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Die härtesten Realitäten gibt es in der Luft

Der Luftverkehr zeigt derzeit besonders anschaulich, wohin gewerkschaftliches Denken führt. Betriebsräte und ÖGB sorgen zwar in der Öffentlichkeit regelmäßig für Lautstärke und wettern moralistisch gegen den bösen Markt – den Piloten, Flugbegleitern und deren Arbeitsplätzen helfen sie damit aber gar nicht. Denn sie steuern eine österreichische Fluglinie nach der anderen gegen die Wand, von der Austrian bis zu Lauda.

Müssen Luftfahrt-Gesellschaften zu hohe Gehälter zahlen, sind die Fluglinien sehr rasch nicht mehr wettbewerbsfähig. Viele Menschen kaufen nun einmal die billigsten Tickets, gleichgültig, ob das fliegende Personal gut oder weniger gut verdient. Das Einzige, was die Fluggäste abschreckt, sind Sicherheitsbedenken, wie Boeing derzeit mit seinem MAX 737 schmerzhaft spürt.

Aber ist es nicht eine Schande, wenn Tickets bisweilen nur 29 Euro kosten? Mag sein – aber jene, die deshalb auf ein Billigticket verzichten, sind offensichtlich nur eine kleine Minderheit. Der Masse ist es völlig gleichgültig, ob im Cockpit ein gut verdienender Österreicher oder ein mäßig verdienender Pole sitzt. Deswegen will Lauda/Ryan Piloten zunehmend durch Polen ersetzen.

Und wie ist es mit der Umwelt? Ist die Steuerfreiheit für Kerosin nicht ein Skandal? Ja, das ist sie. Nur ist das etwas, was nicht mit den Piloten-Gehältern zusammenhängt und was Österreich alleine in keiner Weise beeinflussen kann. Denn sollte es alleine eine Kerosin-Steuer einführen, würden die Flugzeuge hier halt gezielt weniger tanken. Und wenn Wien überhaupt zu teuer wird, werden Billigflüge halt lieber in Bratislava oder Budapest landen. Was Arbeitsplätzen und dem Tourismus nicht wirklich nützen würde.

Viele theoretisch klug klingende Dinge – von Digital- bis zu den Kerosinsteuern – lassen sich sinnvoll nur noch international einführen, will sich ein Land nicht selbst beschädigen. Für internationale Aktionen, die über Rhetorik hinausgehen, fehlt aber meist jeder Konsens.

Das, was man beim Flugverkehr sehen kann, findet auch in vielen anderen Branchen statt, ob wir es wollen oder nicht. Jede einzelne von ihnen muss wettbewerbsfähig sein – wenn sie nicht binnen weniger Jahre still und leise aus Österreich, aus Europa verschwinden soll. Nur sieht man das halt in der Luft besonders rasch. Die Textilindustrie etwa ist still gestorben.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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