Grundgedanken der Volksherrschaft an allen möglichen Ecken und Enden auszuhebeln.

  3. Bob
    27. Dezember 2015 10:33

    Vollste Zustimmung! Besser kann man es kaum definieren.

    • F.V. (kein Partner)
      27. Dezember 2015 12:15

      Kommentator des Monats November: Bob

      Poster des Monats November und damit Gewinner einer dreimonatigen Gratis-Partnerschaft ist neuerlich Bob mit einem Wert von 909 mal drei Sternen.

      Angesichts der so geist- und gehaltsvollen „Beiträge“ des Bob, sind die 909 x 3 Sternderln (= 2.727!) vor allem ein Ausweis für das unvergleichliche Niveau der Kommune.

      Ob sich Herr Tögel besonders freut, von einem so unterbelichteten Schwätzers Lob und Zustimmung zu bekommen? Ich an seiner Stelle würde so einen geistlosen Schmarrn als schlimmere Kritik an meinen Ausführungen betrachten, als eine scharfe Kontroverse. Da Tögel ja ein durchaus gebildeter Mensch ist, versteht er wohl, daß in der Kritik mehr Anerkennung liegt, als in den claqueurhaften Beifallskundgebungen geistiger Taglööhner.

  4. Sandwalk
    27. Dezember 2015 09:33

    Grandios!
    Kommt in mein Archiv.

  5. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      26. Dezember 2015 18:37

      Das Wortspiel von Jandl ist schon in Ordnung. Die hierin liegende tiefere Wahrheit ist, daß alle Parteien längst strukturell und inhaltlich alle gleich – programmatisch ununterscheidbar - geworden sind.

      Da Politik heute (von Brot und Spielen abgesehen) de facto nur mehr „Wirtschafts-Politik“ ist, und hier die grundlegenden Dogmen jene LIBINTERNS sind, verwenden die jeweiligen Parteien eventuell für dieselben Dinge unterschiedliche Vokabel; aber es ist letztlich doch immer dasselbe gemeint.

      Was an Herrn Tögels Analyse auffällt, ist der Umstand, daß er mehr oder weniger bedeutsame Charakteristika aufzählt, die meist auf materielle Dinge Bezug nehmen. Da mag sicher viel Richtiges dabei sein, aber der bedauerliche Mangel ist, daß er die entscheidenden Unterschiede im Geistigen völlig ignoriert hat.

      Mit der Französischen Revolution wurde nicht nur die alte Ordnung – die eine hierarchische war – gestürzt und durch die „Egalité“ ersetzt, die selbstverständlich die heilige Kuh „Dämokratie“ hervorbrachte, sondern vor allem Gott für tot erklärt. Der Mensch ist nun das Maß aller Dinge, womit der Materialismus zur Alleinherrschaft kam. Die Ordnungsstruktur war auf der unteren Ebene die (eheliche) Familie und in der (Volks-) Gemeinschaft das jeweilige, abgegrenzte Königreich. Es gab also Grenzen, im Gegensatz zum heutigen Mondialismus.

      Diese drei Kriterien sind m. A. die entscheidenden, und man müßte die Vielzahl an weiteren Unterscheidungsmerkmalen in eine hierarchische Ordnung bringen, damit man die wirklich grundlegenden Differenzen zwischen „links“ und „rechts“ klar machen kann.

      Wenn konservativ meint: die Bewahrung der Tradition (ohne sich aber vernünftigen Neuerungen zu verschließen), dann wird das mit „rechts“ verortet. Es ist auch die Sicherung der Wohlfahrt ein essentielles Staatsziel der „alten Ordnung“, also rechts verortet. Und auch die Freiheit – nicht die heutigen Parolen oder die Libertinage – war Essenz des sittlichen Staates. Also Eigenschaften, die man heute von allen möglichen Seiten reklamiert, auch wenn es himmelschreiend falsch ist.

      Andrerseits wird heute der Kapitalismus und die „Corporatocracy“ mit „Freiheit“, „Schutz des Eigentums“ und anderen Ewigen Wahrworten geziert – und rechts bzw. NICHT-links verortet. Was aber ist der Unterschied kollektivierter, atomisierten Arbeitermassen in den Fließband-Fabriken der westlichen Konzerne zu jenen der sowjetischen, linken Kolchosen?

      Im Text meint Herr Tögel, daß inzwischen auch die Linke „traditionell“ geworden sei – also den Besitzstand wahren möchte -, aber in seiner Schlagwort-Aufzählung Kühnelt-Leddihns zitiert er den Antitraditionalismus als Kennzeichen für links.

      Was für Herrn Tögel „rechts“ ist, ist bekannt. Aber leider eine zu einseitige Angelegenheit, und da die geistigen Grundlagen dafür auch jene „Errungenschaften“ von 1789 sind, befürchte ich, daß damit diese – seine - Ideologie in Wahrheit ganz links zu verorten ist: Gottlos, materialistisch und mondialistisch, egalitär (= proletarisch), eine falsche Freiheit vortäuschend und die Gemeinschaft zersetzend.

  6. Wafthrudnir
    26. Dezember 2015 11:46

    Erik von Kühnelt-Leddihn war auch für mich ein prägender Denker. Seine rechts-links Liste scheint mir allerdings ein wenig unter dem Umstand zu leiden, daß sie weniger ein klares Entscheidungskriterium darstellt, als seine persönlichen Vorlieben widerzuspiegeln scheint.
    Ich bin jüngstens auf eine andere Definition gestoßen, die mir klarer und grundlegender zu sein scheint - die Unterschiede, die Erik von Kühnelt-Leddihn oder auch das obige Schema aufzeigen, ergeben sich quasi als Folge daraus. Der Unterschied soll darin liegen, wie wie Linke und Rechte reagieren, wenn sie auf ein Problem oder eine unerfreuliche Situation stoßen (als Beispiel nenne ich einmal die Gehaltsschere zwischen Mann und Frau, die auf den ersten Blick ja tatsächlich ungerecht wirkt).
    Der Linke stellt sich sofort einen Zustand vor, indem das Problem nicht besteht (also: gleiche Durchschnittseinkommen für alle Geschlechter), er erdenkt also eine Utopie. Danach geht er daran, sie umszusetzen (also: Diskrimnierungsverbote, Quoten, Kampagnen etc.). Bringen die Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, überlegt er andere, stellt die Utopie aber nicht infrage.
    Der Rechte hingegen überlegt, warum der Zustand so sein könnte, wie er ist (Männer und Frauen scheinen ja ähnliche Fähigkeiten zu haben, wieso also unterschiedliche Einkommen) und versucht, die zugrunde liegende Gesetzmäßigkeiten zu finden (z.B. biologisch bedingte Verhaltensunterschiede). Erst bald er diese Gesetzmäßigkeit kennt, macht er Verbesserungsvorschläge, die oft bescheiden auffallen, weil er um unerwünschte Nebeneffekte und die natürliche Begrenztheit unseres Handelns weiß.
    Leider erklärt diese Definition auch, warum die Linke stets attraktiver ist - wer würde nicht das Paradies vorziehen, wenn es zur Auswahl gestellt würde?

  7. Susanne
    25. Dezember 2015 21:16

    Ich erlaube mir, in der gezeigten Grafik (eine Art Joharifenster?) die vier wesentlichen österreichischen Parteien einzuordnen:

    GRÜNE = egalitär | FPÖ = liberal (ggfs. BZÖ, TS)
    ___
    SPÖ = autoritär | ÖVP = konservativ

    Da ist mir schon die rechte obere Ecke lieber.





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