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Was macht eigentlich Sebastian Kurz trotz seiner gravierenden Fehler auch noch nach einem Jahrzehnt so relevant, dass sein eventuelles Comeback und die gestiegenen Chancen darauf die derzeitige politische Szene so erbeben lassen? Die Ursachen dafür liegen erstens in seiner Persönlichkeit, zweitens in der politischen Lage und drittens in seiner andere ÖVP-Politiker übertreffenden Fähigkeit, die Lage richtig einzuschätzen.
Im Detail aber zuerst seine Fehler.
Da steht zweifellos das "Koste es, was es wolle" am Beginn der Corona-Krise an der Spitze, mit der alle Österreicher von den Folgen der Pandemie und der diversen Lockdown-Phasen befreit werden sollten. Das war ein schwerer wirtschaftspolitischer Fehler. Denn so wie derzeit der Versuch absurd ist, die Bevölkerung von den Folgen der dramatischen Energieverknappung zu befreien, so war es ja auch zu seiner Zeit schon ein ökonomisches Naturgesetz: Solche schweren externen Erschütterungen treffen unweigerlich immer alle Bürger. Und wer das populistisch verhindern will,
Ein weiterer schwerer Kurz-Fehler war zweifellos der Abschuss von Herbert Kickl als Innenminister ohne wirklich haltbaren Grund, nachdem H.C. Strache wegen seines Ibiza-Gelalles zurücktreten hat müssen.
Ein ganz schwerer Fehler war weiters das Überlassen des Justizministeriums an eine linksradikale Politgefährtin des Peter Pilz, was zu seinem eigenen Abschuss führte. Kurz ging wohl wegen der Nichtvollendung seines eigenen Jus-Studiums instinktiv dem Thema aus dem Weg (wobei aber die ÖVP auch selbst in der Vergangenheit bei der Besetzung des Justizministeriums mehrfach eine unglückliche Hand hatte).
Kurz hat auch sonst in der Personalpolitik der ÖVP sowohl auf Regierungs- wie auch auf Klubebene mehrere schwere Fehler gemacht: Diese sorgten für ein totales Vakuum der ÖVP im Bereich von Justiz und Kultur sowie für eine völlig unzureichende Aufstellung in der Wirtschaftspolitik, wo ja früher ein exzellenter Finanz- oder Wirtschaftsminister immer in der ÖVP die fast genauso wichtige Nummer zwei gewesen ist.
Nichtsdestotrotz war Kurz hinter Wolfgang Schüssel, Julius Raab und Josef Klaus der weitaus fähigste ÖVP-Chef. In der wahrscheinlich wichtigsten Eigenschaft eines Spitzenpolitikers übertraf er sogar auch diese drei: Das ist seine exzellente Kommunikationsgabe, mit der er sowohl unter vier Augen wie auch vor Tausenden Zuhörern Zustimmung und Sympathie auslösen konnte. Im Gespräch gelang ihm das nicht zuletzt durch die Fähigkeit, den Eindruck zu erwecken, am jeweiligen Gesprächspartner interessiert zu sein (was viele andere Politiker nicht einmal versuchen).
In einer anderen Hinsicht liegt er freilich hinter den genannten Drei zurück: Er war sachpolitisch sicher nicht so tief in die einzelnen diffizilen Materien der Politik eingedrungen wie diese.
Fast in allen europäischen Demokratien bläst den Regierenden ob der gravierenden Folge der dichten Abfolge von Pandemie, Massenmigration aus der islamischen Welt und zwei vor allem die Energieversorgung bedrohenden Kriegen der Sturm ins Gesicht. Die Bürger waren jahrzehntelang von der Politik verwöhnt worden, dass ihnen diese alle Unbill fernhält, dass der Wohlstand ohne sonderliche Anstrengung immer größer wird. Das ist in Wahrheit überall auf Kosten der Staatsverschuldung gegangen, die nun nicht mehr tragbar und ausweitbar ist. Die ganze Entwicklung kann man auch als fatale Sozialdemokratisierung Europas bezeichnen, das nun von den Mehrfach-Schocks gegen die Wand geschleudert wird.
Daher herrscht auch in Österreich eindeutig Wende- und Wechselsehnsucht. Diese richtet sich überall nach rechts; vor allem weil die Linke – neben Angela Merkel und nationalen wie europäischen Höchstrichtern – eindeutig die historische Hauptschuld an der islamischen Migration trägt. Diese Wendestimmung kommt eindeutig der FPÖ zugute, käme aber ebenso eindeutig noch mehr einem wiederantretenden Sebastian Kurz zugute,
Die folgenden Erkenntnisse hätte auch jeder andere ÖVP-Politiker treffen können, aber aus Political correctness, unter dem Druck des linken Medien-Mainstreams hat es kaum einer gewagt:
Eine ganz ähnliche Lageeinschätzung wie Kurz haben auch schon Schüssel und Alois Mock gehabt. Nur ist Mock letztlich an der erbitterten Opposition des damaligen Erhard-Busek-Flügels gescheitert.
Es gibt in der gegenwärtigen Situation nur eine einzige politische Strategie, wie diese aufgelisteten Erkenntnisse erfolgreich in die wirkliche Politik umgesetzt werden können. Diese kann man in Anklang an die italienische Premierministerin als die Meloni-Strategie bezeichnen. Diese kann die ÖVP am besten im Konsens mit der FPÖ verfolgen.
Im Konsens würde das bedeuten, dass sich beide Rechtsparteien im Idealfall VOR der Wahl gemeinsam darauf festlegen, nachher die Regierung zu bilden, dass die erfolgreichere Partei den Bundeskanzler stellt, und dass man sich vor der Wahl auch öffentlich auf ein halbes Dutzend sehr konkreter Eckpunkte wie Abschiebungen, Pensionsreform, Anti-Gendern, Anti-Woke-Reformen, Abschaffung der Zwangsgebühren sowie eine Pro-Ukraine und Pro-EU-Außenpolitik festlegt, was zum Teil den FPÖ- und zum Teil den ÖVP-Positionen entsprechen würde.
Selbst wenn die FPÖ die Zustimmung zu einem solchen Pakt verweigert, sollte die ÖVP klugerweise auch ohne Zustimmung der FPÖ schon vor der Wahl sagen, dass man bereit ist, mit der FPÖ zu koalieren, ihr bei entsprechender Mehrheit auch den Bundeskanzler zu überlassen, sofern man sich auf diese Punkte einigen kann.
Eine solche Klärung schon vor der Wahl hat den italienischen Rechtsparteien zuletzt große Siege eingebracht, nachdem dort lange links regiert worden ist.
Kurz scheint derzeit weit und breit der einzige Politiker zu sein, der eine solche Strategie umsetzen kann. Das spüren die Österreicher ganz offensichtlich, anders wären diese Umfrageergebnisse nicht erklärbar, die eine ÖVP mit Kurz so viel besser abschneiden lassen als eine ohne Kurz. Die Österreicher spüren, dass es ohne Kurz weiter so gehen wird wie bisher: Die Mehrheit der Wähler steht rechts der Mitte, aber die Politik geht weiter nach links, weil ohne Schwarz-Blau immer Rot oder Grün in der Regierung sitzen.
Was wir uns nicht mehr lange leisten können.