500 Jahre "Reformation" drucken

Lesezeit: 7:00

In wenigen Tagen jährt sich der offizielle Beginn der "Reformation" zum fünfhundertsten Mal. Manche werden den Tag als Jubiläum feiern. Was es genau zu feiern gibt, ist freilich unklar.

Gemäß der allgemein anerkannten Geschichtsschreibung geht die Geschichte etwa so: Ein tapferer deutscher Mönch, aufgrund der Rettung vor einem Blitzschlag und eines entsprechenden Gelübdes ins Augustiner-Kloster zu Erfurt eingetreten, widerspricht nach einem geistigen Erweckungserlebnis im Turm seines Klosters furchtlos einer tyrannischen Kirchenhierarchie und riskiert dabei sein Leben. Er bleibt trotz Drohungen bei seinen Thesen zu Ablass, Messe und Papsttum, die er als Wiederherstellung des von der Kirche verschütteten biblischen Glaubens betrachtet. Er deklariert die Bibel zur alleinigen Glaubensquelle und übersetzt sie heldenhaft auf einer Burg klausuriert ins Deutsche, damit sie alle lesen können.

Nach der theoretischen Widerlegung des Zölibats holt er sich auch praktisch, was ihm zusteht.

Es kommt zu einer Kirchenspaltung, an der der wackere Rebell aber unschuldig ist. Er wollte ja nur eine Reform, kein Schisma. So oder anders wird er zum Wegbereiter der neuzeitlichen Freiheit und der politischen Selbständigkeit Deutschlands. Die unflätige Wortwahl muss man ihm nachsehen, denn die war Bestandteil des damaligen Zeitgeistes und Lebensgefühls. Wirklich schlimm sind nur die antijüdischen Ressentiments, aber die werden ebenfalls mit dem Zeitgeist erklärt – oder gar nicht thematisiert.

So oder so ähnlich ist die Geschichte um Martin Luther fixer Bestandteil des Schulunterrichts, der Filmindustrie, des Feuilletons, des Bildungsbürgertums, von Landesausstellungen, mit einem Wort, der "offiziellen" Geschichtsschreibung.

Diese ist aber falsch, wie alle wissen, die sich näher mit der Materie beschäftigen.

Es gibt einige Standardwerke kritischer Literatur, nicht zuletzt von Konvertiten. Zwei dieser Bücher wurden auf dieser Seite bereits ausführlich gewürdigt: Paul Hackers Das Ich im Glauben bei Martin Luther (http://www.andreas-unterberger.at/2014/11/zum-bevorstehenden-lutherjahr-die-wurzeln-lutherischer-theologie/) und Theobald Beers Der fröhliche Wechsel und Streit (www.andreas-unterberger.at/2014/12/noch-einmal-martin-luther-die-theologische-verwirrung-und-ihre-folgen/), was zu intensiven Diskussionen im Kommentarbereich führte.

Heuer ist ein dünnes, gleichwohl aussagekräftiges Buch des katholischen Philosophen Franz Kronbeck erschienen, der auf wenigen Seiten das Problem Luthers auf den Punkt bringt.

Es lautet: "Martin Luthers Kampf mit Gott"

Martin Luther war mit Gott und mit sich nicht im Reinen. Daraus folgte alles andere. Er, "als Student ein lebenslustiger Bursche" und höchstwahrscheinlich Vater unehelicher Kinder, versuchte mit seinem Klostereintritt vor den juristischen und psychologischen Konsequenzen eines Vergehens zu fliehen, nämlich der Tötung eines Kommilitonen im (bei Todesstrafe verbotenen) Duell. Der Eintritt ins Kloster war somit nicht innerlich frei vollzogen und daher Anlass zu großem Seelenleid. Die ganze weitere theologische und kirchenpolitische Entwicklung Luthers war davon geprägt.

Sie bestand aus Selbstrechtfertigungen, Projektionen, Ausreden und Anklagen. Hier kommen wir in eine Problematik, die heutzutage endemisch geworden ist, nämlich das Abwälzen eigener Schuld und die damit verbundenen Rationalisierungen und sonstigen Verrenkungen:

"Luther wollte, wer könnte es ihm verargen, wieder frei sein, er wollte eine Schuld loswerden, die er wahrscheinlich nie als die eigene angenommen hat, und über die er nie zu einer echten Reue gekommen ist."

Um damit – vermeintlich – fertigzuwerden, leugnet Luther die Willensfreiheit und schreibt Gott die Alleinwirksamkeit für das menschliche Handeln zu.

Unfreier Wille – unfreie Gesellschaft

Was wie eine theologische Spitzfindigkeit ohne Konsequenzen in Gesellschaft und Politik klingt, ist doch eine allzu reale Revolution. Diese gefährdet das Fundament der Gesellschaft. Denn wenn der freie Wille des Menschen geleugnet wird, somit auch seine Verantwortung, kann der einzelne zwangsläufig nur als unfreier und unmündiger Mensch betrachtet werden. Über diesen muss aber eine spezielle Führungsschicht stehen.

Das öffnet der Diktatur Tür und Tor. Luther oszillierte zwischen Unterwürfigkeit (gegenüber den Fürsten) und diktatorischem Gehabe. Er gab etwa seinen Willen als Begründung theologischer Fragen an: "Wan euer Papist sich vil unnütz machen wil mit dem Wort sola allein so sagt ihm flugs also: Doctor Martin Luther wills also haben und spricht: Papist und Esel sey ein Ding sic volo, sic jubeo, sit pro ratione voluntas". ("So will ich es, so befehle ich es. Der Wille gelte als Begründung.")

Kronbeck kommt zum Kern des Problems:

"In einem Brief aus dem Jahre 1525 an Erasmus von Rotterdam schreibt Luther, dass es ihm bei seinem Streit gegen Kirche und Papst in Wahrheit gar nicht um den Ablasshandel, um Missstände in der Kirche oder ähnliches geht, sondern um den freien Willen: ‚dass der freie Wille eine reine Lüge sei‘ (…) So habe Gott die Menschen alle zu Sündern gemacht, und mit den Geboten habe er sie nur beschämen wollen, so dass sie erkannten, dass sie das Gute nicht tun können; erst der Glaube mache den Sünder zum Gerechten. Dass diese Lehre nicht nur dem althergebrachten Glauben, sondern auch dem Zeugnis der Bibel und der Vernunft widerspricht, wusste Luther selbst nur allzu gut."

Analog zum Islam kommt Luther zu einer doppelten Prädestination, die die Kirche eben niemals gelehrt hat. Die Kirche betonte immer die menschliche Verantwortung für Heil oder Unheil:

"Luther aber leugnet die Freiheit des Menschen in der entscheidenden Frage, nämlich in der Frage nach dem ewigen Heil, und behauptet, dass Gott über die Menschen ohne deren Zutun bestimme."

Aus dem monströsen Gottesbild folgt daher ein inadäquates Menschenbild.

Abschieben der Verantwortung: Zuflucht in Ausreden

Man kann sagen, dass Luther in gewisser Weise ein Vorläufer des "modernen" Determinismus ist, gemäß diesem der Mensch durch Erbanlagen, Umwelt, Innenwelt o. a. in seinem Handeln vollständig bestimmt wäre und keine Freiheit hätte. Anhand der Geschichte Luthers erkennt man diese Ideologeme als Rationalisierungen für eigenes Fehlverhalten, also Ausreden.

Psychologische Schulen, angefangen von Sigmund Freuds Psychoanalyse, verkaufen solche Ausreden ihren Patienten um bares Geld.

Man leugnet die menschliche Willensfreiheit – fordert aber häufig gleichzeitig die Freiheit von der geistlichen Autorität der Kirche. Deutlicher gesagt: Man fordert die Freiheit zur Sünde.

Wie bei Luther selbst geht es heute dabei klarerweise prominent um die Sexualität.

Unter diesem Aspekt ist Luther ein Vorläufer des Lebensgefühls unserer Zeit, das neben dem freien Willen und der menschlichen Verantwortung folgerichtig auch die Vernunft beim Fenster hinausgeworfen hat (was klarerweise nicht ausschließt, dass die menschliche Freiheit von oft sehr massiven Umständen beeinflusst wird, was sowohl von Moraltheologie als auch Strafrecht berücksichtigt wird).

Es ist eine ganz besondere Tragik, daß diese Verwirrung im derzeitigen Unglückspontifikat tief in die Kirche eingedrungen ist. Offenbar empfindet Papst Franziskus Martin Luther als Seelenverwandten.

Politische Folgen

Kronbeck fasst die politischen Folgen der theologischen Weichenstellungen Luthers so zusammen:

"Die Folgen auf politischem und sozialem Gebiet waren jedoch katastrophal – für Deutschland, für Europa, ja für die ganze Welt: Infolge der Spaltung der Christenheit ist auch die politische Einheit in Europa verloren gegangen. Zwar hatte es schon seit Jahrhunderten eifersüchtige Auseinandersetzungen zwischen Papst, Bischöfen und weltlichen Herrschern, zwischen dem Kaiser, den französischen und den deutschen Königen und Landesfürsten gegeben, zwischen rein weltlich gesinnten Politikern und Kirchenfürsten, wie auch zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Ständen untereinander, doch blieb der Glaube als einigende Grundlage bis dahin unangetastet. Nun aber überlagerten sich politische und religiöse Fragen."

Resümee

Was sich Luther selbst erlaubte, erlaubte er anderen nicht und wandte sich massiv gegen diejenigen, die ihrerseits neue sektiererische Bewegungen gründeten. Luther diente sich deutschen Landesfürsten an, die einen willkommenen Vorwand sahen, sich am Eigentum der Orden zu bereichern.

Die Lutherschen Ideen führten schließlich zum Schisma ganzer Nationen. Auch das ist kein rein theologisch-akademisches Problem oder lediglich "Mönchsgezänk". Immerhin wurde der Dreißigjährige Krieg daraus geboren.

Die Revolution gegen Thron und Altar ging weiter und führte über die Französische Revolution und die Russische Revolution zum Zerfall des Abendlandes, zum gegenwärtigen Heidentum und zur Islamisierung.

Diese Entwicklung beschleunigte sich in den letzten Jahrzehnten.

Klarerweise sind die protestantischen Würdenträger aufgerufen, diesen Dingen nicht auszuweichen, sondern sie klar zu benennen. Sie sind auch aufgerufen, sich über die Legitimität ihrer jeweiligen Gemeinschaft Gedanken zu machen. Mit welcher Autorität agieren sie? Mit derjenigen Gottes? Warum gibt es dann so viele und einander theologisch widersprechende Gruppen und Gemeinschaften? Das ist doch alles eine Lebenslüge!

Aus irgendwelchen geschichtspolitischen Gründen wird Luther von der "offiziellen" Geschichtsschreibung hochgehalten und vor ungeziemenden kritischen Anfragen geschützt. Offensichtlich spielt er als Revolutionär eine wichtige Rolle, die nicht aufs Spiel gesetzt werden soll. Deswegen wird er auch heuer gefeiert werden.

Aber es ist unehrlich.

Buchhinweis:
Franz Kronbeck,
Martin Luthers Kampf mit Gott,
Sarto, Bobingen 2017

Buch bei Amazon

MMag. Wolfram Schrems, Theologe, Philosoph, Katechist; reiche Erfahrung im interkonfessionellen Gespräch

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  1. Ausgezeichneter KommentatorClaudius
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Oktober 2017 21:58

    Im Jahre des Herrn 1618 waren die grössten Teile des heutigen Österreich zu ca. 90% Evangelisch und die Röm.-Katholische Kirche eine kleine Minderheit.

    Weiters war ganz Böhmen, Mähren die heutige Slowakei, Ungarn, das heutige Slowenien und große Teile des heutigen Kroatien ebenfalls zu ca. 90% evangelisch bzw. hussitisch bzw. calvinistisch:

    Siehe: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0f/HolyRomanEmpire_1618.png

    Eine Katastrophe für die Machtverhältnisse - vor allem der Habsburger, die sich zu 100% dem Papst an die Brust geworfen hatten - die treuen religiösen und politischen Verbündeten des Papstes.

    Im Jahre 1618 begann der 30jährige Krieg der große Veränderungen in der Verbreitung der Glaubensbekenntnisse mit sich brachte.

    Nie und nimmer sollte vergessen werden dass - wenn es nach der Bevölkerung Österreichs gegangen wäre: Dann wäre Österreich zu den allergrößten Teilen heute noch evangelisch!

    Aber die Habsburger waren halt militärisch und machtpolitisch eine riesengroße Nummer: "Wir werden euch schon noch katholisch machen" - so konnte man es von den habsburgischen Soldaten damals hören.

    Österreich wurde mit Zwang und militärischer Gewalt wieder durch die Gegenreformation re-katholisiert - Die Habsburger waren der Grund dafür.

    - Vom Glaubensaufbau und Glaubensstruktur her war (und ist immer noch) die röm.-kath. Kirche eine Religion der geistlichen Abhängigkeit von den Kirchenoberen: Papst, Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Ortspriester bzw. Ordenspriester.
    Die röm.-kath. Kirche hat große Ähnlichkeit mit einer absoluten Monarchie.

    - Hingegen ist die evangelische Kirche eine Kirche wo die persönliche Beziehung zu Christus und Gott ermutigt und betont wird. Die kirchliche Hierarchie hat eher einen etwas anderen Charakter und Bedeutung.
    Die evangelische Kirche hat große Ähnlichkeit mit einer Demokratie.

    Ergo: Die röm.-katholische Kirche ist geeigneter um die Gläubigen in geistlicher, geistiger und religiöser Abhängigkeit zu halten. In Teilen war damals die Lehre der r.k. Kirche damals eine Kirche der Angst: Deshalb sollten die Gläubigen dazu angehalten werden die Ablassbriefe zum Zwecke der Vergebung der Sünden zu kaufen. - Das sagt sehr viel aus, es ist symptomatisch!

    Und daher ist es vollkommen logisch und klar: Die Röm.-kath. Kirche (die damals sehr korrupt war) war das ideale Instrument um die Bevölkerung in Unwissenheit und Abhängigkeit zu halten!

    Martin Luther wäre ganz genau so umgebracht worden wie auch Johannes Hus (1370 - 1415). Der wurde unter dem falschen Versprechen des freien Geleits

    Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Hus#Zusicherung_des_freien_Geleits

    zum Konzil nach Konstanz gelockt und dort nach einer Kerkerhaft umgebracht:

    "Am Vormittag des 6. Juli 1415 wurde Hus in feierlicher Vollversammlung des Konzils im Dom, dem späteren Konstanzer Münster, auf Grund seiner Lehre von der „Kirche als der unsichtbaren Gemeinde der Prädestinierten“ als Häretiker zum Feuertod verurteilt."

    Genau das gleiche Schicksal wäre auch Luther zugedacht gewesen: die Ermordung.

    Was Luther rettete waren die damals schon mächtigen deutschen Fürsten und vor allem auch die Buchdruckmaschine, die für eine rasche Verbreitung der Bücher und Schriften sorgten und eine Grundlage für große Popularität schufen.

    Luther war eine der wichtigsten Personen des gesamten europäischen Christentums - möglicherweise die bedeutendste.

    Ehre dem Andenken des großen Reformators Martin Luther (1483 - 1546)!

    http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2016/04/Feuilleton-18-2016.jpg

  2. Ausgezeichneter KommentatorAusgebeuteter
    7x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Oktober 2017 14:37

    Martin Luther war auch nur ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Rückblickend muss man aber die positiven den negativen Seiten gegenüberstellen und da überwiegen eindeutig seine zum Vorteil des Christentums gemachten Aussagen.

    Besonders wichtig waren zu Luthers Zeit die von ihm proklamierten "vier Solis" (allein aus Glaube, allein aus Gnade, allein Jesus Christus und allein die Bibel). Damit - und auch den 95 veröffentlichten Thesen - wollte Luther in der katholischen Kirche manche Fehlentwicklungen korrigieren und (wie der Autor richtig erwähnt) keine neue Kirche gründen. Ebenso ist festzuhalten, dass der Jude Jesus seinerzeit keine neue Glaubensgemeinschaft vorhatte, sondern erst seine Jünger und Nachfolger erst später mangels Rückhalt der jüdischen Gelehrten sich zur christlichen Gemeinschaft entschlossen hatten.

    Erstaunlich ist, dass die katholische Kirche - nach jahrhundertelangem Feindbild - Luther seit einiger Zeit sehr schätzt und manchmal sogar als Pionier bezeichnet.

  3. Ausgezeichneter KommentatorPennpatrik
    6x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Oktober 2017 09:51

    Eine kleine Pointe zu einem immer wieder und sehr oft diskutierten Thema, die ich in der gesamten veröffentlichten Literatur meines doch über 60-jährigen Lebens noch nie gelesen oder gehört habe.
    Das heliozentrische System. Die Schuldigen sind klar: Das ist der Vatikan, der den armen Galilei vor die Inquisition gezerrt und in den Kerker geworfen hat (interessanterweise gestern in einer US-Amerikanischen Fernsehserie in einem Nebensatz wieder gehört).

    Die Rollen sind verteilt:
    - Hier der böse Vatikan, der das Geozentrische Weltbild gegen alle Erkenntnisse der Wissenschaft aufrecht erhalten möchte
    - Dort die aufgeklärten Protestanten, an deren Spitze die Lichtgestalt Luther.
    - Ja - und der unsägliche Bert Brecht mit seinem "Leben des Galileo Galilei".

    Die Wahrheit
    Es handelt sich nicht um das "Galileische" sondern das "Kopernikanische" Weltbild (Die Sonne im Mittelpunkt des System - Heliozentrisch), weil es Kopernikus war, der die entscheidende wissenschaftliche Schrift dazu veröffentlicht hat.
    Beim Tod des Kopernikus war Galilei von seinen Eltern noch nicht einmal geplant. Es war also kein "neues" Weltbild, das Galilei vertrat.

    Kopernikus war ein katholischer(!) Domherr, der in seiner Freizeit(!) die "Revlolutiones" schrieb - übrigens auch auf Drängen seiner wissenschaftlichen Freunde im Vatikan.
    CLEMENS VII hatte sich über die "Revolutiones" informiert und Widmanstadt (Sekretär des Kopernikus) fürstlich belohnt.

    Was meinte Luther:
    Es wird gedacht eines neuen Astrologi, der wolle beweisen, daß die Erde bewegt würde und umginge, nicht der Himmel oder das Firmament, Sonne und Monde; gleich als wenn einer auf einem Wagen oder in einem Schiffe sitz und bewegt wird, meinete, er säße still und ruhete, das Erdreich aber und die Bäume gingen um und bewegten sich. Aber es gehet jetzt also: wer da will klug sehn, der soll ihm nichts lassen gefallen, was Andere machen, er muß ihm etwas eigens machen, das muß das Allerbeste sehn, wie ers machet.
    Der Narr will die ganze Kunst Astronomiae umkehren. Aber wie die heilige Schrift anzeiget, so hieß Josua die Sonne still stehen, und nicht das Erdreich.

    Es gibt sicher noch einige Sachen über Luther zu sagen:
    Die Hexenverbrennungen (die Protestanten verbrannten anteilmäßig mehr Frauen als Männer, weil Luther die - geschlechtsneutrale - Form von Hexen falsch übersetzte).
    Natürlich fragt man sich auch, warum Menschen aus Pastorenfamilien so leicht autoritären Systemen unterliegen (Ulrike Meinhof, Merkel, überhaupt hatten die Protestanten in der DDR weniger Probleme das Regime anzuerkennen als die Katholiken).
    Auch in der Frage der Sklaverei in den USA hat die katholische Kirche - im Gegensatz zu den Protestanten - eine ablehnende Haltung eingenommen.

    PS: Der Gregorianische Kalender wurde im Vatikan nach Kopernikus' berechnet.

  4. Ausgezeichneter KommentatorClaudius
    5x Ausgezeichneter Kommentar
    30. Oktober 2017 21:12

    Die 95 Thesen Luthers aus dem Jahr 1517:

    Historisch gesichert ist:

    Luther schrieb am 31.10.1517 Briefe an seine Vorgesetzten, in denen er die Praxis des Ablaßhandels (vor allem durch Tetzel) anprangerte und die Behebung der Mißstände anmahnte. Den Briefen legte er 95 Thesen bei, die als Grundlage für eine Disputation über das Thema dienen sollten:

    1. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht "Tut Buße" usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.

    2. Dieses Wort kann nicht von der Buße als Sakrament - d. h. von der Beichte und Genugtuung -, die durch das priesterliche Amt verwaltet wird, verstanden werden.

    3. Es bezieht sich nicht nur auf eine innere Buße, ja eine solche wäre gar keine, wenn sie nicht nach außen mancherlei Werke zur Abtötung des Fleisches bewirkte.

    4. Daher bleibt die Strafe, solange der Haß gegen sich selbst - das ist die wahre Herzensbuße - bestehen bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich.

    5. Der Papst will und kann keine Strafen erlassen, außer solchen, die er auf Grund seiner eigenen Entscheidung oder der der kirchlichen Satzungen auferlegt hat.

    6. Der Papst kann eine Schuld nur dadurch erlassen, daß er sie als von Gott erlassen erklärt und bezeugt, natürlich kann er sie in den ihm vorbehaltenen Fällen erlassen; wollte man das geringachten, bliebe die Schuld ganz und gar bestehen.

    7. Gott erläßt überhaupt keinem die Schuld, ohne ihn zugleich demütig in allem dem Priester, seinem Stellvertreter, zu unterwerfen.

    8. Die kirchlichen Bestimmungen über die Buße sind nur für die Lebenden verbindlich, den Sterbenden darf demgemäß nichts auferlegt werden.

    9. Daher handelt der Heilige Geist, der durch den Papst wirkt, uns gegenüber gut, wenn er in seinen Erlassen immer den Fall des Todes und der höchsten Not ausnimmt.

    10. Unwissend und schlecht handeln diejenigen Priester, die den Sterbenden kirchliche Bußen für das Fegefeuer aufsparen.

    11. Die Meinung, daß eine kirchliche Bußstrafe in eine Fegefeuerstrafe umgewandelt werden könne, ist ein Unkraut, das offenbar gesät worden ist, während die Bischöfe schliefen.

    12. Früher wurden die kirchlichen Bußstrafen nicht nach, sondern vor der Absolution auferlegt, gleichsam als Prüfstein für die Aufrichtigkeit der Reue.

    13. Die Sterbenden werden durch den Tod von allem gelöst, und für die kirchlichen Satzungen sind sie schon tot, weil sie von Rechts wegen davon befreit sind.

    14. Ist die Haltung eines Sterbenden und die Liebe (Gott gegenüber) unvollkommen, so bringt ihm das notwendig große Furcht, und diese ist um so größer, je geringer jene ist.

    15. Diese Furcht und dieser Schrecken genügen für sich allein - um von anderem zu schweigen -, die Pein des Fegefeuers auszumachen; denn sie kommen dem Grauen der Verzweiflung ganz nahe.

    16. Es scheinen sich demnach Hölle, Fegefeuer und Himmel in der gleichen Weise zu unterscheiden wie Verzweiflung, annähernde Verzweiflung und Sicherheit.

    17. Offenbar haben die Seelen im Fegefeuer die Mehrung der Liebe genauso nötig wie eine Minderung des Grauens.

    18. Offenbar ist es auch weder durch Vernunft- noch Schriftgründe erwiesen, daß sie sich außerhalb des Zustandes befinden, in dem sie Verdienste erwerben können oder in dem die Liebe zunehmen kann.

    19. Offenbar ist auch dieses nicht erwiesen, daß sie - wenigstens nicht alle - ihrer Seligkeit sicher und gewiß sind, wenngleich wir ihrer völlig sicher sind.

    20. Daher meint der Papst mit dem vollkommenen Erlaß aller Strafen nicht einfach den Erlaß sämtlicher Strafen, sondern nur derjenigen, die er selbst auferlegt hat.

    21. Deshalb irren jene Ablaßprediger, die sagen, daß durch die Ablässe des Papstes der Mensch von jeder Strafe frei und los werde.

    22. Vielmehr erläßt er den Seelen im Fegefeuer keine einzige Strafe, die sie nach den kirchlichen Satzungen in diesem Leben hätten abbüßen müssen.

    23. Wenn überhaupt irgendwem irgendein Erlaß aller Strafen gewährt werden kann, dann gewiß allein den Vollkommensten, das heißt aber, ganz wenigen.

    24. Deswegen wird zwangsläufig ein Großteil des Volkes durch jenes in Bausch und Bogen und großsprecherisch gegebene Versprechen des Straferlasses getäuscht.

    25. Die gleiche Macht, die der Papst bezüglich des Fegefeuers im allgemeinen hat, besitzt jeder Bischof und jeder Seelsorger in seinem Bistum bzw. seinem Pfarrbezirk im besonderen.

    26. Der Papst handelt sehr richtig, den Seelen (im Fegefeuer) die Vergebung nicht auf Grund seiner - ihm dafür nicht zur Verfügung stehenden - Schlüsselgewalt, sondern auf dem Wege der Fürbitte zuzuwenden.

    27. Menschenlehre verkündigen die, die sagen, daß die Seele (aus dem Fegefeuer) emporfliege, sobald das Geld im Kasten klingt.

    28. Gewiß, sobald das Geld im Kasten klingt, können Gewinn und Habgier wachsen, aber die Fürbitte der Kirche steht allein auf dem Willen Gottes.

    29. Wer weiß denn, ob alle Seelen im Fegefeuer losgekauft werden wollen, wie es beispielsweise beim heiligen Severin und Paschalis nicht der Fall gewesen sein soll.

    30. Keiner ist der Echtheit seiner Reue gewiß, viel weniger, ob er völligen Erlaß (der Sündenstrafe) erlangt hat.

    31. So selten einer in rechter Weise Buße tut, so selten kauft einer in der rechten Weise Ablaß, nämlich außerordentlich selten.

    32. Wer glaubt, durch einen Ablaßbrief seines Heils gewiß sein zu können, wird auf ewig mit seinen Lehrmeistern verdammt werden.

    33. Nicht genug kann man sich vor denen hüten, die den Ablaß des Papstes jene unschätzbare Gabe Gottes nennen, durch die der Mensch mit Gott versöhnt werde.

    34. Jene Ablaßgnaden beziehen sich nämlich nur auf die von Menschen festgesetzten Strafen der sakramentalen Genugtuung.

    35. Nicht christlich predigen die, die lehren, daß für die, die Seelen (aus dem Fegefeuer) loskaufen oder Beichtbriefe erwerben, Reue nicht nötig sei.

    36. Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlaß von Strafe und Schuld, auch ohne Ablaßbrief.

    37. Jeder wahre Christ, sei er lebendig oder tot, hat Anteil an allen Gütern Christi und der Kirche, von Gott ihm auch ohne Ablaßbrief gegeben.

    38. Doch dürfen der Erlaß und der Anteil (an den genannten Gütern), die der Papst vermittelt, keineswegs geringgeachtet werden, weil sie - wie ich schon sagte - die Erklärung der göttlichen Vergebung darstellen.

    39. Auch den gelehrtesten Theologen dürfte es sehr schwerfallen, vor dem Volk zugleich die Fülle der Ablässe und die Aufrichtigkeit der Reue zu rühmen.

    40, Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die Fülle der Ablässe aber macht gleichgültig und lehrt sie hassen, wenigstens legt sie das nahe.

    41. Nur mit Vorsicht darf der apostolische Ablaß gepredigt werden, damit das Volk nicht fälschlicherweise meint, er sei anderen guten Werken der Liebe vorzuziehen.

    42. Man soll die Christen lehren: Die Meinung des Papstes ist es nicht, daß der Erwerb von Ablaß in irgendeiner Weise mit Werken der Barmherzigkeit zu vergleichen sei.

    43. Man soll den Christen lehren: Dem Armen zu geben oder dem Bedürftigen zu leihen ist besser, als Ablaß zu kaufen.

    44. Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe und wird der Mensch besser, aber durch Ablaß wird er nicht besser, sondern nur teilweise von der Strafe befreit.

    45. Man soll die Christen lehren: Wer einen Bedürftigen sieht, ihn übergeht und statt dessen für den Ablaß gibt, kauft nicht den Ablaß des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein.

    46. Man soll die Christen lehren: Die, die nicht im Überfluß leben, sollen das Lebensnotwendige für ihr Hauswesen behalten und keinesfalls für den Ablaß verschwenden.

    47. Man soll die Christen lehren: Der Kauf von Ablaß ist eine freiwillige Angelegenheit, nicht geboten.

    48. Man soll die Christen lehren: Der Papst hat bei der Erteilung von Ablaß ein für ihn dargebrachtes Gebet nötiger und wünscht es deshalb auch mehr als zur Verfügung gestelltes Geld.

    49. Man soll die Christen lehren: Der Ablaß des Papstes ist nützlich, wenn man nicht sein Vertrauen darauf setzt, aber sehr schädlich, falls man darüber die Furcht Gottes fahrenläßt.

    50. Man soll die Christen lehren: Wenn der Papst die Erpressungsmethoden der Ablaßprediger wüßte, sähe er lieber die Peterskirche in Asche sinken, als daß sie mit Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe erbaut würde.

    51. Man soll die Christen lehren: Der Papst wäre, wie es seine Pflicht ist, bereit - wenn nötig -, die Peterskirche zu verkaufen, um von seinem Gelde einem großen Teil jener zu geben, denen gewisse Ablaßprediger das Geld aus der Tasche holen.

    52. Auf Grund eines Ablaßbriefes das Heil zu erwarten ist eitel, auch wenn der (Ablaß-)Kommissar, ja der Papst selbst ihre Seelen dafür verpfändeten.

    53. Die anordnen, daß um der Ablaßpredigt willen das Wort Gottes in den umliegenden Kirchen völlig zum Schweigen komme, sind Feinde Christi und des Papstes.

    54. Dem Wort Gottes geschieht Unrecht, wenn in ein und derselben Predigt auf den Ablaß die gleiche oder längere Zeit verwendet wird als für jenes.

    55. Die Meinung des Papstes ist unbedingt die: Wenn der Ablaß - als das Geringste - mit einer Glocke, einer Prozession und einem Gottesdienst gefeiert wird, sollte das Evangelium - als das Höchste - mit hundert Glocken, hundert Prozessionen und hundert Gottesdiensten gepredigt werden.

    56. Der Schatz der Kirche, aus dem der Papst den Ablaß austeilt, ist bei dem Volke Christi weder genügend genannt noch bekannt.

    57. Offenbar besteht er nicht in zeitlichen Gütern, denn die würden viele von den Predigern nicht so leicht mit vollen Händen austeilen, sondern bloß sammeln.

    58. Er besteht aber auch nicht aus den Verdiensten Christi und der Heiligen, weil diese dauernd ohne den Papst Gnade für den inwendigen Menschen sowie Kreuz, Tod und Hölle für den äußeren bewirken.

    59. Der heilige Laurentius hat gesagt, daß der Schatz der Kirche ihre Armen seien, aber die Verwendung dieses Begriffes entsprach der Auffassung seiner Zeit.

    60. Wohlbegründet sagen wir, daß die Schlüssel der Kirche - die ihr durch das Verdienst Christi geschenkt sind - jenen Schatz darstellen.

    61. Selbstverständlich genügt die Gewalt des Papstes allein zum Erlaß von Strafen und zur Vergebung in besondern, ihm vorbehaltenen Fällen.

    62. Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.

    63. Dieser ist zu Recht allgemein verhaßt, weil er aus Ersten Letzte macht.

    64. Der Schatz des Ablasses jedoch ist zu Recht außerordentlich beliebt, weil er aus Letzten Erste macht.

    65. Also ist der Schatz des Evangeliums das Netz, mit dem man einst die Besitzer von Reichtum fing.

    66. Der Schatz des Ablasses ist das Netz, mit dem man jetzt den Reichtum von Besitzenden fängt.

    67. Der Ablaß, den die Ablaßprediger lautstark als außerordentliche Gnaden anpreisen, kann tatsächlich dafür gelten, was das gute Geschäft anbelangt.

    68. Doch sind sie, verglichen mit der Gnade Gottes und der Verehrung des Kreuzes, in der Tat ganz geringfügig.

    69. Die Bischöfe und Pfarrer sind gehalten, die Kommissare des apostolischen Ablasses mit aller Ehrerbietung zuzulassen.

    70. Aber noch mehr sind sie gehalten, Augen und Ohren anzustrengen, daß jene nicht anstelle des päpstlichen Auftrags ihre eigenen Phantastereien predigen.

    71. Wer gegen die Wahrheit des apostolischen Ablasses spricht, der sei verworfen und verflucht.

    72. Aber wer gegen die Zügellosigkeit und Frechheit der Worte der Ablaßprediger auftritt, der sei gesegnet.

    73. Wie der Papst zu Recht seinen Bannstrahl gegen diejenigen schleudert, die hinsichtlich des Ablaßgeschäftes auf mannigfache Weise Betrug ersinnen,

    74. So will er viel mehr den Bannstrahl gegen diejenigen schleudern, die unter dem Vorwand des Ablasses auf Betrug hinsichtlich der heiligen Liebe und Wahrheit sinnen.

    75. Es ist irrsinnig zu meinen, daß der päpstliche Ablaß mächtig genug sei, einen Menschen loszusprechen, auch wenn er - was ja unmöglich ist - der Gottesgebärerin Gewalt angetan hätte.

    76. Wir behaupten dagegen, daß der päpstliche Ablaß auch nicht die geringste läßliche Sünde wegnehmen kann, was deren Schuld betrifft.

    77. Wenn es heißt, auch der heilige Petrus könnte, wenn er jetzt Papst wäre, keine größeren Gnaden austeilen, so ist das eine Lästerung des heiligen Petrus und des Papstes.

    78. Wir behaupten dagegen, daß dieser wie jeder beliebige Papst größere hat, nämlich das Evangelium, "Geisteskräfte und Gaben, gesund zu machen" usw., wie es 1. Kor. 12 heißt.

    79. Es ist Gotteslästerung zu sagen, daß das (in den Kirchen) an hervorragender Stelle errichtete (Ablaß-) Kreuz, das mit dem päpstlichen Wappen versehen ist, dem Kreuz Christi gleichkäme.

    80. Bischöfe, Pfarrer und Theologen, die dulden, daß man dem Volk solche Predigt bietet, werden dafür Rechenschaft ablegen müssen.

    81. Diese freche Ablaßpredigt macht es auch gelehrten Männern nicht leicht, das Ansehen des Papstes vor böswilliger Kritik oder sogar vor spitzfindigen Fragen der Laien zu schützen.

    82. Zum Beispiel: Warum räumt der Papst nicht das Fegefeuer aus um der heiligsten Liebe und höchsten Not der Seelen willen - als aus einem wirklich triftigen Grund -, da er doch unzählige Seelen loskauft um des unheilvollen Geldes zum Bau einer Kirche willen - als aus einem sehr fadenscheinigen Grund -?

    83. Oder: Warum bleiben die Totenmessen sowie Jahrfeiern für die Verstorbenen bestehen, und warum gibt er (der Papst) nicht die Stiftungen, die dafür gemacht worden sind, zurück oder gestattet ihre Rückgabe,wenn es schon ein Unrecht ist, für die Losgekauften zu beten?

    84. Oder: Was ist das für eine neue Frömmigkeit vor Gott und dem Papst, daß sie einem Gottlosen und Feinde erlauben, für sein Geld eine fromme und von Gott geliebte Seele loszukaufen; doch um der eigenen Not dieser frommen und geliebten Seele willen erlösen sie diese nicht aus freigeschenkter Liebe?

    85. Oder: Warum werden die kirchlichen Bußsatzungen, die "tatsächlich und durch Nichtgebrauch" an sich längst abgeschafft und tot sind, doch noch immer durch die Gewährung von Ablaß mit Geld abgelöst, als wären sie höchst lebendig?

    86. Oder: Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gläubigen?

    87. Oder: Was erläßt der Papst oder woran gibt er denen Anteil, die durch vollkommene Reue ein Anrecht haben auf völligen Erlaß und völlige Teilhabe?

    88. Oder: Was könnte der Kirche Besseres geschehen, als wenn der Papst, wie er es (jetzt) einmal tut, hundertmal am Tage jedem Gläubigen diesen Erlaß und diese Teilhabe zukommen ließe?

    89. Wieso sucht der Papst durch den Ablaß das Heil der Seelen mehr als das Geld; warum hebt er früher gewährte Briefe und Ablässe jetzt auf, die doch ebenso wirksam sind?

    90. Diese äußerst peinlichen Einwände der Laien nur mit Gewalt zu unterdrücken und nicht durch vernünftige Gegenargumente zu beseitigen heißt, die Kirche und den Papst dem Gelächter der Feinde auszusetzen und die Christenheit unglücklich zu machen.

    91. Wenn daher der Ablaß dem Geiste und der Auffassung des Papstes gemäß gepredigt würde, lösten sich diese (Einwände) alle ohne weiteres auf, ja es gäbe sie überhaupt nicht.

    92. Darum weg mit allen jenen Propheten, die den Christen predigen: "Friede, Friede", und ist doch kein Friede.

    93. Wohl möge es gehen allen den Propheten, die den Christen predigen: "Kreuz, Kreuz", und ist doch kein Kreuz.

    94. Man soll die Christen ermutigen, daß sie ihrem Haupt Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen trachten.

    95. Und daß die lieber darauf trauen, durch viele Trübsale ins Himmelreich einzugehen, als sich in falscher geistlicher Sicherheit zu beruhigen.

  5. Ausgezeichneter KommentatorClaudius
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    31. Oktober 2017 23:03

    Das Augsburger Bekenntnis (Confession Augustana), das von Philip Melanchthon (1497-1560) am Reichstag zu Augsburg 1530 verlesen sowie dem Kaiser Karl V. übergeben wurde - sollte in keiner Reformationsdiskussion fehlen.

    Die wichtigsten Punkte des Evangelischen Glaubens sind hier zusammengefasst.

    Es ist in moderner, einfach zu verstehender Sprache als HTML herunter zu laden:

    https://web.archive.org/web/20131031081623/http://www.velkd.de/101.php#Einfhrung

    Weitere Infos sowie Erläuterungen dazu:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Confessio_Augustana

  6. Ausgezeichneter KommentatorBob
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    29. Oktober 2017 09:58

    Nicht zu vergessen die vielen Menschen die durch die Reformation zu Tode gekommen sind.

  7. Ausgezeichneter KommentatorCollector
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    01. November 2017 11:27

    Prof. theol et. phil. Michael Büncker, em. Superintendent der ev. Kirche Österreichs, beantwortete am 2. Februar 2017  in der Aussprache nach seinem Luther-Festvortrag im Wiener Rathaus die Frage, ob denn Luther durch die Entkirchlichung und die Spaltung des christlichen Glaubens nicht nur zum Dreißigjährigen Krieg beigetragen hätte, sondern über Fürstenabsolutismus, Französische Revolution, Liberalismus, Nationalismus, Sozialismus und Kommunismus den Weg nach Auschwitz und den Völkermord an den Juden mitgebahnt habe, mit einem spontanen „Ja“.
    Auch die Fortsetzung dieses Weges, der zur "Verschleuderung unseres christlichen Erbes" (Kardinal Schönborn), zur "Abschaffung" Deutschlands (Sarazin) und Europas (Altabt Gregor Henckel von Donnersmark) führte, hat Wurzeln in der geistigen Langzeitwirkung Luthers.

    Es ist das Verdienst von Kronbeck und Schrems den Zusammenhang des durch Luther "veruntreuten Wortes" mit Deizid, Genozid, Soziozid und Infantizid herausgearbeitet zu haben. Dafür gebührt ihnen Dank

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorTorres
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    31. Oktober 2017 16:07

    (Nicht ganz)O.T.: Großer Aufruhr der Linken. Warum? In Potsdam wurde die (in DDR-Zeiten) zerstörte Garnisonskirche wieder aufgebaut und eingeweiht. Und warum ist die Linke so aufgeregt? Weil die Kirche historisch "belastet" ist: Dort hat nämlich Hindenburg Hitler die Hand gegeben. Na sowas auch! So ein böser Ort gehört selbstverständlich dem Boden gleichgemacht.

  2. Ausgezeichneter Kommentatorunbedeutend
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    31. Oktober 2017 08:53

    Man könnte es kurz so zusammenfassen: Ein gottloser Mönch hat gegen eine "Kirche", die sich schon sehr weit von den Worten Jesu entfernt hatte, rebelliert. Es gab dann noch eine kleine Gruppe, die in friedlicher Weise Jesus nachfolgen wollte, die sogenannten Anabaptisten. In der Verfolgung dieser friedliebenden Menschen waren sich Luther und die "Papisten" einig. Das waren damals die einzigen, die die Glaubensfreiheit bekannten. Darum hat Luther gegen diese Menschen aufs fürchterlichste gehetzt.
    Die Vermischung von Glaube mit politischer Macht ist eine Katastrophe, seit Konstantin, und besonders auch im Protestantismus. Jesus will eine arme, freie Kirche, keine politisierende Hierarchie.

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  1. mtk79
    07. November 2017 09:23

    Das "dünne" Buch, auf welches sich der Schreiber bezieht, ist wohl so dünn wie die Suppe, aus welcher das katholische Diktat Luther seit Jahrhunderten den Prozess machen möchte. Uneheliche Kinder, Duelle mit Todesfolge und Geschichtsfälschung als Einleitung zur Katechismus-Stunde...
    Unfassbar.

  2. Claudius
    02. November 2017 20:42

    Wenige Minuten am Reichstag zu Worms, (der insgesamt 119 Tage dauerte, vom Jänner bis zum Mai 1521) - aber diese wenigen Minuten haben die religiöse und somit auch politische Entwicklung Europas und der Welt (da die Welt damals hauptsächlich von Europa bestimmt wurde) auf das Intensivste beeinflusst:

    Die orginial protokollierten Worte von Dr. Martin Luther am Reichstag zu Worms, am 18.4.1521 vor dem Kaiser, Karl V., allen Kurfürsten und allen Mächtigen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation:

    "Ich kann und will nicht widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun.

    Es sei denn, dass ich mit Zeugnissen der Heiligen Schrift oder mit öffentlichen, klaren und hellen Gründen und Ursachen widerlegt werde, denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilen allein, weil es offensichtlich ist, dass sie oft geirrt und sich selbst widersprochen haben.

    Gott helfe mir. Amen.“


    Die Worte des Kaisers unmittelbar nach dem Aussagen von Dr. Martin Luther (es ist überliefert dass der Kaiser nur mäßig Deutsch sprach, der in Brüssel & Mechelen Aufgewachsene sprach hauptsächlich Französisch, Dolmetscher waren daher am Reichstag zugegen):

    "Denn es ist sicher, dass ein einzelner Mönch in seiner Meinung irrt, wenn diese gegen die der ganzen Christenheit, wie sie seit mehr als tausend Jahren gelehrt wird, steht.

    Deshalb bin ich fest entschlossen, an diese Sache meine Reiche und Herrschaften, mein Leib, mein Blut und meine Seele zu setzen.”


    Quelle: https://www.luther2017.de/de/neuigkeiten/luther-auf-dem-reichstag-in-worms/

  3. Gandalf
    02. November 2017 15:05

    http://vorarlberg.orf.at/news/stories/2875625/

    ...und ein "Theologe, Philosoph, Katechist" DIESER (katholischen) Kirche wagt es, Reformation unter Anführunszeichen zu setzen ?

    • Zraxl (kein Partner)
      02. November 2017 19:25

      Gandalf, worin besteht Ihr Problem mit Teufelsaustreibungen?
      - Weil es keinen Teufel gibt?
      - Weil ein Teufel keine Personen befällt (sondern allenfalls Zeitungen, Redaktionen, Vereine, Parteien)?
      - Weil man einen Teufel, der jemandem aufsitzt sowieso nicht vertreiben kann?
      ...oder warum sonst geraten Sie in Aufregung?

    • Gandalf
      05. November 2017 18:13

      @ Zraxl - sollten Sie noch einmal vorbeischauen:
      Ich bin überhaupt nicht aufgeregt. Ganz im Gegenteil, ich bin gelassen und freue mich, dass ich als evangelisch - lutherischer Christ, dank der Reformation, einen Zugang zu Gott und Gottes Sohn Jesus Christus habe, der nicht durch Teufel, Hexen und sonstige überflüssige mittelalterliche Relikte belastet ist; und ich bedauere alle Katholiken, die sich verpflichtet fühlen, an so was zu glauben.

    • blaue Blume
      06. November 2017 08:53

      @ Zraxl
      Versteh ich Sie richtig? Sie sind der Überzeugung, der Teufel existiert nicht, und halten sich für einen Christen?

      Vermutlich versteh ich Sie nicht richtig, denn das kann ja nicht sein.

    • Zraxl (kein Partner)
      06. November 2017 16:46

      @Gandalf
      Jesus hat doch Besessene geheilt, Dämonen ausgetrieben, Versuchungen am Tempeldach und anderswo überstanden. Irgendwie war da doch die Rede vom Teufel in den Evangelien.

      @blaue Blume
      Nie und nimmer behaupte ich, dass es keinen Teufel gibt. Ich habe nur gefragt, weil ich dieses moderne-Zeit-und-nicht-mehr-Mittelalter Argument gewittert habe, das doch nur ein Trugbild ist.
      Übrigens: Das Althochdeutsche Wort für Trugbild, Böser Geist, Gespenst ist "Tiufal".

  4. Rübezahl
    02. November 2017 12:06

    Genau diese Frage, über der Freiheit des Menschen, ist meine Überzeugung und aus meiner Sicht DER Kern der christlichen Religion, vermutlich der römisch katholischen Kirche.
    Genau HIER ist der entscheidende Unterschied zum Islam zu suchen! Ich muss niemanden Gefallen (z.B. durch Bombenanschläge...) keine Ausrede, dass ich nix dafür kann (Kismet) usw. Es entfällt die primitive Formel (und Projektion) Gott will es so!

    Danke an Schrems und alle Kommentatoren für Ihre Worte!

    So das ein Beweggrund Luthers gewesen war, vor den Konsequenzen eines illegalen Duells zu fliehen,wird er tatsächlich auf die Ebene eines Propheten gehoben/abgesenkt, der um seiner selbst Willen, allgemeine Regeln für alle in Stein meißelte!

    Selbstlosigkeit als Tarnung seines eigenen Willens.Das kann schon sein,da nur relativ starke Persönlichkeiten Bewegungen dieser Dimension hervorrufen können. Einem isoliert vor sich hinbrütenden intellektuellen Mönch folgen vermutlich nicht so viele nach! Einem Führertyp sehr wohl.

  5. Leopold Trzil
    02. November 2017 10:17

    Ja, sagen Sie, Herr Claudius! Wollen Sie uns hier den ganzen lutherischen Katechismus lehren? Schauen Sie doch in die Stammlande der Reformation, nach Sachsen und Anhalt, was dort nach 500 Jahren noch übrig ist: ein Scherbenhaufen! Die Gebiete, welche damals von ihren Fürsten in den neuen Glauben geführt oder gezwungen wurden, sind heute am meisten entchristlicht. In Skandinavien und Britannien ist es nicht besser. Im Gegensatz zu den reformatorischen Landeskirchen gedeihen allerdings die Evangelikalen - aber diese stehen der offizeillen Evangelisch-Lutherischen Kirche nicht viel positiver gegenüber als dem Papst, dem Ablaß und dem Fegefeuer.

    • blaue Blume
      02. November 2017 22:40

      Meine drei Sterne für Ihren Kommentar gehen irgendwie unter in der Bewertung.
      Ich bin erstaunt, wie man sich hier für Luther ins Zeug haut.

  6. Collector
    01. November 2017 11:27

    Prof. theol et. phil. Michael Büncker, em. Superintendent der ev. Kirche Österreichs, beantwortete am 2. Februar 2017  in der Aussprache nach seinem Luther-Festvortrag im Wiener Rathaus die Frage, ob denn Luther durch die Entkirchlichung und die Spaltung des christlichen Glaubens nicht nur zum Dreißigjährigen Krieg beigetragen hätte, sondern über Fürstenabsolutismus, Französische Revolution, Liberalismus, Nationalismus, Sozialismus und Kommunismus den Weg nach Auschwitz und den Völkermord an den Juden mitgebahnt habe, mit einem spontanen „Ja“.
    Auch die Fortsetzung dieses Weges, der zur "Verschleuderung unseres christlichen Erbes" (Kardinal Schönborn), zur "Abschaffung" Deutschlands (Sarazin) und Europas (Altabt Gregor Henckel von Donnersmark) führte, hat Wurzeln in der geistigen Langzeitwirkung Luthers.

    Es ist das Verdienst von Kronbeck und Schrems den Zusammenhang des durch Luther "veruntreuten Wortes" mit Deizid, Genozid, Soziozid und Infantizid herausgearbeitet zu haben. Dafür gebührt ihnen Dank

    • Rübezahl
      02. November 2017 11:51

      Danke Collector!
      Das ist ein gewagter Bogen. Aber nicht unmöglich.
      SO gesehen war Luther der erste Aufbegehrer! Heute Revolutionär! Damit beispielgebend für die viel verhängnisvollere französische Revolution.
      Später Marxismus etc..
      JA das macht Sinn!Das (Negativ)beispiel, das Schule machte!

      Danke für diese Gedanken!

    • Gandalf
      02. November 2017 17:59

      @ Collector:
      Dr. Michael Bünker ist nicht "em. Superintendent.." der evangelischen Kirche Österreichs, sondern deren nach wie vor (und hoffentlich noch lange) im Amt befindlicher BISCHOF - ein brillianter Theologe, auch wenn man politisch nicht seine Ansichten teilt. Und die Funktion des Bischofs entspricht in Österreich dem Amt eines Erzbischofs bei den Katholiken. Nur um die Dinge ins rechte Licht zu rücken und Bildungslücken zu schliessen; schliesslich gibt es auch auf katholischer Seite Gelehrte, die politisch - zum Teil weit schlimer - daneben liegen.

  7. Claudius
    31. Oktober 2017 23:03

    Das Augsburger Bekenntnis (Confession Augustana), das von Philip Melanchthon (1497-1560) am Reichstag zu Augsburg 1530 verlesen sowie dem Kaiser Karl V. übergeben wurde - sollte in keiner Reformationsdiskussion fehlen.

    Die wichtigsten Punkte des Evangelischen Glaubens sind hier zusammengefasst.

    Es ist in moderner, einfach zu verstehender Sprache als HTML herunter zu laden:

    https://web.archive.org/web/20131031081623/http://www.velkd.de/101.php#Einfhrung

    Weitere Infos sowie Erläuterungen dazu:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Confessio_Augustana

  8. Torres (kein Partner)
    31. Oktober 2017 16:07

    (Nicht ganz)O.T.: Großer Aufruhr der Linken. Warum? In Potsdam wurde die (in DDR-Zeiten) zerstörte Garnisonskirche wieder aufgebaut und eingeweiht. Und warum ist die Linke so aufgeregt? Weil die Kirche historisch "belastet" ist: Dort hat nämlich Hindenburg Hitler die Hand gegeben. Na sowas auch! So ein böser Ort gehört selbstverständlich dem Boden gleichgemacht.

  9. unbedeutend (kein Partner)
    31. Oktober 2017 08:53

    Man könnte es kurz so zusammenfassen: Ein gottloser Mönch hat gegen eine "Kirche", die sich schon sehr weit von den Worten Jesu entfernt hatte, rebelliert. Es gab dann noch eine kleine Gruppe, die in friedlicher Weise Jesus nachfolgen wollte, die sogenannten Anabaptisten. In der Verfolgung dieser friedliebenden Menschen waren sich Luther und die "Papisten" einig. Das waren damals die einzigen, die die Glaubensfreiheit bekannten. Darum hat Luther gegen diese Menschen aufs fürchterlichste gehetzt.
    Die Vermischung von Glaube mit politischer Macht ist eine Katastrophe, seit Konstantin, und besonders auch im Protestantismus. Jesus will eine arme, freie Kirche, keine politisierende Hierarchie.

    • Normalsterblicher
      31. Oktober 2017 19:50

      Statt Anabaptisten sollte besser von den Täufern gesprochen werden.

    • Gandalf
      02. November 2017 18:18

      @ unbedeutend:
      Die (Wieder-)Täufer waren eine häretische Sekte. Nicht nur Luther lehnte sie ab, sondern - no na - natürlich vor allem die katholische Kirche selbst.

  10. Claudius
    30. Oktober 2017 21:58

    Im Jahre des Herrn 1618 waren die grössten Teile des heutigen Österreich zu ca. 90% Evangelisch und die Röm.-Katholische Kirche eine kleine Minderheit.

    Weiters war ganz Böhmen, Mähren die heutige Slowakei, Ungarn, das heutige Slowenien und große Teile des heutigen Kroatien ebenfalls zu ca. 90% evangelisch bzw. hussitisch bzw. calvinistisch:

    Siehe: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0f/HolyRomanEmpire_1618.png

    Eine Katastrophe für die Machtverhältnisse - vor allem der Habsburger, die sich zu 100% dem Papst an die Brust geworfen hatten - die treuen religiösen und politischen Verbündeten des Papstes.

    Im Jahre 1618 begann der 30jährige Krieg der große Veränderungen in der Verbreitung der Glaubensbekenntnisse mit sich brachte.

    Nie und nimmer sollte vergessen werden dass - wenn es nach der Bevölkerung Österreichs gegangen wäre: Dann wäre Österreich zu den allergrößten Teilen heute noch evangelisch!

    Aber die Habsburger waren halt militärisch und machtpolitisch eine riesengroße Nummer: "Wir werden euch schon noch katholisch machen" - so konnte man es von den habsburgischen Soldaten damals hören.

    Österreich wurde mit Zwang und militärischer Gewalt wieder durch die Gegenreformation re-katholisiert - Die Habsburger waren der Grund dafür.

    - Vom Glaubensaufbau und Glaubensstruktur her war (und ist immer noch) die röm.-kath. Kirche eine Religion der geistlichen Abhängigkeit von den Kirchenoberen: Papst, Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Ortspriester bzw. Ordenspriester.
    Die röm.-kath. Kirche hat große Ähnlichkeit mit einer absoluten Monarchie.

    - Hingegen ist die evangelische Kirche eine Kirche wo die persönliche Beziehung zu Christus und Gott ermutigt und betont wird. Die kirchliche Hierarchie hat eher einen etwas anderen Charakter und Bedeutung.
    Die evangelische Kirche hat große Ähnlichkeit mit einer Demokratie.

    Ergo: Die röm.-katholische Kirche ist geeigneter um die Gläubigen in geistlicher, geistiger und religiöser Abhängigkeit zu halten. In Teilen war damals die Lehre der r.k. Kirche damals eine Kirche der Angst: Deshalb sollten die Gläubigen dazu angehalten werden die Ablassbriefe zum Zwecke der Vergebung der Sünden zu kaufen. - Das sagt sehr viel aus, es ist symptomatisch!

    Und daher ist es vollkommen logisch und klar: Die Röm.-kath. Kirche (die damals sehr korrupt war) war das ideale Instrument um die Bevölkerung in Unwissenheit und Abhängigkeit zu halten!

    Martin Luther wäre ganz genau so umgebracht worden wie auch Johannes Hus (1370 - 1415). Der wurde unter dem falschen Versprechen des freien Geleits

    Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Hus#Zusicherung_des_freien_Geleits

    zum Konzil nach Konstanz gelockt und dort nach einer Kerkerhaft umgebracht:

    "Am Vormittag des 6. Juli 1415 wurde Hus in feierlicher Vollversammlung des Konzils im Dom, dem späteren Konstanzer Münster, auf Grund seiner Lehre von der „Kirche als der unsichtbaren Gemeinde der Prädestinierten“ als Häretiker zum Feuertod verurteilt."

    Genau das gleiche Schicksal wäre auch Luther zugedacht gewesen: die Ermordung.

    Was Luther rettete waren die damals schon mächtigen deutschen Fürsten und vor allem auch die Buchdruckmaschine, die für eine rasche Verbreitung der Bücher und Schriften sorgten und eine Grundlage für große Popularität schufen.

    Luther war eine der wichtigsten Personen des gesamten europäischen Christentums - möglicherweise die bedeutendste.

    Ehre dem Andenken des großen Reformators Martin Luther (1483 - 1546)!

    http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/files/2016/04/Feuilleton-18-2016.jpg

    • Ausgebeuteter
      31. Oktober 2017 07:45

      Nach dem damaligen Geflogenheiten musste man den religiösen Glauben des jeweiligen Landesfürsten annehmen, auswandern oder die Religiosität im Untergrund praktizieren.

      Der damals eben ermöglichte Buchdruck ist mit den heutigen Sozialen Medien vergleichbar, welche die Bevölkerung (soweit sie lesen konnte) mit Informationen versorgte, welche sich nicht unbedingt mit der "offiziellen" Meinung von römischer Kurie, vom Kaiser und dem jeweiligen Landesfürst decken musste.

  11. Claudius
    30. Oktober 2017 21:12

    Die 95 Thesen Luthers aus dem Jahr 1517:

    Historisch gesichert ist:

    Luther schrieb am 31.10.1517 Briefe an seine Vorgesetzten, in denen er die Praxis des Ablaßhandels (vor allem durch Tetzel) anprangerte und die Behebung der Mißstände anmahnte. Den Briefen legte er 95 Thesen bei, die als Grundlage für eine Disputation über das Thema dienen sollten:

    1. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht "Tut Buße" usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.

    2. Dieses Wort kann nicht von der Buße als Sakrament - d. h. von der Beichte und Genugtuung -, die durch das priesterliche Amt verwaltet wird, verstanden werden.

    3. Es bezieht sich nicht nur auf eine innere Buße, ja eine solche wäre gar keine, wenn sie nicht nach außen mancherlei Werke zur Abtötung des Fleisches bewirkte.

    4. Daher bleibt die Strafe, solange der Haß gegen sich selbst - das ist die wahre Herzensbuße - bestehen bleibt, also bis zum Eingang ins Himmelreich.

    5. Der Papst will und kann keine Strafen erlassen, außer solchen, die er auf Grund seiner eigenen Entscheidung oder der der kirchlichen Satzungen auferlegt hat.

    6. Der Papst kann eine Schuld nur dadurch erlassen, daß er sie als von Gott erlassen erklärt und bezeugt, natürlich kann er sie in den ihm vorbehaltenen Fällen erlassen; wollte man das geringachten, bliebe die Schuld ganz und gar bestehen.

    7. Gott erläßt überhaupt keinem die Schuld, ohne ihn zugleich demütig in allem dem Priester, seinem Stellvertreter, zu unterwerfen.

    8. Die kirchlichen Bestimmungen über die Buße sind nur für die Lebenden verbindlich, den Sterbenden darf demgemäß nichts auferlegt werden.

    9. Daher handelt der Heilige Geist, der durch den Papst wirkt, uns gegenüber gut, wenn er in seinen Erlassen immer den Fall des Todes und der höchsten Not ausnimmt.

    10. Unwissend und schlecht handeln diejenigen Priester, die den Sterbenden kirchliche Bußen für das Fegefeuer aufsparen.

    11. Die Meinung, daß eine kirchliche Bußstrafe in eine Fegefeuerstrafe umgewandelt werden könne, ist ein Unkraut, das offenbar gesät worden ist, während die Bischöfe schliefen.

    12. Früher wurden die kirchlichen Bußstrafen nicht nach, sondern vor der Absolution auferlegt, gleichsam als Prüfstein für die Aufrichtigkeit der Reue.

    13. Die Sterbenden werden durch den Tod von allem gelöst, und für die kirchlichen Satzungen sind sie schon tot, weil sie von Rechts wegen davon befreit sind.

    14. Ist die Haltung eines Sterbenden und die Liebe (Gott gegenüber) unvollkommen, so bringt ihm das notwendig große Furcht, und diese ist um so größer, je geringer jene ist.

    15. Diese Furcht und dieser Schrecken genügen für sich allein - um von anderem zu schweigen -, die Pein des Fegefeuers auszumachen; denn sie kommen dem Grauen der Verzweiflung ganz nahe.

    16. Es scheinen sich demnach Hölle, Fegefeuer und Himmel in der gleichen Weise zu unterscheiden wie Verzweiflung, annähernde Verzweiflung und Sicherheit.

    17. Offenbar haben die Seelen im Fegefeuer die Mehrung der Liebe genauso nötig wie eine Minderung des Grauens.

    18. Offenbar ist es auch weder durch Vernunft- noch Schriftgründe erwiesen, daß sie sich außerhalb des Zustandes befinden, in dem sie Verdienste erwerben können oder in dem die Liebe zunehmen kann.

    19. Offenbar ist auch dieses nicht erwiesen, daß sie - wenigstens nicht alle - ihrer Seligkeit sicher und gewiß sind, wenngleich wir ihrer völlig sicher sind.

    20. Daher meint der Papst mit dem vollkommenen Erlaß aller Strafen nicht einfach den Erlaß sämtlicher Strafen, sondern nur derjenigen, die er selbst auferlegt hat.

    21. Deshalb irren jene Ablaßprediger, die sagen, daß durch die Ablässe des Papstes der Mensch von jeder Strafe frei und los werde.

    22. Vielmehr erläßt er den Seelen im Fegefeuer keine einzige Strafe, die sie nach den kirchlichen Satzungen in diesem Leben hätten abbüßen müssen.

    23. Wenn überhaupt irgendwem irgendein Erlaß aller Strafen gewährt werden kann, dann gewiß allein den Vollkommensten, das heißt aber, ganz wenigen.

    24. Deswegen wird zwangsläufig ein Großteil des Volkes durch jenes in Bausch und Bogen und großsprecherisch gegebene Versprechen des Straferlasses getäuscht.

    25. Die gleiche Macht, die der Papst bezüglich des Fegefeuers im allgemeinen hat, besitzt jeder Bischof und jeder Seelsorger in seinem Bistum bzw. seinem Pfarrbezirk im besonderen.

    26. Der Papst handelt sehr richtig, den Seelen (im Fegefeuer) die Vergebung nicht auf Grund seiner - ihm dafür nicht zur Verfügung stehenden - Schlüsselgewalt, sondern auf dem Wege der Fürbitte zuzuwenden.

    27. Menschenlehre verkündigen die, die sagen, daß die Seele (aus dem Fegefeuer) emporfliege, sobald das Geld im Kasten klingt.

    28. Gewiß, sobald das Geld im Kasten klingt, können Gewinn und Habgier wachsen, aber die Fürbitte der Kirche steht allein auf dem Willen Gottes.

    29. Wer weiß denn, ob alle Seelen im Fegefeuer losgekauft werden wollen, wie es beispielsweise beim heiligen Severin und Paschalis nicht der Fall gewesen sein soll.

    30. Keiner ist der Echtheit seiner Reue gewiß, viel weniger, ob er völligen Erlaß (der Sündenstrafe) erlangt hat.

    31. So selten einer in rechter Weise Buße tut, so selten kauft einer in der rechten Weise Ablaß, nämlich außerordentlich selten.

    32. Wer glaubt, durch einen Ablaßbrief seines Heils gewiß sein zu können, wird auf ewig mit seinen Lehrmeistern verdammt werden.

    33. Nicht genug kann man sich vor denen hüten, die den Ablaß des Papstes jene unschätzbare Gabe Gottes nennen, durch die der Mensch mit Gott versöhnt werde.

    34. Jene Ablaßgnaden beziehen sich nämlich nur auf die von Menschen festgesetzten Strafen der sakramentalen Genugtuung.

    35. Nicht christlich predigen die, die lehren, daß für die, die Seelen (aus dem Fegefeuer) loskaufen oder Beichtbriefe erwerben, Reue nicht nötig sei.

    36. Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlaß von Strafe und Schuld, auch ohne Ablaßbrief.

    37. Jeder wahre Christ, sei er lebendig oder tot, hat Anteil an allen Gütern Christi und der Kirche, von Gott ihm auch ohne Ablaßbrief gegeben.

    38. Doch dürfen der Erlaß und der Anteil (an den genannten Gütern), die der Papst vermittelt, keineswegs geringgeachtet werden, weil sie - wie ich schon sagte - die Erklärung der göttlichen Vergebung darstellen.

    39. Auch den gelehrtesten Theologen dürfte es sehr schwerfallen, vor dem Volk zugleich die Fülle der Ablässe und die Aufrichtigkeit der Reue zu rühmen.

    40, Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die Fülle der Ablässe aber macht gleichgültig und lehrt sie hassen, wenigstens legt sie das nahe.

    41. Nur mit Vorsicht darf der apostolische Ablaß gepredigt werden, damit das Volk nicht fälschlicherweise meint, er sei anderen guten Werken der Liebe vorzuziehen.

    42. Man soll die Christen lehren: Die Meinung des Papstes ist es nicht, daß der Erwerb von Ablaß in irgendeiner Weise mit Werken der Barmherzigkeit zu vergleichen sei.

    43. Man soll den Christen lehren: Dem Armen zu geben oder dem Bedürftigen zu leihen ist besser, als Ablaß zu kaufen.

    44. Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe und wird der Mensch besser, aber durch Ablaß wird er nicht besser, sondern nur teilweise von der Strafe befreit.

    45. Man soll die Christen lehren: Wer einen Bedürftigen sieht, ihn übergeht und statt dessen für den Ablaß gibt, kauft nicht den Ablaß des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein.

    46. Man soll die Christen lehren: Die, die nicht im Überfluß leben, sollen das Lebensnotwendige für ihr Hauswesen behalten und keinesfalls für den Ablaß verschwenden.

    47. Man soll die Christen lehren: Der Kauf von Ablaß ist eine freiwillige Angelegenheit, nicht geboten.

    48. Man soll die Christen lehren: Der Papst hat bei der Erteilung von Ablaß ein für ihn dargebrachtes Gebet nötiger und wünscht es deshalb auch mehr als zur Verfügung gestelltes Geld.

    49. Man soll die Christen lehren: Der Ablaß des Papstes ist nützlich, wenn man nicht sein Vertrauen darauf setzt, aber sehr schädlich, falls man darüber die Furcht Gottes fahrenläßt.

    50. Man soll die Christen lehren: Wenn der Papst die Erpressungsmethoden der Ablaßprediger wüßte, sähe er lieber die Peterskirche in Asche sinken, als daß sie mit Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe erbaut würde.

    51. Man soll die Christen lehren: Der Papst wäre, wie es seine Pflicht ist, bereit - wenn nötig -, die Peterskirche zu verkaufen, um von seinem Gelde einem großen Teil jener zu geben, denen gewisse Ablaßprediger das Geld aus der Tasche holen.

    52. Auf Grund eines Ablaßbriefes das Heil zu erwarten ist eitel, auch wenn der (Ablaß-)Kommissar, ja der Papst selbst ihre Seelen dafür verpfändeten.

    53. Die anordnen, daß um der Ablaßpredigt willen das Wort Gottes in den umliegenden Kirchen völlig zum Schweigen komme, sind Feinde Christi und des Papstes.

    54. Dem Wort Gottes geschieht Unrecht, wenn in ein und derselben Predigt auf den Ablaß die gleiche oder längere Zeit verwendet wird als für jenes.

    55. Die Meinung des Papstes ist unbedingt die: Wenn der Ablaß - als das Geringste - mit einer Glocke, einer Prozession und einem Gottesdienst gefeiert wird, sollte das Evangelium - als das Höchste - mit hundert Glocken, hundert Prozessionen und hundert Gottesdiensten gepredigt werden.

    56. Der Schatz der Kirche, aus dem der Papst den Ablaß austeilt, ist bei dem Volke Christi weder genügend genannt noch bekannt.

    57. Offenbar besteht er nicht in zeitlichen Gütern, denn die würden viele von den Predigern nicht so leicht mit vollen Händen austeilen, sondern bloß sammeln.

    58. Er besteht aber auch nicht aus den Verdiensten Christi und der Heiligen, weil diese dauernd ohne den Papst Gnade für den inwendigen Menschen sowie Kreuz, Tod und Hölle für den äußeren bewirken.

    59. Der heilige Laurentius hat gesagt, daß der Schatz der Kirche ihre Armen seien, aber die Verwendung dieses Begriffes entsprach der Auffassung seiner Zeit.

    60. Wohlbegründet sagen wir, daß die Schlüssel der Kirche - die ihr durch das Verdienst Christi geschenkt sind - jenen Schatz darstellen.

    61. Selbstverständlich genügt die Gewalt des Papstes allein zum Erlaß von Strafen und zur Vergebung in besondern, ihm vorbehaltenen Fällen.

    62. Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.

    63. Dieser ist zu Recht allgemein verhaßt, weil er aus Ersten Letzte macht.

    64. Der Schatz des Ablasses jedoch ist zu Recht außerordentlich beliebt, weil er aus Letzten Erste macht.

    65. Also ist der Schatz des Evangeliums das Netz, mit dem man einst die Besitzer von Reichtum fing.

    66. Der Schatz des Ablasses ist das Netz, mit dem man jetzt den Reichtum von Besitzenden fängt.

    67. Der Ablaß, den die Ablaßprediger lautstark als außerordentliche Gnaden anpreisen, kann tatsächlich dafür gelten, was das gute Geschäft anbelangt.

    68. Doch sind sie, verglichen mit der Gnade Gottes und der Verehrung des Kreuzes, in der Tat ganz geringfügig.

    69. Die Bischöfe und Pfarrer sind gehalten, die Kommissare des apostolischen Ablasses mit aller Ehrerbietung zuzulassen.

    70. Aber noch mehr sind sie gehalten, Augen und Ohren anzustrengen, daß jene nicht anstelle des päpstlichen Auftrags ihre eigenen Phantastereien predigen.

    71. Wer gegen die Wahrheit des apostolischen Ablasses spricht, der sei verworfen und verflucht.

    72. Aber wer gegen die Zügellosigkeit und Frechheit der Worte der Ablaßprediger auftritt, der sei gesegnet.

    73. Wie der Papst zu Recht seinen Bannstrahl gegen diejenigen schleudert, die hinsichtlich des Ablaßgeschäftes auf mannigfache Weise Betrug ersinnen,

    74. So will er viel mehr den Bannstrahl gegen diejenigen schleudern, die unter dem Vorwand des Ablasses auf Betrug hinsichtlich der heiligen Liebe und Wahrheit sinnen.

    75. Es ist irrsinnig zu meinen, daß der päpstliche Ablaß mächtig genug sei, einen Menschen loszusprechen, auch wenn er - was ja unmöglich ist - der Gottesgebärerin Gewalt angetan hätte.

    76. Wir behaupten dagegen, daß der päpstliche Ablaß auch nicht die geringste läßliche Sünde wegnehmen kann, was deren Schuld betrifft.

    77. Wenn es heißt, auch der heilige Petrus könnte, wenn er jetzt Papst wäre, keine größeren Gnaden austeilen, so ist das eine Lästerung des heiligen Petrus und des Papstes.

    78. Wir behaupten dagegen, daß dieser wie jeder beliebige Papst größere hat, nämlich das Evangelium, "Geisteskräfte und Gaben, gesund zu machen" usw., wie es 1. Kor. 12 heißt.

    79. Es ist Gotteslästerung zu sagen, daß das (in den Kirchen) an hervorragender Stelle errichtete (Ablaß-) Kreuz, das mit dem päpstlichen Wappen versehen ist, dem Kreuz Christi gleichkäme.

    80. Bischöfe, Pfarrer und Theologen, die dulden, daß man dem Volk solche Predigt bietet, werden dafür Rechenschaft ablegen müssen.

    81. Diese freche Ablaßpredigt macht es auch gelehrten Männern nicht leicht, das Ansehen des Papstes vor böswilliger Kritik oder sogar vor spitzfindigen Fragen der Laien zu schützen.

    82. Zum Beispiel: Warum räumt der Papst nicht das Fegefeuer aus um der heiligsten Liebe und höchsten Not der Seelen willen - als aus einem wirklich triftigen Grund -, da er doch unzählige Seelen loskauft um des unheilvollen Geldes zum Bau einer Kirche willen - als aus einem sehr fadenscheinigen Grund -?

    83. Oder: Warum bleiben die Totenmessen sowie Jahrfeiern für die Verstorbenen bestehen, und warum gibt er (der Papst) nicht die Stiftungen, die dafür gemacht worden sind, zurück oder gestattet ihre Rückgabe,wenn es schon ein Unrecht ist, für die Losgekauften zu beten?

    84. Oder: Was ist das für eine neue Frömmigkeit vor Gott und dem Papst, daß sie einem Gottlosen und Feinde erlauben, für sein Geld eine fromme und von Gott geliebte Seele loszukaufen; doch um der eigenen Not dieser frommen und geliebten Seele willen erlösen sie diese nicht aus freigeschenkter Liebe?

    85. Oder: Warum werden die kirchlichen Bußsatzungen, die "tatsächlich und durch Nichtgebrauch" an sich längst abgeschafft und tot sind, doch noch immer durch die Gewährung von Ablaß mit Geld abgelöst, als wären sie höchst lebendig?

    86. Oder: Warum baut der Papst, der heute reicher ist als der reichste Crassus, nicht wenigstens die eine Kirche St. Peter lieber von seinem eigenen Geld als dem der armen Gläubigen?

    87. Oder: Was erläßt der Papst oder woran gibt er denen Anteil, die durch vollkommene Reue ein Anrecht haben auf völligen Erlaß und völlige Teilhabe?

    88. Oder: Was könnte der Kirche Besseres geschehen, als wenn der Papst, wie er es (jetzt) einmal tut, hundertmal am Tage jedem Gläubigen diesen Erlaß und diese Teilhabe zukommen ließe?

    89. Wieso sucht der Papst durch den Ablaß das Heil der Seelen mehr als das Geld; warum hebt er früher gewährte Briefe und Ablässe jetzt auf, die doch ebenso wirksam sind?

    90. Diese äußerst peinlichen Einwände der Laien nur mit Gewalt zu unterdrücken und nicht durch vernünftige Gegenargumente zu beseitigen heißt, die Kirche und den Papst dem Gelächter der Feinde auszusetzen und die Christenheit unglücklich zu machen.

    91. Wenn daher der Ablaß dem Geiste und der Auffassung des Papstes gemäß gepredigt würde, lösten sich diese (Einwände) alle ohne weiteres auf, ja es gäbe sie überhaupt nicht.

    92. Darum weg mit allen jenen Propheten, die den Christen predigen: "Friede, Friede", und ist doch kein Friede.

    93. Wohl möge es gehen allen den Propheten, die den Christen predigen: "Kreuz, Kreuz", und ist doch kein Kreuz.

    94. Man soll die Christen ermutigen, daß sie ihrem Haupt Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen trachten.

    95. Und daß die lieber darauf trauen, durch viele Trübsale ins Himmelreich einzugehen, als sich in falscher geistlicher Sicherheit zu beruhigen.

  12. Ausgebeuteter
    30. Oktober 2017 21:07

    eigener Beitrag wegen des bei Subkommentaren üblichen Zeichenlimits:

    ad Wolfgang Schrems:
    Danke für Ihre Replik und Ihr Kompliment.
    Sie sind sicher mehr belesen als ich, denn meine Informationen kommen vorwiegend nur aus der offiziellen Geschichtsschreibung sowie aktuellen christlichen Schriften.

    Genau genommen wird jetzt nicht 500 Jahre Luther, sondern nur des "unbewiesenen" Thesenanschlages vor 500 Jahren gedacht. Die Bezeichnung Reformation (lat. reformatio "Umgestaltung", "Erneuerung") zeigt deutlich, dass die damaligen Aktiven lediglich Veränderungen in der existierenden christlichen Kirche erreichen wollten. Erst 1529 (Reichstag zu Speyer) protestierten einige Landesfürsten gegen Papst und Kaiser, damit entstand der Begriff Protestantismus.

    Was mein Hinweis auf "Allein die Bibel" betrifft, so ist tatsächlich ein scheinbarer Widerspruch erkenntlich, wenn es nebenbei von Luther drei weitere „Allein-Basissätze“ gibt. Bei der Bibel ging es ihm nur darum, dass nichts hinzugefügt und nichts weggelassen wird, was ja leider damals und auch jetzt (siehe Mormonen, Zeugen Jehovas u.a.) immer noch geschieht. Anders gesagt: nur die Bibel und nicht die traditionelle katholische Lehre sollten Basis für die Glaubenslehre sein. Luthers Thesen wiederum richteten sich vor allem gegen den Missbrauch des mittelalterlichen Ablasshandels: Gläubige konnten damals mit dem Erwerb von Ablassbriefen ihre Sündenstrafen reduzieren.

    Aus den überlieferten Unterlagen geht daher nirgends hervor, dass Martin Luther ursprünglich eine neue Kirche als Konkurrenz zur katholischen Glaubensgemeinschaft bilden wollte. Erst als Luther sich von seinen Aussagen nicht distanzierte, wurde er (und seine Anhänger) 1520 vom damaligen Papst aus der katholischen Kirche ausgeschlossen, die Reichsacht des Kaisers hatte ihn für vogelfrei erklärt und somit sind Papst und Kaiser an den Gründungen neuer Glaubensbewegungen (auch der "helvetischen" in der Schweiz) mitverantwortlich geworden.

    Der später erfolgte 30-jährige Krieg (1618-1648) mit großem Unheil hätte aber bei gutem Willen beider Seiten verhindert werden können. Leider waren die damaligen Entscheidungsträger dafür noch nicht reif genug, denn dabei ging es vorwiegend nur um politische und militärische Hegemonie, wobei die jeweilige Religion nur eine untergeordnete Bedeutung hatte.

    Wenn Sie, sehr geehrter Herr Schrems, auch in manchen Details gegenüber meiner Auffassung andere Meinung haben, so sehe ich doch Gemeinsamkeiten in der heutigen Überbewertung von Luther sowie manchen aktuellen Kritiken an der sog. Römischen Kurie.

    Danke für den Meinungsaustausch.

    • Wolfram Schrems
      31. Oktober 2017 10:14

      Ich danke auch.

      Nur ein Gedanke zu Ihrem 3. Abs.:
      Ich weiß gar nicht, ab wann der Ausdruck "Reformation" auftaucht. Aber es kann sich hier nur um eine spätere Zuschreibung handeln. Denn daß Pater Martin heute vor 500 Jahren in Wittenberg sprach: "Jetzt machen wir die längst fällige Reformation", ist so gut wie ausgeschlossen.

      Der Ausdruck "Reformation" kann nur eine späte, und zwar euphemistische Eintragung in wenig erfreuliche Vorgänge (die noch dazu gar nicht legitim "reformierten") sein, die aus geschichtspolitischen und agitatorischen Gründen gebraucht wird. Von wem? Schwer zu sagen.

      Dabei soll nicht bestritten werden, daß die Kirche eine echte Reformation durchaus brauchte...

    • Wolfram Schrems
      31. Oktober 2017 10:18

      ... Papst Hadrian VI., der leider sehr früh starb, war sich dessen wohl bewußt. Auch die Verwüstung Roms durch die (mehrheitlich protestantischen) Landsknechte von Kaiser Karl V. im Mai 1527 (Sacco di Roma) wurde als Strafe Gottes für den frivolen Lebenswandel und die Exzesse des Renaissance-Papsttums empfunden.

      Aber eine Fehlentwicklung wird nicht geheilt, indem man ein völlig neues Glaubenssystem erfindet und Spaltungen verursacht. Die inakzaptablen Ablaß-Exzesse z. B. können klarererweise nicht zur Abschaffung des Ablasses an sich führen.

      Von daher wollte ich nur Ihren (und vieler anderer) Gebrauch des Ausdrucks "Reformation" kritisch hinterfragen.

      MfG

  13. Ausgebeuteter
    30. Oktober 2017 14:37

    Martin Luther war auch nur ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Rückblickend muss man aber die positiven den negativen Seiten gegenüberstellen und da überwiegen eindeutig seine zum Vorteil des Christentums gemachten Aussagen.

    Besonders wichtig waren zu Luthers Zeit die von ihm proklamierten "vier Solis" (allein aus Glaube, allein aus Gnade, allein Jesus Christus und allein die Bibel). Damit - und auch den 95 veröffentlichten Thesen - wollte Luther in der katholischen Kirche manche Fehlentwicklungen korrigieren und (wie der Autor richtig erwähnt) keine neue Kirche gründen. Ebenso ist festzuhalten, dass der Jude Jesus seinerzeit keine neue Glaubensgemeinschaft vorhatte, sondern erst seine Jünger und Nachfolger erst später mangels Rückhalt der jüdischen Gelehrten sich zur christlichen Gemeinschaft entschlossen hatten.

    Erstaunlich ist, dass die katholische Kirche - nach jahrhundertelangem Feindbild - Luther seit einiger Zeit sehr schätzt und manchmal sogar als Pionier bezeichnet.

    • Wolfram Schrems
      30. Oktober 2017 15:42

      @Ausgebeuteter
      Da Sie in Ihren Stellungnahmen regelmäßig Hausverstand und Wohlwollen beweisen, möchte ich im Zeichen der Wertschätzung antworten, muß aber auch widersprechen:
      - Die vier "sola" sind Luthers Erfindungen, die sich als fatal erwiesen haben, besonders sola scriptura (dieses Prinzip ist selbstwidersprüchlich).
      - Ich meine durchaus, daß Luther die Kirchenspaltung letztlich wollte. Worauf Sie Bezug nehmen, ist derjenige Absatz, der nur die "offizielle" Geschichtsschreibung wiedergibt.
      - Jesus hatte durchaus eine "neue" Glaubensgemeinschaft vor, nämlich den im AT angekündigten (Jer 31) "Neuen Bund", das neue Israel, das Juden UND Heiden in der Ekklesía vereinigen soll.

    • Claudius
      30. Oktober 2017 20:05

      Ausgebeuteter: ****************

    • Ausgebeuteter
      01. November 2017 20:47

      @Wolfram Schrems:
      Bitte teilen Sie mir mit, in welchen Bibelübersetzungen es schon bei Jeremia 31 steht, dass es einen Neuen Bund auch MIT den Heiden geben wird.
      Danke.

    • Wolfram Schrems
      02. November 2017 15:42

      @Ausgebeuteter
      Ich freue mich über sorgfältige Mitleser und gute Fragen.
      Ich hatte mich unpräzise ausgedrückt. In Jer 31 steht nur etwas vom Neuen Bund, nichts ausdrücklich von den Heiden. Das Thema Völker bzw. Heiden kommt anderswo vor (nicht ausdrücklich als Bund: Jer 16,19; Mi 4,1; Mal 1,11; Joel 3,1 u. a.).
      Die Sendung Israels war universal, aber sie wurde nicht als solche ausgeübt. Darum kam ein besserer Bund (Hebr 8,7ff mit der Stelle Jer 31,31).

  14. Tiroler Madl
    29. Oktober 2017 15:49

    Es gibt einen sehr interessanten Vortrag von Michael Hesemann, in dem er den medial "heiliggesprochenen" Luther von einer anderen Seite zeigt. Die vielen Originalzitate des Reformators zeichnen ein Bild eines nicht gerade vorbildlichen Zeitgenossens. Sehr lesenswert!
    http://michaelhesemann.info/8_7.html

    • Johann Sebastian
      30. Oktober 2017 10:28

      Danke fuer den Link. Sehr interessant. Ich bin am Ueberlegen, diesen weiterzuleiten. Ich habe naemlich vom Pfarrer der deutschen Katholiken in Singapur eine Einladung (Luther Zitat im Briefkopf) zum Reformationsgedenken in der Presbyterian Church erhalten. Gemeinsame von evangelischer und katholischer (!) Pfarre gesponsertes Konzert......
      Wir sind zur Zeit mit dem Personal wirklich nicht gesegnet. Von ganz oben bis ganz unten.

  15. Dr. Bárdossy
    29. Oktober 2017 11:56

    Nicht zu vergessen ist, daß der rote "Leitfaden" aus Luthers XVI. Jahrhundert bis zu Bergoglios Tiefst-Stand in unseren Tagen nur dank der Aufklärung und des Liberalismus durch die Vermittlung des XVIII. Jahrhunderts möglich geworden ist.

    Die abgelaufenen 500 Jahre stellen daher auf geistigem, politischen und wirtschaftlichem Gebiet eine dichtgeschnürte Kontinuität dar. Die Geschichte zu bedauern oder zu bewundern ist ein nutzloses Geschäft – sie läßt sich nicht mehr ungeschehen machen.

    Die Aufgabe der gegenwärtigen Stunde ist folglich, daß wir die epochalen Meilensteine in diesem Prozeß – d. h. Luthers, Kants, Bergoglios Wühlarbeit – sorgfältig sezieren und Punkt für Punkt widerlegen müssen.

    Auf Leichtgewichte wie Adam Smith, Zeit zu verschwenden, wäre eine vergebliche Liebesmüh. Seine Ethik der "Unsichtbaren Hand" nimmt heute eh keiner mehr ernst.

    Vielmehr brauchen wir die Verbreitung der klassischen Kardinaltugenden: Klugheit und Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Tapferkeit. Diese sind nicht die altmodischen Privilegien der "wertkonservativen" Geister von gestern, sondern das Lebenselement für Wirtschaft, Politik und Recht.

    Da Theorie und Praxis der "Gerechtigkeit" seit Hans Kelsens republikanischer Geistes- und Rechts-Verfassung aus Österreichs öffentlichem Bewußtsein undefinierbar ins Abseits abgerutscht sind, schlage ich vor, dafür das Partialsynonym "Fairneß" aufzugreifen. Die FPÖ hat dieses Wort im abgelaufenen Wahlkampf nicht ohne Erfolg verwendet.

    Fairneß ist aber nicht mit der Gießkanne der sogenannten sozialen Gerechtigkeit zu verwechseln. Aber das ist ein anderes Kapitel der Meritokratie.

    Nun, doch zurück zu Luther, dem Ausgangspunkt unserer Odyssee!
    Danke für Ihre aufrüttelnden Aufsätze, Herr Magister Schrems. Sie leisten eine hervorragende Aufklärungsarbeit!

  16. Bob
    29. Oktober 2017 09:58

    Nicht zu vergessen die vielen Menschen die durch die Reformation zu Tode gekommen sind.

    • Gandalf
      02. November 2017 18:12

      ...aber dann bitte auch an die Unzähligen denken, die im Zuge der Gegenreformation gequält, getötet oder - schlimm genug - "bloß" zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen wurden - als kleines Beispiel etwa die "Landler" aus Goisern. Nein, kein Katholik mit Gewissen kann heute noch so argumentieren, wie es bis ins späte 19. Jahrhundert Brauch und Unsitte war. Wir schreiben 2017, das dürfte so mancher offenbar noch nicht mitgekriegt haben.

    • Undine
      02. November 2017 21:59

      @Gandalf

      Absolute Zustimmung!

      Sehr gutes Buch zum Thema von Erwin RAINALTER: "Das große Wandern"

      Man sollte auch einmal erwähnen, daß der 30-jährige Krieg nicht alleine ein "Glaubenskrieg" war, sondern daß ganz niedrige Gründe der ewigen Feinde der Deutschen diesen furchtbaren Kriege mit allen Mitteln in die Länge gezogen hatten:

      ENGLAND hatte größtes Interesse an der Schwächung der dt. Fürstentümer; und daß sich die katholischen Franzosen mit den protestantischen Schweden gegen die deutschen Lande verbündeten, hatte auch nicht wirklich etwas mit RELIGION---zu tun.

      Für mich ist Martin LUTHER einer der größten Deutschen!

  17. Pennpatrik
    29. Oktober 2017 09:51

    Eine kleine Pointe zu einem immer wieder und sehr oft diskutierten Thema, die ich in der gesamten veröffentlichten Literatur meines doch über 60-jährigen Lebens noch nie gelesen oder gehört habe.
    Das heliozentrische System. Die Schuldigen sind klar: Das ist der Vatikan, der den armen Galilei vor die Inquisition gezerrt und in den Kerker geworfen hat (interessanterweise gestern in einer US-Amerikanischen Fernsehserie in einem Nebensatz wieder gehört).

    Die Rollen sind verteilt:
    - Hier der böse Vatikan, der das Geozentrische Weltbild gegen alle Erkenntnisse der Wissenschaft aufrecht erhalten möchte
    - Dort die aufgeklärten Protestanten, an deren Spitze die Lichtgestalt Luther.
    - Ja - und der unsägliche Bert Brecht mit seinem "Leben des Galileo Galilei".

    Die Wahrheit
    Es handelt sich nicht um das "Galileische" sondern das "Kopernikanische" Weltbild (Die Sonne im Mittelpunkt des System - Heliozentrisch), weil es Kopernikus war, der die entscheidende wissenschaftliche Schrift dazu veröffentlicht hat.
    Beim Tod des Kopernikus war Galilei von seinen Eltern noch nicht einmal geplant. Es war also kein "neues" Weltbild, das Galilei vertrat.

    Kopernikus war ein katholischer(!) Domherr, der in seiner Freizeit(!) die "Revlolutiones" schrieb - übrigens auch auf Drängen seiner wissenschaftlichen Freunde im Vatikan.
    CLEMENS VII hatte sich über die "Revolutiones" informiert und Widmanstadt (Sekretär des Kopernikus) fürstlich belohnt.

    Was meinte Luther:
    Es wird gedacht eines neuen Astrologi, der wolle beweisen, daß die Erde bewegt würde und umginge, nicht der Himmel oder das Firmament, Sonne und Monde; gleich als wenn einer auf einem Wagen oder in einem Schiffe sitz und bewegt wird, meinete, er säße still und ruhete, das Erdreich aber und die Bäume gingen um und bewegten sich. Aber es gehet jetzt also: wer da will klug sehn, der soll ihm nichts lassen gefallen, was Andere machen, er muß ihm etwas eigens machen, das muß das Allerbeste sehn, wie ers machet.
    Der Narr will die ganze Kunst Astronomiae umkehren. Aber wie die heilige Schrift anzeiget, so hieß Josua die Sonne still stehen, und nicht das Erdreich.

    Es gibt sicher noch einige Sachen über Luther zu sagen:
    Die Hexenverbrennungen (die Protestanten verbrannten anteilmäßig mehr Frauen als Männer, weil Luther die - geschlechtsneutrale - Form von Hexen falsch übersetzte).
    Natürlich fragt man sich auch, warum Menschen aus Pastorenfamilien so leicht autoritären Systemen unterliegen (Ulrike Meinhof, Merkel, überhaupt hatten die Protestanten in der DDR weniger Probleme das Regime anzuerkennen als die Katholiken).
    Auch in der Frage der Sklaverei in den USA hat die katholische Kirche - im Gegensatz zu den Protestanten - eine ablehnende Haltung eingenommen.

    PS: Der Gregorianische Kalender wurde im Vatikan nach Kopernikus' berechnet.

    • Pennpatrik
      29. Oktober 2017 09:53

      Ach ja - Galilei saß keinen einzigen Tag im Gefängnis.

    • Wyatt
      29. Oktober 2017 18:15

      Nikolaus Kopernikus (* 19. Februar 1473 in Thorn; † 24. Mai 1543 in Frauenburg;

      In seinem Hauptwerk: " De revolutionibus orbium coelestium " beschreibt er ein heliozentrisches Weltbild, nach dem die Erde ein Planet sei, sich um ihre eigene Achse drehe und sich zudem wie die anderen Planeten um die Sonne bewege.....

      ....darüber hinaus deutet er darin erstmals die langsame Verschiebung des Frühlingspunktes als Richtungsänderung der Erdachse.

    • Rübezahl
      02. November 2017 12:15

      Galilei ist erst 18 Jahre nach dem Tod Luthers auf die Welt gekommen!

      Und angeblich wusste, auch die Kirche, vom Erdenrund. Sie wollte sogar dieses bewiesen haben.

      Auch in dieser Geschichte dürfte es bereits zu manifester Geschichtsfälschung gekommen sein!

    • Rübezahl
      02. November 2017 12:21

      Noch ein Nebensatz zur Sklaverei in den USA: Es gab keine klare Haltung dagegen! Lincolns Absage an die Sklaverei, nach zwei Kriegsjahren(!), war lediglich EINE der verzweifelten Maßnahmen,um den Krieg zu gewinnen. Seine Armee war zu diesem Zeitpunkt permanent im Rückzug!





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