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Ein Jemen mit vielen Atomwaffen und vielen Rohstoffen …

… sowie vielen, vielen Quadratkilometern. Aber sonst erschütternd rückständig. Das ist Russland heute. Das ist ernüchternd. So wird Russland von der Ukraine vorgeführt. So sieht auch das Bild aus, welches das groß beworbene russische Weltwirtschaftsforum in Petersburg abwirft. Dessen Tenor: Putin home alone.

Wie einsam der russische Präsident geworden ist, zeigt die Teilnehmerliste seines heurigen Wirtschaftstreffens in Petersburg. Eine islamische Staatspräsidentin aus Tanzania mit Kopftuch, die Taliban aus Afghanistan, Belarus, eine zweitrangige Delegation aus China und eher überraschend Exponenten Saudi-Arabiens (das offensichtlich den USA dadurch ein Warnsignal schicken will, sich nicht allzu einseitig an die Seite der Golfemirate zu stellen). Dazu kommen zweitrangige Exponenten der AfD: Das war es dann auch schon weitgehend, wer Putin besucht hat, der alle Welt eingeladen hat.

Zur Ehre der FPÖ sei gesagt, dass sie im Gegensatz zur deutschen Schwesterpartei nicht nach Petersburg gefahren ist. Was auch immer die Ursache ist: Sei es, dass man auch bei der FPÖ erkannt hat, wie wenig derzeit für Russland spricht; oder sei es, dass seit Kickls Parteiführung generelle Scheu vor allen internationalen Kontakten herrscht (wo man ja Englisch reden muss); oder sei es, dass die FPÖ ihre Regierungsfähigkeit nicht durch solche Auftritte gefährden will.

Gleichzeitig zu seiner Isolierung muss Russland, muss Putin die Demütigung hinnehmen, dass exakt zu seinem Wirtschaftsforum eine ukrainische Drohne quer über Russland nach Petersburg fliegen und die dortigen Ölanlagen in Brand schießen konnte.

Die Russen haben auch Armenien als Gefolgsland verloren. Dabei war Russland einst im Zeichen einer gewissen orthodoxen Solidarität lange Schutzmacht der Armenier gegen das islamische Aserbaidschan gewesen, mit dem Armenien etliche Grenzkonflikte hat und das armenische Gebiete erobert hat. Da aber Russland wegen des Krieges mit der Ukraine keine ausreichenden militärischen Kapazitäten mehr hat, um Armenien zu sichern, hat sich dieses ganz massiv dem Westen, insbesondere den USA zugewandt.

Russland kann auch Kuba gegen die USA nicht mehr helfen, genauso wenig wie es Venezuela retten oder wie es seinen plötzlichen Freund in Iran entscheidend unterstützen hat können. Und selbst bei Belarus gelingt es ihm nicht wirklich, das scheinbar von Russland abhängige Land ganz in den Krieg zu ziehen. Denn Minsk strebt eher nach einer Schaukelpolitik zwischen Russland und dem Westen. Ein Signal dafür war die Freilassung Dutzender politischer Gefangener auf Bitte Donald Trumps.

Das alles ist für Putin blamabel. Auch noch so großsprecherische Töne des russischen Präsidenten können nicht mehr darüber hinwegtäuschen: Um ihn ist es sehr einsam geworden.

Einerseits wirken ganz offensichtlich die euroamerikanischen Sanktionen. Andererseits stellt sich trotz des Irankrieges und der Reduktion der Öl- und Gas-Exporte aus dem Golf niemand mehr um Energielieferungen aus Russland an, selbst wenn russisches Öl deutlich unter dem Weltmarktpreis erhältlich ist. Offensichtlich kann Russland aber auch nicht mehr so viel exportieren wie früher, sind doch etliche Öllager und Leitungen von den erfolgreichen ukrainischen Angriffen zerstört worden. Außerdem muss Russland durch landgebundene Leitungen ohnedies seine neuen Verpflichtungen gegenüber den Chinesen und auch den Indern erfüllen.

Um Putin ist es aber auch nach innen einsam geworden. Viel spricht dafür, dass die russische Bevölkerung immer missmutiger über den Krieg und seine Opfer geworden ist. Im Gegensatz zum zweiten Weltkrieg gelingt einfach keine moralisch-emotionale Mobilisierung.

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat mit seinem offenen Brief an Putin zweifellos Recht, dass der Krieg von Anfang an eine einsame Angelegenheit Putins gewesen ist und weiterhin ist. Jedenfalls ist weit und breit kein zweiter, dritter oder vierter Mann sichtbar, der die Macht übernehmen würde und könnte, wenn Putin – durch was für einen Schlag immer – außer Gefecht gesetzt sein sollte. Vorsichthalber hat Putin auch gar keinen hochkommen lassen. Er lebt immer mehr die paranoide Einsamkeit des Diktators, der sich vor allem fürchtet, der ständig aus Angst nicht nur vor äußeren, sondern auch inneren Feinden sogar seinen Wohnsitz meist geheim hält und der mehrere baulich identische Paläste hat, sodass nicht einmal Fernsehbilder seiner Auftritte verraten können, wo er gerade ist.

Umgekehrt ist natürlich klar, dass offene Briefe wie der Selenskyjs keineswegs geeignet sind, um Friedensverhandlungen einzuleiten, sondern nur der internationalen Propaganda dienen. Denn Verhandlungen führt man nicht mit offenen Briefen. Aber auch jedes Wort Putins dient eindeutig nur der Propaganda und nicht einer echten Friedenssuche. Und auf das Angebot eines persönlichen Treffens mit Selenskyj einfach zu sagen, dieser solle halt nach Moskau kommen, ist der Gipfel der Provokation. Putin hätte ja irgendeinen neutralen Ort vorschlagen können, wo er ebenfalls um seine persönliche Sicherheit keine Sorgen haben müsste. Dutzende solcher Orte haben sich schon angeboten. Aber ganz offensichtlich will Putin gar keinen Frieden. Denn die gesamte russische Wirtschafts- und Macht-Struktur ist in den letzten Jahren ganz auf Krieg umgestellt worden. Putin braucht geradezu den Krieg. Plötzlicher Friede würde Russland völlig durcheinanderbringen und ihn persönlich gefährlich schwächen.

Das ukrainische Angebot eines Waffenstillstands an der gegenwärtigen Frontlinie ist jedenfalls ein großes Zugeständnis der Ukraine. Hat diese doch bisher den Anspruch auf Befreiung ihres ganzen Gebiets im Zentrum gehabt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde sich eine Waffenstillstandslinie ja im Laufe der Wochen, Monate und Jahre zu einer Grenze verfestigen. Das haben wir ja schon so oft in der Geschichte gesehen. Man schaue etwa auf die indisch-pakistanische "Grenze", die nie wirklich geklärt worden ist, und dennoch ist der Krieg zwischen den beiden Ländern derzeit weitgehend eingeschlafen.

Manche meinen nun, auch Russland habe schon einen Verzicht angedeutet, wenn es nur noch von der "Befreiung" der fünf von ihm beanspruchten Provinzen im Osten und Süden spricht, die es trotz aller Anstrengungen nur zum Teil erobern hat können, und nicht mehr wie früher die Befreiung der ganzen Ukraine von einem angeblichen "Nazi"-Regime verlangt.

Auf der anderen Seite lehnt die Ukraine einen weiteren Landverlust über die gegenwärtige Frontlinie hinaus strikt ab - gleich aus mehreren Gründen:

  1. Die ukrainische Bevölkerung ist trotz des Raketenterrors massiv und prinzipiell gegen jeden freiwilligen Gebietsverlust;
  2. Keine Regierungin Kiew könnte den Ukrainern erklären, warum so viele ihrer Landsleute bei Verteidigung dieser Gebiete umgekommen sind, wenn diese dann doch freiwillig hergegeben werden.
  3. Die Ukraine würde durch Aufgabe der von Russland beanspruchten Gebiete auch militärstrategisch ins Hintertreffen geraten, hat sie doch dort einen bisher erfolgreichen Verteidigungs- und Festungsgürtel aufgezogen, der den Russen kein Vorwärtskommen erlaubt.
  4. Gibt die Ukraine den Rest dieser Provinzen ganz auf, dann könnte Russland hingegen noch ganz leicht sein ursprüngliches Kriegsziel erreichen, also die ganze Ukraine erobern und dort ein willfähriges Marionettenregime einsetzen, was für ganz Europa eine bedrohliche Situation schaffen würde.

 Letztlich hängt es einzig von der Person Putins ab, ob das Morden noch jahrelang weitergeht. Denn Putin lebt ganz eindeutig – wie etwa einst ein Hitler, Mussolini oder Stalin – in einem totalen Traum, als ganz Großer in die Geschichte einzugehen, als einer, der das Imperium seines Landes erweitert hat, wie  einer, dem in Russland nur Peter der Große und Stalin gleichkommen. Aus diesem Ego heraus ist er niemals dazu imstande, eine Niederlage einzugestehen oder einen Kompromiss einzugehen, den er nicht als totalen Sieg verkaufen kann. 

Das lässt naturgemäß die Ukraine intensiv nachdenken, ob nicht doch ein Anschlag auf Putin selber Sinn machen würde. Zwar würden die russischen Streitkräfte darauf gewiss einmal heftig reagieren, aber gleichzeitig würden die Karten in Russland neu gemischt und es gibt zumindest eine gewisse Chance, dass der neue Mann, der sich da durchsetzt, mittelfristig vernünftiger und weniger von dem Ehrgeiz getrieben wird, unbedingt als Mehrer des Reichs in die Geschichte eingehen zu wollen, sondern mehr das Wohl der Russen im Auge hat.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

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