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Wenn man keine eigenen Ideen hat, dann klaut man einfach Ideen eines Vorgängers. Das ist in vielen Fällen gar nicht so schlecht. Das wird aber peinlich, wenn man das Imitierte als eigene Idee ausgibt – und wenn dann die Imitation katastrophal schlecht wird. Aber zugegeben: Was soll ein (hoffentlich) besserer Buchhalter sonst auch machen, wenn er plötzlich zum obersten Chef des (dank gesetzlich garantierter Zwangsgebühren) größten österreichischen Medienunternehmens wird?
Zwei theoretisch die Nachkriegszeit widerspiegelnde Folgen von "Österreich – Die ganze Geschichte" machen endgültig klar, dass die in der damaligen Koalition ausgehandelte Festlegung auf Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor zu den allerschlechtesten Entscheidungen des Sebastian Kurz gehört hat. Das bestätigt auch, dass Kurz bei all seinen charismatischen Fähigkeiten und seiner politischen Konzentration auf einige wesentliche Punkte, keinerlei Gespür in Personalauswahl gehabt hat. Was sich ja auch sonst mehrfach, etwa bei der Ministerauswahl, gezeigt hatte.
Jede Sekunde muss man bei der televisionären Umsetzung der "Idee" des Roland Weißmann voller Sehnsucht an die großartigen Werke Österreich I und Österreich II des Hugo Portisch denken, die einst nach einer damals wirklich eigenständigen Idee des Gerd Bacher entstanden sind, die man auch beim zehnten Mal mit Begeisterung anschaut.
Daran ändert auch der skurrile Trick nichts, dass die von Weißmann beauftragten Macher Hugo Portisch als Nachkriegs-Journalisten immer wieder durch einen Schauspieler verkörpert auftreten lassen, offenbar um den Eindruck zu erwecken, dass das eh kein Gegenprojekt zu Portischs Österreich I und II sein soll. Die Portisch-Imitation erweckte aber primär den Eindruck der Leichenfledderei. Dabei überging man – natürlich – die große Fehlleistung des sonst zweifellos großartigen Portisch, als dieser monatelang bis zum August 1968 den Österreichern als ORF-Reporter versichert hatte, dass die Russen nicht in die Tschechoslowakei einmarschieren würden (was, nebenbei vermerkt, auch an spätere "Propheten" erinnert, die immer wieder erklärt haben, dass die Russen nicht in der Ukraine einmarschieren werden, und die jetztigen Propheten, die immer wieder versichern, dass von den Russen keine Gefahr ausgehe, weil sie doch so friedliebend seien).
Das Weißmann-Projekt hat außer katastrophalen inhaltlichen Fehlern und Einseitigkeiten vier eigenständige Elemente, die aber allesamt extrem problematisch sind:
Es wird überhaupt der Eindruck erweckt, dass praktisch nur Sozialisten die Geschichte Österreichs geprägt haben. Die in Wahrheit im ersten Vierteljahrhundert nach dem Krieg entscheidenden ÖVP-Kanzler Figl, Raab und Klaus kamen praktisch gar nicht oder nur kurz und dann negativ ins Bild.
Einige weitere Übelkeit erregende Schlaglichter aus dem teuren Machwerk:
Diese und viele andere Details machen es wirklich zu einer Schande, dafür jede Menge Zwangsgebühren auszugeben, die Serie unter den Titel "Die ganze Geschichte" zu stellen und damit auch unterschwellig auf die Portisch heruntermachende Phrase "Die wahre Geschichte" anzuspielen. Dabei ist die Serie für das 20. Jahrhundert maximal eine filmisch verunglückte Sammlung von skurrilen Fußnoten zur Zeitgeschichte unter dem Sammeltitel: "Wie die SPÖ die Geschichte gerne umgeschrieben hätte."