„Grüß Gott, Polizei. Ihr Handy bitte!“ Über Sinn und Unsinn verpflichtender Tracing-Apps

Lesezeit: 5:00

 Nun ist es die Kanzlerberaterin Antonella Mei-Pochtler, die erneut verpflichtende Tracing-Apps zur Bewältigung der Corona-Krise aufs Tapet bringt: "Jeder wird eine App haben", erklärt sie in einem Interview. Dies werde Teil der von Kurz proklamierten "Neuen Normalität" sein. Doch es sind beileibe nicht nur Datenschutzbedenken, die die Verpflichtung zur Installation einer App in einem sehr befremdlichen Licht erscheinen lassen.

Zunächst einmal müsste jeder Österreicher ein geeignetes Smartphone besitzen (müssen). Er müsste dieses Smartphone zudem stets bei sich führen, sobald er – und sei es zum Joggen im Wald – seine Wohnung verlässt. Und dieses Smartphone (mitsamt App) müsste auch gegen alle Empfehlungen der früheren Normalität ständig eingeschaltet sein. Während also bislang nur Fahrzeuglenker Führerschein, Zulassung, Warnweste usw. mitführen müssen und es für Staatsbürger keine allgemeine Ausweispflicht gibt, liefe eine verpflichtende Tracing-App auf eine allgemeine Besitz- und Mitführpflicht eines Smartphones hinaus.

Mit dieser Mitführpflicht ginge aber sofort auch eine allgemeine Ausweispflicht im öffentlichen Raum einher. Denn das Smartphone, auf dem die App installiert ist, müsste (um im Fall des Falles nicht falsche Infektionsketten anzuzeigen) mein Smartphone sein – und um dies nachweisen zu können, bräuchte es zusätzlich einen Lichtbildausweis, der folglich ebenfalls auch beim Joggen im Wald oder am Weg zum Altpapiercontainer stets mitgeführt werden muss.

Auch wäre eine Identitätsfeststellung durch die Polizei hinkünftig an jedem öffentlichen Ort unter allen Umständen rechtens. So, wie sich ein Pkw-Lenker jederzeit eine Fahrzeug- und Lenkerkontrolle gefallen lassen muss, gäbe es auch für Fußgänger keinen Ort und keine Situation mehr, in der eine Identitätsfeststellung hinterher mit Aussicht auf Erfolg angefochten werden könnte. Und dies vielleicht auf sehr lange Zeit – denn wer sagt, dass es in ein oder eineinhalb Jahren tatsächlich eine zuverlässige Impfung geben würde?

Natürlich mag es sein, dass keine lückenlose Installationspflicht vorgesehen ist. Doch wenn Frau Mei-Pochtler erklärt, dass eine verpflichtende Contact-Tracing-App zumindest(!) für Personen angedacht werde, die nach Österreich einreisen, so bedeutet dies zwangsläufig, dass man auch vice versa als Österreicher ohne App nicht mehr ins Ausland reisen darf – auch wenn der eine oder andere Kurz-Wähler hierbei zunächst nur an Migranten als potentielle Infektionsquelle denken mag. Ebenso lässt die Idee, nur mit einer App bestimmte Veranstaltungen besuchen zu dürfen (wofür soeben im Epidemiegesetz die Basis gelegt wurde), eine Freiwilligkeit hohl erscheinen.

Frau Mei-Pochtler spricht auch von anderen Technologien, die künftig wesentlicher Bestandteil des sozialen Lebens sein werden. Geht man näher nach, was damit gemeint ist, so wird man bei jüngsten Vorschlägen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) fündig: Diesem Gremium schwebt vor, dass man über weitere Apps Tickets buchen kann, mit denen man für einen bestimmten Zeitpunkt ein bestimmtes Geschäft oder eine stark frequentierte Fußgängerzone betreten darf. Wieder andere Apps würden vor überfüllten Bussen oder U-Bahnen warnen.

Der Wiedergewinn der Freiheit im Zeichen der neuen Normalität sieht dann also so aus: "Schatzi, für morgen habe ich ein Ticket im Restaurant gebucht. Aber bis 13 Uhr müssen wir aufgegessen haben, weil ich habe nur noch für 13:20 einen Slot für die U-Bahn bekommen. Um 15:10 haben wir dann ein Ticket für die Papierhandlung – da müssen wir uns vorher noch irgendwie die Zeit vertreiben. Vielleicht bekommen wir ja Slots für den Stadtpark."

Klar, dass nach solchen "Tickets" auch die Abschaffung von Papierfahrkarten im Nahverkehr und schließlich die des Bargelds nicht lange auf sich warten lassen wird. Und wenn man dann für alles und jedes ein Smartphone benötigt, wird sich auch das Problem, dass viele derzeit noch gar kein passendes Gerät besitzen, von selbst reduzieren.

Doch damit sind wir bei einem weiteren, viel zu selten diskutierten Problem der gesamten Digitalisierung angelangt: Die Menschen werden in ihrem Alltag immer öfter verantwortlich gemacht für das Funktionieren von Technologien, die sie in Wahrheit nicht durchschauen. Während der Führerschein, die papierene Fahrkarte oder der Geldschein ein physisches Ding ist, das man dem Anderen schlicht überreicht, kann kein Mensch garantieren, dass sein Smartphone auch tatsächlich funktionieren würde, wenn er im Supermarkt an der Kasse seine Wurstsemmel bezahlen möchte. Oder wenn er auf dem Weg zum Altpapiercontainer von einem Polizisten zum Vorweisen seiner Tracing-App aufgefordert wird.

Es geht bei der Corona-App so wenig nur um Datenschutz (dieser mag vielleicht sogar vorbildlich gestaltet sein), wie es beim Thema Bargeld nur um Schwarzgeldhortung gehe: Wessen Gerät in einer digitalisierten Welt weswegen immer gerade nicht funktioniert, kann sich nicht einmal mehr eine Wurstsemmel kaufen – und ohne vorweisbare Corona-App nicht einmal legal vor seine Wohnungstür.

Hat das noch irgendetwas mit Freiheit zu tun, wenn man zwar wieder in die Oper gehen kann, aber ohne Smartphone nicht einmal vor die eigene Haustüre darf? Wäre da, vor die (ohnehin abstrakte!) Alternative gestellt, nicht ein etwaiger weiterer Lockdown für wenige Wochen das kleinere Übel, zumal sich ein solcher (im Gegensatz zur Tracing-App) bereits als sehr effektiv erwiesen hat? (Auch hätte man zwischenzeitlich an Erfahrung gewonnen, etwa die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht mehr so dilettantisch zu gestalten wie im März.)

Leider wird die wohl nicht unkoordiniert erfolgte Stellungnahme von Frau Mei-Pochtler dazu führen, den ohnehin schon dank Sobotka irritierten Zulauf zur freiwilligen Corona-App des Roten Kreuzes zu bremsen – mit dem Effekt, ob des geringen Zulaufs dann erst recht (EU-weit?) einen App-Zwang durchzusetzen.

Es ist schade, dass sich Kreise, die sich als Vordenker der Wirtschaft sehen, als sozialistische Planer einer neuen Gesellschaft gerieren und nicht erkennen, dass gerade die Wirtschaft wie von einem Bissen Brot von der Freiheit lebt. Wenn Freiheit nur mehr darin bestehen sollte, aus hunderttausenden tollen Einkaufs-Slots drei oder vier auszuwählen und zu buchen, bleibt immerhin noch die Freiheit, keine Slots zu buchen. Und von dieser Freiheit werde ich ausgiebig Gebrauch machen.

Wilfried Grießer, geboren 1973 in Wien, ist Philosoph und Buchautor.

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorsimplicissimus
    11x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Mai 2020 21:50

    Ich habe diese Antonella Mei-Pochtler vor vielen Jahren als Seminarleiterin kennen gelernt: Aufgedreht, aggressiv, determinierend, alleswissend …
    Das war der Eindruck.
    Nein, dieser Dame kann und moechte ich nicht vertrauen.

  2. Ausgezeichneter KommentatorHausfrau
    10x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Mai 2020 19:04

    Ich habe noch selten so einen Schmarrn gehört bzw. gelesen, welchen die "Kanzlerberaterin" da von sich gab. Wenn sie selbst so etwas haben will, dann soll sie, aber bitte andere Leute damit in Ruhe lassen.

    Herr Kurz, schämen Sie sich, solche Leute in Ihrem Umfeld zu haben (und aus Steuergelder zu finanzieren)!

    .

  3. Ausgezeichneter KommentatorGandalf
    9x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Mai 2020 20:48

    Es wird in der schrecklichen Sado-Zukunftsvision der Frau Mei-Pochtler aber auch passieren (oder sogar zum Alltag gehören), dass Sie Ihre ersehnte Leberkäs-semmel bei der Billa nicht zahlen können, obwohl Ihr Smartphone tadellos in Ordnung ist, aber Sie bei der letzten Gesunden-Untersuchung zu hohe Cholesterinwerte hatten und Ihnen daher kein Leberkäse verkauft werden darf. Oder dass Ihr freundlicher Wirt Ihnen nach dem dritten Achterl kein viertes mehr bringen darf, weil Sie als alkohol-gefährdet registriert sind. Und auch der nächste Wirt wird sagen: 'Tschuldigen, sie ham heut' scho gnug gsoffn', weil eben eine "App" in Ihrem Smartphone auch für den Erwerb von in den Augen der Frau Pochtler zu viel alkoholischen Getränken eine Sperre eingerichtet hat. Der freie Bürger an der Leine des Staates - die neue Normalität des Herrn Kurz. Das mindeste, was er tun könnte, um kritischen Bürgern solche Sorgen zu nehmen (und sie sich als Wähler zu erhalten), wäre, Frau Mei-Pochtler in hohem Bogen hinauszuschmeißen. Was er aber sicher nicht tun wird.

  4. Ausgezeichneter Kommentatorsteinmein
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    09. Mai 2020 17:22

    Da spielt sich ein NR-Präsident als Verdammer eines Regimes auf, in dem Menschen nur mehr Nummern als Identität besaßen. Derselbige kann diesen Altgedanken in Form von Apps unter dem Siegel vorerst eines Virus weiterspinnen ohne zu bedenken, welchen Zauberlehrling er beschwört. Somit ist Herr Soberl für mich ein Extremlinker (Neosozialist), dessen Sprüche nicht mehr dem Vogel(ge)sang entsprechen.

  5. Ausgezeichneter KommentatorKonrad Hoelderlynck
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Mai 2020 01:26

    War ich anfangs vor allem von Anschobers Dilettantismus überzeugt, so bin ich inzwischen gar nicht mehr sicher, ob die Verwirrung in Gesetzestexten, Verordnungen und ministeriellen Erlässen wirklich unbeabsichtigt war. Angst ist nämlich noch wirkungsvoller, wenn sie mit Orientierungslosigkeit und Ungewissheit gepaart ist. Frau Mei-Pochtler ist mit Sicherheit nicht Kurzens Beraterin, sondern seine Aufpasserin, damit er nicht auf die Idee kommt, eigene Wege zu beschreiten, sobald ihm die Macht in den Kopf steigt.

    Auf jeden Fall ist es an der Zeit, dass alle noch klar denkenden Menschen massiv Widerstand leisten, so lang dies noch möglich ist. Andernfalls werden wir in einer waschechten Diktatur aufwachen, die nicht leicht zu beseitigen sein dürfte. Klar, effizienter Widerstand bedeutet - auch - den Mut, Entbehrungen hinzunehmen.

  6. Ausgezeichneter KommentatorDissident
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    10. Mai 2020 05:57

    Erschreckend, mit welchen Personen sich der "Heilsbringer" umgibt. Man wird den Verdacht nicht los, daß es in Richtung Austro-Faschismus geht.

  7. Ausgezeichneter KommentatorKaffeehaeferl
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    12. Mai 2020 09:42

    So sehr ich Ihnen bei allen Punkten zustimme, aber diesen hier kann ich nicht unwidersprochen lassen:

    "... nicht ein etwaiger weiterer Lockdown für wenige Wochen das kleinere Übel, zumal sich ein solcher (...) bereits als sehr effektiv erwiesen hat?"

    Bitte um einen belastbaren Beweis, daß der Lockdown effektiv zur Verminderung der Ausbreitung der Krankheit beigetragen hat.

    Ein solcher ist bis jetzt nicht erbracht worden, hingegen häufen sich die Indizien, daß sich auch ohne Lockdown die Krankheit nicht schneller ausgebreitet hätte. Weder hat der Lockdown einen Einfluß auf die Entwicklung des Reproduktionsfaktors, noch tut es die Lockerung desselben.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorKaffeehaeferl
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    12. Mai 2020 09:42

    So sehr ich Ihnen bei allen Punkten zustimme, aber diesen hier kann ich nicht unwidersprochen lassen:

    "... nicht ein etwaiger weiterer Lockdown für wenige Wochen das kleinere Übel, zumal sich ein solcher (...) bereits als sehr effektiv erwiesen hat?"

    Bitte um einen belastbaren Beweis, daß der Lockdown effektiv zur Verminderung der Ausbreitung der Krankheit beigetragen hat.

    Ein solcher ist bis jetzt nicht erbracht worden, hingegen häufen sich die Indizien, daß sich auch ohne Lockdown die Krankheit nicht schneller ausgebreitet hätte. Weder hat der Lockdown einen Einfluß auf die Entwicklung des Reproduktionsfaktors, noch tut es die Lockerung desselben.


alle Kommentare

  1. Dr. Hans Christ (kein Partner)
    13. Mai 2020 01:49

    Und wer die App verweigert, bekommt einen Stern aufgenäht. Muss ja nicht gelb sein!

  2. Kaffeehaeferl (kein Partner)
    12. Mai 2020 09:42

    So sehr ich Ihnen bei allen Punkten zustimme, aber diesen hier kann ich nicht unwidersprochen lassen:

    "... nicht ein etwaiger weiterer Lockdown für wenige Wochen das kleinere Übel, zumal sich ein solcher (...) bereits als sehr effektiv erwiesen hat?"

    Bitte um einen belastbaren Beweis, daß der Lockdown effektiv zur Verminderung der Ausbreitung der Krankheit beigetragen hat.

    Ein solcher ist bis jetzt nicht erbracht worden, hingegen häufen sich die Indizien, daß sich auch ohne Lockdown die Krankheit nicht schneller ausgebreitet hätte. Weder hat der Lockdown einen Einfluß auf die Entwicklung des Reproduktionsfaktors, noch tut es die Lockerung desselben.

    • Dr. Hans Christ (kein Partner)
      13. Mai 2020 01:45

      Ganz meine Meinung! Diese Conclusio entspricht der Haltung einer meiner Bekannten, die streng vegan lebt, aber ständig der Öffentlichkeit kund tut, an welchen (teils lebensbedrohenden) Krankheiten sie angeblich leide. Als ich sie auf diesen Widerspruch aufmerksam machte, erhielt ich die Antwort: "Was glaubst Du, wie krank ich erst wäre, wenn ich nicht vegan leben würde?"

  3. andreas.sarkis (kein Partner)
    12. Mai 2020 00:05

    Die Kritik im Beitrag ist gut angebracht.
    Sie hat aber an der Realität einer Bevölkerungsgruppe vorbei, die ohne Smartphone nicht leben kann und sich gedankenlos jede angebotene App auflädt.
    Diese Bevölkerungsgruppe wird man leider mit Kritik nicht erreichen, und auf diese Bevölkerungsgruppe zielen Totalkontrollfans wie Mei Pochtler ab.

    Alle Einreisenden sollen eine App installiert haben? Hoo.
    Ob da auch alle Illegalen gemeint sind, die sämtlich ohne Ausweis, aber mit unregistrierten Smartphones einreisen?

  4. Kyrios Doulos
    11. Mai 2020 21:57

    Da mich Mei Pochtler, die Polit - Frau an Seite des Staatsratsvorsitzenden Kurz an Frau Honecker und an Frau Ceausescu erinnert, nenne ich sie, die Doppelnamen eh liebt, hinfort nur mehr

    Margot - Elena.

    Freundschaft!

  5. Kwuntz (kein Partner)
    11. Mai 2020 19:07

    Dieses System bewege sich am "Rand des demokratischen Modells", hauchte die Überwachungstante im Interview. Das heißt, daß man dadurch die Demokratie, besser gesagt das, was von ihr noch übrig ist, völlig zunichte machen will. Ich hoffe, die Österreicher boykottieren dies in Scharen, wenn sie uns das aufzwingen. Und was, wenn man kein Aifohn hat? Kauft einem der Staat eines? Man kann nur hoffen, daß es Klagen vor dem Verfassungsgerichtshof regnet bei verpflichtender Einführung.

    • Kyrios Doulos
      11. Mai 2020 22:03

      Kwuntz, Sie haben Margot-Elena Mei-Pochtler arg mißverstanden. Sie sprach von innerhalb des Kreises der neuen Diktatur aus und meinte, die App würde am Rande der Demokratie, also gerade noch im Toleranzbereich der neuen Diktatur sein.

      Das meinte sie, weil ja der damit verbundene Besitz eines Handys, damit eines internetfähigen Dings, schon das Äußerste sei, das man dem unterdrückten Sklavenbürger gerade noch geben darf.

      Das Handy ohne App wäre dann schon der eine Schritt hinüber über den Rand den Rand in die Demokratie hinein, die um Himmels willen nicht sein darf - um der Gesundheit von Menschen und Klima willen. Freundschaft!

  6. Zraxl (kein Partner)
    11. Mai 2020 17:34

    Ganz langsam stellt sich die Frage, wie lange man sich diese faschistischen Phantasterein noch gefallen lassen soll.

    • Kyrios Doulos
      11. Mai 2020 22:10

      Zraxl? 70 Jahre. Wenn Sie nicht mehr Teenager sind, dann erübrigt sich für Sie diese Frage somit, ist also biologisch irrelevant oder nur dann präzise zu beantworten, wenn Sie das Datum des letzten Tages Ihres irdischen Lebens wissen.

      Verhalten Sie sich aber bockig gegen "diese faschistischen Phnatastereien" - wie Sie die Segnungen der heilenden Diktatur des Heiligen Sebastian widerlicherweise bezeichnen -, dann gibt Ihnen Alma Zadic vielleicht den Tag Ihrer Exekution im Interesse von Menschenleben und Weltklima bekannt.

      Dann wissen Sie auch, wie lange Sie sich gefallen lassen müssen, wofür 72% der Österreicher*INNEN dem neuen Führer* (viell. divers) dankbar huldigen.

    • andreas.sarkis (kein Partner)
      12. Mai 2020 00:01

      Wieso faschistisch? Mussolini ist doch schon lange tot.
      Mich erinnert das eher an den Nationalsozialismus.

  7. Riese35
    10. Mai 2020 13:24

    @Wilfried Grießer:

    ************************************!
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    ************************************!
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    DANKE, daß diese Argumente überhaupt noch erwähnt werden. Die damit verbundene implizite Verpflichtung zu Besitz und Mitführung eines eingeschaltenen Smartphones mit geeigneter BIOS-Version und Software und mit aufgeladener und hinreichend lange funktionierender Batterie habe ich schon lange in der Diskussion vermißt. Warum hat das bis jetzt niemand erwähnt und thematisiert? Und wer überprüft, ob Smartphone und Träger zusammengehören?

    Ich selbst bin so ein Technologieverweigerer und erfreue mich an meinem alten, kleinen und handlichen Nokia-Handy, mit dem ich bestens telephonieren kann, mit dem ich blind wählen kann, weil ich die Wahltasten ertasten kann, und das ich irgendwo liegen lassen und die Batterie herausnehmen kann, wenn ich es möchte. Ich genieße Handy- und e-Mailfreie Zeit, und jeder weiß, daß ich nicht ständig erreichbar bin.

    Sie haben aber noch ein anderes Problem erwähnt, das kaum thematisiert wird:

    >> "Die Menschen werden in ihrem Alltag immer öfter verantwortlich gemacht für das Funktionieren von Technologien, die sie in Wahrheit nicht durchschauen."

    Im Waldviertel war es früher üblich, beim Fortgehen die Haustür mit dem Schlüssel zuzusperren und den Schlüssel unter den Fußabstreifer zu legen, damit ein anderes Familienmitglied hinein kann. 1989 war Schluß damit. Jeder durchschaute das System, konnte es einschätzen und wußte, worauf zu achten ist und wo die Probleme liegen.

    Am Computer passiert heute Ähnliches. Für Kommunikation benötigt man Zertifikate mit Schlüsseln, die irgendwo am Computer abgelegt werden. Zur Authentifikation werden asymmetrische Verschlüsselungsverfahren verwendet. Private Keys erzeugt man am besten selbst und verschickt diese nicht. Wie viele Personen, die heute Analoges mit dem Computer machen, verstehen diese Technologie und wissen, wo sich am Computer das Analogon zum "Fußabstreifer" befindet, wo diese Zertifikate und Schlüssel abgelegt werden und wer darauf Zugriff hat?

    Ich sehe das, was heute schon allgemein üblich ist und nicht erst in Zukunft sein wird, als ein großes Problem, das kaum thematisiert wird. Es macht auch niemand den Versuch, den Anwendern das Verständnis dieser Technologien näher zu bringen, sondern man leitet sie statt dessen an, das und jenes zu tun, ohne daß sie verstehen, was sie tun.

    Für die Zukunft sehe ich ein noch viel weiterführenderes Problem als den Umgang mit Technologien, die man nicht will und die man nicht versteht: heute sind Daten und Funktion noch weitgehend getrennt, und das, was ein Programm macht, ist zumindest theoretisch nachvollziehbar. Der Computer unterstützt den Menschen, indem er weitgehend stupide Vorgänge automatisiert und so den Menschen freispielt, damit er sich höherwertigen Denk- und Entscheidungsvorgängen widmen kann.

    Das Zeitalter von "künstlicher Intelligenz" ist aber bereits angebrochen. Daten und Funktion verschwimmen immer mehr. Es wird immer weniger nachvollziehbar, was am Ende das Output des Computers ist. Das hängt davon ab, mit welchen Daten der Computer "gelernt" hat. Aber wir vertrauen ihm trotzdem blind. Wenn der Computer eine Entscheidung vorschlägt, wird sich kaum mehr ein Mensch trauen, davon abzuweichen. Ein Arzt, der eine andere Behandlung vorschlägt, verliert womöglich den Versicherungsschutz. Werden Entscheidungen, ob jemand festzunehmen ist, ob jemand zu verurteilen ist, ob jemand für schuldig befunden wird, zukünftig "objektiviert" vom Computer getroffen? Daß vielleicht formell doch noch ein Mensch die Letztverantwortung trägt, ändert nichts an der Sache, wenn eine andere als die vom Computer vorgeschlagene Entscheidung massive Konsequenzen nach sich zieht.

    Es ist nicht mehr, daß der Computer den Menschen unterstützt, indem er weitgehend stupide Vorgänge automatisiert und so den Menschen freispielt, damit er sich höherwertigen Denk- und Entscheidungsvorgängen widmen kann, sondern genau umgekehrt: man delegiert die höherwertigen Denk- und Entscheidungsvorgänge an den Computer, dieser analysiert und entscheidet, und er wird vom Menschen unterstützt, welcher sich den weitgehend stupiden Vorgängen widmet. Der Mensch als Untertan des Computers.

    Die Vollendung der Volksdemokratie ist erreicht. Die Räteunion hat die ganze Welt erfaßt.

    Was ist der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Volksdemokratie? Der ist etwa genau so groß wie der Unterschied zwischen einem Sessel und einem elektrischen Sessel.

    • Neppomuck
      10. Mai 2020 22:32

      Verantwortung ist ein charakterbildendes Element.
      Na das kann ja noch heiter werden.

  8. Dissident
    10. Mai 2020 05:57

    Erschreckend, mit welchen Personen sich der "Heilsbringer" umgibt. Man wird den Verdacht nicht los, daß es in Richtung Austro-Faschismus geht.

  9. Konrad Hoelderlynck
    10. Mai 2020 01:26

    War ich anfangs vor allem von Anschobers Dilettantismus überzeugt, so bin ich inzwischen gar nicht mehr sicher, ob die Verwirrung in Gesetzestexten, Verordnungen und ministeriellen Erlässen wirklich unbeabsichtigt war. Angst ist nämlich noch wirkungsvoller, wenn sie mit Orientierungslosigkeit und Ungewissheit gepaart ist. Frau Mei-Pochtler ist mit Sicherheit nicht Kurzens Beraterin, sondern seine Aufpasserin, damit er nicht auf die Idee kommt, eigene Wege zu beschreiten, sobald ihm die Macht in den Kopf steigt.

    Auf jeden Fall ist es an der Zeit, dass alle noch klar denkenden Menschen massiv Widerstand leisten, so lang dies noch möglich ist. Andernfalls werden wir in einer waschechten Diktatur aufwachen, die nicht leicht zu beseitigen sein dürfte. Klar, effizienter Widerstand bedeutet - auch - den Mut, Entbehrungen hinzunehmen.

  10. simplicissimus
    09. Mai 2020 21:50

    Ich habe diese Antonella Mei-Pochtler vor vielen Jahren als Seminarleiterin kennen gelernt: Aufgedreht, aggressiv, determinierend, alleswissend …
    Das war der Eindruck.
    Nein, dieser Dame kann und moechte ich nicht vertrauen.

    • Riese35
      10. Mai 2020 13:26

      ************! Danke für die Info. So schätze ich dieses Umfeld ein. Der Geist der Räteunion hat die westlichen Denkfabriken durchdrungen.

    • Hegelianer
      10. Mai 2020 18:41

      Ich erkenne in Kurzens Umfeld auch den Geist der - insbesondere wiener - ÖVP wieder, deren Veranstaltungen ich um 2005 herum häufig besucht habe: Alles bis ins Detail durchinszeniert, kein Raum für echte Spontaneität, Fragen, die vorher gesammelt wurden und von denen vielleicht zwei gestellt werden durften, bevor es zurück ins Plenum zu den "ExpertInnen" ging. Deren Statements wiederum in aller Regel: Nichtssagend, Modernitäts-Gequatsche, Urbanitäts-Geschwurbel usw.

      Dagegen gibt es in der SPÖ wie auch in der FPÖ Diskussionsveranstaltungen, die diesen Namen auch verdienen, mit echten Menschen aus Fleisch und Blut.

    • Hegelianer
      10. Mai 2020 18:44

      NACHTRAG: Ganz auffällig war auch das begleitende Forum zum "Perspektivenprozess" unter Josef Pröll: Wurde zu viel Kritisches gepostet (etwa zum Thema Universitäten/Wissenschaft), so wurden mit einem Schlag, zur exakt gleichen Uhrzeit, zehn offenbar bestellte Forumsbeiträge von "renommierten ExpertInnen" freigeschaltet, die vor sinnentleertem Modernitäts- und Internationalitätsgeschwurbel nur so strotzten. Bei der Schlussveranstaltung zum Perspektivenprozess kam dann als Mehrheitsmeinung zufällig immer das heraus, was zur Linie der ÖVP gepasst hat ...

    • Hegelianer
      10. Mai 2020 18:47

      NACHTRAG (persönlich): Unter Schüssel der ÖVP beigetreten, trat ich dann bald darauf wieder aus der ÖVP aus und näherte mich der FPÖ an. Denn verar... kann ich mich selber.

    • Hegelianer
      10. Mai 2020 18:56

      Und genau so läuft es eben auch jetzt um die Zwangs-App: Die ÖVP schickt zuerst Sobotka vor, dann eine "Expertin". Gibt es Protest, rudert sie Stunden später wieder zurück und erklärt alles als Einzelmeinung oder als Missverständnis. Aber sie wird gewiss noch genügend "ExpertInnen" und "Umfragen" aufbieten können, um das, was die wenigsten wollen, als Mehrheitsmeinung zu verkaufen.

      Gut wenigstens, dass es noch andere Parteien gibt - und direkt ein Glück, dass wir jetzt Türkis-Grün haben und nicht Türkis-Rot oder Türkis-Blau: Im ersten Fall gäbe es nur kleine und uneinige, im zweiten nur linke Oppositionsparteien.

  11. Gandalf
    09. Mai 2020 20:48

    Es wird in der schrecklichen Sado-Zukunftsvision der Frau Mei-Pochtler aber auch passieren (oder sogar zum Alltag gehören), dass Sie Ihre ersehnte Leberkäs-semmel bei der Billa nicht zahlen können, obwohl Ihr Smartphone tadellos in Ordnung ist, aber Sie bei der letzten Gesunden-Untersuchung zu hohe Cholesterinwerte hatten und Ihnen daher kein Leberkäse verkauft werden darf. Oder dass Ihr freundlicher Wirt Ihnen nach dem dritten Achterl kein viertes mehr bringen darf, weil Sie als alkohol-gefährdet registriert sind. Und auch der nächste Wirt wird sagen: 'Tschuldigen, sie ham heut' scho gnug gsoffn', weil eben eine "App" in Ihrem Smartphone auch für den Erwerb von in den Augen der Frau Pochtler zu viel alkoholischen Getränken eine Sperre eingerichtet hat. Der freie Bürger an der Leine des Staates - die neue Normalität des Herrn Kurz. Das mindeste, was er tun könnte, um kritischen Bürgern solche Sorgen zu nehmen (und sie sich als Wähler zu erhalten), wäre, Frau Mei-Pochtler in hohem Bogen hinauszuschmeißen. Was er aber sicher nicht tun wird.

    • glockenblumen
      10. Mai 2020 08:14

      *****************************************!
      Es begann schon mit "ELGA". Das ist ja so toll, "weil man alles auf einen Blick hat" - ja eh! Der Mensch neigt dazu Eigenverantwortung aus reiner Bequemlichkeit abgzugeben, die einen wesentlichen Teil der persönlichen Freiheit darstellt.
      Da gehört eben auch ein bißchen Eigeninitiative dazu.
      Wie oft habe ich schon gehört "des tuat ma goa net guat, oba da Dokta wirds scho wissen, warum er's verschrieben hat, tua i's halt"...

    • Riese35
      10. Mai 2020 13:39

      Aus Wikipedia: "... machte 1983 ihren MBA an der Eliteuniversität INSEAD in Fontainebleau, Frankreich."

      Interessant, mit welchem Geist diese Eliteinstitutionen und Denkschulen heute offenbar durchzogen sind und welches Output sie erzeugen, wenn man versucht, Rückschlüsse von den Absolventen zu diesen Institutionen zu ziehen. Die alte Räteunion hat ganze Arbeit geleistet.

  12. Hausfrau
    09. Mai 2020 19:04

    Ich habe noch selten so einen Schmarrn gehört bzw. gelesen, welchen die "Kanzlerberaterin" da von sich gab. Wenn sie selbst so etwas haben will, dann soll sie, aber bitte andere Leute damit in Ruhe lassen.

    Herr Kurz, schämen Sie sich, solche Leute in Ihrem Umfeld zu haben (und aus Steuergelder zu finanzieren)!

    .

    • Wyatt
      10. Mai 2020 05:39

      ********
      ********
      …...nur ob der Herr Bundeskanzler sich was schämen wird oder sich gar von gewissen Leuten trennen wird, ist wohl nicht zu erwarten!

  13. steinmein
    09. Mai 2020 17:22

    Da spielt sich ein NR-Präsident als Verdammer eines Regimes auf, in dem Menschen nur mehr Nummern als Identität besaßen. Derselbige kann diesen Altgedanken in Form von Apps unter dem Siegel vorerst eines Virus weiterspinnen ohne zu bedenken, welchen Zauberlehrling er beschwört. Somit ist Herr Soberl für mich ein Extremlinker (Neosozialist), dessen Sprüche nicht mehr dem Vogel(ge)sang entsprechen.

    • glockenblumen
      10. Mai 2020 07:58

      tja, wenn zwei das gleiche tun, ist es nicht dasselbe...
      Daß diese Heuchler immer noch damit durchkommen, ist wirklich erschreckend!





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