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Fotos machen Politik

Kurt Tucholskys Zitat „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, bildet den Ausgangspunkt dieser Dokumentation. Diese Feststellung trifft indes nicht nur dann zu, wenn das Bild korrekt in seinem Kontext eingebettet gesehen und interpretiert wird. Dass dem in vielen Fällen durchaus nicht so ist, weist der Autor anhand einer Fülle gut ausgewählter Beispiele – von den Anfängen der Photographie, Mitte der 1850er-Jahre, bis zu den Ereignissen der letzten Nahostkriege – nach.

Weglassen, Hinzufügen, Verfremden, in andere Zusammenhänge stellen, mit falschen Bildunterschriften versehen – das sind die technischen Mittel, um dem Bildbetrachter die vom Bildlieferanten gewünschten Botschaften zu vermitteln. Doch nicht immer bildet die Fälschung zwecks bewusster Irreführung den Hintergrund von Bildmanipulationen. Oft sind es lediglich zeitliche Unpässlichkeiten (zum Beispiel, wenn der Photograph den Ort des Geschehens zu spät erreicht), die den Anlass zum nachträglichen Bildarrangement von Begebenheiten bilden, die tatsächlich stattgefunden haben.

Der Phantasie des Fotokünstlers und/oder seiner Auftraggeber sind bei derlei Gelegenheiten allerdings kaum Grenzen gesetzt. In vielen Fällen soll einfach die Bildwirkung verstärkt werden, ohne dadurch eine andere Realität zu schaffen.

Beginnend mit einem sorgfältig arrangierten Bild aus dem Krimkrieg (damals und auch in den darauf folgenden Jahrzehnten war es aus fototechnischen Gründen noch nicht möglich, Aufnahmen von in Bewegung befindlichen Objekte anzufertigen), wird der Einsatz der Photographie für die Berichterstattung von politischen, vielfach kriegerischen Ereignissen dokumentiert. Im Ersten Weltkrieg verliert die Bildberichterstattung durch ihren planmäßigen Einsatz für die Gräuelpropaganda der Entente endgültig ihre Unschuld. Im Sinne der guten Sache erscheint plötzlich einfach alles erlaubt. Der (kriegerische) Zweck heiligt jedes Mittel. Unrechtsbewusstsein der Fälscher: Fehlanzeige.

Legendär sind die Bildmanipulationen totalitärer Regimes, die in Ungnade gefallene Protagonisten einfach aus den Darstellungen retuschieren lassen. Relativ neu dagegen ist die Schaffung einer den demokratischen Machthabern nützlichen Wirklichkeit – etwa um die allgemeine Kriegsbereitschaft einer Gesellschaft zu fördern.

Zuletzt geschehen anlässlich der beiden maßgeblich von den USA geführten Irak-Kriege. Waren es im ersten Fall (1990) frei erfundene Behauptungen von in Kuwait verübten Gräueltaten irakischer Soldateska, die angeblich Neugeborene aus ihren Brutkästen geworfen hatten, waren es im zweiten Fall (2003) „Photonachweise“ angeblicher Massenvernichtungswaffen in der Hand Saddam Husseins. In beiden Fällen führten bewusst und mit voller Absicht getürkte Berichte zu kriegerischen Aktivitäten, die (auch) zehntausenden unschuldigen Zivilisten den Tod brachten.

Die Mittel der digitalen Photographie setzen einem manipulativen Einsatz von Bildern faktisch überhaupt keine Grenzen mehr. Ans Gute im Bildberichterstatter – oder im Politiker, der sich auf dessen Material beruft – zu glauben, ist somit zum Luxus geworden, den sich der kritische Beobachter nur noch in Ausnahmefällen leisten sollte.

Fazit: unbedingt lesenswert!

Bild-Legenden/Fotos machen Politik/Fälschungen - Fakes - Manipulationen
Hans Becker von Sothen
Ares-Verlag 2013
271 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-902732-04-0
19,90,- Euro

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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