Paneuropa – wie eine falsche Idee zur erzwungenen Realität werden soll drucken

Lesezeit: 21:30

Im Rahmen des in Wien im November 2012 veranstalteten Festaktes zu 90 Jahren „Paneuropabewegung" wurde der Präsident des Europäischen Rates, Hermann van Rompuy, mit dem „Europapreis Coudenhove-Kalergi" ausgezeichnet. Der Preisträger bedankte sich mit einer bemerkenswerten Rede, in welcher er auf die von Graf Coudenhove-Kalergi in den 20er Jahres des vorigen Jahrhunderts vorgetragenen Ideengrundlagen einging. Die Paneuropabewegung habe lange vor 1945 den „intellektuellen Nährboden" vorbereitet, der „die Idee eines vereinten Europa für viel mehr Menschen als jemals zuvor möglich machte."

Noch heute bestimme diese Idee Entwicklung, Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union. Coudenhove-Kalergi habe bereits damals die noch immer gültige Frage gestellt, ob denn „Europa in seiner politischen und wirtschaftlichen Zersplitterung seinen Frieden und seine Selbständigkeit den wachsenden außereuropäischen Weltmächten gegenüber wahren kann – oder es gezwungen ist, sich zur Rettung seiner Existenz zu einem Staatenbunde zu organisieren?"

Diese Grundsatzrede des Präsidenten des Europäischen Rates, des höchsten Gremiums der EU, ist Anlass genug,  auf die Ideen von Coudenhove-Kalergi abwägend näher einzugehen.

Vereinigte Staaten von Europa nach dem Muster der USA

Über die Finalité der paneuropäischen Bestrebungen räumt Coudenhove-Kalergi jeden Zweifel aus: „Die Krönung der paneueropäischen Bestrebungen wäre die Konstituierung der Vereinigten Staaten von Europa nach dem Muster der Vereinigten Staaten von Amerika." Wie nahe dieses Ziel bereits ist, beschreibt Hermann van Rompuy mit „Europas politischer Reise, von einem Markt und Handelsblock hin zu einer politischen Rechtspersönlichkeit in voller Blüte mit ihrem eigenen Parlament, ihrer eigenen Währung, ihrer eigenen Flagge, einer gemeinsamen Außenpolitik.“

In seiner euphorischen Feststimmung übersieht van Rompuy, dass  an dieser Reise  längst nicht alle Staaten des europäischen Kontinents teilgenommen haben, dem Europäischen Parlament  noch immer die legislative Gewalt fehlt,  der Europäischen Währungsunion einstweilen nur 17 von derzeit 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union beigetreten sind, von einer gemeinsamer Außenpolitik nur in Ansätzen die Rede sein kann und die europäische Flagge von manchen Mitgliedern auf ihren Regierungsgebäuden nicht aufgezogen wird.

Die geistige Basis der „Europäischen Nation“

Coudenhove-Kalergi träumte von einer „Europäischen Nation“ als der geistigen Basis der Vereinigten Staaten von Europa. Europa sei geistig „verbunden durch die christliche Religion, durch die europäische Wissenschaft, Kunst und Kultur, die auf christlich-hellenischer Basis beruht. Die gemeinsame europäische Geschichte begann mit dem Römerreich und der Völkerwanderung, fand ihre Fortsetzung in Papsttum und Feudalismus, Renaissance und Humanismus, Reformation und Gegenreformation, Absolutismus und Aufklärung, Parlamentarismus, Industrialismus, Nationalismus und Sozialismus.“ Diese „abendländische Kultureinheit gibt uns das Recht, von einer europäischen Nation zu sprechen, die sprachlich und politisch in verschiedene Gruppen gegliedert ist.“ Über die Zugehörigkeit zu seiner Nation hinaus, sollte jeder „gute Deutsche, Franzose, Pole und Italiener auch ein guter Europäer sein.“

Es fällt heute zunehmend schwer, in diesem Konglomerat von divergenten geschichtlichen Einflussfaktoren die europäische „Kultureinheit“ zu entdecken, welche die „Nation Europa“ begründen könnte. Die drei Hügel, auf denen einst die Wahrzeichen Europas standen – Akropolis, Golgatha und Kapitol – sind abgetragen, eingeebnet und unsichtbar geworden. Die einstigen Geistesgrößen der Griechischen Philosophie gelten heute als „Feinde der offenen Gesellschaft“, die Kreuze werden abgehängt, die römische Rechtskultur wich positivistischer Willkür.

„Europa schafft sich ab“, diagnostizierte der Altabt des Stiftes Heiligenkreuz im Sommer 2011. „Der Untergang Europas ist besiegelt, weil es sich mit seiner heutigen modernen Weltanschauung, die sich aus einer pervertierten Aufklärung entwickelt hat, verrannte“ (Gregor Graf Henckel von Donnersmarck). Geprägt ist diese „moderne Weltanschauung“ vom Geist des Antichristen, den Papst Franziskus sogar mit der Teufelsanbetung in Verbindung bringt. Sicher kein tragfähiges Fundament für Paneuropa und die „europäische Kultureinheit“!

Religionsbekenntnis und Nationalität müssen „Privatsache“ werden

Mit Coudenhove-Kalergi möchte auch Hermann van Rompuy für Europa „die Herzen der Menschen gewinnen“ und ihrer Denkweise den „Stempel Europa aufdrücken.“ Coudenhove-Kalergi wollte erreichen, dass Paneuropa „Wurzeln“ schlägt „in den Herzen und Köpfen der Europäer… Das paneuropäische Gemeinschaftsgefühl, der europäische Patriotismus muss Platz greifen als Krönung und Ergänzung des Nationalgefühls.“ Um das zu erreichen sei die „Trennung von Nation und Staat“ notwendig, und zwar so, wie Religion und Kirche vom Staat getrennt wurden: „Jeder Kulturmensch muss daran arbeiten, dass wie heute die Religion, morgen die Nation zur Privatsache jedes Menschen wird.“

Es sei eine Schande, dass heute Menschen wie einst für ihre Religion, so heute für ihre Nation „leben und sterben, morden und lügen“ würden. Die Nation sei „ein Reich des Geistes“, das nicht durch Grenzpfähle begrenzt werden könne. „Die deutsche Nation endet nicht an der Reichsgrenze: Österreicher und Südtiroler, Deutschböhmen, Deutschpolen und Deutschschweizer gehören ihr nicht minder an als Preußen und Bayern.“ Staatsbürgerliche Pflichten müssen von jedem Bürger erfüllt werden, „ohne je die kulturelle Zugehörigkeit zu seiner eigenen Nation zu verleugnen.“

Man kann Coudenhove-Kalergi vom Vorwurf der Ambiguität bei der Behandlung der nationalen Frage nicht freisprechen. Abgesehen davon, dass die Trennung von Kirche und Staat oder von Religion und Politik nach katholisch-orthodoxer wie römisch-katholischer Lehre eine Häresie darstellt. Papst Franziskus: „Das, was einer auf der Kanzel sagt, bezieht sich auf die Politik mit Großbuchstaben geschrieben, das ist die Politik, die Werte berücksichtigt; aber die Medien pflegen oft das Gesagte aus dem Zusammenhang zu reißen und es zugunsten der Parteipolitik an die Modeströmungen anzupassen.“

Einerseits fordert Coudenhove-Kalergi „europäischen Patriotismus“ und europäisches „Nationalgefühl“, um Europa als „Vereinigte Staaten“ begründen zu können; auf der anderen Seite plädiert er für die Trennung von Staat und Nation. Nationalistische Politik ist für ihn die „Totengräberin der europäischen Kultur“, doch laufen seine ganzen Vorschläge auf eine nationalistische Politik für „Paneuropa“ hinaus. Abgesehen von diesem Widerspruch, sind die Nationalstaaten ja „kein überständiger Restbestand des 19. Jahrhunderts, sondern eine in 2000 Jahren gewachsene Struktur und die lebendige Wirklichkeit des heutigen Europa. (Thilo Sarrazin)“ Verständlich, dass ganz in diesem Sinne der Ministerpräsident Großbritanniens, David Cameron, die Europäische Union aufforderte, „den Wert nationaler Identität anzuerkennen  und  die Diversität der europäischen Nationen als Quelle der Stärke zu schätzen.“

Europa, ein Machtzentrum der Welt

Coudenhove-Kalergi fürchtete, dass ohne „ihre Einigung die europäischen Staaten binnen kurzem von den wachsenden Weltmächten verschlungen werden“ Neben den vier anderen großen Weltzentren – dem panamerikanischen, dem britischen, dem russischen und dem ostasiatischen – könne Europa nur durch einen Zusammenschluss seiner die Zersplitterung bewirkenden Nationalstaaten sich behaupten. Entweder erfolge die Einigung freiwillig oder gewaltsam, durch Eroberung.

Als Coudenhove-Kalergi  1923 sein Buch schrieb und herausbrachte, sah er Europa durch Russland wie auch durch die amerikanische Wirtschaftskraft bedroht. Der Zusammenschluss „aller Staaten, von Polen bis Portugal“ sei die einzige Chance, wie Europa seine Selbständigkeit, sein Kolonialreich, seine Kultur und seine Zukunft noch retten könne.

Das Argument wird heute noch immer mit Vehemenz vertreten, doch es verliert zusehends an Überzeugungskraft. Nicht nur haben weit über hundert Kolonialvölker nach 1945 ihre Unabhängigkeit errungen, sondern auch der Zerfall des Sowjetimperiums sowie Jugoslawiens hat zur Entstehung von neuen Nationalstaaten geführt. In Ostasien widerspricht der Aufstieg relativ kleiner und in der Weltwirtschaft erfolgreicher „Tiger-Staaten“ der These Coudenhove-Kalergis, „Kleinstaaterei“ führe zum Untergang. Im Nahen Osten ist der erst 1948 gegründete Staat Israel ein Musterbeispiel, welche Macht Kleinstaaten in der Welt ausspielen können.

Zollunion unter sozialistischer Kontrolle

Dürftig sind die Vorstellungen Coudenhove-Kalergis auf wirtschaftlichem Gebiet. In der von den Schutzzöllen profitierenden Nationalindustrie sieht er einen wichtigen Gegner seiner Paneuropabestrebungen. Würde durch europäischen Zusammenschluss die Kriegsgefahr verschwinden, gäbe es keinen Grund mehr für national geschlossene Wirtschaftsgebiete und Autarkie, von denen monopolartige Treibhausindustrien profitierten. Freihandel und freie Konkurrenz würden nicht nur die europäischen Konsumenten mit besseren und billigeren Waren versorgen, sondern jene Industrien neue Märkte gewinnen lassen, welche die Konkurrenz nicht zu fürchten brauchen. Die Gefahren, die von Monopolindustrien und Trustbildungen ausgehen, könnten gebannt werden „durch eine sozialistische Kontrolle, die in Europa leichter durchzuführen ist als in Amerika, weil hier der Sozialismus über mehr Macht verfügt.“

In den über die Grenzen hinausdrängenden „paneuropäischen Monopolindustrien“  und dem „internationalistischen Sozialismus“ sieht Coudenhove-Kalergi starke Antriebskräfte für die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa, ebnet doch dort „die natürliche Vervollkommnung des kapitalistischen Systems … den Weg zum Sozialismus.“, jenem „Sozialismus, der die ganze Welt regeln wird“ und „die Menschheit wie von anderen Ausbeutungsfesseln auch befreien (wird) von den hemmenden zwischenstaatlichen Zollschranken.“

Coudenhove-Kalergi sollte mit diesem Hinweis auf die Verbindung von Monopolkapitalismus und Sozialismus Recht behalten. So berichtete Wolfgang Böhm jüngst über das 1983 erfolgte „Treffen der wichtigsten Konzernchefs von Philips über Siemens, Fiat, Volvo bis Nestlé, um die Idee eines gemeinsamen europäischen Binnenmarktes zu forcieren. Dieser „European Round Table“ fand Gehör beim sozialdemokratischen Kommissionspräsidenten Jacques Delors.“ 1986 öffneten „die einheitlichen Europäischen Akte“ den Weg zum Binnenmarkt.

Jetzt werden über „das mit Abstand wichtigste Projekt der Aufbau einer gemeinsamen transatlantischen Freihandelszone zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union“ noch im Sommer 2013 Verhandlungen aufgenommen. Inzwischen mehren sich die Stimmen der Auguren, die nach dem bereits 1993 erfolgten Beschluss über die „Agenda 21“ der UNO sogar eine Weltregierung im Entstehen sehen, welche die nachhaltige Entwicklung der Weltwirtschaft („sustainable development“) durch umfassende Regelungen und Kontrollen sichern soll.

Der Einspruch gegen dieses grundfalsche, eben auch von Coudenhove-Kalergi vertretene, liberale Konzept „gemeinsamer Märkte“, erfolgt jetzt nicht nur von Nationalökonomen alter Schule, sondern sogar von den Intelligenteren unter den Juristen. Sie sehen im Binnenmarkt einen „Grundfehler der Integration“ und wenden sich „gegen die Freihandelsdoktrin. (Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider)“ Der Eindruck drängt sich auf, die Politikversager möchten den ob seiner horrenden Arbeitslosigkeit gescheiterten, von der Bevölkerung nicht mehr mitgetragenen europäischen „Binnenmarkt“ durch die Flucht in den noch größeren „Nato-Markt“ kompensieren

„Welt-Union“ statt „Europäischer Union“? Das kann die Fahrt in den Abgrund nur beschleunigen.

Die Führung Europas durch den neuen Adel

Die bemerkenswerten Feststellungen zur Verbindung von Kapitalismus und Sozialismus durch gemeinsame Interessen bahnen den Weg zum Verständnis der elitären Vorstellungen Coudenhove-Kalergis über die politische Führung Europas, ihre Rekrutierung und Zusammensetzung.

Einen guten Zugang zu diesen Vorstellungen erhält der Leser durch eine kleine Schrift, die Coudenhove-Kalergi 1922 unter dem Titel „Adel“ veröffentlicht, aber wohl schon 1920 fertiggestellt hat. Die Schrift gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil ist die Rede vom „rustikalen und urbanen Menschen“. Er enthält Gegenüberstellungen von Landmensch und Stadtmensch; Junker und Literat; Gentleman und Bohemien; Inzucht und Kreuzung; heidnischer und christlicher Mentalität.

All diese Charakterisierungen sind amüsant zu lesen. Der rational denkende Stadtmensch habe den organisch denkenden Landmenschen abgelöst, der Literat und Geistesmensch den geistig minderbemittelten Junker und Blutadel verdrängt, der Bohemien den Gentleman. Der Rustikalmensch sei vielfach ein Produkt der Inzucht, der Urbanmensch eher ein Mischling, in dem sich Vielseitigkeit, geistige Regsamkeit, Freiheit von Vorurteilen und Weite des Horizontes verbinden. Schon diese in Kurzform wiedergegebenen Gegenüberstellungen lassen erkennen, wem die Führung in Zukunft gehören wird: Nicht dem „Blut- und Schwertadel“, sondern dem „Hirnadel“.

Der Held und der Heilige

Von besonderem Interesse in diesem ersten Teil ist der letzte Abschnitt mit der Gegenüberstellung von heidnischer und christlicher Mentalität, den wir weitgehend zitieren wollen.

„Heidentum stellt Tatkraft, Christentum Liebe an die Spitze der ethischen Wertskala.“ Christentum will das Raubtier Mensch in ein zahmes Haustier verwandeln, während Heidentum den Menschen zum Übermenschen umschaffen will. Im Mittelalter lebt das Heidentum als ritterliche, in der Neuzeit als imperialistische und militaristische Weltanschauung fort. Offiziere, Junker, Kolonisatoren, Industriekapitäne sind die führenden Repräsentanten modernen Heidentums. Tatkraft, Tapferkeit, Größe, Freiheit, Macht, Ruhm und Ehre: das sind die Ideale des Heidentums;

während Liebe, Milde, Demut, Mitleid und Selbstverleugnung wahre christliche Ideale sind. Allgemeingültiger heidnischer Individualismus ist nur in dünn bevölkerten Erdstrichen möglich, wo der Einzelne sich behaupten und rücksichtslos entfalten kann, ohne gleich in Gegensatz zu seinen Mitmenschen zu geraten. In übervölkerten Gegenden, wo Mensch an Mensch stößt, muss das sozialistische Prinzip gegenseitiger Unterstützung das individualistische Prinzip des Daseinskampfes ergänzen und zum Teil verdrängen.

Christentum und Sozialismus sind internationale Großstadtprodukte. Das Christentum nahm als Weltreligion seinen Ausgang von der rasselosen Weltstadt Rom; der Sozialismus von den national gemischten Industriestädten des Abendlandes. Beide Äußerungen christlicher Mentalität sind auf Internationalismus ausgerichtet, welcher die Zukunft bestimmen wird.

Christentum und Judentum

„Das Christentum, ethisch von jüdischen Essenern (Johannes), geistig von jüdischen Alexandrinern (Philo) vorbereitet, war regeneriertes Judentum. Soweit Europa christlich ist, ist es (im ethisch-geistigen Sinne) jüdisch; soweit Europa moralisch ist, ist es jüdisch. Fast die ganze europäische Ethik wurzelt im Judentum. Die prominentesten und überzeugtesten Vertreter christlicher Ideen, die in ihrer modernen Wiedergeburt Pazifismus und Sozialismus heißen, sind Juden … Der theokratischen Idee der Identifikation von Politik und Ethik ist das Judentum im Wandel der Jahrtausende treu geblieben: Christentum und Sozialismus sind beides Versuche, ein Gottesreich zu errichten. Vor zwei Jahrtausenden waren die Urchristen, nicht die Pharisäer und Sadduzäer, Erben und Erneuerer mosaischer Tradition; heute sind es weder die Zionisten noch die Christen, sondern die jüdischen Führer des Sozialismus: denn auch sie wollen, mit höchster Selbstverleugnung, die Erbsünde des Kapitalismus tilgen, die Menschen aus Unrecht, Gewalt und Knechtschaft erlösen und die entsühnte Welt in ein irdisches Paradies wandeln. Diesen jüdischen Propheten der Gegenwart, die eine neue Weltepoche vorbereiten, ist in allem das Ethische primär: in Politik, Religion, Philosophie und Kunst.“

Charakterstärke verbunden mit Geistesschärfe prädestiniert den Juden in seinen hervorragendsten Exemplaren zum Führer urbaner Menschheit, zum falschen wie zum echten Geistesaristokraten, zum Protagonisten des Kapitalismus wie der Revolution.

Das demokratische Zwischenspiel und sein Ende

Nicht minder anregend ist der zweite Teil dieser kleinen Schrift, der mit „Krise des Adels“ überschrieben ist. Er besteht aus 5 Abschnitten und wird mit einem „Ausblick“ abgeschlossen.

Gleich der erste Abschnitt „Geistesadel statt Schwertherrschaft“ hat es in sich. „Unser demokratisches Zeitalter“, schreibt Coudenhove-Kalergi, „ist ein klägliches Zwischenspiel zwischen zwei großen aristokratischen Epochen: der feudalen Aristokratie des Schwertes und der sozialen Aristokratie des Geistes. Die Feudalaristokratie ist im Verfall, die Geistesaristokratie im Werden. Die Zwischenzeit nennt sich demokratisch, wird aber in Wahrheit beherrscht von der Pseudo-Aristokratie des Geldes.“ Das Schwarzpulver bedeutete das Ende der Ritterschaft, der Buchdruck gab dem schriftstellernden Geist Machtmittel von ungeheurer Tragweite.

„Der Einfluss des Blutadels sank, der Einfluss des Geistesadels wuchs. Diese Entwicklung, und damit das Chaos moderner Politik wird erst dann ein Ende finden, bis eine geistige Aristokratie die Machtmittel der Gesellschaft: Pulver, Gold, Druckerschwärze, an sich reißt und zum Segen der Allgemeinheit verwendet. Eine entscheidende Etappe zu diesem Ziel bildet der russische Bolschewismus, wo eine kleine Schar kommunistischer Geistesaristokraten das Land regiert und bewusst mit dem plutokratischen Demokratismus bricht, der heute die übrige Welt beherrscht und korrumpiert.“

Dürfen wir hier, Coudenhove-Kalergi ergänzend, anmerken, dass manche nicht unbegründet vermuten, die kommunistische Geistesaristokratie sei in die Glaspaläste der Europäischen Union eingezogen, habe den Stuhl des Kommissionspräsidenten eingenommen und führe nun auch den Vorsitz im Europäischen Parlament? Und mit China würde diese „kommunistische Geistesaristokratie“ bereits eine Weltmacht regieren, von deren Wohl und Wehe der „Westen“ weitgehend abhängig sei? Hat demnach Coudenhove-Kalergi mit der Bemerkung recht, Kapitalismus und Kommunismus seien „beide rationalistisch, beide mechanistisch, beide abstrakt, beide urban“, im Grunde also verwandt? Offen bleibt für uns die Frage, ob aus dieser geistigen Verwandtschaft von Kapitalismus und Sozialismus tatsächlich, wie Coudenhove-Kalergi vermutet, ein neuer Geistesadel erwächst, dem die Führung Europas anvertraut werden kann?

Die Krise des Adels

Mit der Erfindung des Schwarzpulvers hat der Schwertadel endgültig ausgespielt. Der Ritter wurde vom Pferd geschossen. Der Blutadel, der einst seine Ländereien verwaltete und bodenständig war, kam bei Hofe mit der Dekadenz in Berührung und verdarb. Der Geistesadel aus Literatur, Wissenschaft, Kunst wurde vom korruptionistischen Kapitalismus „vergiftet“, „Schule und Presse sind heute beide in den Händen einer ungeistigen Intelligenz.“

Auch die „Geldaristokratie“, die Plutokratie, welche die Macht an sich riss, befindet sich „gegenwärtig in einer Verfallsperiode.“ Ihr war es gelungen, ihre Herrschaftsform hinter einer demokratischen Fassade aufzurichten, die Staatsmänner zu ihren Marionetten zu machen und ihnen die Richtlinien der Politik durch Bestechung zu diktieren. Herabgekommen zur Schieber- und Spekulantenaristokratie, droht der kapitalistischen Plutokratie durch den Bolschewismus und Sozialismus eine Katharsis, welche sie zwingt, soziale Forderungen mehr und mehr zu berücksichtigen. Der gemeinsame Tanz von Kapitalismus und Sozialismus hat schon begonnen.

Der unverzichtbare Adel

Trotz aller Verfallsformen ist Adel unverzichtbar: „Will die Menschheit vorwärts schreiten, braucht sie Führer, Lehrer, Wegweiser; Erfüllungen dessen, was sie werden will; Vorläufer ihrer künftigen Erhebung in höhere Sphären. Ohne Adel keine Evolution. Eudämonistische Politik kann demokratisch – evolutionistische Politik muss aristokratisch sein. Um emporzusteigen, um vorwärts zu schreiten sind Ziele nötig; um Ziele zu erreichen, sind Menschen nötig, die Ziele setzen, zu Zielen führen: Aristokraten.“ Das Zwischenspiel der Demokratie „entstand aus Verlegenheit: nicht deshalb, weil die Menschen keinen Adel wollten, sondern deshalb, weil sie keinen Adel fanden.“

„Von der europäischen Quantitätsmenschheit, die nur an die Zahl, die Masse glaubt, heben sich zwei Qualitätsrassen ab: Blutadel und Judentum. Voneinander geschieden, halten sie beide fest am Glauben an ihre höhere Mission, an ihr besseres Blut, an menschliche Rangunterschiede. In diesen beiden heterogenen Vorzugsrassen liegt der Kern des europäischen Zukunftsadels: im feudalen Blutadel, soweit er sich nicht vom Hofe; im jüdischen Hirnadel, soweit er sich nicht vom Kapital korrumpieren ließ.“

Die Überlegenheit ihres Geistes „prädestiniert“ die Juden „zu einem Hauptfaktor zukünftigen Adels“ und zur „Menschheitsführung. Bei ihnen ist seit jeher „das Gemeinsame, Verbindende und Primäre nicht die Nation, sondern die Religion. Im Laufe des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung traten in diese Glaubensgemeinschaft Proselyten ein, zuletzt König, Adel und Volk der mongolischen Chazaren, der Herren Südrusslands. Von da an erst schloss sich die jüdische Religionsgemeinschaft zu einer künstlichen Volksgemeinschaft zusammen und gegen alle übrigen Völker ab. (Richard N. Coudenhove-Kalergi nimmt hier Bezug auf das Buch seines Vaters, Dr. Heinrich Coudenhove-Kalergi: Antisemitismus )“

Die Jahrhunderte währende Verfolgung und Ausrottungsversuche durch das europäische Christentum [Anm.: Die erst mit dem Zweiten Vatikanum einsetzende Reflexion und Reaktion der römisch-katholischen Kirche auf diesen Vorwurf hat ihre Glaubwürdigkeit zutiefst erschüttert und sogar zur Änderung ihrer liturgischen Texte und Riten geführt] haben das Judentum gestählt und einem Ausleseprozess unterzogen, der es „zu einer Führernation der Zukunft erzogen“ und „zu einem geistigen Adel entwickelt“ hat. Das Judentum wird deshalb der Schoß sein, „aus dem ein neuer, geistiger Adel Europas hervorgeht; ein Kern um den sich ein neuer, geistiger Adel gruppiert“.

Lenin und Trotzki, der neue Adelstyp

Dieser neue Adel rekrutiert sich beileibe nicht nur aus dem Judentum. Coudenhove-Kalergi schwebt ein neuer Adelstyp vor, der aus „einem kleinen Rest sittlich hoch stehenden Rustikaladels und eine(r) kleinen Kampfgruppe revolutionärer Intelligenz“ besteht. „Hier wächst die Gemeinschaft zwischen Lenin, dem Mann aus ländlichem Kleinadel, und Trotzki, dem jüdischen Literaten, zum Symbol: Hier versöhnen sich die Gegensätze von Charakter und Geist, von Junker und Literat, von rustikalem und urbanem, heidnischem und christlichem Menschen zur schöpferischen Synthese revolutionärer Aristokratie.“ Der nicht korrumpierte Landadel hat eine Fülle vitaler Kräfte in tausendjähriger Symbiose mit der Natur gesammelt und aufgespeichert Gelingt es, diese gesteigerte Lebensenergie ins Geistige zu sublimieren, dann könnte vielleicht der nichtjüdische Adel der Vergangenheit  zusammen mit dem jüdischen Geistesadel Anteil nehmen am Aufbau des Adels der Zukunft, der sich durch alles „Hervorragende an Schönheit, Kraft, Energie und Geist“, an „Unbeugsamkeit des Willens, Seelengröße und Selbstlosigkeit“ auszeichnet.

Man kann über dieses neue „Herrschervolk“, diese neue „Herrenrasse“, deren Bildung Coudenhove-Kalergi sogar mit eugenischen Züchtungsmethoden fördern wollte, leicht die Nase rümpfen, doch die Bildung von Führungseliten gehört zu den unverzichtbaren Aufgaben staatlichen Überlebens. Auch wenn man die Verbindung von altem Adel und Sozialismus – ob nun „katholischem“ oder „jüdischem Sozialismus“ – ablehnt, so sollte zumindest das Faktum ein wenig des Nachdenkens wert sein, dass seine Kaiserliche und Königliche Hoheit, Otto von Habsburg, die Präsidentschaft der Paneuropabewegung nach dem Tode von Coudenhove-Kalergi übernommen hatte.

Sein Sohn Karl gehört dem Präsidium der Paneuropa-Union seit 1994 an. Unterstützt wurden und werden sie von vielen Angehörigen des Hochadels, die politische und soziale Verantwortung zu ihrem Anliegen gemacht haben. Darüber hinaus sind heute etwa einhundert Abgeordnete zum Europäischen Parlament Mitglieder der Paneuropa-Union.

In zahlreichen Querverbindungen wird die Zusammenarbeit mit den in den USA beheimateten Einflussgruppen gepflegt. Damit wird von der Paneueropabewegung dem Umstand Rechnung getragen, dass die Europäische Union heute nur noch als „euroasiatischer Brückenkopf der USA“ (Zbigniew Brzezinski) fungiert. Die von Hermann van Rompuy eingangs gestellte Frage, ob denn Europa seinen Frieden und seine Selbständigkeit den anderen Weltmächten gegenüber wahren kann, hat sich damit ebenso erledigt wie die Vorstellung Coudenhove-Kalergis, Europa könne durch Zusammenschluss zu einer auf der globalen Bühne mitspielenden Weltmacht werden. Denn trotz Europäischer Union ist Europa, wie Coudenhove-Kalergi schon 1923 befürchtete, „politisch und militärisch zum Schachbrett der Welt“ und anderen Großmächten hörig geworden.

Die Vereinigten Staaten von Europa – eine „idée fausse“

„Europa als politischer Begriff besteht nicht.“ Diese, wenn auch von ihm bekämpfte Einsicht, die Coudenhove-Kalergi 1923 vortrug, ist heute so gültig, wie sie es immer war. In seiner Geschichte war Europa nie eine staatliche Einheit, weder unter der Herrschaft Roms, noch unter den Kaisern und Päpsten des Mittelalters. Ganz zu schweigen von den gescheiterten Versuchen, die Napoléon, Stalin oder Hitler zur Neuordnung Europas unternommen haben.

Nach ihrer von Freiherrn von der Heydte so beredt beschriebenen „Geburtstunde des souveränen Staates“ im 13. Jahrhundert, hat die Entwicklung zu Nationalstaaten bis heute nicht an Fahrt verloren. Es ist einfach Utopie zu glauben, dass selbstbewusste Völker wie die Briten, Irländer, Holländer, Franzosen, Spanier, Italiener, Dänen, Schweden, Norweger, Finnen, Polen oder Tschechen ihre Souveränität an einen europäischen Bundesstaat abtreten. Selbst Vielvölkerstaaten wie Österreich, Belgien oder gar die Schweiz denken nicht daran, ihre staatliche Existenz aufzugeben.

Europa ist ein opakes, intransparentes, vergiftetes Wort, missbraucht zur Irreführung und zur Verschleierung politischer Zwecke. „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ – selten hat ein Satz die Runde gemacht, der an Unsinnigkeit kaum zu überbieten ist. Europa „scheitert“ nicht einmal, wenn die EU sich auflöst! Die europäischen Völker und ihre Staaten werden auch ohne übergestülpte Zwangsjacke in Frieden weiterleben, solange jedenfalls wie die NATO ihn wahrt.

Völker sind Völker. Niemand hat das Recht, ihnen ihre Existenz in der von ihnen bejahten staatlichen Form zu verweigern. Weder kulturell noch politisch gibt es ein Substrat, das für die Vereinigten Staaten von Europa die notwendigen Ligaturen oder Bindekräfte beistellen könnte. Es gibt kein „europäisches Volk“. Die Abstimmungen über die Europäische Verfassung haben das dort, wo sie stattfinden konnten (Irland, Frankreich, Holland), eindeutig bewiesen. Heute kann die EU nur noch durch ständigen Rechtsbruch am Leben gehalten werden (Paul Kirchhof, Jürgen Stark).

Die EU steht vor einem Scherbenhaufen und muss zusehen, wie in vielen Staaten die Bevölkerung protestiert, Gewerkschaften mit Streiks das Land lahm legen, Parlamente gestürmt, Banken belagert, Schaufenster eingeschlagen, Geschäfte geplündert, Autos, Barrikaden und Häuser angezündet werden und ganze Stadtviertel außer Kontrolle geraten. Ein Europa, in dem es notwendig ist, Knüppel, Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse  einzusetzen, um das Versinken in Anarchie zu verhindern, ist das das Europa, das Coudenhove-Kalergi erträumte? Sicher nicht!

Es ist an der Zeit, Alternativen ins Auge zu fassen und den Völkern nicht länger das Naturrecht  auf Existenz in den von ihnen im Laufe der Geschichte gebildeten poltisch-staatlichen Einheiten zu verweigern. Europa der Vaterländer, das Konzept de Gaulles, ist das, was von den Völkern akzeptiert wird: Kooperation auf gleicher Augenhöhe, nicht aber die Vereinigten Staaten von Europa!

Der Autor ist Dozent für Theoretische Volkswirtschaftslehre und Politik. Er war Mitglied der Europakommission der Österreichischen Bischofskonferenz. Seine letzten Publikationen: Die Rechte der Nation (2002, slowakisch 2008), Der Sinn der Geschichte (2011), ESM-Verfassungsputsch in Europa (2012). 

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  1. Ausgezeichneter KommentatorJohann Scheiber
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Mai 2013 09:09

    Ich hatte mich als Student in Wien für die Paneuropabewegung interessiert und bin so mit den Schriften von Coudenvove-Kalergi in Berührung gekommen. Ich war schwer geschockt und hatte das Gefühl die Schriften eines schwer Geisteskranken zu lesen. Seitdem ist für mich alles, was mit Pan-Europa zusammenhängt, einfach ein Greuel. Das schlimmste für mich zu akzeptieren war, dass das große Haus Habsburg offenbar die Führung einer dubiosen Sekte übernommen hatte.

    Es ist mir ein unlösbares Rätsel, wie jemand wie Coudenhove-Kalergi die europäische Kultur, den europäischen Geist und das Christentum in eine derartig diabolische Verdrehung hineinbringen und dann auch noch hinter seinen odiosen Ideen prominenten Anhang versammeln konnte. Ich denke das ist so etwas wie eine Summe der Dekadenz, ein Anti-Thomas, und zeigt, wie weit die sogenannte Elite Europas sich von den geistigen Ursprüngen des Kontinents entfernt hat.

    Das Grauenvollste aber ist, dass sich des wahnsinnigen Coudenhoves Vision, als unser aller Alptraum, in Europa und darüber hinaus gerade materialisiert.
    So wird sich zeigen, das Geld-, Geist-, und Blutadel, Sozialdemokratie und Christdemokratie, Kommunisten und Liberale und alle sonstigen Resttraditionen und Traditionenverwerter uns alle auf eine einzige Höllenfahrt geführt haben.

    Da wird ziemlich viel auf einmal untergehen!

    Danke, Dr. Romig, für die ausführliche Darstellung. Vielen Menschen sollten da Augen und Ohren aufgehen.

  2. Ausgezeichneter KommentatorF.V.
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Mai 2013 09:06

    Herrn Dr. Romig ist für seinen aufschlußreichen Artikel zu danken.

    Ohne solches Hintergrundwissen sind Analysen über aktuelle politische Ereignisse nichts weiter als der Blick in die Glaskugel. Eigentlich sind Diskussionen nur dann fruchtbar, wenn die Diskutanten wenigstens eine Ahnung von den Arkana der heutigen Politik hätten.

    Was ich nie verstehen konnte, war das Motiv des letzten Kaisersohnes, Otto von Habsburg, sich dem Coudenhe-Kalerghi´schen Dreck zu unterwerfen

    ... o quae mutatio rerum!

    Otto VON HABSBURG, Sohn des letzten Kaisers von Österreich, hat eine bemerkenswerte Biographie. Aus ältestem europäisch-deutschem Adel hat er offenbar einen anderen Weg eingeschlagen, als seine Vorfahren, die durch Jahrhunderte den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches stellten: er wurde Abgeordneter des Europa-Parlamentes – nicht von Gottes Gnaden sondern der bayrischen CSU.

    Man kann sich eigentlich keinen größeren Gegensatz vorstellen: hier die hierarchisch gegliederte, traditionale und organische Ordnung, wie sie für die europäischen Völker und insbesondere für das deutsche Volk galt (und in Wahrheit immer gültig ist), die – man kann es in der Tat so bezeichnen – „vom Himmel“ fiel, weswegen die Kaiser (und ihre Völker) sich auch „von Gottes Gnaden“ an ihren Platz gestellt und legitimiert sahen, und jene als Erbe der jakobinischen Französischen Revolution heute die Macht usurpierende, egalitäre (= gleichmacherische) Demokratie, die schon von VOLTAIRE als „régime de carnaille“ bezeichnet wurde und sich auch bis heute als Ochlokratie, die wahre Herrschaft der Schlechtesten, erwiesen hat. Der Frontwechsel des Kaisersohnes ist unbegreiflich, hat er sich doch damit auf die Seite der Illuminierten, also der Todfeinde der „alten Ordnung“ (wer dächte nicht gleich an Donald RUMSFELDS „old Europe“?) und der christlichen Religion und Kirche gestellt. – Der äußerliche Pomp bei Hochzeit, Taufen oder Begräbnissen unter Beiziehung von kirchlichen Würdenträgern in altehrwürdigen Domen ist offenbar nur noch Dekoration ohne tiefere Bedeutung.

    Wäre es entschuldbar diesen Weg gewählt zu haben? – Und womit? – Nun, weil mittel- und heimatlos[1] geworden – und doch als Oberhaupt des Erzhauses und Repräsentant der alten Ordnung genötigt irgendwie „über die Runden kommen zu müssen“, sich also eine „standesgemäße“ Lebensführung damit zu ermöglichen, indem man sich mit der Loge „arrangierte“? (Denn was bedeutete es anderes, sich dem Pan-Europa Erfinder und Ober-Freimaurer COUDENHOVE-KALERGHI zu unterwerfen?) – Nur, entschuldbar ist es natürlich nicht, - nur eine Erklärung.

    Nun ist solch ein Seitenwechsel in Frankreich, dem Erzfeind Österreichs bzw. Deutschlands, dem Land, das die Freimaurer regieren – Grand Orient oder Großloge, je nachdem ob Sozialisten oder „Bürgerliche“ an der Macht sind – kein Wunder. „... Frankreich hatte sich mit dem Gift der Aufklärung, dann dem des Deismus, schließlich dem des Pantheismus und dem des Atheismus infiziert und, aufgrund seiner geistigen Vormachtstellung, den ganzen Kontinent damit angesteckt; ...“[2]

    "Europa hat nicht begriffen, daß das wirkliche Thema das Christentum war, das man abgeschafft hatte, es hatte nicht begriffen, daß man, "weltlich frech oder weltlich verwirrt, mit steigender Leidenschaftsgeschwindigkeit, in Probleme sich verirrte, die sich nur göttlich beantworten, die nur das Christentum beantworten kann."[3] – Wie es scheint hat dies auch Otto VON HABSBURG, der Kaisersohn, nicht begriffen.

    Etwas muß auch noch erwähnt zu werden. Die Aristokratie und insbesondere das Erzhaus hält viel sehr auf ihr Vorrecht der Geburt, die Tradition des Blutes und sieht sich in einer langen Kette der Ahnen als Teil dieser Gesamtheit, die über den individuellen Tod hinaus wirkmächtig ist. Das sehen wir auch so, und aus diesem Grund können (und wollen) wir im historischen und geistigen Sinn diesen Vorrang auch nicht bestreiten, wie wir auch aus demselben Grund keine Einwände gegen eine Sippenhaftung machen.

    Gehen wir noch ein Stück zurück in der Geschichte. Die Heilige Allianz, die der drei Kaiser von Österreich, Deutschland und Rußland, hatte den großen Usurpator und Erben der Französischen Revolution, NAPOLEON BONAPARTE, besiegt. Sie waren sich einig im Kampf gegen die „Errungenschaften“ des Auf-klärichts, die atheistischen und materialistischen Ideen der jakobinischen Revolution. - Und sie befreiten Europa.

    Heute stellen wir eine Wende um 180 Grad fest: Otto VON HABSBURG, der Sohn des letzten Kaisers, hat sich nicht nur ins EU-Parlament – man kann es ruhig mit der französischen Constituante der Jahre 1789ff vergleichen - „wählen“ lassen, sondern er hat auch in unglaublicher Weise gegen Rußland und seine legitime Führung, Präsident Wladimir Wladimirowitsch PUTIN, Stellung bezogen [4].

    Er diffamiert Rußland als „extrem gefährlich“ und „begründet das mit seinem „Hinweis“ auf die „KGB-Herkunft“ des russischen Präsidenten. Er iteriert damit nur die Diktion des amerikanischen Hegemons – und jener Kalten Krieger, die mit dem Ost-West Konflikt die Welt gegeneinander aufgehetzt haben und dies immer noch tun [5]. Verschwiegen wird freilich, daß es amerikanisch-jüdisches Kapital war, das sowohl HITLER wie die russische Oktoberrevolution bis hin zu STALIN finanzierte. Da sich niemand vorstellen kann, daß dies dem Kaisersohn nicht bekannt ist, läßt dessen unglaubliche Position nur einen Schluß zu: er ist in der Tat nützliches Element im Netzwerk der Illuminierten geworden und hat sich damit auf die Seite des „Fürsten der Welt“ geschlagen.

    Ein Freund warf ein: ist das nicht zu hart ins Gericht gegangen? Otto VON HABSBURG hat sich doch jetzt gegen die Drahtzieher der letzten US Angriffskriege, die ja immerhin die Chefs seines „Vormundes“ COUDENHOVE-KALERGHI sind, erklärt. Das sei doch sehr beachtlich, wenn er es auch erst jetzt in seinem hohen Alter wagen konnte, was ihm bisher unmöglich war. – Gewiß ist es besser als zu schweigen, aber worin bestünde die Heldentat oder die Umkehr am Ende des Lebens? Kann eine einzige Erklärung jahrzehntelanges Wirken auf der falschen Seite aufheben? Noch dazu, wenn mit der Rußland-Hetze die alte Linie doch gar nicht verlassen wurde.

    [1] Das Habsburgergesetz in Österreich enteignete nicht nur den Familienbesitz, sondern verbot durch Jahrzehnte überhaupt die Einreise nach Österreich. Erst unter Bundeskanzler Bruno KREISKY, einem Sozialisten, wurde das Einreiseverbot aufgehoben.

    [2] Donoso CORTES, Polémica con la prensa espaniol, Briefe an die Zeitung El Pais und El Heraldo vom 16. Juli 1849, in Ders. Obras completas; II, Madrid 1970, S. 331 - 342, hier S. 340. (Zit nach CORTES, Diktatur.)

    [3] KIRKEGAARD, Das Eine, was not tut, in Zeitenwende 1/1927, S. 1 - 7. (Zit nach CORTES, Diktatur.)

    [4] The CDL Report, 19. Nov. 2002, Paris AFP, North European Service.

  3. Ausgezeichneter Kommentatorfokus
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Mai 2013 12:44

    Wenn dieser Coudenhove-Calergi als geistiger Vordenker der EU gilt, muß man sich nicht mehr über deren Zustand wundern, daß sie nämlich in ihrer tiefsten Krise steckt und schwerst vom Zerfall bedroht ist. Mögen wir seine zum Großteil befremdenden Visionen als "aus der Zeit geboren" entschuldigen und sie nicht weiter in die Gegenwart wirken lassen.

    Deshalb empfehle ich lieber erhellende Literatur, wie zum Beispiel "Abschied vom Superstaat - Vereinigte Staaten von Europa wird es NICHT geben".
    Der großartige Visionär Prof. Hermann Lübbe war seiner Zeit weit voraus und wußte schon 1994, daß ein solches Projekt zum Scheitern verurteilt ist.

  4. Ausgezeichneter KommentatorScipio
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Mai 2013 09:17

    Danke dafür, dass hier in ruhiger, nichtpolemischer und sachlicher Form die „falsche“, in Wahrheit sogar „verrückte Idee“ der „Vereinigten Staaten von Europa“ und „Paneueropa“ auf die Schaufel genommen wird. Coudenhove-Kalergi war ja wohl ein Schwadronierer der Oberklasse. Lenin und Trotzki Repräsentanten des „neuen Adels“! Bolschewisierung Europas eine „Reinigung“ (Katharsis)! Europa religiös, moralisch, ethisch „jüdisch“! Die „jüdische Herrenrasse“ berufen zur Führung Europas! Geht´s noch ärger? Ist das die geistige Grundlage der "Europäischen Union"?? Dann weg mit ihr!
    Auch wenn man nicht von „Verschwörungstheorie“ reden will, greift man sich an den Kopf: Hochadel, Kirchenfürsten, hohes Rabbinat, Hochfinanz, Hochbürokratie, hohe Militärs, „hohe“ Politik, Hochgradfreimaurer und Großindustrie mit Sozialisten, Bolschewisten und bürgerlichen Liberalen ziehen bei der Verwirklichung der „Vereinigten Staaten von Europa“ oder „Paneuropa“ am gleichen Strang. Sie alle wollen die Nationen aufzulösen! Sie merken gar nicht, dass das nur in einer unvorstellbaren Schreckensherrschaft und Diktatur enden kann. Haben sie noch nie etwas von der „Brave New World“ gehört, die „Animal Farm“ nicht gelesen oder die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ ignoriert?

    „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

    An den Völkern liegt es jetzt, sich zu wehren!

  5. Ausgezeichneter Kommentatordiko
    3x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Mai 2013 06:46

    @ Friedrich Romig, DANKE!
    ****************************
    ****************************!

  6. Ausgezeichneter KommentatorProConsul Partner Homepage
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    16. Mai 2013 18:44

    Ich möchte Dozent Romig für seinen ausführlichen Gastkommentar danken. Es ist gut, dass es noch ein paar Intellektuelle gibt, die diese Zusammenhänge aufzeigen. Der Umfang ist so gewaltig, dass ich nur auf einige Punkte eingehen kann. Wenn es stimmt, dass Kapitalismus und Kommunismus miteinander verwandt sind „beide rationalistisch, beide mechanistisch, beide abstrakt, beide urban“, dann haben wir wohl die Wahl zwischen Pest und Cholera. Oder anders ausgedrückt: beide führen uns in einen Totalitarismus! Genau das entfaltet sich doch momentan vor unseren Augen. Gibt es einen Ausweg? Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass nur eine Kombination aus Monarchie, einer starke Kirche, einer ständische Ordnung, eine möglichst homogene Bevölkerung (darunter verstehe ich nicht 1 Million Ausländer in einem 8 Millionen-Volk) dem kommenden Totalitarismus entgegenstehen können. Da wir von einer solchen Ordnung meilenweit entfernt sind, obwohl wir 1934 schon sehr nahe waren, sehe ich absolut KEINE Hoffnung, irgendetwas aufhalten, oder ändern zu können. Österreich hat seine Zukunft verspielt, zuerst wurde die natürliche Ordnung (Thron und Altar) zerschlagen, nun wird das Bürgertum (Mittelstand) aufgerieben und zuletzt bleib ein multikultureller Haufen aus armen, ungebildeten Schluckern, die dem Geld- und Sozialisten-Adel aus der Hand fressen. Erst dann haben die internationalen Sozialisten ihr Ziel erreicht! Man kann den Marxismus sicher als jüdische Ideologie bezeichnen, das gibt auch Calergi zu, siehe seine Auszüge. "Das Denken von Marx ist letztendlich nichts als die säkularisierte Version traditioneller jüdischer Eschatologie." (Hervé Ryssen, Les origines religieuses du mondialisme)

    Zitat von Papst Benedikt XV.

    "Hier reift nun die Vorstellung von einer wahrhaft universalen Republik heran, die auf der absoluten Gleichheit der Menschen und der Geister beruht, aus welcher jede Unterscheidung nach Nationalitäten verbannt würde.... Falls diese Theorien in der Praxis umgesetzt werden, müssen sie unweigerlich eine noch nie dagewesene Schreckensherrschaft entfesseln." (Papst Benedikt XV. Motu proprio, 25. Juli 1920)

    „Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar. Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar.“ (Quadragesimo anno, Enzyklika, Pius XI)

  7. Ausgezeichneter KommentatorCollector
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    18. Mai 2013 10:06

    "Brüssel sollte wieder mehr die Nationen verehren!"

    Die ganze Perversion der europäischen "Elite" von Coudenhove-Kalergi bis Hermann von Rompuy wird in dem Vortrag von Victor Orbán über „Christliche Antwort
    auf die Herausforderungen, vor denen Europa steht" (Bilbao, 15. 04. 13) deutlich.

    Jedem, dem unsere Kultur noch etwas bedeutet (die ÖVP gehört wohl nicht mehr dazu, um von SPÖ und Grünen ganz zu schweigen), sollte sich den Vortrag herunterladen: http://static.szajer.fidesz-eu.hu/media/1/4/8/2/1482.pdf

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorF.V.
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Mai 2013 09:06

    Herrn Dr. Romig ist für seinen aufschlußreichen Artikel zu danken.

    Ohne solches Hintergrundwissen sind Analysen über aktuelle politische Ereignisse nichts weiter als der Blick in die Glaskugel. Eigentlich sind Diskussionen nur dann fruchtbar, wenn die Diskutanten wenigstens eine Ahnung von den Arkana der heutigen Politik hätten.

    Was ich nie verstehen konnte, war das Motiv des letzten Kaisersohnes, Otto von Habsburg, sich dem Coudenhe-Kalerghi´schen Dreck zu unterwerfen

    ... o quae mutatio rerum!

    Otto VON HABSBURG, Sohn des letzten Kaisers von Österreich, hat eine bemerkenswerte Biographie. Aus ältestem europäisch-deutschem Adel hat er offenbar einen anderen Weg eingeschlagen, als seine Vorfahren, die durch Jahrhunderte den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches stellten: er wurde Abgeordneter des Europa-Parlamentes – nicht von Gottes Gnaden sondern der bayrischen CSU.

    Man kann sich eigentlich keinen größeren Gegensatz vorstellen: hier die hierarchisch gegliederte, traditionale und organische Ordnung, wie sie für die europäischen Völker und insbesondere für das deutsche Volk galt (und in Wahrheit immer gültig ist), die – man kann es in der Tat so bezeichnen – „vom Himmel“ fiel, weswegen die Kaiser (und ihre Völker) sich auch „von Gottes Gnaden“ an ihren Platz gestellt und legitimiert sahen, und jene als Erbe der jakobinischen Französischen Revolution heute die Macht usurpierende, egalitäre (= gleichmacherische) Demokratie, die schon von VOLTAIRE als „régime de carnaille“ bezeichnet wurde und sich auch bis heute als Ochlokratie, die wahre Herrschaft der Schlechtesten, erwiesen hat. Der Frontwechsel des Kaisersohnes ist unbegreiflich, hat er sich doch damit auf die Seite der Illuminierten, also der Todfeinde der „alten Ordnung“ (wer dächte nicht gleich an Donald RUMSFELDS „old Europe“?) und der christlichen Religion und Kirche gestellt. – Der äußerliche Pomp bei Hochzeit, Taufen oder Begräbnissen unter Beiziehung von kirchlichen Würdenträgern in altehrwürdigen Domen ist offenbar nur noch Dekoration ohne tiefere Bedeutung.

    Wäre es entschuldbar diesen Weg gewählt zu haben? – Und womit? – Nun, weil mittel- und heimatlos[1] geworden – und doch als Oberhaupt des Erzhauses und Repräsentant der alten Ordnung genötigt irgendwie „über die Runden kommen zu müssen“, sich also eine „standesgemäße“ Lebensführung damit zu ermöglichen, indem man sich mit der Loge „arrangierte“? (Denn was bedeutete es anderes, sich dem Pan-Europa Erfinder und Ober-Freimaurer COUDENHOVE-KALERGHI zu unterwerfen?) – Nur, entschuldbar ist es natürlich nicht, - nur eine Erklärung.

    Nun ist solch ein Seitenwechsel in Frankreich, dem Erzfeind Österreichs bzw. Deutschlands, dem Land, das die Freimaurer regieren – Grand Orient oder Großloge, je nachdem ob Sozialisten oder „Bürgerliche“ an der Macht sind – kein Wunder. „... Frankreich hatte sich mit dem Gift der Aufklärung, dann dem des Deismus, schließlich dem des Pantheismus und dem des Atheismus infiziert und, aufgrund seiner geistigen Vormachtstellung, den ganzen Kontinent damit angesteckt; ...“[2]

    "Europa hat nicht begriffen, daß das wirkliche Thema das Christentum war, das man abgeschafft hatte, es hatte nicht begriffen, daß man, "weltlich frech oder weltlich verwirrt, mit steigender Leidenschaftsgeschwindigkeit, in Probleme sich verirrte, die sich nur göttlich beantworten, die nur das Christentum beantworten kann."[3] – Wie es scheint hat dies auch Otto VON HABSBURG, der Kaisersohn, nicht begriffen.

    Etwas muß auch noch erwähnt zu werden. Die Aristokratie und insbesondere das Erzhaus hält viel sehr auf ihr Vorrecht der Geburt, die Tradition des Blutes und sieht sich in einer langen Kette der Ahnen als Teil dieser Gesamtheit, die über den individuellen Tod hinaus wirkmächtig ist. Das sehen wir auch so, und aus diesem Grund können (und wollen) wir im historischen und geistigen Sinn diesen Vorrang auch nicht bestreiten, wie wir auch aus demselben Grund keine Einwände gegen eine Sippenhaftung machen.

    Gehen wir noch ein Stück zurück in der Geschichte. Die Heilige Allianz, die der drei Kaiser von Österreich, Deutschland und Rußland, hatte den großen Usurpator und Erben der Französischen Revolution, NAPOLEON BONAPARTE, besiegt. Sie waren sich einig im Kampf gegen die „Errungenschaften“ des Auf-klärichts, die atheistischen und materialistischen Ideen der jakobinischen Revolution. - Und sie befreiten Europa.

    Heute stellen wir eine Wende um 180 Grad fest: Otto VON HABSBURG, der Sohn des letzten Kaisers, hat sich nicht nur ins EU-Parlament – man kann es ruhig mit der französischen Constituante der Jahre 1789ff vergleichen - „wählen“ lassen, sondern er hat auch in unglaublicher Weise gegen Rußland und seine legitime Führung, Präsident Wladimir Wladimirowitsch PUTIN, Stellung bezogen [4].

    Er diffamiert Rußland als „extrem gefährlich“ und „begründet das mit seinem „Hinweis“ auf die „KGB-Herkunft“ des russischen Präsidenten. Er iteriert damit nur die Diktion des amerikanischen Hegemons – und jener Kalten Krieger, die mit dem Ost-West Konflikt die Welt gegeneinander aufgehetzt haben und dies immer noch tun [5]. Verschwiegen wird freilich, daß es amerikanisch-jüdisches Kapital war, das sowohl HITLER wie die russische Oktoberrevolution bis hin zu STALIN finanzierte. Da sich niemand vorstellen kann, daß dies dem Kaisersohn nicht bekannt ist, läßt dessen unglaubliche Position nur einen Schluß zu: er ist in der Tat nützliches Element im Netzwerk der Illuminierten geworden und hat sich damit auf die Seite des „Fürsten der Welt“ geschlagen.

    Ein Freund warf ein: ist das nicht zu hart ins Gericht gegangen? Otto VON HABSBURG hat sich doch jetzt gegen die Drahtzieher der letzten US Angriffskriege, die ja immerhin die Chefs seines „Vormundes“ COUDENHOVE-KALERGHI sind, erklärt. Das sei doch sehr beachtlich, wenn er es auch erst jetzt in seinem hohen Alter wagen konnte, was ihm bisher unmöglich war. – Gewiß ist es besser als zu schweigen, aber worin bestünde die Heldentat oder die Umkehr am Ende des Lebens? Kann eine einzige Erklärung jahrzehntelanges Wirken auf der falschen Seite aufheben? Noch dazu, wenn mit der Rußland-Hetze die alte Linie doch gar nicht verlassen wurde.

    [1] Das Habsburgergesetz in Österreich enteignete nicht nur den Familienbesitz, sondern verbot durch Jahrzehnte überhaupt die Einreise nach Österreich. Erst unter Bundeskanzler Bruno KREISKY, einem Sozialisten, wurde das Einreiseverbot aufgehoben.

    [2] Donoso CORTES, Polémica con la prensa espaniol, Briefe an die Zeitung El Pais und El Heraldo vom 16. Juli 1849, in Ders. Obras completas; II, Madrid 1970, S. 331 - 342, hier S. 340. (Zit nach CORTES, Diktatur.)

    [3] KIRKEGAARD, Das Eine, was not tut, in Zeitenwende 1/1927, S. 1 - 7. (Zit nach CORTES, Diktatur.)

    [4] The CDL Report, 19. Nov. 2002, Paris AFP, North European Service.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorcmh
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    17. Mai 2013 09:44

    Hier kommt es meiner Meinung nach auf feine und feinste Nuancen an.

    Einen Zusammenhang kann ich natürlich nicht belegen, aber etwas Ähnliches wurde in Mexico von einem gewissen Jose Vascondelos mit einer sogenannten Raza cosmica vertreten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Vasconcelos )

    Während aber in Mexico derartige Überlegungen angesichts der dortigen tatsächlichen Vermischung der Rassen durchaus zur Rechtfertigung der Mischbevölkerung und zum ideologischen Unterbau des STaates durchaus sinnvoll sein kann, ist es in Europa nicht so. Denn hier gibt es einen im wesentlichen homogenen Menschenschlag, der sich in Nationen ausdifferenziert. Die Grundlagen der an den beweglichen Grenzen dieser Nationen entstandenen Staaten sind in allen Fällen eigentlich gleich.

    Der Irrtum Coudenvove-Kalergis besteht nun darin, dass er meint, die Konflikte der Staaten durch geplante Beimischung außereuropäischer Bevölkerungen (so wertvoll die für sich genommen auch jeweils sind) beheben zu können.

    So sehr ich in einem vereinten Europa die Tradition eines europäischen Imperiums begrüße, so schädlich sind die ideologischen Wechselbälge Coudenvove-Kalergis.

    Was sich bei ihm als europäische Idee ausgibt, ist eigentlich die Lösung aller europäischen Probleme durch die die Auflösung Europas. Klarerweise sind dann diese Probleme erledigt, doch dann werden auf europäischem Land die Probleme des orientalischen Großsyriens ausgetragen.

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  1. Ival (kein Partner)
    23. Januar 2015 11:13

    That's the best answer by far! Thanks for conguibrtint.

  2. Hussn (kein Partner)
    21. Januar 2015 18:40

    Sublime ton haut!Je vais moi aussi e0 Prague dans quelques jours, ton post me donne enocre plus envie.As-tu des coups de coeur e0 me faire partager?

  3. Vivek (kein Partner)
    21. Januar 2015 15:32

    i always love your outitfs, you look amazing. Btw im going to Paris in less than a month, which isabel marant store is best and biggest there?I bet you know- since you have so many isabel marant pieces. ;) have a wonderful weekend dearxx http://qbhwqwy.com [url=http://cdvgib.com]cdvgib[/url ] [link=http://rteeyuz.com]rteeyuz[/link ]

  4. Vivek (kein Partner)
    21. Januar 2015 15:31

    i always love your outitfs, you look amazing. Btw im going to Paris in less than a month, which isabel marant store is best and biggest there?I bet you know- since you have so many isabel marant pieces. ;) have a wonderful weekend dearxx http://qbhwqwy.com [url=http://cdvgib.com]cdvgib[/url ] [link=http://rteeyuz.com]rteeyuz[/link ]

  5. Arturo (kein Partner)
    21. Januar 2015 02:19

    Oh gosh I crazily love M83, and this song in patclruiar is so special to me and my sweet man.I'm so happy you got to experience such amazing parts of the world in such a unique way!

  6. Kejedott (kein Partner)
    20. Januar 2015 22:55

    Nous voulons vous faire caionntre notre ministere radio. Nous disposon d'une radio chretienne sur le web, radio le Bon berger.Nous sommes en ligne 24/7 pour repandre la parole de Dieu. Nous recevons des messages de plusieurs pasteurs que nous partageons avec nos auditeurs. C'est un plaisir de faire votre connaissance sur le web, demeurez benis.Gabin Conrad APresident de la Feu, directeur general de la radio le Bon Berger.

  7. Gladis (kein Partner)
    19. Januar 2015 12:54

    They also lacked Tin, a cooemnpnt needed in the smelting of Bronze, the precursor of Iron, this places their technology in tools etc. in the stone age (using Obsidian blades)

  8. Carolus (kein Partner)
    25. Mai 2013 22:00

    Danke für den Beitrag, danke für die interessanten Kommentare!
    Ich freue mich, dass Romig eine Frage aufgreift, die auch mich umtreibt, seit ich Coudenhoves „Praktischen Idealismus“ (1925) gelesen habe: Wie konnte sich Otto von Habsburg mit solchem Ideengut identifizieren?
    „Praktischer Idealismus“ (Adel – Technik – Pazifismus) fasst offenbar die von Romig zitierten Schriften zusammen. Was mich besonders schockiert hatte, war die für Europa prognostizierte „eurasisch-negroide Zukunftsrasse“.

    http://kreidfeuer.wordpress.com/2011/07/10/coudenhove-kalergi-praktischer-idealismus/
    Hier gibt es auch einen Link, wo man das gesamte Machwerk runterladen kann.

  9. Kreuzweis (kein Partner)
    25. Mai 2013 13:08

    Ich lese gerade Friedrichs des Großen historisches Werk "Werke und Schriften". Bei dieser Lektüre wird mir klar, welch verderbliches und deutschenfeidliches Spiel die Habsburger im deutschen Reich spielten. Verrat und Wortbruch gegenüber den deutschen Fürsten und zum Nachteil des deutschen Reiches war spätestens seit den 30jährigen Krieg eine durchgängige Konstante. Die Habsburger betrieben eine Hauspolitik zum Nutzen ihres Hauses und nur wo es sich mit denen des Reiches deckte, wurde es als Reichspolitik verkauft. Alles andere ist Habsburger Propaganda. Daher verwundert mich Otto v. Habsburgs Verhalten garnicht.
    Die Politik der Habsburger wurde mutmaßlich von Rom, genauer von den Jesuiten eingeflüstert.
    Der Antichrist hat schon lange Rom unterwandert. Päpstliche Koranknutscherei, tanzende Derwische vor dem Allerheiligsten, Synkretismus und Moslemliebedienerei allüberall - und andererseits bösartigster Haß auf die vorvatikanischen Piuschristen - man muß die heineschen "Traumglotzkugeln" haben, nicht zu sehen, daß die Fäuliniß "von oben" heruntertröpfelt.
    Zurück zum Text oben:
    Es ist sehr verdienstvoll, daß diese Erkenntnis endlich im bürgerlichen Lager ankommt, denn in den pöhsen "rechten Kreisen" ist es ein uralter Hut. Das gehört zu der bekannten "Verschwörungstheorien", das ist Ihnen doch klar?
    Man gibt sich vielleicht auch nicht mehr viel Mühe, es zu verbergen - "sie" wähnen sich auf der Zielgeraden...

  10. Eso-Policier (kein Partner)
    19. Mai 2013 15:42

    Die verächtlichen Eurokraten werden scheitern. Bald werden u. a. Schottland und Wales unabhängig. Mehr dazu unter
    www.esopolice.wordpress.com

  11. Der europäische Untergang (kein Partner)
    18. Mai 2013 23:11

    Die EU ist auf Staatenebene das, was die sg. Homo-Ehe in der Sphäre der Familie ist.

  12. Collector
    18. Mai 2013 10:06

    "Brüssel sollte wieder mehr die Nationen verehren!"

    Die ganze Perversion der europäischen "Elite" von Coudenhove-Kalergi bis Hermann von Rompuy wird in dem Vortrag von Victor Orbán über „Christliche Antwort
    auf die Herausforderungen, vor denen Europa steht" (Bilbao, 15. 04. 13) deutlich.

    Jedem, dem unsere Kultur noch etwas bedeutet (die ÖVP gehört wohl nicht mehr dazu, um von SPÖ und Grünen ganz zu schweigen), sollte sich den Vortrag herunterladen: http://static.szajer.fidesz-eu.hu/media/1/4/8/2/1482.pdf

  13. dxb (kein Partner)
    17. Mai 2013 11:10

    Viele leere Worte vom Romig.

    Nur um zu verhindern, daß er den Untergang des 3. Reichs noch immer nicht verwunden hat - der "Ärmste".
    Sein Idol mit dem unmödischen Bärtchen und dessen Reich sind nicht mehr.

    Komisch nur, daß er, bei aller sonstigen Kritik an der EU und ihren Problemen, hier ein Forum bekommt.
    Die Förderung solcher Ideologien ist doch sonst nicht die Sache vom Unterberger.

    Oder ist es nur wieder mal an der Zeit für eine "Volkszählung" im Forum?

    • F.V. (kein Partner)
      17. Mai 2013 12:28

      Normalerweise sollte gelten: es kommt nicht darauf an WER etwas gesagt hat, sondern WAS gesagt wurde.

      Mit etwas mehr Vernunft und Kenntnis der Ideengeschichte, der Historie und wacher Beobachtung des Zeitgeschehens, müßte man drauf kommen, was Romig hier dargelegt hat, auch ohne die Person und seinen Hintergrund zu kennen.

      Romig aber zu unterstellen, daß er den „Untergang des 3. Reiches“ nicht verwunden hätte, ist an Dummheit und Ignoranz kaum zu überbieten. Da er ja schon öfters Gastbeiträge verfaßt hatte, deren Kerngedanken die christliche (= katholische) Doktrin waren, die bekanntlich so ziemlich das Gegenteil der biologistisch-materialistischen Weltanschauung ist, ist die Absurdität des dxb´schen Kommentars ja offensichtlich.

      Wenn jemand, der selbst nur gähnende Leere im Kopf hat, den substanziellen Artikel als „leere Worte“ bezeichnet, sagt dies ja nichts über den Gastbeitrag, aber alles über den Kommentator dxb aus. Dazu paßt – natürlich – der Protest gegen „die Förderung solcher Ideologien“.

      Ohne Romig´s und einiger anderer intelligenter Autoren/Diskutanten wäre das UTB längst wegen geistiger Seichtheit und Banalität im Nirwana gelandet.

    • dxb (kein Partner)
      17. Mai 2013 18:18

      FV,

      auch Ihre "Beiträge" sind bisweilen eines Stürmers würdig.
      Sie sind also vom selben Stamme wie Romig.
      Passens also blos auf, daß Sie nicht mit dem Verbotsgesetz in Konfrontation kommen.

  14. Waltraut Kupf (kein Partner)
    17. Mai 2013 10:21

    Die Befürchtung Coudenhove-Kalergis, Europa werde ohne Vereinigung von den Großmächten verschlungen werden, trifft im Wege der Vereinigung umso mehr zu. Kissinger wollte „eine“ Telefonnummer für Europa haben, und nach dem Prinzip „Siebene auf einen Streich“ (in diesem Fall achtundzwanzig oder mehr) wird Europa zum leicht erzielten Protektorat der Vereinigten Staaten von Amerika, wie es sich ja durch ständige Einmischungen und „Erwartungen“ durch die USA deutlich abzeichnet. Dazu kommt die unverkennbare Tatsache, daß Europa sowohl wirtschaftlich als auch moralisch in einem erbarmungswürdigen Zustand ist, in dem es vor der Europäischen Union jedenfalls nicht in diesem Ausmaß gewesen ist. Die Abschaffung der Nation durch ganz gezielt angekurbelte Migration spielt der Eine-Welt-Regierung unter amerikanischer Hegemonie zusätzlich in die Hände. Wenn Coudenhove-Kalergi von der eurasischen Rasse als wünschenswertem Ergebnis phantasierte, so wollte er damit wohl sagen: „Laßt uns einen neuen Menschen machen, nach meinem Ebenbild und Gleichnis.“ Diese Art der Hybris sollte eigentlich nach allen Gesetzen von Ursache und Wirkung ihre Bestrafung finden, ebenso das ungeheure Ausmaß an Hinterhältigkeit, Lüge und Betrug, das von den sogenannten „Eliten“ praktiziert wird.

  15. cmh (kein Partner)
    17. Mai 2013 09:44

    Hier kommt es meiner Meinung nach auf feine und feinste Nuancen an.

    Einen Zusammenhang kann ich natürlich nicht belegen, aber etwas Ähnliches wurde in Mexico von einem gewissen Jose Vascondelos mit einer sogenannten Raza cosmica vertreten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Vasconcelos )

    Während aber in Mexico derartige Überlegungen angesichts der dortigen tatsächlichen Vermischung der Rassen durchaus zur Rechtfertigung der Mischbevölkerung und zum ideologischen Unterbau des STaates durchaus sinnvoll sein kann, ist es in Europa nicht so. Denn hier gibt es einen im wesentlichen homogenen Menschenschlag, der sich in Nationen ausdifferenziert. Die Grundlagen der an den beweglichen Grenzen dieser Nationen entstandenen Staaten sind in allen Fällen eigentlich gleich.

    Der Irrtum Coudenvove-Kalergis besteht nun darin, dass er meint, die Konflikte der Staaten durch geplante Beimischung außereuropäischer Bevölkerungen (so wertvoll die für sich genommen auch jeweils sind) beheben zu können.

    So sehr ich in einem vereinten Europa die Tradition eines europäischen Imperiums begrüße, so schädlich sind die ideologischen Wechselbälge Coudenvove-Kalergis.

    Was sich bei ihm als europäische Idee ausgibt, ist eigentlich die Lösung aller europäischen Probleme durch die die Auflösung Europas. Klarerweise sind dann diese Probleme erledigt, doch dann werden auf europäischem Land die Probleme des orientalischen Großsyriens ausgetragen.

  16. F.V. (kein Partner)
    17. Mai 2013 09:06

    Herrn Dr. Romig ist für seinen aufschlußreichen Artikel zu danken.

    Ohne solches Hintergrundwissen sind Analysen über aktuelle politische Ereignisse nichts weiter als der Blick in die Glaskugel. Eigentlich sind Diskussionen nur dann fruchtbar, wenn die Diskutanten wenigstens eine Ahnung von den Arkana der heutigen Politik hätten.

    Was ich nie verstehen konnte, war das Motiv des letzten Kaisersohnes, Otto von Habsburg, sich dem Coudenhe-Kalerghi´schen Dreck zu unterwerfen

    ... o quae mutatio rerum!

    Otto VON HABSBURG, Sohn des letzten Kaisers von Österreich, hat eine bemerkenswerte Biographie. Aus ältestem europäisch-deutschem Adel hat er offenbar einen anderen Weg eingeschlagen, als seine Vorfahren, die durch Jahrhunderte den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches stellten: er wurde Abgeordneter des Europa-Parlamentes – nicht von Gottes Gnaden sondern der bayrischen CSU.

    Man kann sich eigentlich keinen größeren Gegensatz vorstellen: hier die hierarchisch gegliederte, traditionale und organische Ordnung, wie sie für die europäischen Völker und insbesondere für das deutsche Volk galt (und in Wahrheit immer gültig ist), die – man kann es in der Tat so bezeichnen – „vom Himmel“ fiel, weswegen die Kaiser (und ihre Völker) sich auch „von Gottes Gnaden“ an ihren Platz gestellt und legitimiert sahen, und jene als Erbe der jakobinischen Französischen Revolution heute die Macht usurpierende, egalitäre (= gleichmacherische) Demokratie, die schon von VOLTAIRE als „régime de carnaille“ bezeichnet wurde und sich auch bis heute als Ochlokratie, die wahre Herrschaft der Schlechtesten, erwiesen hat. Der Frontwechsel des Kaisersohnes ist unbegreiflich, hat er sich doch damit auf die Seite der Illuminierten, also der Todfeinde der „alten Ordnung“ (wer dächte nicht gleich an Donald RUMSFELDS „old Europe“?) und der christlichen Religion und Kirche gestellt. – Der äußerliche Pomp bei Hochzeit, Taufen oder Begräbnissen unter Beiziehung von kirchlichen Würdenträgern in altehrwürdigen Domen ist offenbar nur noch Dekoration ohne tiefere Bedeutung.

    Wäre es entschuldbar diesen Weg gewählt zu haben? – Und womit? – Nun, weil mittel- und heimatlos[1] geworden – und doch als Oberhaupt des Erzhauses und Repräsentant der alten Ordnung genötigt irgendwie „über die Runden kommen zu müssen“, sich also eine „standesgemäße“ Lebensführung damit zu ermöglichen, indem man sich mit der Loge „arrangierte“? (Denn was bedeutete es anderes, sich dem Pan-Europa Erfinder und Ober-Freimaurer COUDENHOVE-KALERGHI zu unterwerfen?) – Nur, entschuldbar ist es natürlich nicht, - nur eine Erklärung.

    Nun ist solch ein Seitenwechsel in Frankreich, dem Erzfeind Österreichs bzw. Deutschlands, dem Land, das die Freimaurer regieren – Grand Orient oder Großloge, je nachdem ob Sozialisten oder „Bürgerliche“ an der Macht sind – kein Wunder. „... Frankreich hatte sich mit dem Gift der Aufklärung, dann dem des Deismus, schließlich dem des Pantheismus und dem des Atheismus infiziert und, aufgrund seiner geistigen Vormachtstellung, den ganzen Kontinent damit angesteckt; ...“[2]

    "Europa hat nicht begriffen, daß das wirkliche Thema das Christentum war, das man abgeschafft hatte, es hatte nicht begriffen, daß man, "weltlich frech oder weltlich verwirrt, mit steigender Leidenschaftsgeschwindigkeit, in Probleme sich verirrte, die sich nur göttlich beantworten, die nur das Christentum beantworten kann."[3] – Wie es scheint hat dies auch Otto VON HABSBURG, der Kaisersohn, nicht begriffen.

    Etwas muß auch noch erwähnt zu werden. Die Aristokratie und insbesondere das Erzhaus hält viel sehr auf ihr Vorrecht der Geburt, die Tradition des Blutes und sieht sich in einer langen Kette der Ahnen als Teil dieser Gesamtheit, die über den individuellen Tod hinaus wirkmächtig ist. Das sehen wir auch so, und aus diesem Grund können (und wollen) wir im historischen und geistigen Sinn diesen Vorrang auch nicht bestreiten, wie wir auch aus demselben Grund keine Einwände gegen eine Sippenhaftung machen.

    Gehen wir noch ein Stück zurück in der Geschichte. Die Heilige Allianz, die der drei Kaiser von Österreich, Deutschland und Rußland, hatte den großen Usurpator und Erben der Französischen Revolution, NAPOLEON BONAPARTE, besiegt. Sie waren sich einig im Kampf gegen die „Errungenschaften“ des Auf-klärichts, die atheistischen und materialistischen Ideen der jakobinischen Revolution. - Und sie befreiten Europa.

    Heute stellen wir eine Wende um 180 Grad fest: Otto VON HABSBURG, der Sohn des letzten Kaisers, hat sich nicht nur ins EU-Parlament – man kann es ruhig mit der französischen Constituante der Jahre 1789ff vergleichen - „wählen“ lassen, sondern er hat auch in unglaublicher Weise gegen Rußland und seine legitime Führung, Präsident Wladimir Wladimirowitsch PUTIN, Stellung bezogen [4].

    Er diffamiert Rußland als „extrem gefährlich“ und „begründet das mit seinem „Hinweis“ auf die „KGB-Herkunft“ des russischen Präsidenten. Er iteriert damit nur die Diktion des amerikanischen Hegemons – und jener Kalten Krieger, die mit dem Ost-West Konflikt die Welt gegeneinander aufgehetzt haben und dies immer noch tun [5]. Verschwiegen wird freilich, daß es amerikanisch-jüdisches Kapital war, das sowohl HITLER wie die russische Oktoberrevolution bis hin zu STALIN finanzierte. Da sich niemand vorstellen kann, daß dies dem Kaisersohn nicht bekannt ist, läßt dessen unglaubliche Position nur einen Schluß zu: er ist in der Tat nützliches Element im Netzwerk der Illuminierten geworden und hat sich damit auf die Seite des „Fürsten der Welt“ geschlagen.

    Ein Freund warf ein: ist das nicht zu hart ins Gericht gegangen? Otto VON HABSBURG hat sich doch jetzt gegen die Drahtzieher der letzten US Angriffskriege, die ja immerhin die Chefs seines „Vormundes“ COUDENHOVE-KALERGHI sind, erklärt. Das sei doch sehr beachtlich, wenn er es auch erst jetzt in seinem hohen Alter wagen konnte, was ihm bisher unmöglich war. – Gewiß ist es besser als zu schweigen, aber worin bestünde die Heldentat oder die Umkehr am Ende des Lebens? Kann eine einzige Erklärung jahrzehntelanges Wirken auf der falschen Seite aufheben? Noch dazu, wenn mit der Rußland-Hetze die alte Linie doch gar nicht verlassen wurde.

    [1] Das Habsburgergesetz in Österreich enteignete nicht nur den Familienbesitz, sondern verbot durch Jahrzehnte überhaupt die Einreise nach Österreich. Erst unter Bundeskanzler Bruno KREISKY, einem Sozialisten, wurde das Einreiseverbot aufgehoben.

    [2] Donoso CORTES, Polémica con la prensa espaniol, Briefe an die Zeitung El Pais und El Heraldo vom 16. Juli 1849, in Ders. Obras completas; II, Madrid 1970, S. 331 - 342, hier S. 340. (Zit nach CORTES, Diktatur.)

    [3] KIRKEGAARD, Das Eine, was not tut, in Zeitenwende 1/1927, S. 1 - 7. (Zit nach CORTES, Diktatur.)

    [4] The CDL Report, 19. Nov. 2002, Paris AFP, North European Service.

    • Johann Scheiber
      17. Mai 2013 12:41

      Lieber F.V., ich denke die zweite Verratslinie ist die sogenannte Austrian School of Economics, eine andere Finte des Hegemons.
      Wer Paneuropa oder Austrian School of Economics folgt, hat Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Österreichs und Europas preisgegeben, auch wenn das Blut tausend Jahre alt ist.
      Wo Tradition draufsteht, ist nicht immer Tradition drinnen. Ich denke aber das passiert in den allermeisten Fällen nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Dekadenz.
      Und dazu ist wiederrumzu sagen, und da stimme ich mit ihnen wohl nicht überein, lieber Villon, dass der Zerfall der alten Formen notwendig ist, damit Neues entsteht. Gefragt ist auf dieser Welt letztlich nicht der Adelige, nicht der Bürger, nicht der Proletarier, sondern der Mensch, genauer der Neue Mensch. Denn wir wissen ja, am Ende, dem wir uns jetzt möglicherweise mit Riesenschritten nähern, steht der erneuerte Mensch, die erneuerte Erde und der erneuerte Himmel.
      Daher die Götterdämmerung jetzt. Am Ende aber ist Christus, meinte Hölderlin.

  17. ProConsul
    16. Mai 2013 18:44

    Ich möchte Dozent Romig für seinen ausführlichen Gastkommentar danken. Es ist gut, dass es noch ein paar Intellektuelle gibt, die diese Zusammenhänge aufzeigen. Der Umfang ist so gewaltig, dass ich nur auf einige Punkte eingehen kann. Wenn es stimmt, dass Kapitalismus und Kommunismus miteinander verwandt sind „beide rationalistisch, beide mechanistisch, beide abstrakt, beide urban“, dann haben wir wohl die Wahl zwischen Pest und Cholera. Oder anders ausgedrückt: beide führen uns in einen Totalitarismus! Genau das entfaltet sich doch momentan vor unseren Augen. Gibt es einen Ausweg? Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass nur eine Kombination aus Monarchie, einer starke Kirche, einer ständische Ordnung, eine möglichst homogene Bevölkerung (darunter verstehe ich nicht 1 Million Ausländer in einem 8 Millionen-Volk) dem kommenden Totalitarismus entgegenstehen können. Da wir von einer solchen Ordnung meilenweit entfernt sind, obwohl wir 1934 schon sehr nahe waren, sehe ich absolut KEINE Hoffnung, irgendetwas aufhalten, oder ändern zu können. Österreich hat seine Zukunft verspielt, zuerst wurde die natürliche Ordnung (Thron und Altar) zerschlagen, nun wird das Bürgertum (Mittelstand) aufgerieben und zuletzt bleib ein multikultureller Haufen aus armen, ungebildeten Schluckern, die dem Geld- und Sozialisten-Adel aus der Hand fressen. Erst dann haben die internationalen Sozialisten ihr Ziel erreicht! Man kann den Marxismus sicher als jüdische Ideologie bezeichnen, das gibt auch Calergi zu, siehe seine Auszüge. "Das Denken von Marx ist letztendlich nichts als die säkularisierte Version traditioneller jüdischer Eschatologie." (Hervé Ryssen, Les origines religieuses du mondialisme)

    Zitat von Papst Benedikt XV.

    "Hier reift nun die Vorstellung von einer wahrhaft universalen Republik heran, die auf der absoluten Gleichheit der Menschen und der Geister beruht, aus welcher jede Unterscheidung nach Nationalitäten verbannt würde.... Falls diese Theorien in der Praxis umgesetzt werden, müssen sie unweigerlich eine noch nie dagewesene Schreckensherrschaft entfesseln." (Papst Benedikt XV. Motu proprio, 25. Juli 1920)

    „Der Sozialismus, gleichviel ob als Lehre, als geschichtliche Erscheinung oder als Bewegung, auch nachdem er in den genannten Stücken der Wahrheit und Gerechtigkeit Raum gibt, bleibt mit der Lehre der katholischen Kirche immer unvereinbar. Er müsste denn aufhören, Sozialismus zu sein: der Gegensatz zwischen sozialistischer und christlicher Gesellschaftsauffassung ist unüberbrückbar.“ (Quadragesimo anno, Enzyklika, Pius XI)

    • Kreuzweis (kein Partner)
      25. Mai 2013 13:30

      >>
      Ohne den Hauptinhalt unseres Gespräches zu berühren, werde ich nur eine sehr merkwürdige Bemerkung anführen, die sich diesem Herrchen [Leiter der Pariser Geheimpolizei] plötzlich entrang:
      "Wir", so sprach er, "fürchten eigentlich nicht allzusehr alle diese Sozialisten, Anarchisten, Atheisten und Revolutionäre; wir geben auf sie acht, und ihre Schritte sind uns bekannt. Es sind aber unter ihnen, wenn auch ganz vereinzelt, einige ganz besondere Persönlichkeiten: das sind die, die an Gott glauben, die Christen und gleichzeitig Sozialisten sind. Sehen Sie, die fürchten wir mehr als alle. Das ist ein schreckliches Volk! Der sozialistische Christ ist schrecklicher als der sozialistische Atheist."

  18. fokus
    16. Mai 2013 12:44

    Wenn dieser Coudenhove-Calergi als geistiger Vordenker der EU gilt, muß man sich nicht mehr über deren Zustand wundern, daß sie nämlich in ihrer tiefsten Krise steckt und schwerst vom Zerfall bedroht ist. Mögen wir seine zum Großteil befremdenden Visionen als "aus der Zeit geboren" entschuldigen und sie nicht weiter in die Gegenwart wirken lassen.

    Deshalb empfehle ich lieber erhellende Literatur, wie zum Beispiel "Abschied vom Superstaat - Vereinigte Staaten von Europa wird es NICHT geben".
    Der großartige Visionär Prof. Hermann Lübbe war seiner Zeit weit voraus und wußte schon 1994, daß ein solches Projekt zum Scheitern verurteilt ist.

  19. Scipio
    16. Mai 2013 09:17

    Danke dafür, dass hier in ruhiger, nichtpolemischer und sachlicher Form die „falsche“, in Wahrheit sogar „verrückte Idee“ der „Vereinigten Staaten von Europa“ und „Paneueropa“ auf die Schaufel genommen wird. Coudenhove-Kalergi war ja wohl ein Schwadronierer der Oberklasse. Lenin und Trotzki Repräsentanten des „neuen Adels“! Bolschewisierung Europas eine „Reinigung“ (Katharsis)! Europa religiös, moralisch, ethisch „jüdisch“! Die „jüdische Herrenrasse“ berufen zur Führung Europas! Geht´s noch ärger? Ist das die geistige Grundlage der "Europäischen Union"?? Dann weg mit ihr!
    Auch wenn man nicht von „Verschwörungstheorie“ reden will, greift man sich an den Kopf: Hochadel, Kirchenfürsten, hohes Rabbinat, Hochfinanz, Hochbürokratie, hohe Militärs, „hohe“ Politik, Hochgradfreimaurer und Großindustrie mit Sozialisten, Bolschewisten und bürgerlichen Liberalen ziehen bei der Verwirklichung der „Vereinigten Staaten von Europa“ oder „Paneuropa“ am gleichen Strang. Sie alle wollen die Nationen aufzulösen! Sie merken gar nicht, dass das nur in einer unvorstellbaren Schreckensherrschaft und Diktatur enden kann. Haben sie noch nie etwas von der „Brave New World“ gehört, die „Animal Farm“ nicht gelesen oder die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ ignoriert?

    „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

    An den Völkern liegt es jetzt, sich zu wehren!

    • brechstange
      19. Mai 2013 16:00

      Sie ziehen nicht mehr am gleichen Strang. Eine Gegenbewegung hat eingesetzt.

    • Scipio
      19. Mai 2013 16:44

      @Brechstange

      Könnten Sie Näheres über die Gegenbewegung in den genannten Kreisen näheres ausführen? Im Paneuropaheft 6/2012, in dem über den Festakt berichtet und die diversen Reden abgedruckt wurden, waren sie noch alle vereint.

    • brechstange
      19. Mai 2013 19:48

      scipio
      Ich werde sobald das Referat auf einer öffentlichen Seite steht, Ihnen einen Link zukommen lassen. Außerdem mehren sich immer mehr Stimmen, die die Sackgasse sogar öffentlich ansprechen. Wie gesagt, es bedarf sicher noch der Aufmerksamkeit unsererseits und auch des Widerstands der Bürger. Am besten man wählt weder SPÖVP, Grün noch Neos.
      Übrigens sprach erst kürzlich ein ehemaliger Kohl-Berater von einem Baustein-Europa, das keine Katastrophe wäre. Mir scheint die Bewegung ist da.

    • F.V. (kein Partner)
      20. Mai 2013 12:43

      Brechstange,

      daran wäre ich auch interessiert.

  20. Johann Scheiber
    16. Mai 2013 09:09

    Ich hatte mich als Student in Wien für die Paneuropabewegung interessiert und bin so mit den Schriften von Coudenvove-Kalergi in Berührung gekommen. Ich war schwer geschockt und hatte das Gefühl die Schriften eines schwer Geisteskranken zu lesen. Seitdem ist für mich alles, was mit Pan-Europa zusammenhängt, einfach ein Greuel. Das schlimmste für mich zu akzeptieren war, dass das große Haus Habsburg offenbar die Führung einer dubiosen Sekte übernommen hatte.

    Es ist mir ein unlösbares Rätsel, wie jemand wie Coudenhove-Kalergi die europäische Kultur, den europäischen Geist und das Christentum in eine derartig diabolische Verdrehung hineinbringen und dann auch noch hinter seinen odiosen Ideen prominenten Anhang versammeln konnte. Ich denke das ist so etwas wie eine Summe der Dekadenz, ein Anti-Thomas, und zeigt, wie weit die sogenannte Elite Europas sich von den geistigen Ursprüngen des Kontinents entfernt hat.

    Das Grauenvollste aber ist, dass sich des wahnsinnigen Coudenhoves Vision, als unser aller Alptraum, in Europa und darüber hinaus gerade materialisiert.
    So wird sich zeigen, das Geld-, Geist-, und Blutadel, Sozialdemokratie und Christdemokratie, Kommunisten und Liberale und alle sonstigen Resttraditionen und Traditionenverwerter uns alle auf eine einzige Höllenfahrt geführt haben.

    Da wird ziemlich viel auf einmal untergehen!

    Danke, Dr. Romig, für die ausführliche Darstellung. Vielen Menschen sollten da Augen und Ohren aufgehen.

    • Komma
      16. Mai 2013 09:43

      @Johann Scheiber:

      Und in dieser "Wahnsinnsvision" sieht Herr Spindelegger (ÖVP!) die Zukunft Österreichs! AU berichtet darüber heute in seinem Blog.

    • F.V. (kein Partner)
      18. Mai 2013 10:24

      Ich war einmal in den Räumlichkeiten der Paneuropa-Bewegung, ich glaube anläßlich der Vorstellung des Lexikons des Konservatismus. (Ein eigentlich merkwürdiger Gegensatz.)

      Das Wappen an der Wand der Paneuropa-Bewegung war von einem Sternenkranz umgeben – den 5-zackigen Sternen! – wie auf der Europafahne oder allen Nationalflaggen sozialistischer Länder.

      Romig kritisierte diese „falsche“ (= verräterische) Symbolik, worauf ein Besucher meinte, diese Sterne symbolisierten doch den Sternenkranz Mariens (der freilich von 6- oder 8-strahligen Sternen gebildet wird). Darüber entspannte sich ein kurzer Wortwechsel, da der Besucher partout nicht einsehen wollte oder konnte, daß hier Welten zwischen beiden Symboliken liegen.

      Romig, durchaus bekannt für klare Worte, bezeichnete diese mangelnde Einsicht in Offensichtliches als Dummheit, und ich weiß nicht mehr, ob nicht auch den störrischen Besucher als Dummkopf. Der war jedenfalls „beleidigt“; aber Wahrheit tut halt weh. Aber nur beim ersten Mal.

      Spindelegger kapiert leider auch nicht.

  21. diko
    16. Mai 2013 06:46

    @ Friedrich Romig, DANKE!
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