Die unbestreitbare Opferrolle Österreichs

Als im Europa der 1930er Jahre das Gefahrenpotenzial des Nationalsozialismus zu wachsen begann und zur realistischen Bedrohung wurde, buckelte ganz Europa vor Adolf Hitler. Österreich war der erste und einzige Staat, der konkrete politische und gesetzliche Maßnahmen gegen die Ausbreitung der nationalsozialistischen Machtansprüche ergriffen hat. Keine fünf Monate nach Hitlers Machtergreifung wurden im Juni 1933 die NSDAP und alle ihre Gliederungen in Österreich verboten!

Österreichs Bundeskanzler Engelbert Dollfuß bezahlte diese Kampfansage als einziges staatsmännisches Opfer des NS-Regimes mit seinem Leben.

Fünf Jahre lang, von 1933 bis 1938, kämpfte Österreich einen heldenhaften Kampf um seine Selbständigkeit und gegen Hitlers immer deutlicher werdende Aggressionspolitik.

In diesen fünf Jahren bewährte sich Österreich als Hoffnung und Zuflucht für politisch und rassisch verfolgte Künstler und Intellektuelle.

Das gesamte Ausland ließ Österreich in diesem Kampf allein. Mehr noch: Hitler-Deutschland wurde durch die Sieger des Ersten Weltkriegs, die längst ihre Interessenlagen verändert hatten, zur Einverleibung Österreichs ermuntert. Gleichzeitig wurde den Österreichern empfohlen, den Anschluss selbst herbeizuführen.

Vor allem Frankreich und Großbritannien zeigten auf Hitlers gigantische Aufrüstung und seine offenbar unterschätzte Expansionspolitik keinerlei Reaktionen. Zu spät kam die Einsicht, dass diese Staaten militärisch einem Kampf gegen Hitler in keiner Weise mehr gewachsen waren.

Österreich war das erste Opfer der deutschen Expansionspolitik, aber auch ein billiges Bauernopfer der Alliierten zur vermeintlichen Ruhigstellung Hitlers, bis sie wieder das militärische Gleichgewicht hergestellt hatten, was bis 1940 weder Frankreich noch England gelang.

Hitler und Göring nutzten 1938 diese politische Großwetterlage zum gewaltsamen Anschluss Österreichs, wie aus ihren ganz konkreten Befehlen hervorgeht: größte Rücksichtslosigkeit bei militärischen Aktionen, standrechtliche Hinrichtungen.

Die Blitzkriege gegen die weit größeren Staaten Polen 1939 und Frankreich 1940 sowie die Anfangserfolge gegen die Sowjetunion 1941 bewiesen die Sinnlosigkeit eines militärischen Widerstands Österreichs. Ein Schießbefehl für das schwache österreichische Heer konnte menschlich nicht vertreten werden: "Das Vergeltungsgemetzel wäre fürchterlich gewesen."

Keinesfalls wäre Hitler im Rahmen einer freien Entscheidung mit Zustimmung einer Bevölkerungsmehrheit in Österreich an die Macht gekommen! Es ist inakzeptabel, dass Politik und Wissenschaft die Minderheit verabsolutieren und die Mehrheit ignorieren.

Die Stärke der NSDAP in der österreichischen Gesamtbevölkerung erreichte nie mehr als 30 Prozent. Allerdings verstanden es die Nazis, ihre Anhänger auf die Straße zu bringen. So wurde der Einmarsch der deutschen Truppen zum scheinbaren Blumenkrieg.

Zumindest 70 Prozent der österreichischen Bevölkerung waren gesinnungsmäßig keine Nationalsozialisten und wurden zum Opfer einer totalen Diktatur. "Mit dem 13. März 1938 wurde jeder, der nicht mitmarschierte, ein Staatsbürger dritter Klasse." Trotzdem werden diese 70 Prozent des Volkes, die nicht mitmarschierten, und deren Nachkommen seit nunmehr 75 Jahren für die höchstens 30 "braunen" Prozente in Geiselhaft genommen und für die Verbrechen dieser Minderheit verleumdet und bestraft.

Österreich wurde in den Märztagen 1938 ausgelöscht. Auch mit den absurdesten dialektischen Verrenkungen lässt sich zwischen 13. März 1938 und 27. April 1945 kein existierendes oder gar handlungsfähiges Österreich konstruieren. Was nach dem Willen der Siegermächte des Ersten Weltkriegs 1918 "übrig geblieben" war, stand sieben Jahre politisch, medial, kulturell, wissenschaftlich und administrativ ohne jede Möglichkeit eigener Gestaltung unter dem Diktat Berlins. Daher wurde 1955 auch die Mitschuldklausel Österreichs aus dem Entwurf des Staatsvertrages gestrichen.

Das österreichische Volk aber wurde Opfer des Anschlusses, Opfer eines fremden Krieges, Opfer einer zehnjährigen Besetzung und am Ende Opfer einer nun mehr als 75 Jahre dauernden Demütigung und Verleumdung.

Allzu oft ausgeklammert werden in geschichtlichen Rückblicken jene Österreicher, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ihr Leben gegeben oder zumindest riskiert haben, nur weil ihre Taten nicht in die Verleumdungskampagne gegen die österreichische Kriegsgeneration passen. Ausgeklammert werden die vielen, die man "Helden im Alltag" nennen muss, die aus allen politischen Lagern kamen, darunter nicht wenige Katholiken: Priester, Ordensleute und Laien, die in die Konzentrationslager verbracht und ermordet wurden.

Auch das ist klar: Es gab österreichische NS-Fanatiker und Sympathisanten, Opportunisten, Mitläufer, Mittäter – sie blieben aber einschließlich der Illegalen und der eingeschriebenen Parteigenossen immer nur eine Minderheit. Nur ein Teil dieser Minderheit hat auch persönliche Schuld auf sich geladen.

Es gab in dieser braunen Minderheit auch Schwerverbrecher, die sich aber nie als Österreicher gefühlt haben und mehrheitlich ihre Strafe fanden. An der Bevölkerungszahl gemessen hat das 1945 wiedererstandene Österreich mehr Schuldige hingerichtet und bestraft als jeder andere Staat.

Aber auch diese Verbrecher und die anderen Mittäter und die Mitläufer und Sympathisanten können nicht die Kollektivschuld der deutlichen Mehrheit des österreichischen Volkes begründen, das in vierfacher Weise das Opfer einer gnadenlosen Zeit geworden war.

Wer die unbestreitbare Opferrolle Österreichs und der Österreicher leugnet, kann für diese zentrale Lüge der Zeitgeschichte nur unlautere Gründe haben, zumal das Opfer Österreich für dieses Schicksal nie entschädigt wurde, sondern immer nur selbst bezahlt hat – zunächst bis zum Staatsvertrag mit weiteren zehn Jahren Freiheitsverlust, später durch die Demütigung seitens moralisch höchst zweifelhafter Instanzen, durch einen parteipolitischen Kleinkrieg der Linken zur Ablenkung von Fehlentwicklungen der eigenen Geschichte, durch die Gehirnwäsche an Generationen von Nachgeborenen in Form gezielter Verleumdung ihrer Vorfahren und nicht zuletzt durch 75 Jahre Tributzahlungen in der Höhe eines Mehrfachen dessen, was der Rechenstift ausweist.

Dieser Text stammt aus dem eben erschienenen Buch von Willi Sauberer "Die gescholtene Kriegsgeneration Eine Rot-Weiß-Rote Faktensuche." Bestellungen: Österreichischer Milizverlag, Schwarzenbergkaserne Objekt 48, 5071 Wals. Mail: milizverlag@miliz.at. Fax: 050201-80-17414. Homepage: www.miliz.at.

Willi Sauberer, Schüler Hugo Portischs, war ab 1961 Mitarbeiter von Alfons Gorbach, Josef Klaus und Hermann Withalm und von 1971 bis 1994 Chefredakteur einer kleinen Salzburger Tageszeitung. Der konservative Publizist schreibt vorwiegend über gesellschaftspolitische, zeithistorische und lokalgeschichtliche Themen.

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alle Kommentare

  1. Klaus Kastner (kein Partner)

    Bei der letzten Persönlichkeitswahl der Weimarer Republik ("Reichspräsidentenwahl 1932") erlangte Hitler in der Stichwahl 36,8% der Stimmen. Bei der letzten Reichstagswahl vor Hitlers Machtübernahme ("Reichstagswahl November 1932") erreichte die NSDAP 33,1% der Stimmen. Daraus ließe sich gemäß der Logik des Autors folgendes schließen:

    "Auch das ist für Deutschland klar: Es gab deutsche NS-Fanatiker und Sympathisanten, Opportunisten, Mitläufer, Mittäter – sie blieben aber immer nur eine Minderheit. Nur ein Teil dieser Minderheit hat auch persönliche Schuld auf sich geladen."



  2. Wolfram Schrems

    Danke für diesen interessanten Artikel, dessen Grundaussage ich zustimme!

    Leider sind es unehrenhafte Gestalten, die Österreich als Mittäter des Nationalsozialismus denunzieren. -

    Zufällig fiel mir vor kurzem das Buch von G. K. Kindermann, Hitlers Niederlage in Österreich, in die Hände. Es geht darum darum, daß trotz des Kanzlermordes Bundesheer, Polizei, Heimwehr und Volk den NS-Putsch 1934 erfolgreich niederschlugen. Auch NS-affine Soldaten und Polizisten blieben loyal gegenüber Österreich.

    Wie aber im Artikel richtig gesagt: Der Westen hatte kein Interesse an Österreich. Man kann ergänzen: an einem konservativen, katholischen, vielleicht sogar wieder vom Haus Habsburg regierten. Darum hielt der Abwehrsieg von 1934 nur kurz an. Bundeskanzler Schuschnigg fand nirgends Verbündete und der Westen pilgerte brav zu den Olympischen Spielen nach Berlin.

    Übrigens gelangte auch eine Gedichtsammlung des böhmischen Adeligen und Seminaristen Hanns-Georg Heintschel-Heinegg in meinen Besitz. Heintschel-Heinegg war im Widerstand und wurde von der NS-Justiz enthauptet. Er und einige andere noble Charaktere, die "Christus und Österreich" liebten und Opfer des NS wurden, finden sich in dem schönen Band "Für Christus und Österreich" http://www.gottgeweiht.at/gg200schriften.html des Benediktiners und Kirchenhistorikers P. Ildefons Fux. Aus geschichtspolitischen Gründen sind sie leider sehr wenig bekannt.

    Ich erlaube mir, auf meine eigenen Beiträge zum 80. Todestag von Bundeskanzler Dollfuß und zum Spanischen Bürgerkrieg ergänzend hinzuweisen:
    https://www.andreas-unterberger.at/2014/07/engelbert-dollfus-zum-80-todestag-ehre-wem-ehre-gebuehrt/

    https://www.andreas-unterberger.at/2016/07/spanien-die-manipulierte-geschichtsschreibung/



  3. andreas.sarkis (kein Partner)

    Einige Fakten fehlen:

    > SS-Kommandos hatten schon vor dem Einmarsch die gesamte Regierung festgenommen. Es war daher niemand mehr da, der eine Verteidigung befehlen hätte können.
    > Bei der Zahl der NS-Mitläufer fehlt, dass sich viele Schutzbündler nach ihrem fehlgeschlagenen Putsch den Nationalsozialisten angeschlossen hatten. Bekanntes Beispiel: Richard Bernaschek.
    > Erwähnt hätte auch werden können, dass Österreich nach dem Anschluss völkerrechtliche nicht mehr bestand, daher rechtlich keine Beteiligung an den NS-Taten haben konnte.

    Insgesamt aber: Keine Frage an der Opferrolle Österreichs. Keine Frage an der Nestbeschmutzung durch vdBellen, Rathkolb, etc.



    • andreas.sarkis (kein Partner)

      Erwähnenswert wäre auch noch jener Politiker, der sich in jener Zeit international am meisten für Österreich eingesetzt hatte, und der deswegen bis heute von den Sozialisten gehasst wird:
      Otto von Habsburg.

    • Sauberer (kein Partner)

      In meinem Buch wird auch die Person Bernaschek behandelt.

    • andreas.sarkis (kein Partner)

      Danke für den letzten Kommentar. Gibt es das Buch auch irgendwo als Ebook?

      PS, Sandokan - Geschichte lernen. Am besten nicht bei Rathkolb.

    • S_ndok_n (kein Partner)

      Danke!
      Aber alles was Herr Unterberger gelöscht hat (offenbar gehen ihm schon die Nerven durch) kann er ua. bei Prof. Anthony C. Sutton (britischer Historiker) und Carroll Quigely (US-amerikanischer Historiker, ua. Lehrer von Bill Clinton) nachlesen.

  4. elokrat

    Sie schreiben korrekt:
    Ein Schießbefehl für das schwache österreichische Heer konnte menschlich nicht vertreten werden: "Das Vergeltungsgemetzel wäre fürchterlich gewesen."
    Es hat sich absolut nichts geändert. Das schwache österreichische Bundesheer ist auch heute die Realität. Beim (sicher) kommenden Konflikt wird wieder so entschieden. Ich bin zu 100% sicher, die Schweiz würde anders handeln. Die Schweiz hat eine Armee, die diese Bezeichnung verdient und eine Bevölkerung die Landesverteidigung für notwendig hält.



    • andreas.sarkis (kein Partner)

      Das frühere Raumverteidigungskonzept hatte noch Chancen, da es auf eine Abnutzung von Invasoren abzielte. Dazu gibt es gute Arbeiten, auf Grundlage der von Sejna veröffentlichten Angriffspläne.
      Nach Abschaffung der Raumverteidigung - vor allem durch die Auflösung der Landwehrstammregimenter - und nach Auflösung der Miliz durch Minister Platter ging alles den Leithabach hinunter.
      Der Missbrauch von Soldaten für nicht militärische Zwecke, statt eienr militärischen Ausbildung (und einer solchen an der Waffe), wird derzeit ins Extreme getrieben.

  5. bhblog (kein Partner)

    Was hat Impfapartheit mit Sebastian Kurz und dem nächsten Lockdown gemeinsam?

    benjaminheinrichblog.blogspot.com/2021/11/kurz-schuld-1g-lockdown-fur-ungeimpfte.html



    • andreas.sarkis (kein Partner)

      Dann posten Sie gefälligst dort.

    • @bhblog (kein Partner)

      Was den meisten Geimpften nicht klar ist.
      Man gilt überhaupt nur 360 Tage als geimpfte Person.

      Und da absehbar ist, dass die Impfungen keinen vollen Schutz gewähren (selbst Drosten sagt, dass der Booster nicht mehr gegen die jetzt am weitesten verbreitete Delta-Variante wirkt) wird der ganze Maßnahmenkatalog ebenfalls weiter gelten.

      Ausweispflicht, Masken, Tests, Lockdowns - mal wird man es runterfahren, mal hochfahren.
      Und das letztlich nach Belieben der Politik, denn je mehr man testet, umso schlimmer lässt sich die Lage darstellen.

      Oder wie meinte heuchlerisch Gesundheitsminister Spahn in Dt.:"Wenn wir die Geimpften testen, hört die Pandemie nie auf." (die Welt, 30.08.2021)
      So ist es!

  6. Herbert Sutter

    Vielen Dank Herr Sauberer für diese beeindruckende Klarstellung. Ihr Artikel ist sehr wichtig um sich gegen so manche geschichtsleugnerische Gehirnwäsche zu wehren!

    Sie zeigen hier klar die Daten u. Fakten bezüglich des Erstarkens der NSDAP und des konsequenten Abwehrkampfs den Engelbert Dollfuss und auch des vom Typ her stark unterschiedliche Kurt Schuschnigg gegen die NSDAP auf.

    Als Nachgeborener wie für mich zum Beispiel ist es leicht die Lage Österreichs damals ein zu schätzen, im Nachhinein weiß man es natürlich besser, deshalb sage ich in aller Demut vor den damaligen Akteuren:

    Ich meine dass die ungeheuer große Tragik der jungen Republik Österreich in den 1920er und besonders in den 1930er-Jahren darin bestand dass die beiden großen politischen Lager:
    Rechts die Christdemokratie, links die Sozialdemokratie einander mit viel zu großem Misstrauen beäugten und in der damals von Armut u. Unsicherheit geprägten Zeit die Klassenkampf-Ideologie bzw -Stimmung viel zu stark war.

    Die damit verbundenen Spannungen waren für so eine kleine, arme, verunsicherte, junge Republik u. Demokratie viel zu groß.

    Und diese junge Republik hat auch sehr großes Pech gehabt, es ist eine folgenreiche Panne im Parlament passiert: Alle 3 Parlamentspräsidenten sind in einer turbulenten Sitzung des Parlaments am 4. März 1933 zurück getreten u. das Parlament war somit vorsitzlos u. niemand war dazu befugt eine neue Parlamentssitzung ein zu berufen. https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstausschaltung_des_Parlaments

    Heute im Nachhinein weiß man es besser: Engelbert Dollfuß machte einen großen Fehler in dem er die Vorsitzlosigkeit des Parlaments dazu nutzte die parlamentarische Demokratie gleich ganz ab zu schaffen u. einen autoritären Staat zu errichten.

    Die österr. Sozialdemokratie war groß u. gut organisiert u. wehrte sich. Die Folge war der unselige 3 Tages-Bürgerkrieg vom Feb. 1934, der Österreich als innerlich gespaltenes Land zurück ließ.

    Dollfuß lag total richtig, denn er war wahrscheinlich der erste Regierungschef in ganz Europa und der Welt der die Gefährlichkeit der NSDAP-Ideologie u. die Persönlichkeit von Hitler richtig durchschaute.

    Dollfuß lag aber falsch darin die parlamentarische Demokratie in Österreich ab zu schaffen. Er verschätzte sich mit seinem Versuch mit der Schaffung des autoritären Ständestaats die ganze Macht an sich zu reißen.

    Die unselige Folge dieses autoritären Ständestaats ab 1933 war dass Österreich innerlich gespalten und innerlich geteilt war. Die angestammten beiden Lager Christdemokratie und Sozialdemokratie wurden über die Maßen zu innenpolitischen Feinden und einander noch mehr entfremdet als es vor 1933 ohnehin schon war. Die österr. Sozialdemokraten hatten ab 1933 wenig Lust dem innenpolitischen Feind irgendwie zu helfen.

    Österreich war innerlich gespalten, die Sozialdemokratie konnte u. wollte nicht mehr mitmachen, sie ist für den österr. Patriotismus verloren gegangen.
    Es wäre jedoch höchst notwendig gewesen die angestammte Sozialdemokratie, das sozialdemokratische Lager für die Nation Österreich zu motivieren - auch zur Verteidigung Österreichs, geistig, innenpolitisch, außenpolitisch u. militärisch - dazu war es 1938 aber schon zu spät.

    Das innerlich gespaltene Österreich war letztlich zu schwach um sich gegen den äußeren Feind, Hitler-Deutschland, zu wehren.



    • andreas.sarkis (kein Partner)

      Wo liegt der Fehler?
      Das linke Wikipedia-Blog als Referenz zu nehmen.
      Dort wird falsch von einem "Staatsstreich" Dollfuß' gegen das Parlament erzählt.

    • Sauberer (kein Partner)

      Der Ersten Republik sind viele Teile meines Buches gewidmet, und ein ganzes Kapitel dem Thema Demokratie und Sozial"demokratie".

  7. Pennpatrik

    Wer war das noch, der das Bild des ermordeten Kanzlers aus den Klubräumen der ÖVP entfernt hat?
    Der Messias? Der Gesalbte? ...



  8. Pennpatrik

    "Auch das ist klar: Es gab österreichische NS-Fanatiker und Sympathisanten, Opportunisten, Mitläufer, Mittäter"
    Es gab ja auch französische oder niederländische NS-Fanatiker und Sympathisanten, Opportunisten, Mitläufer, Mittäter, ohne dass die Niederlande oder Frankreich eine Mitschuld tragen müssen ...



    • Sauberer (kein Partner)

      Mein Buch hinterfragt auch Staaten wie Frankreich, Schweden und die Schweiz.

  9. steinmein

    Es gibt in diesen Tagen soviel Darstellungen der Zeit vor und während des Weltkrieges gibt, alles unter dem Motto "Niemals vergessen"
    Da muß ich mich schon fragen, wieso nur eine Seite mit nicht endend wollender Zahl an Gedenkstätten bedacht wird.
    Für mich wäre es an der Zeitt, ein Denkmal jenen österreichischen Mannen zu setzen, die noch lange nach Kriegsende in russ. Gefangenschaft gehalten wurden, anstatt sich daheim am Wiederaufbau beteiligen zu können.



  10. Frühwirth

    Dazu ergänzend:
    1) Leopold Figl machte es nach 1945 immer wieder klar, dass Österreich kein kriegsführender Staat war. Daher lehnte er einen Friedensvertrag mit den Allierten ab, und forderte den letztlich auch erreichten STAATSvertrag.
    2) Die Massen am Heldenplatz jubelten nicht dem NSDAP Führer und nicht dem Nationalsozialismus zu! Sie jubelten dem Anschluss an ein wirtschaftlich viel besser dastehendes Deutsches Reich zu.
    3) Auch heute sind Minderheiten Meister in der Mobilisierung der Straße und der überproportionalen Medienwirksamkeit - vor allem mit Hilfe des ORF ...



    • Steppenwolf

      Dazu ergänzend:
      Sie jubelten dem Anschluss an ein wirtschaftlich VERMEINTLICH viel besser dastehendes Deutsches Reich zu.
      Die Mefo Wechsel waren fällig. Als am Heldenplatz gejubelt wurde waren die Goldreserven aus der Nationalbank schon futsch.

    • Pennpatrik

      Da gab es doch einen Ausspruch des Sozialisten Karl Renner zum Anschluss ...

  11. Riese35

    Sehr geehrter Herr Sauberer! Eine wichtige Stimme, die leider in der Öffentlichkeit mehr und mehr verstummt. Vielen herzlichen Dank, daß Sie diese Stimme erheben.

    Die offizielle ÖVP hingegen, vor allem die türkise mit BK a.D. an der Spitze, haben den österreichischen Martyrerkanzler weggeräumt. Statt dessen gibt es im Wien eine Büste Che Guevarras. Freiheit gibt es nicht gratis und erfordert Kampf und Einsatz. Das sei der ÖVP ins Stammbuch geschrieben. Eine ÖVP, und mag sie auch noch so hehre Ziele verkünden, ist unbrauchbar und unwählbar, so lange sie nicht bereit ist, dafür auch gegen Widerstand einzutreten und zu kämpfen.

    Das letzte, aktuelle Kapitel der ÖVP ist leider noch düsterer. Die aktuellen Wortmeldungen ihrer Spitzen erinnern mich an jene, die 1938 bei uns gewaltsam die Macht übernommen haben. So ein System ist nicht plötzlich da, sondern man schlittert hinein. Wir sind leider - dank der ÖVP - wieder auf dem besten Wege dahin.

    Kurzens Beseitigung Dollfußs spricht Bände.



    • Schani

      Dollfuß wurde nicht von Kurz, sondern von einem seiner Vorgänger beseitigt.

    • andreas.sarkis (kein Partner)

      Und auf Forderung der Grünen, die behaupteten, Dollfuß habe den Anschluss Österreich an das Dritte Reich betrieben und sei deshalb von Patrioten ausgeschaltet worden.

      Diese unsägliche Strömung der Grünen setzt sich bis Kogler/Mückstein fort.

  12. Peregrinus

    Dass 1939 Polen unfähig war, Hitlers Aggression zu widerstehen, ist leider Geschichte gewordene Tatsache. Zu behaupten, dass das militärisch unbedeutende Österreich 1938 einen sinnvollen Widerstand gegen die Deutsche Wehrmacht hätte leisten können, ist nicht nachvollziehbar. Schuschnigg wusste, warum er wich. Er wollte unsiniges Blutvergießen vermeiden. - Zu behaupten, dass ein Widerstand den zweiten Weltkrieg verhindert hätte, ist absolute Torheit.



    • Riese35

      Wer bitte behauptet so etwas?

      Ich kenne nur Hypothesen, daß ein solches Blutvergießen möglicherweise Österreichs Position nach dem Kriege verändert hätte, weil der Widerstand dadurch international sichtbarer geworden wäre. Wie weit so etwas Sinn gehabt hätte, darüber muß man heute offen reden können, und solche Denkansätze sind keineswegs absurd, wenngleich auch nicht mehr entscheidbar.

    • Steppenwolf

      Ich schließe mich dem Riesen an. Wer behauptet so was?
      Eines ist sicher: Der 2.WK wäre anders verlaufen!

    • Peregrinus

      @ Riese 35 und Steppenwolf

      Ich respektiere absolut Ihre Haltung. Muss sie aber leider als lebensfern betrachten. Wer hätte Österreich beistehen wollen. Man hätte den Widerstand der Welt zeigen können. Wie sah die damals aus? Mussolini, bei dem es Dollfuß versucht hatte, das Übel abzuwenden, war zu Hitler geschwenkt. Die damalige Schlagkraft der italienischen Armee, muss daher nicht mehr ins Kalkül gezogen werden. Von Großbritannien war damals auch nichts zu erwarten. Neville Chamberlain ja nicht gerade eine herausragende Figur. Und Churchill war schon 1918 kein Freund des Weiterbestands eines Landes Österreichs mit Gewicht.

    • Peregrinus

      Und die Österreichische katholische Kirche (Kardinal Innitzer) verhielt sich wohl nicht besonders gottgefällig. Einen Stein zu werfen, steht mir dennoch nicht an.
      Alfred Maleta (ÖVP), langjähriger Präsident des Nationalrats, kündigte mir in einem privaten Gespräch an, dass er seine Memoiren veröffentlichen werde. In deren erstem Teil (ich finde ihn zur Zeit nicht im Wirrwarr meiner Bibliothek) schildert er sein Empfinden, als einer der ersten österreichischen Verfolgten des Nationalsozialismus. Sie bekamen den „Völkischen Beobachter“, in dem die Österreichischen Bischöfe den Anschluss begrüßten, in die Zelle geworfen.

    • Peregrinus

      Maletas Resümee: Ich werde niemals mehr etwas für die katholische Kirche tun. Ob der zweite Teil seiner geplanten Memoiren erschienen ist, weiß ich nicht. Maleta war immer alles andere als der Liebling aller: Er hatte Charakter

    • Peregrinus

      Durch die Dreiteilung meiner Ausführungen ist im ersten Teil leider folgender Satz untergegangen: "Für Frankreich waren wir seit 1918 nichts mehr als 'Der Rest'; (Clemenceau)". Weiter geht es dann mit : "Und die Österreichische katholische Kirche (Kardinal Innitzer) ....

    • Steppenwolf

      @Peregrinus
      Der Plusquamperfekt-Konjunktiv in der Geschichte ist immer sinnlos. Sie haben sicher Recht mit der internationalen Verweigerung jedweder Hilfeleistung. Die heute geübte Schuldzuweisung und das lächerliche Flagellantentum wäre im Falle eines, wenn auch kurzfristigen Widerstands aber wohl nicht möglich.
      Mit meinem Hinweis auf den Katholizismus meinte ich die Grundeinstellung und das daraus resultierende Wahlverhalten der Bevölkerung und nicht die moralische Integrität der kirchlichen Hierarchie, die heute nebenbei bemerkt noch viel miserabler ist.

    • Peregrinus

      Ich habe Ihren Hinweis auf den Katholizismus nicht anders verstanden als Sie. Ihre Beurteilung des jetzigen Zustandes der katholischen Kirche deckt sich vollkommen mit meiner. Innitzer befand sich im Vergleich dazu in einer fast aussichtslosen Lage. Die heutige Kirchenführung verdeckt dagegen die Aussicht auf eine sinnvolle Zukunft; Arbeitet für den Untergang des Christentums. Begreift sie das?

    • eupraxie

      Zum Schießen an der Grenze durch das österreichische Bundesheer: es gibt auch Berichte, dass der Einmarsch nicht so klaglos ablief, da gabs auch logistische Pannen.
      Zum anderen Aspekt: wieviele Menschenleben wurden gerettet, weil NICHT geschossen wurde durch das österreichische Heer?

      Ganz sicher ist, dass die Argumentation nach Kriegsende anders verlaufen wäre und die Anzahl und Kampfbereitschaft der Österreicher wäre anders gewesen.

      Das Heimatland verteidigen kann aus meiner Beurteilung nie falsch sein. Wenn man nicht an der Grenze schießt, dann halt aus dem Hinterhalt in der Tiefe, aber gar nichts...

  13. Schani

    Danke für diesen Beitrag! Es gibt über Österreich von 1933 bis 1938 eine höchst interessante Dissertation, welche in den späten 1940ern an der Universität Freiburg i. Ü. von einem Österreicher verfaßt und eingereicht wurde und obigen Beitrag in vollem Umfang bestätigt!



  14. Steppenwolf

    Herzlichen Dank für diesen Kommentar. Endlich eine Stimme wider der seit 2 bis 3 Jahrzehnten gleichgeschalteten, veröffentlichten Meinung. Kein Staat auf dieser Welt hat so entschlossen gegen die sich abzeichnende Gefahr gehandelt wie Österreich und kein Land hat in Friedenszeit dafür so viel Opfer dargebracht!
    Ganz aussichtslos wäre ein militärischer Widerstand wohl nicht gewesen. Die Wehrmacht war 1938 noch nicht so gut gerüstet und ein rücksichtsloses Vorgehen wie später gegen Polen hätte selbst Hitler in der deutschen Öffentlichkeit in Schwierigkeiten gebracht. Ich glaube eher, dass eine berechtigte Angst vor einem Bürgerkrieg Schuschnigg zur Resignation zwang. 20% eines gewaltbereiten Bevölkerungsanteiles reichten dazu aus.
    Wie gering damals der Rückhalt für die Nazis gewesen wäre lässt sich erahnen, wenn man die lokalen Wahlergebnisse von 1933 in Deutschland mit dem jeweiligen Religionsbekenntnis vergleicht und bedenkt, wie tief katholisch Österreich damals geprägt war.
    Schande über alle österreichischen Politiker und Pseudohistoriker, welche dem österreichischem Volk und vor allem dem offiziellen Österreich eine Mitschuld am 2.Weltkrieg aufzwingt.
    Empfehlenswert dazu Guido Zernatto
    https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1032654929#page/n0/mode/1up



  15. Stenov

    Sehr geehrter Herr Sauberer!
    Vielen Dank für Ihre Klarstellungen – Sie sprechen mir aus der Seele. Aus diesen genannten Gründen sind den heutigen Linken die Nationalsozialisten immer noch näher als die Dollfuß-Regierung. Sie waren halt doch Sozialisten und nur in zweiter Linie national. Als reine Kommunisten wären sie im damals noch gläubigen Europa nicht an die Macht bekommen. Heutzutage kommt der Kommunismus im neuen Gewand zurück, als Black Lives Matter, als Fridays for Future, als Klimaaktivismus, mithilfe der Justiz, als Corona-Diktatur,… und stößt auf keinen nennenswerten Widerstand mehr. Weil sie nicht mehr gewählt werden, greifen sie eben zu anderen Methoden…






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