Die perverse Lust zur Selbstzerstörung

Lesezeit: 4:30

„Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen.“ Tatsächlich sah es lange genug so aus, als ob diese Prophezeiung des Revolutionärs Lenin sich bewahrheiten würde. Zum Glück Westeuropas zerbrach indes der sowjetische Realsozialismus, noch ehe es dazu kam, an seinen unüberwindlichen inneren Widersprüchen. Diese Gelegenheit zur Selbstzerstörung des „freien Westens“ war also vertan.

Eine andere Chance hingegen ist intakt: „Wer die Kapitalisten vernichten will, der muss ihre Währung zerstören.“ Dabei handelt es sich um eine Erkenntnis desselben bolschewistischen Revolutionärs. Und damit kam er der Wahrheit schon wesentlich näher.

Nun ist natürlich zu fragen, ob es im Hinblick auf den „Kapitalismus“ unserer Tage noch irgendetwas gibt, was man vernichten könnte. Wo wäre denn das, was man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (zumindest in England und in den USA) mit einigem Recht „Kapitalismus“ nennen durfte, heute noch zu finden? In dem in den Staaten der EU herrschenden Politsystem liegt die Staatsquote bei rund 50 Prozent – Tendenz insgesamt steigend.

Alle Agenden, die für die Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind, wie Infrastruktur, Bildung, Gesundheitsvorsorge, Pensionen, Sicherheit, usw., liegen nicht etwa in privaten Händen, sondern werden von den Regierungen bestimmt. Eine derartige Ordnung steht dem auf Befehl und Zwang basierenden Sozialismus zweifellos deutlich näher, als einer auf Vertrag und Privateigentum beruhenden Gesellschaft, die von Karl Marx als „Kapitalismus“ geschmäht wurde.

Wie dem auch sei. Die Zerstörung unserer Währung ist offensichtlich in vollem Gange. Jeder, der gelegentlich einkaufen geht und dabei die unaufhörliche Kaufkrafterosion hautnah erlebt, kann das bestätigen. Die Bildung von Privateigentum in der Hand privater Haushalte (etwa der Erwerb von Wohnungseigentum), wird dank steigender Steuerlasten und galoppierender Preisinflation auf dem Realitätenmarkt von Jahr zu Jahr schwieriger.

Hier sind aber keine sinistren Außenfeinde am Werk – weit gefehlt! Es sind vielmehr unsere eigenen Regierungen, die Hand in Hand mit den auf ihren Zuruf parierenden Zentral- und Geschäftsbanken die Währungszerstörung auf ihre Fahnen geschrieben haben. Wer zwei Prozent jährliche Kaufkraftminderung als Zielvorgabe definiert (wie das die der Erhaltung der Währungsstabilität verpflichtete EZB tut), kann schwerlich behaupten, im Interesse der Haushalte und Sparer zu handeln. Zentralbanken sind vielmehr zu Inflationierungsbehörden verkommen, die ausschließlich im Interesse von Politik und Finanzindustrie agieren.

Ein Vergleich macht sicher: Ab 1942 lief unter Federführung des deutschen Reichssicherheitshauptamts mit dem Decknamen „Aktion Bernhard“ das bis dahin größte Geldfälschungsunternehmen der Geschichte. Geplant war ein Angriff auf die damalige Weltreservewährung, das britische Pfund. Ziel war es, durch die massenhafte Produktion und das in Umlaufbringen täuschend echt erscheinender Banknoten (in Stückelungen von 5, 10, 20 und 50 Pfund) den Wert des britischen Geldes zu untergraben und eine Inflation auszulösen. Ein im Grunde ebenso genialer wie einfacher Gedanke, der letztlich nur an logistischen Problemen scheiterte.

Heute bedarf es keiner perfiden Nationalsozialisten mehr, die die Währung verfeindeter Nationen verschlechtern. Dieselben Geschäfte werden jetzt – auf absolut legale Weise und unter dem Beifall der Ökonomenzunft und zahlreicher Börsianer – von unserem eigenen Bankensystem unternommen. Ein Unterschied zu den geplanten Konsequenzen der „Aktion Bernhard“ ist mit freiem Auge nicht erkennbar: In beiden Fällen ging/geht es um die Produktion einer Flut neuer Liquidität. Ein „echter“ (von der Notenbank gedruckter) Schein entfaltet keine andere Wirkung auf die Kaufkraft aller übrigen Noten als ein gefälschter – er vermindert sie.

Heute wird uns von staatsnahem „Experten“ versichert, dass eine Ausweitung der Menge durch nichts als warme Worte und eitle Hoffnungen gedeckten Geldes, der reinste Segen für die Gesellschaft sei. Das ist angesichts der „Aktion Bernhard“ ein wenig verwirrend! Waren die Nationalsozialisten etwa drauf und dran, mit ihren Aktivitäten den Briten einen riesigen Gefallen zu tun? Hätten sie durch den massenhaften Abwurf gefälschter Banknoten wirklich deren Wirtschaft „angekurbelt“? Oder ist es wahrscheinlicher, dass der nunmehr seit vielen Jahren laufende Versuch von EZB (EU), FED (USA) und BOJ (Japan), eine Schuldenkrise durch noch mehr Schulden zu lösen und Wohlstand mit der Notenpresse zu schaffen, auf katastrophalen Denkfehlern beruht?

Die gegenwärtig zu beobachtenden „Korrekturen“ sind jedenfalls klare Hinweise auf mit der exzessiven Geldproduktion einhergehende Blasenbildungen. Ob es sich um einen vermeintlichen „Kapitalismus“ handelt, der damit attackiert wird, oder in Wahrheit um „Korporatismus“ (Ludwig Mises) oder „Geldsozialismus“ (Roland Baader), ist unbedeutend. Wichtig ist: Leiden werden – von der verhältnismäßig kleinen Zahl von Systemsymbionten abgesehen – wir alle. Es muss ja nicht gleich zu unserer von Lenin erhofften „Vernichtung“ kommen.

Dass an verantwortlicher Stelle agierende Menschen, die es besser wissen müssten, mit derartiger Vehemenz in die falsche Richtung arbeiten, kann nur mit deren extremer Kurzsichtigkeit oder mit einer geradezu perversen Lust an der Selbstzerstörung erklärt werden…

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorBob
    15x Ausgezeichneter Kommentar
    26. August 2015 10:30

    Anlässlich der Sommergespräche hat uns Django Mitterlehner wieder verkündet, das wir zu den reichsten Ländern gehören. Ja wir haben die reichsten Politiker, wir sind reich an Asylanten, und wir sind reich an einer immer ärmer werdenden Bevölkerung. Danke SPÖVP, danke auch den grünen Kommunisten und allen die den Durchblick haben. Einmal alternativ die FPÖ wählen!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    26. August 2015 12:15

    Die Selbstzerstörer werden wohl meist keine Kinder haben, als ein Erklärungsansatz.

  3. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    27. August 2015 00:06

    Wie immer ganz ausgezeichnet, profund und dennoch auch für Laien verständlich!
    Nur die conclusio "kann nur mit deren extremer Kurzsichtigkeit oder mit einer geradezu perversen Lust an der Selbstzerstörung erklärt werden… " sehe ich geringfügig anders: Es geht nicht um die eigene Zerstörung sondern - wie seit über einem Jahrhundert - um die Zerstörung Deutschlands! Es gibt nur eine einzige weltweite Maxime: "Ceterum censeo, germaniam esse delendam"

  4. Ausgezeichneter KommentatorDer Tetra
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    26. August 2015 13:36

    "Wer zerstören will, findet immer ein Karthago", denke ich mir immer öfter; denn Nachlässigkeit oder gar Dummheit unterstelle ich unseren Eliten nicht. Das sind keine Schlafwandler, die wissen was sie tun!

  5. Ausgezeichneter KommentatorZraxl
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    28. August 2015 17:50

    "Dieselben Geschäfte werden jetzt ... von unserem eigenen Bankensystem unternommen." Ernsthaft?

    Die Geldschöpfung der Banken war nie das größte Problem einer Währung. Ein Bankencrash kann zwar die Volkswirtschaft ordentlich durchbeuteln und etliche Existenzen ruinieren, er kann ev. sogar eine Rezession auslösen, aber ein Währungssystem vernichten kann das Bankensystem nicht. Dazu braucht es den Staat (und seine Nationalbank).

    Die Währung eines ordentlich geführten Staates geht nicht den Bach hinunter - genau darin liegt der Unterschied zwischen der Schweiz und Simbabwe.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorZraxl
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    28. August 2015 17:50

    "Dieselben Geschäfte werden jetzt ... von unserem eigenen Bankensystem unternommen." Ernsthaft?

    Die Geldschöpfung der Banken war nie das größte Problem einer Währung. Ein Bankencrash kann zwar die Volkswirtschaft ordentlich durchbeuteln und etliche Existenzen ruinieren, er kann ev. sogar eine Rezession auslösen, aber ein Währungssystem vernichten kann das Bankensystem nicht. Dazu braucht es den Staat (und seine Nationalbank).

    Die Währung eines ordentlich geführten Staates geht nicht den Bach hinunter - genau darin liegt der Unterschied zwischen der Schweiz und Simbabwe.


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  1. F.V. (kein Partner)
    04. September 2015 08:01

    Wegen der Zumüllung durch den Auf-kläricht mußte ich den eigentlich zu Tögels Subkommentar gehörenden eigenen hier anbringen.

    • F.V. (kein Partner)
      04. September 2015 08:02

      Romig hatte es auf den Punkt gebracht: Der Staat ist das Geld, bzw. vice versa: Das Geld ist der Staat.

      Damit ist ausgedrückt, daß es die Gemeinschaft – organisiert als Rechtsstaat – ist, die das Geld bestimmt. Was weiters impliziert, daß es sehr wohl auf die gesetzlichen und somit allgemein gültigen Normen ankommt die den Gebrauch des Geldes definieren UND vor allem, WER es herausgibt. Tun dies – wie es gegenwärtig der Fall ist – private Banken, dann impliziert dies – wie es ja auch tatsächlich der Fall ist – daß das Geld partikularen Sonderinteressen und nicht dem Gemeinwohl (was die eigentliche Aufgabe des sittlichen Staates wäre) dient.

      Natürlich stimmt die Beurteilung Tögels, daß Gold einen inneren Wert hat und bedrucktes Papier keinen. Umso mehr ist das Zettelgeld daher von dem Bestehen eines wirklichen Rechtsstaates abhängig, und umso fataler sind daher die Folgen des „fiat money“, das als virtuelles Scheingeld von privaten Banken geschöpft – es ist dies die blasphemische Nachahmung eines göttlichen Privilegs: eine „creatio ex nihilo“ - gegen in Wahrheit wucherische Zinsen in Umlauf gebracht wird.

      Die anderen, mit dem Geld zusammenhängenden Fragen sind im Vergleich zu den oben genannten Aspekten fast schon sekundärer Natur.

  2. fewe (kein Partner)
    03. September 2015 08:50

    Die EZB druckt zwar Milliarden, aber das kommt in der Realwirtschaft nicht an und daher auch nicht bei der Bevölkerung. Deswegen dürfte letztlich keine Inflation passieren.

    Permanente Inflation ist nötig, weil die Währung ansonsten schnell zusammenbricht. Man kann nicht gleichzeitig Zinsen auf Guthaben zahlen und die Geldmenge gleich halten.

    Die permanente Inflation ist der umgekehrte Weg von Schwundgeld mit selbem Effekt. In den letzten 50 Jahren gab es eine Inflation im Mittel von etwa 6% pro Jahr. 2% sind möglich, da es derzeit kaum Guthabenzinsen gibt.

    Das Problem sehe ich weniger im Geld als in der Produktivität. Es gibt eine Kreditklemme, der Staat "investiert" in Import von Dummen.

    • F.V. (kein Partner)
      03. September 2015 10:35

      fewe,

      sie haben mit allem ja recht, nur eines müßten sie mir noch erklären: Wenn die Milliarden (besser Billionen) von FED und EZB nicht in der Wirtschaft ankommen, wozu dann diese Übung?

      Solange damit „nur“ die Casiono-Wetten in der Buchhaltung der Bankster richtig gestellt werden, wäre es ja auch ganz Wurscht, aber ich habe den Eindruck, daß die Großspekulanten dann ihren Reichtum an legalem Falschgeld (das ist es doch, was FED und EZB fabrizieren) und die Sorose dieser Welt in realem Vermögen anlegen. Also damit gigantische Flächen an Grund und Boden „kaufen“, sich die Aktienmehrheit an „blue chips“ sichern oder die Schlepper finanzieren die damit die Flutung Europas bewerkstelligen, d. h. einen veritablen Krieg gegen Europa zu führen.

      Also kommt das viele Geld dann doch auf Umwegen in die reale Welt und wirkt eben wie es wirkt: zerstörerisch, apokalyptisch.

    • fewe (kein Partner)
      04. September 2015 04:55

      Ich kann es mir nur so erklären: Inflation entsteht durch höhere Nachfrage als Angebot; wenn also zu viel Geld im Wirtschaftskreislauf ist. Das passiert aber offenbar nur im Heimatland der Währung. Beim EUR also innerhalb der Euro-Länder.

      Wenn ich aber 1 Mia. EUR quasi drucke und diese im Ausland - vereinfacht gesehen - bei einem Oligarchen ausgebe, und dieser das Geld bei sich daheim bunkert, dann hat das keine Auswirkung auf die Kaufkraft und daher keine Inflation.

      So lange also mit der 1 Mia. Euro niemand in einem Euro-Land auftaucht und dort damit was kaufen will, hat es keine Auswirkung auf den Wert der Währung. Die USA machen das so mit dem Dollar. ...

    • fewe (kein Partner)
      04. September 2015 04:56

      ... Die bekommen Waren dafür und führen Krieg gegen ein Land, wenn es die Gefahr gibt, dass das Geld wieder in die USA zurückkommt.

      Vielleicht ist das Geld einfach gebunkert bei den Besitzern und es ist eine Zeitfrage, bis sie damit etwas kaufen wollen. Wenn jemand in der Ukraine mit seinen Euros etwas bei einem Chinesen einkauft ist es für den Euro egal. Schwierig wird es erst dann, wenn der Chinese dann in einem Euro-Land damit etwas kaufen will.

      Ich glaube der Knackpunkt liegt darin, dass aus Euro-Ländern extrem viel Geld ins Ausland kommt und daher hier eigentlich eher eine Geldknappheit entsteht und daher eine so geringe Inflation.

    • F.V. (kein Partner)
      04. September 2015 09:00

      Über die BIZ in Basel werden t ä g l i c h mehrere Billionen Dollar weltweit herumgeschoben, wobei diesen Transaktionen nur zum allerkleinsten Teil realwirtschaftliche Warenlieferungen oder echte Dienstleistungen zugrunde liegen. Das kann man leicht abschätzen, wenn man die Weltwirtschaftsleistung mit ca. 60 – 70 Billionen p.a. annimmt – und mit Verblüffung merkt, daß das Hundertfache für Casino-Wetten – Luft-„geschäfte“ - verschoben wird.

      D.h. die „Begrenzung“ der jeweiligen Währungen auf ein Land oder eine Wirtschaftszone findet nicht statt. Und der Witz der Dollarhegemonie ist ja nicht der, daß irgendwer das Geld hortet, sondern daß die ganze Welt damit zur Tributleistung an die USA gezwungen wurde und immer noch wird. – Echte Waren und Güter gegen bedrucktes Papier. Diese faktischen Schuldscheine aber den Amis einmal zur Einlösung vorzuhalten ist nicht vorgesehen. Dies erlauben diesbezügliche Verträge und wo das die Betreffenden vergessen haben sollten, sind an die 900 Militärstützpunkte der USA weltweit da, sie dessen zu erinnern.

      Bekannt ist auch die Spekulation gegen das britische Pfund durch Soros, der die damit ergaunerten Milliarden sofort in Tausende Hektar Grund in Argentinien und erste Adressen in Business-Malls anlegte (und damit zum größten Rinderzüchter des Landes wurde). Also auf dem bedruckten Papier bleibt niemand sitzen, sondern es wird in Realvermögen oder „Titel“ angelegt, die Profite abwerfen.

    • F.V. (kein Partner)
      04. September 2015 09:02

      ... erlauben diesbezügliche Verträge NICHT ...

    • fritz the cat (kein Partner)
      07. September 2015 08:32

      Permanente Inflation sei nötig, schreiben sie? Man kann doch die Geldmenge entsprechend der Zinsen erhöhen, dann stiege zwar die Umlaufmenge, es gäbe aber keine Inflation. Um Inflation zu "erreichen" wird aber viel mehr Geld "gedruckt" (mittlerweile geht es ja mehr um virtuelle Werte) als nötig wäre.
      Das Problem bei dieser unsäglichen Niedrigzinspolitik ist zudem die gefährliche Blasenbildung.
      Weiters schreiben sie unten, Inflation entstehe durch höhere Nachfrage. Könnten sie diesen Gedanken konkretisieren?

  3. F.V. (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      02. September 2015 20:10

      Über weite Strecken gebe ich Herrn Tögel ja recht. Er beschreibt die beklagenswerten Zustände – und hier sind wir meist einig.

      Man kann darüber streiten, ob man diese Zustände mit Kapitalismus oder anderen Etiketten benennt. Auch ob die Klassifizierung nach Marx noch einen richtigen Eindruck des Wesens des Kapitalismus gibt. Es sind ja viele Begriffe im Lauf der Zeit von anderen/neuen Gesichtspunkten aus interpretiert worden, haben also ihre ursprüngliche Bedeutung gewandelt. War es früher die Verfügungsmacht über die Produktionsmittel, die der Angelpunkt der Kritik Marxens war, so müßte man heute die Übermacht der Banken über die Realwirtschaft aber auch über die Politik ins Zentrum der Kritik stellen. – Für mich war das auch immer ein Aspekt den ich mit dem Kapitalismus verband. Freilich als eine übersteigerte Form seiner Abartigkeit.

      Manche haben dafür einen neuen Begriff geprägt: „financism“, der deshalb schon recht gut paßt, weil er in Pidgin auch gleich seine wahre Herkunft offenbart und all dieser Dreck auch am besten mit der dazu passenden Sprache benannt wird.

      Wo ich mit Herrn Tögel nie übereinstimme, ist seine absolute Negation des Staates. Würde er die gegenwärtigen Politschauspieler und Lakaien der Anonyma mit der schärfsten Kritik überziehen, stimmte ich ihm auch da zu. Aber man muß die Idee des Staates und seine oft sehr schlechten Amtsträger auseinander halten. Die Bausteine der Gesellschaft sind die Familie und die Struktur/Organisiation einer Gemeinschaft ist nun einmal ein Staat. Dies zu negieren oder gleich mit dem Etikett „kriminell“ abzutun, ist einer mangelnden Einsicht in die Angewiesenheit des Individuums auf Gemeinschaft zuzuschreiben. Aber eine Gemeinschaft/Volk ist keine amorphe Masse von nicht zusammenhängenden Einzelnen, und sie ist auch natürlich (= hierarchisch) strukturiert und nur handlungsfähig über ihre Organe. Die „unsichtbaren Hände“ oder „Privatverträge“ leisten das nicht und ein solcher Aberglaube kann nur in die Schöne Neue Welt führen. – Und auf diesem Weg befinden wir uns zur Zeit.

      Wenn Tögel seinen Trugschluß auf das Versagen der Politik (= der bezahlten Lakaien der wahrhaft Mächtigen) zurückführt, kommt er nicht zum Kern der Sache. Natürlich sind das korrupte und/oder bestochene und daher schlechte Sachwalter des Staates, aber sind halt – wie dies vor über einem halben Jahrhundert Swinton von der NYT bei einem Toast sagte – Huren des Geldes. Und das Geld regiert die Welt.

      Damit wird aber kaum der „Sozialismus“ identifiziert. – Nicht daß ich diesen die geringste Sympathie entgegen bringe, aber mit diesen Standardphrasen wird das wahre Problem verschleiert.

  4. Jim Clark (kein Partner)
    02. September 2015 11:11

    Wer in einer Währung viel, ganz viele Schulden hat, zerstört mit dieser Währung auch seine Schulden.

    So einfach ist das.

  5. M.N. (kein Partner)
    31. August 2015 07:38

    S.g. Herr Reichel,

    ich empfehle Ihnen das Video auf youtube "Zerstörung und Selbstzerstörung Europas" von Manfred Kleine-Hartlage. Vielleicht kennen Sie den Autor bereits. Falls nicht, empfehle ich ihn dringend. Ich habe mich die letzten Tage mit seinen Büchern (z.B. die Sprache der BRD) und Videos auseinandergesetzt. Sehr hilfreich und klärend, was er sagt. Es ist mir ein Bedürfnis ihn wärmstens weiter zu empfehlen. Er ist auch sehr eloquent und bringt die Dinge auch klar auf den Punkt.

  6. Zraxl (kein Partner)
    28. August 2015 17:50

    "Dieselben Geschäfte werden jetzt ... von unserem eigenen Bankensystem unternommen." Ernsthaft?

    Die Geldschöpfung der Banken war nie das größte Problem einer Währung. Ein Bankencrash kann zwar die Volkswirtschaft ordentlich durchbeuteln und etliche Existenzen ruinieren, er kann ev. sogar eine Rezession auslösen, aber ein Währungssystem vernichten kann das Bankensystem nicht. Dazu braucht es den Staat (und seine Nationalbank).

    Die Währung eines ordentlich geführten Staates geht nicht den Bach hinunter - genau darin liegt der Unterschied zwischen der Schweiz und Simbabwe.

    • Zraxl (kein Partner)
      28. August 2015 17:51

      Natürlich ist es absolut nützlich, wenn der Staat auch den Banken sinnvolle Vorgaben macht und diese kontrolliert. Der Glass-Steagall Act ist dafür ein gutes Beispiel. Das nützt aber natürlich nur dann etwas, wenn sich der Staat nicht selbst als Geldfälscher betätigt. Der Bankrott der USA 1971 ist dafür ein gutes Beipiel.

    • machmuss verschiebnix
      30. August 2015 13:51

      @Zraxl,

      apropos Zimbabwe:
      » in Harare yesterday, Ambassador Lin said relations between Zimbabwe and China were set to blossom. «

      http://www.zimbabwesituation.com/news/zimsit_w_investors-to-flood-zim-the-herald/

    • Zraxl (kein Partner)
      30. August 2015 14:42

      @machmuss verschiebnix
      Ja, China bemüht sich sehr um die Beziehungen zu vielen afrikanischen "Regierungen". Ich bin schon gespannt, wann ein Epigone des Bob Marley ein neues Lied schreibt - oder man verwendet der Einfachheit halber gleich das selbe Lied noch einmal.

    • Zraxl (kein Partner)
      30. August 2015 14:48

      Sorry, hier das Liedlein:
      ... genius.com/Bob-marley-zimbabwe-lyrics

      (Direktes Verlinken funzt leider nicht.)

    • machmuss verschiebnix
      30. August 2015 17:44

      Meinten Sie das hier, Zraxl ? https://www.youtube.com/watch?v=iid_rFhTQf0
      Leider sind aber die meisten solchen Revolutionäre "nicht ganz echt"

      Da wäre ich eher schon ein Fan vom "Prophenten" der afrikanischen Union :
      Patrice Lumumba
      Aber der Geheimdienst hatte ihn beseitigt, weil er gut voran zu kommen schien !

      https://en.wikipedia.org/wiki/Lumumba,_la_mort_d%27un_proph%C3%A8te

      Heutzutage sind die Chinesen mit ihrer überraschend pragmatischen Vorgangsweise
      (fast) überall dort zugage, wo die Kolonial-Mächte kapituliert hatten .
      Als Gegen-Gewicht zu den "rechtschaffen durchgeknallten" Ami-Cowboys sind die
      Chinesen mMn auch unverzichtbar !

    • Zraxl (kein Partner)
      30. August 2015 19:54

      Jaja, ich habe mich auf diese tolle Befreiung bezogen, die aus Rhodesien, der Kornkammer Afrikas, Simbabwe gemacht hat. Ohne hier eine Schwarz-Weiß-Malerei betreiben zu wollen, denn auch in Rhodesien war beileibe nicht alles Eitel-Wonne, so meine ich doch das typische Muster einer sozialistischen Revolution zu erkennen: Zuerst werden die Leute aufgehetzt. Die Intellektuellen und Künstler, kurz die Bob Marleys dieser Welt, wittern Morgenluft (und ein gutes Geschäft), und beteiligen sich emsig an der Volksaufwigelung. Dann kommt ein sozialistischer Messias, der das Blaue vom Himmel verspricht und vom begeisterten Volk auf den Thron gehoben wird. Als nächstes wird ausgemistet: zuerst werden die Gegner eliminiert, dann die neutralen, dann die zu wenig Begeisterten. Am Ende bleibt nur noch eine kleine korrupte Machtelite übrig, die einem feudalen Lebensstil frönt und den Rest des Volkes verrecken lässt. Um zum Ausgangspunkt zurückzukommen: Spätestens hier endet dann eine Währung, die diese Bezeichnung verdient. Malversationen privater Banken (sofern es diese überhaupt gibt) sind für eine derartige Entwicklung nicht erforderlich. Das staatliche System kracht von ganz alleine.

      Was Sie, machmuss verschiebnix, völlig zurecht aufzeigen, ist auch die andere Seite: Die Seite des Staatsterrors mancher unhinterfragbar "guter" Staaten gegen kleinere Staaten mit Rohstoffen oder anderen begehrenswerten Ressourcen. Hier können natürlich auch private Firmen (und Banken) als "Einflüsterer" und Korruptionsgeldzahler an Staatspräsidenten (mit oder ohne Nobelpreis) beteiligt sein. Aber dieser Einfluss (auf das Geldsystem, um beim Thema zu bleiben) ist nur ein mittelbarer. Die Hauptverantwortung für derlei Staatsverbrechen liegt dennoch bei dem Staat, der sie ausführt.

      Was den Herrn Lumumba betrifft, bin ich etwas zwiespältig, aber wegen des von ihm erlittenen Schicksals wage ich es nicht, ihn zu kritisieren.

    • machmuss verschiebnix
      30. August 2015 21:09

      Leider kann man im Vorhinein nie sicher sein, ob die Entwicklung so einer Initiative
      ein positives Ergebnis bringen kann - zu komplex, zu verworren sind die Zusammenhänge.

      Patrice Lumumba wid nachgesagt, daß er ein Genie der Massenkommunikation war,
      er soll riesiege Ansammlungen in seinen Bann gezogen haben ...

      Und ja, Sie haben vollkommen recht, Zraxl - wenn man über Verstorbene spricht,
      sollte man vorsichtig sein. Kurze Episode: im Sommer 1977, auf Trainingslager
      in Spanien, früh am Vormittag am Weg zum Strand noch schnell zum Frühstück
      was an der Theke neben dem Pool gekauft - neben mir eine große Blonde, ich
      bestelle ...bla..bla.. und ein Lumumba (ja, so nannten die einen Kaokao mit
      Bacardi drinnen) - alter Schwede, mehr brauchte ich nicht, die Blondine entpuppte
      sich als die reinste "Kampf-Henne" , fast hätte ich eine ausgefaßt - naja warum
      stell' ich mich auch neben eine 68erin, die noch dazu Lumumba-Anhängerin war.

  7. Haider
    27. August 2015 00:06

    Wie immer ganz ausgezeichnet, profund und dennoch auch für Laien verständlich!
    Nur die conclusio "kann nur mit deren extremer Kurzsichtigkeit oder mit einer geradezu perversen Lust an der Selbstzerstörung erklärt werden… " sehe ich geringfügig anders: Es geht nicht um die eigene Zerstörung sondern - wie seit über einem Jahrhundert - um die Zerstörung Deutschlands! Es gibt nur eine einzige weltweite Maxime: "Ceterum censeo, germaniam esse delendam"

    • simplicissimus
      27. August 2015 09:30

      Der Angelsachsen und ihrer Freunde.
      Der Rest der Welt sieht das nicht ganz so und ist eher auf der Seite Deutschlands.
      Obwohl auf der Seite Deutschlands zu stehen wegen seiner selbsthassenden und selbstzerstörerischen Tendenzen eher mit Frust enden kann.

  8. Der Tetra
    26. August 2015 13:36

    "Wer zerstören will, findet immer ein Karthago", denke ich mir immer öfter; denn Nachlässigkeit oder gar Dummheit unterstelle ich unseren Eliten nicht. Das sind keine Schlafwandler, die wissen was sie tun!

    • F.V. (kein Partner)
      04. September 2015 09:37

      So ist es. Es ist Plan und Absicht hinter diesem Handeln.

      Man darf nicht den Fehler machen nur die besonders tumben Lakaien, wie den 8-klassigen Volxschüler, als Urheber solcher Pläne zu sehen. Diese Figuren sind nur die willfährigen Hiwis für die Exekution dieser Pläne. Marionetten ohne eigenen Willen oder Verstand.

  9. simplicissimus
    26. August 2015 12:15

    Die Selbstzerstörer werden wohl meist keine Kinder haben, als ein Erklärungsansatz.

  10. Bob
    26. August 2015 10:30

    Anlässlich der Sommergespräche hat uns Django Mitterlehner wieder verkündet, das wir zu den reichsten Ländern gehören. Ja wir haben die reichsten Politiker, wir sind reich an Asylanten, und wir sind reich an einer immer ärmer werdenden Bevölkerung. Danke SPÖVP, danke auch den grünen Kommunisten und allen die den Durchblick haben. Einmal alternativ die FPÖ wählen!!!!!!!!!!!!!!!





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