Zum bevorstehenden Lutherjahr: Die Wurzeln lutherischer Theologie drucken

Lesezeit: 10:00

Inwiefern kann ein explizit theologischer Beitrag für die Leser eines politischen und grundsätzlich säkularen Blogs von Interesse sein? Die Antwort ist dreifach: Erstens stellt sich jedem Menschen die Frage nach der letzten Wahrheit, mithin auch die nach dem Sinn des eigenen Daseins. Zweitens sind es in letzter Analyse immer „religiöse“ bzw. „anti-religiöse“ Vorentscheidungen, die eine Gesellschaft und ihre Politik prägen, von woher es angezeigt ist, sich darüber explizit Rechenschaft zu geben. Und drittens steht speziell Luther für Weichenstellungen welthistorischer Bedeutung, nämlich für das Zerbrechen der religiösen und somit der politischen Einheit der Christenheit einerseits und für geistesgeschichtliche Entwicklungen mit katastrophalem Charakter andererseits.

Es lohnt sich also mehrfach, sich mit den Voraussetzungen der lutherischen Lehre zu beschäftigen. „Das ICH im Glauben bei Martin Luther – Der Ursprung der anthropozentrischen Religion“ von Paul Hacker bietet dazu einen hervorragenden Einstieg.

Paul Hacker – Gelehrter, Konvertit, Apologet

Hacker (1913-1979) war Slawist und Indologe (Professor in Darbhanga – Indien, Bonn, Münster und Philadelphia). Nach intensivem innerem Ringen trat er 1962 vom Protestantismus zur Katholischen Kirche über: „Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, dass das vorliegende Buch in engstem Zusammenhang mit seiner Konversion zu sehen ist. Insofern ist es, freilich unausgesprochen und kaum merklich, eine Art Rechenschaftsbericht, der die Gründe seiner Abkehr vom Protestantismus offen legt“ (Rudolf Kaschewsky, Schüler des Autors, im Vorwort).

Wie andere bekannte intellektuelle Konvertiten (in Wien ist besonders Dietrich von Hildebrand zu nennen, dessen Gedenktafel in der Habsburgergasse 5 leider kaum beachtet wird) hat er unter den Wirren der Konzilszeit sehr gelitten und in vielen Publikationen (etwa in der Una Voce-Korrespondenz) die „Protestantisierung“ der katholischen Liturgie und Theologie beklagt.

Um es vorwegzunehmen: Hackers Buch ist ein echter Fund. Dem Autor gelingt es, schwierige und subtile theologische Gedankengänge, die widersprüchliche Entwicklung des Denken Luthers und die Vielschichtigkeit des menschlichen Innenlebens verständlich auf den Punkt zu bringen. Das Buch ist wissenschaftlich anspruchsvoll, aber keine reine Spezialistenliteratur, es ist übersichtlich gestaltet und spannend geschrieben. Die vielen gut eingesetzten Luther-Zitate zeugen von hervorragender Literaturkenntnis.

Es gehört jedoch zum Wesen des Themas, dass manche Abschnitte, besonders das siebte Kapitel, ein erhebliches Problembewusstsein erfordern.

„Reformation“?

Die ausführlichst belegte (und im übrigen nicht neue, aber hier meisterhaft plastisch dargestellte) Grundthese des Buches ist, dass Martin Luther kein „Reformer“ war, in dem Sinne, dass er eine aus der Form geratene Glaubenspraxis wieder in die rechte Form zurückgebracht hätte (lat. re-formare), sondern, dass er im Gegenteil ein völlig neues Glaubenssystem erfunden hat. Er hat dieses auf verschiedenen, aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelversen unter Außerachtlassung der gesamten 1500-jährigen Tradition errichtet. Und in diesem System ist er der einzige Interpret, Prophet und gleichsam unfehlbare Papst.

Inhaltlich besteht dieses System in der so genannten reflexiven, „apprehensiv-statuierenden“ Aneignung des Heils in einem neuartig konzipierten Glaubensvollzug („Fiduzialglauben“).

Auf gut Deutsch gesagt:
Jeder, der sich nur fest genug einredet, die Gnade Gottes zu erlangen, hat sie schon erlangt, kann sie nicht verlieren und muss sich ihrer im Handeln nicht würdig erweisen (Verwerfung der „Werke“). Lediglich die Rezitation einiger Bibelverse zum Zweck der Selbstvergewisserung, d. h. ihrer selbsthypnotischen Beziehung auf das Selbst (darum „anthropozentrische Religion“), ist de facto notwendig.

Das widerspricht dem althergebrachten und biblisch grundgelegten katholischen Glauben, wonach Glaube, Hoffnung und Liebe zusammengehören und sich in einem entsprechenden Lebenswandel bewähren müssen. Eine Heilsgarantie besteht nicht, die beständige Möglichkeit des Abfalls muss zur Wachsamkeit ermutigen.

Verdrängung der letzten Fragen und Seelenleid

Man muss das nur aussprechen und hört gleichsam schon im Hintergrund die Fragen des „modernen“ Menschen: Um solche Dinge wurde da gestritten? Worüber reden die überhaupt? Interessiert das in Zeiten von „Dialog“, „Integration“ und „Inklusion“ noch irgendjemanden?

Das ist eine sehr oberflächliche Gesinnung. Genau das ist nämlich der Punkt des christlichen Bewusstseins, mithin Grundlage vieler Kulturen, nicht zuletzt Europas, des ehemaligen christlichen Abendlandes:

Um das ewige Heil zu erlangen, sind richtiger Glaube und richtiges Handeln von entscheidender Bedeutung. Das richtige Handeln (besonders gemäß Mt 5-7, Mt 25, 31ff u.v.a.) ermöglichte historisch gesehen den Aufbau einer menschenwürdigen abendländischen Zivilisation (die derzeit bewusst abgebrochen wird).

Wer sich aber weder um Glauben noch um richtiges Handeln schert, wird verdammt (Mk 16, 16 u. a.).

Und das ist derzeit sehr aktuell. Das so genannte „Mittelalter“ kannte noch die Höllenangst. Tief drinnen im Gewissen wusste der Christ jener Zeit immer, dass er sein Leben aus eigener Schuld so gestalten bzw. verunstalten kann, dass er umsonst gelebt hat und das Ziel, zu dem er hin ursprünglich geschaffen ist, nicht erreichen wird.

Das nennt man „Hölle“, eines der prominentesten und derzeit am meisten verdrängten Themen des Neuen Testamentes.

Heutzutage ist – auch aufgrund des schrecklichen Versagens der kirchlichen Lehrunterweisung im Gefolge des II. Vaticanums – dieses Bewusstsein verschwunden. Genauer gesagt, es ist abgedrängt worden.

Daher einerseits auch die unfassbare Verrohung des Lebens in unserer Gesellschaft. Was Massenabtreibung, Kindesmissbrauch und die Ausbreitung menschenverachtender, totalitärer Ideologien nur allzu deutlich zeigen.

Nach der Abtötung eines hellen und ausfluchtfreien moralischen Bewusstseins vor Gott wuchern andererseits die Gewissensängste – die man freilich nicht mehr so nennt. Aus dem chronisch schlechten Gewissen werden dann die berühmten „psychischen Krankheiten“ – zumindest viele von ihnen. Und da man die traditionellen Therapievorschläge (aufrichtiges Schuldeingeständnis, Beichte, Buße, entschlossene Besserung des Lebenswandels, Suche nach dem Willen Gottes), nicht mehr kennt – oder verlacht – greift man zu ungeeigneten Mitteln.

Kein Medikament und keine atheistisch konzipierte „Psychotherapie“ dieser Welt können aber Gewissensfrieden schenken. Oder das endgültige Heil.

Luther ist jedoch genau einer der ersten, der eine Art von „Psychotherapie“ anbieten, insofern ist er sehr „modern“. Hacker spricht in diesem Zusammenhang von „Bewusstseinsverdrängungsübung“ (145) und sogar „Flucht vor Gott“ (281, vgl. dazu das berühmte gleichnamige Werk von Max Picard aus dem Jahr 1934).

Eine neue Glaubenslehre…

Hacker legt die subtilen lutherischen Weichenstellungen offen und bescheinigt dem Wittenberger Mönch ein sensibles Innenleben und eine starke Reflexionsfähigkeit:

„Luther nennt den Glauben, wie er ihn lehrt, oft eine Zuversicht, ein Vertrauen. Aber reflexiver Glaube und Vertrauen auf Gott sind doch nicht dasselbe. Vertrauen ist ein sehr personales Verhalten, das immer Achtung oder Ehrfurcht vor der Freiheit der Person dessen, dem man vertraut, einschließt. (…) Würde er aber von dieser Person etwas zu erreichen suchen dadurch, dass er ihr vertraut, so wäre das Personale der Beziehung gestört. (…) Genau dies geschieht aber im reflexiven Glauben. Dieser ist daher kein echt personales Verhalten. Reiner Glaube nimmt einen Glaubensinhalt an auf die Autorität der Person hin, der er vertraut, ohne sich dabei auf sein Subjekt zurückzubeugen“ (48).

Luther verfehlt somit die klassische Praxis des inneren Lebens, das natürlich wechselnde Stimmungslagen kennt:

„Die Doktrin des reflexiven Glaubens, in ihrem Anfang ein Ausdruck der Sehnsucht nach dem Frieden, durch das tatsächliche Erleben des Friedens scheinbar bestätigt und darum mehr und mehr zur Norm gefestigt, wird nach dem unausweichlichen Verlust des Friedens zu einem Instrument, mit dem die Ungeduld sich den Frieden zurückholen und sichern will. Das ist die eigentlich protestantische Wende. Christliche Spiritualität erträgt es nicht, dass der Mensch begierig nach geistlicher Tröstung verlange (dadurch unterscheidet sich der Christ vom heidnischen Bhaktifrommen).“ (120)

Hacker resümiert dazu:

„Luthers Mystik ist nicht zur Reife gekommen, weil er die Geduld verlor und das Leiden, das dem für die Erfahrung der leuchtenden Finsternis bestimmten Menschen nicht erspart bleibt, nicht durchstand“ (127).

…mit enormen Auswirkungen

Alle diese theologischen Vorentscheidungen Luthers, besonders die Zurückbiegung des Glaubens auf das Ich, bleiben nicht ohne Konsequenzen. Sie führen letztlich zum Bruch mit der Kirche. Sie zerstören die Reichseinheit. Sie bedingen das Aufkommen neuer, extremer Gruppen, der „Schwärmer“ oder „Schwarmgeister“, die die Gedanken Luthers selbst aufgreifen, von diesem aber aus Konkurrenzgründen massiv bekämpft werden.

Schließlich hat Luther „einen der Ausgangspunkte des modernen Säkularismus geschaffen“ (183): Hacker zieht eine geistesgeschichtliche Linie von Luther über Rudolf Bultmann und Martin Heidegger in die völlige Auflösung des Glaubens.

Die (dogmatisch genau umrissene) Unfehlbarkeit des Papstes in Fragen des Glaubens und der Moral verschiebt sich nun zur Person Martin Luthers. Er selbst ist der einzig Unfehlbare in seinem Glaubenssystem.

Dieses hat mit der Bibel nur das zu tun, dass er einige ausgewählte Verse, vornehmlich aus dem Römerbrief und dem Galaterbrief, gegen den gesamten biblischen Glauben ausspielt. Das Sola-Scriptura-Prinzip ist überdies eine von außen an den Bibeltext herangetragene ideologische Vorentscheidung und zieht mit innerer Notwendigkeit eine willkürliche und rabulistische Bibelauslegung nach sich – für die wiederum Luther selbst die ausschließliche Kompetenz besitzt.

Nachdem dieses System theoretisch und praktisch egozentrisch ist, wird der „Reformator“ aggressiv: Gegen die „Papisten“, gegen die Mönche, gegen die Juden, gegen die Bauern, gegen die Frauen, gegen die „Schwarmgeister“ – und ständig neue Spaltungen innerhalb der „Reformation“ sind die Folge.

Der falsche Prophet wird an den schlechten Früchten erkannt.

Tragische Verfehlung eines wichtigen Anliegens

Die Lage der Kirche in jener Zeit der Renaissance ist unbestritten schlimm. Die Päpste geben, von Hadrian VI. (1522-1523) abgesehen, kein gutes Beispiel ab.

Kein Katholik würde die Auswüchse von Ablasshandel und Ämterkauf verteidigen.

Aber Luther verfehlt die echte Reform: „Wenn die römische Kurie ihm kein gutes Beispiel gab – war es dann nicht an ihm, das Beispiel des echten Reformators zu geben? Luther tat nicht, was er gepredigt hatte“ (130).

Der Protestantismus und die protestantischen Christen

Weder Paul Hacker noch der Rezensent beabsichtigen eine Beleidigung protestantischer Christen.

Letzterer hat die Ehre, mit menschlich vorbildlichen Angehörigen protestantischer bzw. freikirchlicher Bekenntnisse in freundschaftlichem Kontakt zu stehen, und ist für einen guten Gedankenaustausch immer dankbar.

Worum es aber abseits des offiziellen, sinnfreien und selbstzweckhaften „Ökumene“-Betriebs gehen muss, ist, dass einmal endgültig und rechtzeitig vor dem 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Wittenberg alle Karten auf den Tisch gelegt werden:

Die wichtigste Frage ist dabei, ob sich Martin Luther zu Recht auf die Bibel berufen und als echter Reformer gelten kann oder nicht. Der Autor und der Rezensent meinen, mit vielen anderen Autoren seit den Lebzeiten Luthers, dass beides nicht der Fall ist.

Eine rückhaltlos ehrliche Beschäftigung mit Luther muss daher zugunsten des geistlichen und zeitlichen Wohls aller, die es betrifft, nicht zuletzt unserer gesamten Zivilisation, endlich durchgeführt werden.

Fazit

Wir sehen derzeit dessen implosionsartigen Niedergang im deutschen Sprachraum. Der deutsche und österreichische Protestantismus ist kaum mehr als eine Vorfeldorganisation linker Parteien. Christliches Profil ist außerhalb bekenntnisorientierter Kreise keines erkennbar.

Eine gründliche und ausfluchtlose Neubewertung Martin Luthers steht ins Haus – mit allen Konsequenzen.

Da nur die Wahrheit frei machen kann (vgl. Joh 8,32), ist Paul Hacker posthum für seinen Beitrag zur Wahrheitsfindung zu danken. Dank gebührt auch dem Verleger Benedikt Trost, im Hauptberuf Rechtsanwalt, der sich mit der Neuauflage des bald nach dem Erscheinen vom Markt genommenen Buches große Verdienste erworben hat.

Nach eigenen Angaben war es das erste Buchprojekt des Verlages (2002), „quasi die Geburtsstunde des Verlags“. Das große Interesse erforderte eine Neuauflage.

Wir hoffen und wünschen, dass noch viele Auflagen auf den Markt und in die Hände aller, die es betreffen sollte, gelangen.

Paul Hacker, Das ICH im Glauben bei Martin Luther – Der Ursprung der anthropozentrischen Religion, mit einem Vorwort von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. (zur ersten Auflage 1966, mit dessen Erlaubnis 2002 neu abgedruckt), durchgesehener und neu umgebrochener Neudruck der Ausgabe Bonn 2002, nova & vetera, Bonn 2009, 318 Seiten, 29.50 .www.novaetvetera.de

MMag. Wolfram Schrems, katholischer Theologe, Philosoph, Katechist, reiche Erfahrung im interkonfessionellen Gespräch

einen Kommentar schreiben
Teilen:
  • email
  • RSS
  • Add to favorites
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Twitter
  • Print

die besten Kommentare drucken

  1. Ausgezeichneter KommentatorGandalf
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    19. November 2014 04:59

    Ein seltsamer und absolut unhaltbarer Beitrag; Herr Hacker, der "Held" des Rezensenten, hatte (vielleicht) von Indologie, die er ja studiert und gelehrt hatte, eine Ahnung, offenbar aber nicht die geringste von Theologie. Um die Unhaltbarkeit der laienhaften Thesen des Herrn Hacker festzustellen, reichen die vom Rezensenten ausgewählten Zitate; danach noch das ganze Machwerk zu lesen, kann man sich in diesem Lichte getrost sparen. Und die Erfahrungen des Rezensenten "im interkonfessionellen Gespräch" können so reich wohl nicht sein, schon auf Grund der Tonart, in der er von Martin Luther und der gesamten lutherischen Kirche spricht. Nein, lieber Herr Schrems, so kann und darf ein Beitrag zum ökumenischen Dialog nicht aussehen.

    P.S.: Haben Sie schon einmal von der "Augsburger Erklärung" aus dem Jahre 1999 zur Rechtfertigungslehre gehört? Offenbar nicht, denn in ihrem Lichte sind die abstrusen Ansichten des Herrn Hacker, der sie natürlich nicht kennen konnte, weil er bereits 1979 gestorben ist, die Sie aber offenbar heute noch teilen, überhaupt nicht mehr haltbar. Wir schreiben 2014, die Gegenreformation ist - gottlob - schon lange vorbei.

  2. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    18. November 2014 00:28

    Schweren Herzens ein zweiter Kommentar: Gehört diese Thema in diese Diktion wirklich hierher?

  3. Ausgezeichneter Kommentatormachmuss verschiebnix
    2x Ausgezeichneter Kommentar
    18. November 2014 21:44

    Martin Luther war ohne Zweifel der richtige Mann zur richtigen Zeit !
    Mit Fervor bekämpfte er die Verirrungen der katholischen Kirche (Ablass-Handel ...) ,
    das war gut und richtig und wichtig . Wobei er selber sich nicht als Gründer einer
    neuen Glaubens-Richtung verstand, sondern sich immer auf das einzig gültige
    Fundament (Christus) berufen hatte.

  4. Ausgezeichneter KommentatorHaider
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    18. November 2014 00:23

    Sie setzen wohl "antireligiös" mit "areligiös" gleich?

  5. Ausgezeichneter KommentatorGerhard Pascher
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    18. November 2014 10:53

    Herr Schrems nimmt den an alle Christen ergangenen Missionsbefehl sehr genau und will uns das Wirken von Martin Luther in neuem Licht "verkaufen". Objektiv kann man dies nur dann tun, wenn man auch die damaligen Umstände, welche zum handeln von Luther kennt und berücksichtigt.

  6. Ausgezeichneter KommentatorKonrad Loräntz
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    21. November 2014 14:04

    Wird auch das Buch "The Jews and Their Lies" by Martin Luther (siehe www.amazon.com) erwähnt ? Macht heutzutage ja keineswegs einen schlanken Fuß.

  7. Ausgezeichneter KommentatorSegestes
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    22. November 2014 11:43

    Selbsthypnose bzw. Autosuggestion sind Kennzeichen jeder Religion. Da braucht sich die Katholische Kirche wahrlich nicht besser dünken.

die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter KommentatorSegestes
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    22. November 2014 11:43

    Selbsthypnose bzw. Autosuggestion sind Kennzeichen jeder Religion. Da braucht sich die Katholische Kirche wahrlich nicht besser dünken.

alle Kommentare drucken

  1. Jochen (kein Partner)
    30. November 2014 18:53

    Theologisches Werk von Adolf v Harnack ...
    nahm eine kritische Perspektive zur christl. Dogmengeschichte ein. Harnacks Verständnis des Protestantismus war das von Reformation + Revolution: Reformation der Heilslehre und Revolution gg. die Autorität der kath. Kirche, gegen den hier. Apparat mit eig. kirchl. Rechtsordnung und gegen die Kultusordnung. Jesus habe das Kultische... beiseitegeschoben. Er setzte nicht auf kult. Reinigung * Heiligung, sondern allein auf die Seele des Menschen. Das moral. Handeln des Einzelnen, seine Werke der Liebe würden entscheiden, ob der Einzelne in ein Reich Gottes eingehe oder nicht...
    Wenn Sie diesen Theologen zugrundelegen, kommen Sie zu anderen Resulten.

  2. Reli-Schamane (kein Partner)
    22. November 2014 15:10

    Die religiöse Erneuerung durch Luther war nicht tiefgreifend genug. Es sollten gar keine Gottesdienste in Kirchen mehr durchgeführt werden. Gottesdienste kann man z. B. im Kreis der Familie durchführen. Die Kirche muss sehr stark verkleinert werden. So kostet Religion 30-mal weniger Geld. Religiöse Kurse (z. B. Geistheiler-Seminare, die u. U. nur 1 Tag dauern) sind wichtiger, als Gottesdienste. Es ist sinnvoll, wenn Priester sich philosophische Gedanken machen über Gott, seelsorgerisch tätig sind, usw. Es ist sinnvoll, den Theismus durch den Pantheismus zu ersetzen. Die Natur ist göttlich. Und es gibt Dinge in der Natur, die dem Menschen ewig verborgen sind.

  3. Segestes (kein Partner)
    22. November 2014 12:40

    Ein grandioses Hörspiel zu Martin Luther und den wahren Hintergründen der "Reformation". Sehr empfehlenswert!

    http://www.youtube.com/watch?v=kbpczxpOQBw

    (Kaiser Maximilian wird übrigens von einem Herrn aus Österreich gesprochen, der vielen sicher nicht ganz unbekannt ist :-) )

    • Jochen (kein Partner)
      03. Dezember 2014 22:55

      Na, na, als grandios würde ich das nicht bezeichnen, es sei denn der Inhalt ist einem eher egal. Hauptsache die Toneffekte überraschen... Nein, Segestes, was man da geboten bekommt, entspricht der Ideologie eines linken Rundfunksenders, dessen zuständiger Redakteur von der Reformation so viel versteht wie ein Schamane von der Hirnchirurgie. Der heldenmütige Reformator wird als ein Weichling und Opportunist dargestellt, so als wäre er das Spiegelbild des Redakteurs und all seiner Kollegen beim WDR.
      Was der Drehbuchautor aber hinbekommen hat - um auch was Positives zu sagen - waren vor allem die (an Sarkasmus nicht zu überbietenden) Konferenz-Szenen bei Jakob Fugger in Augsburg. Davon hat er

  4. Segestes (kein Partner)
    22. November 2014 11:43

    Selbsthypnose bzw. Autosuggestion sind Kennzeichen jeder Religion. Da braucht sich die Katholische Kirche wahrlich nicht besser dünken.

  5. Konrad Loräntz
    21. November 2014 14:04

    Wird auch das Buch "The Jews and Their Lies" by Martin Luther (siehe www.amazon.com) erwähnt ? Macht heutzutage ja keineswegs einen schlanken Fuß.

    • F.V. (kein Partner)
      22. November 2014 21:53

      Was heißt hier „schlanker Fuß“?

      Ist es nicht so, daß bei großen Umbrüchen, die eigentlich relativ geringfügige Ursachen zu haben scheinen, man nicht doch viel größere, verborgene vermuten müßte? Das Problem hierzulande ist allerdings, daß in gewisse Richtungen zu forschen mit einem Tabu belegt ist.

      Was bei uns nämlich aus Gründen der politischen Korrektheit niemals erörtert werden darf, findet sich – wenn man Glück hat und aufmerksam ist – in amerikanischer bzw. jüdischer Literatur – und selten genug auch manchmal hier.

      Z.B. Louis Israel NEWMAN: “Jewish Influence on Christian Reform Movements”, oder Michael JONES „ The Jewish Revolutionary Spirit and its Impact on World History“ (2008); Robert HICKSON, „An essay on the cultural and religious factors of military strategy and grand-strategy“; Yuri SLEZKINE: „The Jewish Century“; Friedrich ROMIG: „Das `Ende der Tage´ nach jüdischen Vorstellungen“, „Israel und das Völkerrecht - Wie ein Weltbrand entsteht“, u.a. In seiner Buchbesprechung (des Werkes von M. JONES) schreibt Friedrich ROMIG: „Die ganze Geschichte hindurch, so Michael JONES, haben Juden Revolutionen vorbereitet, unterstützt, ausgelöst, durchgeführt und zu Ende oder zum Scheitern gebracht. „Revolution war und ist die Aufgabe des von Gott auserwählten Volkes“ (S. 647f). „Wir müssen Revolution machen, weil das Gott uns aufgetragen hat“, bestätigt Elie WIESEL (S. 752). Juden haben ihre geistigen Kräfte mit den Albigensern vereint, sie wirkten mit an der hussitischen Revolution und an der lutherischen Reformation und sie standen an der Wiege des modernen England der Puritaner.

      Die „Aufklärung“ und die durch sie ausgelösten Revolutionen in Frankreich und in vielen Ländern Europas sind weitgehend ihr Werk. Und ohne auch nur den Schatten eines Zweifels bezeichnet Michael JONES den Bolschewismus und die ganze Russische Revolution vorrangig als eine jüdische Bewegung („primarily a Jewish movement“), die auf die Destruktion der Religion und den Umsturz der Zivilisation abzielte ( SS. 22, 740, 746, 755).

      Die Frage bezüglich „verborgener Ursachen und des „Wer“ scheint damit klarer zu werden, offen ist die Frage des „Wie“. Hat man das nicht bemerkt? Oder hat man´s, aber man schweigt dies bis heute tot, wie so vieles? Freilich den „Geist“ der hinter einer Revolution oder „Reformation“ steht sieht man nicht immer so deutlich.
      Wie geht also diese Veränderung des unsere Zeit beherrschenden Paradigmas vor sich? – In einer Änderung der geistigen Grundlagen, die – oft genug – mittels Revolution erzwungen werden. Bedingung für den „Erfolg“ ist natürlich, daß man schon lange im Voraus eines entsprechende (geistige) Disposition zu schaffen in der Lage ist, eine Bereitschaft schafft.

      Ulfkotte hat das in seinem jüngsten Buch ja hinreichend beschrieben. Die gekauften Medien und „Alpha“-Journalisten besorgen dies seit eh und je, und man sollte sich diesbezüglich nur daran erinnern, daß Medien nur eine andere Modalität des Geldes sind.

  6. AnaLyse (kein Partner)
    20. November 2014 14:40

    @Gandalf, 19.11.2014, 23:14
    Sie erwähnten die "Unfehlbarkeit" des Papstes. Ein heißes Eisen! Wird doch in der Öffentlichkeit ganz bewußt der falsche Eindruck erweckt, alle Handlungen und Wortmeldungen des Papstes seien nicht hinterfragbares Glaubensgut und er als Person "hat immer recht".
    Im ersten Vaticanum finden Sie die Definition: "Wenn der Bischof von Rom vom Lehrstuhl aus (ex cathedra) spricht,...dann besitzt er auf Grund des göttlichen Beistandes...jene Unfehlbarkeit, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültiger Entscheidung in der Glaubens- und Sittenlehre ausgerüstet haben wollte." (Denz. 1839). Ex cathedra, ja, zum Beispiel bei Dogmen, sonst nicht!

    • Gandalf
      21. November 2014 01:59

      Liebe AnaLyse,
      Zwar habe ich mir vorgenommen, mich an dieser unwürdigen Diskussion nicht mehr zu beteiligen; dieses Erfolgserlebnis muss ich aber doch in aller Bescheidenheit geniessen:
      Sie sind mir in die Falle gegangen wie's schöner nicht sein kann. Denn natürlich ist mir der Text, den da das erste Vatikanum beschlossen hat, inhaltlich und wortwörtlich genau bekannt; und gerade das wollte ich damit als Unsinn erster Klasse entlarven.
      Meiner - durchaus nicht ex cathedra verkündeten - Meinung nach ist die katholische Kirche eben inzwischen gescheiter geworden und hat deshalb im zweiten Vatikanum einen Reformprozess begonnen, mit dem wahrscheinlich sogar Martin Luther zufrieden gewesen wäre, und dem die katholische Kirche seither gottlob auch folgt.
      Natürlich steht es jedem Katholiken frei, auch die Schlussdokumente des zweiten Vatikanums anzuzweifeln und als für sich nicht verbindlich anzusehen. Damit sind diese Leute, wie @Graf Bethlen und andere seiner Geisteshaltung, wahrscheinlich recht einsam, aber zumindest nach ihrer Selbsteinschätzung eben gescheiter als alle Konzilsväter. Es sei ihnen herzlich gegönnt.

    • Graf Bethlen (kein Partner)
      21. November 2014 11:20

      @Gandalf
      In der Tat fühle ich mich in manchen Belangen gescheiter als viele Konzilsväter. Er wird wohl reichen, nostra aetate aufmerksam zu lesen, um zu erkennen, daß diese Konzilsväter irregeleitet waren, ein Umstand, der sich noch bitter rächen wird.
      Im übrigen danke ich für Ihr gönnerhaftes Wohlwollen.

    • AnaLyse (kein Partner)
      21. November 2014 13:31

      @Gandalf, 21.11.14, 1:59
      Unwürdig?? Interessant, kämpferisch, sachbezogen! - Analyse = kein sexusbezogener Begriff. - AnaLyse = Nick als Ausdruck wissenschaftlich-objektiver Themenbehandlung, die Worttrennung weist auf die griechischen Wurzeln hin (Auf-Lösung). - Falle: beliebtes Stilmittel zur Verschleierung eines eigenen Fehlers. -
      Vaticanum 1 als UNsinn?? Na ja, für einen Protestanten ist alles Katholische inakzeptabel. Vice versa. - Im übrigen: Faust I: "Der Worte sind genug gewechselt..."

  7. Zraxl (kein Partner)
    19. November 2014 14:50

    @ MMag. Schrems
    Vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag. Mir ist Luther immer als ein Mann mit vielen Wandlungen erschienen: Vom katholischen Mönch mit seiner sehr berechtigten Kritik an der Geldgier des damaligen Papsttums - über den geistigen Zuträger der Landesfürsten, die durchaus weltliche Interessen hatten - bis hin zum Kirchenspalter. Die von Ihnen dargestellte theologische Dimension war mir so nicht bewusst.

    • Wolfram Schrems (kein Partner)
      20. November 2014 10:26

      @Zraxl

      Danke für die freundliche Rückmeldung.

      Ich freue mich und gratuliere Ihnen, daß Sie und
      @F. V.
      zu den - erfahrungsgemäß wenigen - Zeitgenossen gehören, die bereit sind, die Pseudo-Dogmen der "offiziellen" Geschichtsdeutung zu verwerfen, wenn das aufgrund ausführlicher Gegendarlegungen notwendig wird.

      Für mich wenig überraschend aber trotzdem bedauerlich ist die geistige Blockade bei etlichen Forumsteilnehmern, die auf den Artikel replizierten, sehr stark.

      Der nächste Luther-Aufsatz ist aber schon im Entstehen. Daher können wir die Erörterung hoffentlich bald fortsetzen.

  8. Francois Villon (kein Partner)
    • F.V. (kein Partner)
      19. November 2014 13:50

      Eine Landes-Ausstellung in OÖ (Grieskirchen/Schloß Parz) widmete sich vor allem der Reformation mit ihren Begleiterscheinungen und berührt damit natürlich ein „heißes Eisen“: die religiös motivierten Auseinandersetzungen in Deutschland – hier vornehmlich in den österreichischen Ländern -, Bauernkriege, Auswanderung bzw. Ausweisung jener Bewohner, die sich zum Protestantismus bekannten und natürlich auch die zugrunde liegende geistige Auseinadersetzung.

      So wird in einem Video das Leben Martin LUTHERS – z.T. mit gespielten Film- oder Theaterszenen – nachgezeichnet, wobei freilich die Frage offen bleibt, ob die andere Seite, die katholische Kirche und Religion, hier angemessen repräsentiert wird, indem man sie auf den kolportierten Spruch „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ reduziert, oder das „Dogma“ Martin LUTHERS: das „sola scriptura“ (nur die Heilige Schrift ist als Grundlage des Glaubens und der Gottesverehrung maßgeblich) und das „sola fidei“ (nur der Glaube, nicht aber die eigenen guten/bösen Werke sind für Gnade Gottes maßgeblich) der Reliquienverehrung gegenüber stellt.

      Hier berührte man theologische Fragen, die zum Kern der jeweiligen Religion stoßen, die auch heute – trotz Ökumene – weder einvernehmlich gelöst, noch als gravierende Inkompatibilitäten sich in Nichts aufgelöst hätten.

      Dozent Dr. Friedrich ROMIG, meinte in vielen Vorträgen und Publikationen, daß das Wesen der Geschichte Kulturgeschichte und somit auch immer Religionsgeschichte sei.

      Dem brauchen wir nichts hinzufügen, und wir wollen weder missionieren noch jemand nahe treten.

      In der Ausstellung wird immer wieder – wenn auch unterschwellig – betont, daß die Renaissance die „Enge des Mittelalters“ überwunden hätte und die Aufklärung sozusagen erst die Befreiung der Menschen gebracht hätte. Wir können dem nicht ganz folgen, einerseits, weil in früheren Zeitaltern die Grundlagen jeglicher Kultur bereits längst angelegt waren und nur das Nichtwissen darüber der Neuen Zeit allein Fortschritt, Geistigkeit und (Hoch-)Kultur zubilligt, andrerseits, weil – wie ebenfalls ROMIG, Alfred North WHITEHEAD zitierend, öfter sagte – alle Philosophie seit PLATO nur Fußnoten zu diesem seien, also die geistigen Fundamente längst gelegt waren und durch nichts wesentlich Neues etwa ersetzt worden wären. Im Übrigen zeugen ja die mittelalterliche Dome, Anlagen der Städte, ein durchaus hochentwickeltes Rechtswesen oder die Reichsbildung vom krassen Gegenteil jener Behauptung vom „finsteren Mittelalter“. Vor allem, wenn wir es nüchtern mit angeblichen heutigen Errungenschaften vergleichen.

      Inzwischen erleben wir den Niedergang von Recht und Gerechtigkeit, den blanken Materialismus im Namen des „Ökonomischen Kalküls“, eine unerhörte Barbarisierung im menschlichen und zwischenstaatlichen Bereich (mit dem infamen Etikett „peace making“ und der als „Recht“ deklarierten Drohung mit dem atomaren Erstschlag), einer u. E. gänzlich fehlgeleiteten „Wissenschaft“, die etwa in Physik und Biologie in rein mechanistischen Prinzipien das Wesen der Dinge und des Lebens ergründen zu können glaubt.

      Wir denken, daß die arrogante Überheblichkeit der sogenannten Aufklärung – Prof. LEO bezeichnete sie polemisch als Auf-kläricht – langsam von der Gegenbewegung des Pendels auf die ihr zukommende Bedeutung reduziert wird.

      Wir möchten – ohne uns damit in theologische Dispute einmengen zu wollen – zur Frage der Eindeutigkeit von schriftlichen Dokumenten noch einige Gedanken darlegen.

      Wir kennen alle die Sprichwörter: „Der Ton macht die Musik“ oder „zwischen den Zeilen lesen“, was nichts anderes bedeutet, als daß das gesprochene oder geschriebene Wort ganz entscheidend vom Kontext abhängt. Wenn in einem Mitarbeiter-Zeugnis steht: „Er hat sich immer sehr bemüht“, wußte jeder Personalchef, daß es sich um einen Versager handelt. Es wurde diese Formulierung zur Chiffre für das denkbar schlechteste Zeugnis, weil per Gesetz ja nur „positive“ Aussagen in einem Arbeitszeugnis zulässig sind. Wenn einer etwas oder jemand über den grünen Klee lobt und dazu womöglich noch eine Grimasse schneidet, weiß auch jedermann, daß in Wahrheit das genaue Gegenteil gemeint war, usw.

      Für historische Zeugnisse gilt dies nicht minder. Auch hier weiß man, daß der Sieger die Geschichte schreibt.

      Vor einiger Zeit, als wir uns mit dem Werk Gotthard GÜNTHERS beschäftigten, stießen wir auf – sehr ungewöhnliche und auch nicht leicht zu verstehende — Artikel von Dr. Engelbert KRONTHALER (1). Er legt dar und symbolisiert dies auch zeichenhaft und in der Schreibweise, daß „REDE“- und „schrift“-zentrierte „Welten“ existieren, die in Sprache, Begriffen, etc. wesentlich unterschieden sind und sich – je nach dem in welchem Kulturkreis die eine oder die andere Seite dominiert – zu sehr unterschiedlichen Auffassungen, Denkprozessen bzw. Ergebnissen kommt.

      KRONTHALER spricht von schrift quasi als tot oder starr und daß REDE die vielfältigen Auslegungsmöglichkeiten, die Vielfalt, die erst zusammen die Ganzheit ergibt, ermöglicht. Er wies auch darauf hin, daß etwa Texte, bei denen Worte nur in ihren Konsonanten repräsentiert werden erst durch das Lesen, die REDE, zu ihrer Bedeutung kommen, wie auch, daß solche unvollständigen Wortzeichen eine ganze Kaskade von Deutungen und Bedeutungen einschließen (können) und damit erst die ganze Wahrheit repräsentieren.

      Wir können das hier nicht weiter ausführen und verweisen auf die Betrachtungen KRONTALERS. Was wir aber mit diesen Andeutungen zeigen wollten, ist die doch berechtigte Frage, inwieweit eines der differenzierenden Merkmale evangelischen Glaubens gegenüber dem katholischen – „sola scriptura“ – eine unzulässige Vereinfachung, ein Wesentliches negierendes „Dogma“ ist, indem es die Tradition und die im Laufe einer tausendjährigen (Kirchen-) Geschichte geübte, das Alte bewahrende Praxis des Lehramtes negiert.

      Wir haben an den profanen Beispielen versucht die Problematik darzulegen, um nicht eine religiöse Debatte loszutreten, wollten damit aber doch zumindest andeuten, daß auch eine sehr gekonnt gemachte Landesausstellung, die dem Thema entsprechend die Reformation behandelt, letztlich unvollständig bzw. einseitig sein muß, wenn die durch sie „reformierte“ – also die katholische – Seite der Medaille nicht entsprechend (also von ihr selbst und in eigener Darstellung) zu Wort kommt.

      Eine Anmerkung noch zu einer auch von der Reformation bis heute nicht akzeptierten Rolle des PETRUS-Amtes, der verbindlichen Auslegung lehramtlicher (Glaubens-)Fragen, die ja in der Ausstellung – wenn auch subtil und unterschwellig – thematisiert wurde. Wir möchten dazu den bedeutenden Staatsrechtler/-philosophen Carl SCHMITT bemühen. In seinem gewaltigen Werk finden sich auch Publikationen zur „politischen Theologie“. Der Titel täuscht, es sind dies rein wissenschaftliche Betrachtungen und weder „Dogmen“ noch politisierende Religion/Theologie, sondern Analysen des „Politischen“ (nicht der „Politik“).

      SCHMITT kritisiert das Wesen liberaler Ideologie als eine Art, Sachverhalte nie zu entscheiden, sondern in Schwebe, in ewiger Diskussion zu halten. Und er betont die Notwendigkeit, Berechtigung und Wichtigkeit der/des Repräsentanten einer Sache/Idee/Aufgabe – und erst recht auch einer Glaubensgemeinschaft – ihre authentische Überzeugung selbst und letztlich endgültig zu entscheiden. Dies sei nach SCHMITT der eigentliche Kern des Unfehlbarkeitsdogmas, und mit der Fähigkeit eine Entscheidung tatsächlich treffen zu können, sei dies auch die eigentliche Stärke der katholischen Religion und Kirche. Er resümiert diesen Sachverhalt – wer im Kampf um die Behauptung einer Idee, eines Paradigmas sich schließlich durchsetzen würde — in seinem Werk etwa so: „Sie (die röm.-kath. Kirche) ist die Erbin.“

      So muß auch die quasi ex catedra verkündete Ansicht des Landeshauptmannes und Kulturreferenten Josef PÜHRINGER, der es als Religionslehrer eigentlich besser wissen müßte, zurückgewiesen werden, daß „die Renaissance somit als Epoche des Aufbruchs aus der mittelalterlichen Enge dargestellt, die zugleich als erste globale Geistesbewegung bezeichnet werden kann“. Weder das eine noch andere trifft zu. Sie ist ein rein europäisches Ereignis und ob es wirklich ein „Aufbruch“ – wozu? - war, wird sich erst zeigen.

      Eine letzte Anmerkung:

      Es ist keinesfalls richtig, daß erst mit LUTHER deutsche Bibelübersetzungen existierten. Dies ist ein Vorurteil bzw. Nichtwissen, denn es gab schon lange vor LUTHER an die 90 Bibelübersetzungen ins Deutsche. Von einer absichtlichen Verschleierung kann keine Rede sein. Es mangelte an der Verbreitungsmöglichkeit, die erst mit der Erfindung des Buchdrucks gegeben war.

      Bedeutungsvoller sind freilich Details aus der Biographie Martin LUTHERS, die uns bisher, und wie wir feststellten auch jedem von uns Angesprochenen, unbekannt waren, die aber für die „Theologie“ LUTHERS offenbar einen, wenn nicht den fundamentalsten Einfluß hatten.

      LUTHER war ja nicht von Haus aus für ein klösterliches, asketisches Leben prädestiniert, sondern strebte ein Studium der Rechtswissenschaften an. Er hatte aber im Duell einen KOMMILITONEN getötet, ein Totschlag, der nach damaligem Recht mit Hals- und Blutgericht geahndet wurde. Sein Eintritt ins Kloster war also eine Flucht vor der irdischen Gerichtsbarkeit. Und seine „Rechtfertigungslehre“, daß es nicht die eigenen Werke sind, die zur Erlösung führen, sondern „nur die Gnade Gottes“ hängt unmittelbar mit seinem Totschlag zusammen, den er ja nicht rechtfertigen konnte.

      So wurde seine Theologie eine Privat-Exegese der bis dato geltenden katholischen Religion – und ist weder eine Reform ob allfälliger Mißstände oder wegen des Ablaßhandels, sondern eine handfeste Häresie.

      (1) Engelbert KRONTHALER, „Alpha und Aleph oder Gotthard GÜNTHER und Europa“, Klagenfurter Beiträge zur Technikdiskussion, Heft 92 ISBN1028-2734.

      PS: Das Gelabere von der Ökumene kann uns gestohlen bleiben, wenn es auf Kosten der Wahrheit und Redlichkeit geht. Bei den diversen „ökumenischen“ Sommerakademien erlebte ich bisher immer nur die Stänkereien der Protestanten.

    • Zraxl (kein Partner)
      19. November 2014 14:58

      @ Francois Villon
      "Die Aufklärung" hat es nie gegeben. Es gab ab Mitte des 18. JH eine zunehmend antiklerikale Bewegung. Da wurde ein "finsteres Mittelalter" erfunden und damit einhergehend viele Lügen über die Kirche und ihre Lehre verbreitet. Durch geschickte Propaganda hat man halt dann im Nachhinein jeglichen wissenschaftlichen Fortschritt als "präaufklärerisch" der sogenannten Aufklärung zugerechnet.
      I.Kant hat sicher recht mit seinem Aufruf zum "Heraustreten aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit". Nur hat das halt mit der Bewegung der "Aufklärung" nichts zu tun. Oder hat irgendjemand geglaubt, dass die Horden der jakobinischen Proleten eine tiefere Weltsicht besitzen als die gelehrten Mönche in ihren Skriptorien?

      Mit jener geistigen Stumpfheit, die die "Aufklärer" dem "finsteren Mittelalter" zugeschrieben haben, wäre sicher kein Petersdom gebaut worden (eine herausragende Ingenieursleistung) und die christliche Seefahrt hätte wohl den Zweck gehabt, den Rand der Erdscheibe zu besichtigen.

    • Gandalf
      19. November 2014 16:48

      Jetzt kenne ich mich wirklich nicht mehr aus: ist "F.V." die selbe Person wie Francois Villon? Warum steht er dann nicht einmal zu seinem Nicknamen? Oder, denn er spricht ja stets bescheiden im pluralis majestatis, handelt es sich gar um einen hohen katholischen Würdenträger? Oder ein Autorenkollektiv von Levebristen?
      Tatsache ist jedoch, dass - wer oder was auch immer "F.V." ist, nicht mehr schafft als eine sehr dünne, dafür aber äusserst lange Logorrhoe, bestehend überwiegend aus stumpfen Stereotypen und Banalitäten über den und Verleumdungen der Person Martin Luther. Ein oder mehrere Gestrige, die sich offenbar - irgendwer hat es in diesem thread schon geschrieben - hinter das zweite Vatikanum zurücksehnen, oder sogar viel lieber noch früher, so etwa in der Gegenreformations- Zeit gelebt hätte(n). Damals durfte man die "Ketzer" zwar nicht mehr oder doch nur in Ausmahmefällen verbrennen, aber verjagen konnte man sie mit Genuß und päpstlichem Segen. Was eben heute, Gott sei es gedankt, nicht mehr geht. Und übrigens: Auch dieser Beitrag ist ein Musterbeispiel, wie man im Zeichen der Ökumene NICHT argumentieren und diskutieren sollte. Schade, dass so was hier abgesondert wurde, weil es trotz seiner Einfalt nicht unwidersprochen bleiben durfte. Schade, dass in diesem Beitrag auch der von mit sehr geschätzte Fritz Romig zitiert wird: das hat er sich wahrlich nicht verdient.

    • F.V. (kein Partner)
      19. November 2014 16:57

      @Zraxl,

      Sie haben völlig recht, und ich spotte über diese Einbildung ja auch indem ich mich des lautmalenden Begriffs von Prof. Leo bediene: Auf-KLÄRICHT, der so schön phonetisch an das deutsche Wort "Kehricht" (= Mist) erinnert. (siehe Lexikon des Konservatismus).

      Ich war übrigens sprachlos über die ersten Kommentare. Ideologie und Zeitgeist standen da Pate. - Schrems wird es überleben.

    • F.V. (kein Partner)
      19. November 2014 19:43

      Nur die ganz Einfältigen haben noch nicht bemerkt, daß ich die Abkürzung dann verwende, wenn mir die läppische Zeichenbegrenzung einen Subkommentar als Umgehung nahelegt und die Angaben nochmals eingetippt werden müssen.

      Der pluralis majestatis ist zufällig, weil ich diesen Kommentar schon für einen anderen Adressatenkreis schrieb, wo dies zu den Gepflogenheiten gehörte.

      Ihre "Kritik" Herr/Frau Gandalf geht auf keines der Argumente ein, ist eine pauschale Abkanzelung und mit ihren Pseudo-Beispielen noch unter dem Niveau von Heute oder Österreich. Freund Romig hat wohl weniger dagegen von mir zitiert als von Ihnen in "Schutz genommen" zu werden.

      Was Sie von der "Ökumene" halten ist Ih

    • F.V. (kein Partner)
      19. November 2014 19:48

      ..re Sache und mir gänzlich Wurst.

      Sie beweisen damit, daß Sie auf der Höhe des Zeitgeistes sind, aber eben nur auf dieser. Ich kann freilich gar nicht so weit hinunter schauen, um hier mitreden zu können und habe dafür auch kein Bedürfnis.

    • wolf (kein Partner)
      19. November 2014 21:23

      @F.V.

      Sie sind derart arrogant, Sie meinen wohl auch, es mit Karl Barth und Bultmann aufnehmen zu können, wie dieser Hacker. Sie werden scheitern, wie dieser Hacker.

      Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall. Das wird eine harte Landung, Herr F.V..

    • Gandalf
      19. November 2014 22:35

      Hochwerter F.V.,
      verzeihen Sie mir, dass ich ein wenig aus der Rolle falle und (ganz kurz und ganz liebenswürdig) persönlich werde: Das mit der Zeichenbegrenzung etc. etc. haben eben nur die ganz Einfältigen noch nicht begriffen. Daher kommt wohl auch Ihr Versuch, zu dem vorher abgesonderten auch noch einen Apologie- Rülpser von sich zu geben, in drei Teilen. Na ja.
      Sachlich auf Ihren geistigen Dünnschleier einzugehen, ist mir wirklich keinen weiteren Buchstaben wert.

    • Gandalf
      19. November 2014 22:41

      @ wolf:
      Danke - Sie sind einer, der Herrn "F(rancois) V"(illon)'s gescheiterte Versuche, hier etwas Gescheites zu deponieren, richtig verstanden hat: Hochmut, gepaart mit Sendungsbewustsein und geringer Sachkenntnis führen dazu, dass er sich nicht nur fachlich, sondern auch menschlich disqualifiziert hat. Gut so!

  9. Gandalf
    19. November 2014 04:59

    Ein seltsamer und absolut unhaltbarer Beitrag; Herr Hacker, der "Held" des Rezensenten, hatte (vielleicht) von Indologie, die er ja studiert und gelehrt hatte, eine Ahnung, offenbar aber nicht die geringste von Theologie. Um die Unhaltbarkeit der laienhaften Thesen des Herrn Hacker festzustellen, reichen die vom Rezensenten ausgewählten Zitate; danach noch das ganze Machwerk zu lesen, kann man sich in diesem Lichte getrost sparen. Und die Erfahrungen des Rezensenten "im interkonfessionellen Gespräch" können so reich wohl nicht sein, schon auf Grund der Tonart, in der er von Martin Luther und der gesamten lutherischen Kirche spricht. Nein, lieber Herr Schrems, so kann und darf ein Beitrag zum ökumenischen Dialog nicht aussehen.

    P.S.: Haben Sie schon einmal von der "Augsburger Erklärung" aus dem Jahre 1999 zur Rechtfertigungslehre gehört? Offenbar nicht, denn in ihrem Lichte sind die abstrusen Ansichten des Herrn Hacker, der sie natürlich nicht kennen konnte, weil er bereits 1979 gestorben ist, die Sie aber offenbar heute noch teilen, überhaupt nicht mehr haltbar. Wir schreiben 2014, die Gegenreformation ist - gottlob - schon lange vorbei.

    • Graf Bethlen (kein Partner)
      19. November 2014 19:57

      Ihre Beiträge gehen davon aus, daß Sie recht haben, Andersdenkende und Andersglaubende daher zwangsläufig falsch liegen und ewig gestrige Dummköpfe sind. Etwas hochmütig ?

      Dies ist an Ihrer Formulierung "Gestrige, die sich hinter das 2. Vatikanum zurücksehnen" abzulesen. Frage an Sie: Was ist durch das 2. Vatikanum besser geworden? Ich kann nur Negativa und einen rapiden Abbau unserer Kirche erkennen.

      Oder Ihre Belehrung "...wie man im Zeichen der Ökumene nicht argumentieren sollte". Frage an Sie: Glauben Sie immer noch, daß breitflächige Ökumene möglich und sinnvoll ist, ohne dem Christentum im allgemeinen oder der Katholischen Kirche im besonderen schwersten Schaden zuzufügen?

      Und schließlich die Floskel "Wir schreiben 2014", ein Stereotyp wie "Willkommen im 21. Jahrhundert" und meine letzte Frage an Sie: Was gefällt Ihnen so an dieser neuen Zeit???

    • F.V. (kein Partner)
      19. November 2014 23:12

      Graf Bethlen,

      zu viel der Ehr´ wurde mit Ihren richtigen Fragen einem geistigen Taglöhner erwiesen.

      Diese haben ihrem Vorbild Luther gemäß das Rüpelhafte im Umgang mit Katholiken bisher gepachtet, aber weder Lautstärke noch Pöbelei schafft Wahrheit. Und wer oder was sind Protestanten oder deren Kirchen?

      Kirchen, Plural - Was soll das sein?

      Was sind die protestantischen Kirchen? Sekten, die sich aus vordergründigen Ursachen gebildet haben. Mit Folgen für die europäische Entwicklung, die nicht mit dem 30-jähringen Krieg zu Ende gingen.

      Daß Martin Luther einen Kommilitonen im Duell erschlagen hatte und über diesen Mord persönlich nicht hinwegkam, ist die verschwiegene Ursache, derentwegen sich Luther gedrängt sah, dem katholisch-christlichen Gottesbild ein anderes, verzerrtes und negatives - also falsches - entgegenzustellen. Weil Luther die Untat nicht persönlich verantworten wollte und konnte, hat er Gott auch die Urheberschaft alles Bösen zugeschrieben, womit, weil nun auch das Böse von Gott kam, sich die Frage von Schuld und Verantwortung für den Menschen (und ihn) nicht mehr stellte.

      Dieses Gottesbild ist aber nicht das, des trinitarischen und einzig wahren Gottes, der allgemein als der christliche und katholische angesehen wird.

      ”Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der da leugnet, daß Jesus der Christus ist. Das ist der Antichrist” (1 Joh 2, 22). ”Jeder, der den im Fleisch gekommenen Christus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichrist, von dem ihr gehört habt, daß er kommt. Und jetzt ist er bereits in der Welt”( 1 Joh 4, 2-3). Der Sache nach spricht bereits Jesus in seiner Auseinandersetzung mit den Pharisäern von diesem Geist des Antichrist, wohl am deutlichsten im Johannes-Evangelium (8, 42-47). Er hält seinen jüdischen Zuhörern vor, daß sie seinen Worten nicht glauben, weil sie ”nicht aus Gott” sind und ”den Teufel zum Vater haben, den Lügner, Verwirrer und Menschenmörder von Anfang an”.

      Das Nicht-aus-Gott-sein ist also der Antichrist, das schlechthin Böse. Aber gerade hierin liegt die große Kehre/der Abfall Luthers, mit der er sein Verbrechen zu rechtfertigen suchte.

      Es ist also nicht nur die komische Lehre der sola fide und sola scriptura, die zu den unzähligen Privatexegesen dieses Sektenglaubens und die Abschiebung der Verantwortung für ein "gelungenes Leben" an die Gnade Gottes allein, ohne Rücksicht auf die eigene Verantwortung für die irdischen Taten führte, sondern sie ist durch und durch eine Heräsie, deren offensichtliche Folgen eine recht irdische Parteiergreifung für jeden zeitgeistigen Mist sind. Im Namen der "christlichen Freiheit".

      Wenn mancher einen angeblichen (Kirchen-)Kampf seitens der Katholiken aus einer ihn störenden Bemerkung konstatiert, so muß ich einwenden: Dieser findet ausschließlich und seit Jahren schon von protestantischer Seite her statt, etwa bei "Ökumenischen Akademien" (Kremsmünster), wo vor allem gegen die kath. Kirche polemisiert wird, er findet statt in der vor kurzem zu Ende gegangenen, erwähnten OÖ Landesausstellung "Renaissance und Reformation", in der unterschwellig der katholische Glaube auf eine paar singuläre Ereignisse reduziert wurde, über deren Bedeutung oder Berechtigung man streiten könnte, die aber Lichtjahre von der Essenz des Katholischen entfernt waren, was man nur als Polemik und Fälschung bezeichnen kann. Usw.

      Der gelehrte Rabbiner Louis Israel Newman führt den Nachweis, daß die christlichen ”Reform-Bewegungen” seit dem 9. Jh. weitgehend unter jüdischem Einfluß stehen. Sie laufen alle auf die Judaisierung (”Judaizing”) des Christentums hinaus. Und in der Tat bezeugen die tausendfältigen Sektenbildungen und Spaltungen das Wirken des ”Lügners und Verwirrers”, der mit dem griechischen Wort ”Diabolos” (= Durcheinanderwirbler) bezeichnet wird. Er sorgte dafür, daß nach dem Vatikanum II “der Rauch des Satans durch irgendeinen Riss sogar in den Tempel Gottes eingedrungen ist” (Paul VI., 1972).

      Besonders tragisch wirkte sich die durch Luther eingeleitete ”Reformation” und die Abspaltung der Protestanten von der römisch-katholischen Kirche aus. Luthers Absage an Papst, Lehramt, Tradition, Weihepriestertum, eucharistische Wandlung und die Vollzahl der Sakramente hat nicht nur dem ”Leib Christi” eine unheilbare Wunde zugefügt, sondern zur Selbstzerfleischung Europas (Dreißigjähriger Krieg!) und zur weitgehenden Auslöschung des deutschen Volks geführt, dessen ”Irrweg durch die Geschichte in einer von donnernden Flammen umtanzten Höllenfahrt endete” (Thomas Mann: Doktor Faustus).

      Was somit weitere - ganz untheologische - Gründe für das Entstehen derartiger "Kirchen" sind. - Mit wem sollte die katholische Kirche da überhaupt reden?

    • Gandalf
      19. November 2014 23:14

      Verehrter Graf,
      eine gewisse Überzeugung, dass die eigene Konfession doch die richtige ist, sollten Sie auch nichtkatholischen Christen zugestehen.
      Sonst wären ja ohnehin alle katholisch und würden an die Marienverehrung, die Wandlung und andere heidnische Elemente, die sich in die - eben gottlob nicht - "allumfassende" katholische Kirche und ihre Lehre eingeschlichen haben, glauben.
      Und was das zweite vatikanische Konzil betrifft: Da gibt es - auch oder vor allem - aus katholischer Sicht kein Zurück. Gerade als offensichtlich engagierter Katholik müssten Sie doch nicht nur an die Unfehlbarkeit des Papstes, sondern erst recht an die Richtigkeit der Beschlüsse eines ökumenischen Konzils glauben?
      Eine "breitflächige Ökumene" ist sehr wohl möglich und sinnvoll, und ich wünsche sie mir von Herzen - gerade in einer Zeit, in der unchristliche Lehren, vom agnostischen Säkularismus der "neuen Zeit", den ich ebenso vehement bedaure und ablehne wie Sie, bis zum aggressiven Islam, die Christenheit insgesamt bedrohen. Dass sich im Zuge des - mit Sicherheit notwendigen - ökumenischen Zusammenrückens die eine und/oder die andere Gruppierung von manchen liebgewordenen Irrwegen verabschieden müssen wird (und da nehme ich selbstverständlich meine eigene, die evangelisch- lutherische nicht aus), ist da der geringste Teil des Preises.
      Die Erwähnung des Jahres 2014 hatte nichts mit Zeitgeist zu tun, sondern sollte lediglich aufzeigen, dass die Unterzeichnung der "Augsburger Erklärung", in der die katholische und die evangelisch - lutherischen Kirche festgehalten haben, dass in der Frage der Rechtfertigungslehre zwischen ihnen keine Differenzen mehr bestehen (eines der wichtigsten, leider der überwiegenden Mehrheit der katholischen, aber auch vielen evangelischen Christen nicht bewussten theologischen Ereignisse seit der Reformation) und damit den grössten Stolperstein auf dem Weg eines friedlichen ökumenischen Zusammenwachsens beseitigt hat, nunmehr schon 15 Jahre zurückliegt. Herr Hacker konnte das nicht wissen, da er zwanzig Jahre vor der Augsburger Erklärung gestorben ist. Aber einer, der heute ein Buch von ihm rezensiert und sich dabei noch sehr gelehrt geriert, sollte doch darauf hingewiesen werden dürfen. Dies und nichts anderes wollte ich.

    • Graf Bethlen (kein Partner)
      20. November 2014 14:39

      @Gandalf
      Ich hatte Ihnen 3 Fragen gestellt, von denen Sie 2 nicht beantwortet haben.
      Die erste lautete, was durch das 2. Vatikanum besser geworden wäre. Aus Sicht des Protestanten hätten Sie sicher einiges aufzählen können, das mir nicht als Besserung in den Sinn gekommen wäre. Im Übrigen haben Sie nicht verstanden, worum es bei der Unfehlbarkeit des Papstes geht.

      Die 2. Frage haben Sie behandelt. Ich habe aus Ihren Ausführungen gelernt, daß Ökumene notwendig sei, weil sich hiezu die Katholiken von heidnischen Elementen oder liebgewordenen Irrwegen wie Marienverehrung oder der Hl Wandlung verabschieden müßten. Diese Ihre -Verzeihung- Präpotenz ist schon ein starkes Stück!

      Was Ihnen an

    • Graf Bethlen (kein Partner)
      20. November 2014 14:43

      der neuen Zeit gefällt, war meine 3. Frage. Nachdem ich nun Ihre Stellungnahme kenne, lege ich auf eine Antwort keinen Wert mehr und danke F.V. für seine
      Assistenz.

    • F.V. (kein Partner)
      20. November 2014 19:06

      Sg. Graf Bethlen,

      man kann sich nur jenen verständlich machen, die schon wissen wovon die Rede ist, und denen nur angedeutet werden muß, was man sagen möchte. So ist die Diskussion hier die eines Quartetts.

      Was man heute unter „breitflächiger Ökumene“ versteht, ist die Zusammenkunft und das Palaver von Leuten mit gänzlich divergenten und inkompatiblen Ansichten. Und nun sollen wir glauben, daß daraus eine einhellige Meinung zustande kommen würde? Wie denn?

      Entweder geben jene, die offensichtlich im Irrtum sind dies zu und schwenken auf die Ansicht ein, die der Wahrheit entspricht, dann wäre das zu begrüßen, oder sie geben ihre Sichtweisen nicht auf und die vorgebliche „Einigung“ ist in Wahrheit keine, die diesen Namen verdient. Es könnte sich höchstens um einen „Waffenstillstand“ handeln, was freilich unbefriedigend bliebe,
      denn letztlich m u ß sich doch die Wahrheit durchsetzen.

      Wahrheit und Irrtum vertragen sich genau so wenig wie Öl und Wasser, das sich auch nicht mischen läßt, und wieder in die jeweiligen Bestandteile trennt, sobald man zu „quirrln“ aufgehört hat.

      Die Utopie, daß die egalitäre (= gleichberechtigte) Zusammenkunft von Leuten mit inkompatiblen Begriffen, Wertvorstellungen, Bildung und Wissen zu einem vernünftigen Ergebnis führen würde, stammt aus der „Aufklärung“, die eigentlich ein Rückschritt insofern war und ist, als sie in völliger Verkennung der Erkenntnisse einer philosophia perrenis und ihres erreichten Hoch-Standes sich auf eine ausschließlich materialistische Betrachtung zurückzog und damit überhaupt ihre geistigen Grundlagen verloren hat.

      Bedauerlicherweise sehen das die der "Vernunft-Religion" und der „nichts-als-Tatsachen-Illusion“ ergebenen „Aufgeklärten“ nicht ein, und stehen damit wie der Esel vorm verschlossenen Tor. Für die schlichten Einfältigen ist das nicht so schlimm (ihnen ist sogar das Himmelreich versprochen), für die Gesellschaft und jene, die zu deren Führung bestimmt sind, aber eine Katastrophe.

    • wolf (kein Partner)
      20. November 2014 23:18

      Der Esel, Herr F.V., sind wohl Sie, der Sie nicht einmal verstanden haben, was Ökumene bedeutet, der Sie darüber hinaus nicht verstanden haben - im Gegensatz zur katholischen und protestantischen Theologie der letzten 100 Jahre - dass Wahrheit, v.a aber Erkenntnis niemals(!) nur statisch sein kann.

      Nichts desto Trotz wünsche ich Ihnen und dem Grafen viel Vergnügen auf Ihrer einsamen Insel.

      NB: weiter unten haben Sie nicht einmal die Frage von @Haider verstanden. Wie wollen Sie jemandem glaubhaft machen, Sie verstünden Barth, Bultmann, Luther, oder all die Philosophen und Theologen, die Sie regelmäßig zitieren?

    • F.V. (kein Partner)
      21. November 2014 10:57

      Ich habe den @wolf nicht als Esel bezeichent, aber offenbar fühlte er sich angesprochen, obwohl ich auch das nicht tat, denn ich meinte ja, daß die gegenständliche Diskussion die eines Quartetts sei. Daß ich @wolf hier nicht miteinbezog, müßte sogar er/sie erkannt haben.

      Natürlich weiß ich was Ökumene meint, aber auf dem Boden der Realität ist es halt doch ein „Palaver“. Der Unterschied zwischen statischer und dynamischer Wahrheit oder Erkenntnis ist mir leider nicht klar.

      Offenbar beruht dieser auf den merkwürdigen Ansichten des Haus- und Hof-„Philosophen“ aller Linken, Sir Karl Popper, der die Erkenntnis der Wahrheit zwar nicht für möglich hält, aber doch die „Annäherung an die Wahrheit“. Damit ist er der Ansicht und „Lebensphilosophie“ von Qualtingers „Der Wilde“ beigetreten, der sie so ausdrückte: „I hab´ zwor ka Ahnung wo i hi´fahr, dafir bin i g´schwinda durt!“

      Was also die vermeintliche und dynamische „Wahrheit“ bzw. „Erkenntnis“ betrifft, wird diese nach Ansicht auch @wolfs jeweils „dynamisch“ verbessert, was doch bedeutet, daß die bis vor kurzem noch geltende Wahrheit ein Irrtum war, und – wegen der „Annäherung an die Wahrheit“ – auch die gerade aktuelle nur bis auf weiteres eine vorläufige Wahrheit sein kann, also eine noch nicht als Irrtum erkannte „Wahrheit“.

      Nun, und hierin unterscheiden sich eben die Standpunkte der Katholiken von jenen der Protestanten; erstere sind der Überzeugung, daß es eine geoffenbarte Wahrheit gibt, die weder der dynamischen Verbesserung noch dem dämokratischen Palaver (samt Mehrheitsbeschluß) unterliegt.

      Da es immer gefährlich ist, den Großdenker Popper zu kritisieren, zitiere ich Rohrmoser. „Die Überholbarkeit, die Revidierbarkeit des in einem bestimmten Stand von Wissenschaft gefällten Urteils gehört dann zum Begriff von Wissenschaft, den der große Charly Popper entwickelt hat. Man produziert sozusagen nur Irrtümer, und man marschiert durch die Irrtümer, die sich gegenseitig korrigieren hindurch, in dem durch nichts gedeckten Glauben, irgendwann, wenn nicht schon bei der Wahrheit anzukommen, sondern ihr näherzukommen. Man stelle sich vor: Die Poppersche Theorie ist durch ihre Glaubensannahme genauso irrational, wie die ganze irrationale Philosophie, gegen die er sein ganzes lang gezetert und geschimpft hat. Auch da ist die Annahme, daß man durch eine bestimmte experimentelle methodische Anordnung und Vorgehen man nur vorläufig gültige Wahrheiten, die sich dann als irrtümlich und korrekturbedürftig herausstellen, dem wird dann eine andere hinzugefügt, und so irren wir uns zur Wahrheit durch. Aber daß wir das tun und daß wir durch den Irrtum hindurch zur Wahrheit kommen, ist reiner Glaube. ...“

      Wenn man sich dann noch vor Augen hält, daß die Protestanten (und alle dem Auf-kläricht Ergebenen) die päpstliche Unfehlbarkeit einfach nicht in ihrem Wesen kapieren, die Tradition – also die kontinuierliche Bewahrung des Glaubensschatzes/der Offenbarung wie dies im Lehramt der Kirche der Fall ist – ablehnen, aber dann verwunderlicherweise die „Unfehlbarkeit“ ökumenischer Konzile, also dem zeitgeistigen, aktuellen Einfluß ausgesetzter Palaver, dekretieren, dann kann man ob dieser Logik nur sich wundern.

  10. machmuss verschiebnix
    18. November 2014 21:44

    Martin Luther war ohne Zweifel der richtige Mann zur richtigen Zeit !
    Mit Fervor bekämpfte er die Verirrungen der katholischen Kirche (Ablass-Handel ...) ,
    das war gut und richtig und wichtig . Wobei er selber sich nicht als Gründer einer
    neuen Glaubens-Richtung verstand, sondern sich immer auf das einzig gültige
    Fundament (Christus) berufen hatte.

  11. Gerhard Pascher
    18. November 2014 10:53

    Herr Schrems nimmt den an alle Christen ergangenen Missionsbefehl sehr genau und will uns das Wirken von Martin Luther in neuem Licht "verkaufen". Objektiv kann man dies nur dann tun, wenn man auch die damaligen Umstände, welche zum handeln von Luther kennt und berücksichtigt.

    • Gerhard Pascher
      18. November 2014 11:13

      Fortsetzung, da das System (vielleicht auch mein Tablet) den mehrmaligen Versand verweigerte.

      Luthers Aufbegehren erfolgte in erster Linie wegen des damals aktuellen Ablasshandel zur Finanzierung der Peterskirche in Rom - von welchem sich der Vatikan nie distanziert hatte - sowie manchen Fehlentwicklungen und nachträglichen "Erfindungen" in der katholischen Kirche (u.a. Marienverehrung, Fegefeuer, Zölibat, Selig- und Heiligsprechungen, manches "Privat"leben der Päpste usw.). Er war katholischer Mönch und wollte (so wie Christus Jude war) keine neue Religion gründen. Aber er hat als einer der ersten die Bibel ins Deutsche übersetzt, damit auch das "gemeine Volk" daran teilhaben konnte. Den Glauben hatte er auf die wesentlichen "Solis" reduziert, wodurch er von den damaligen Kirchenoberen sogar mit dem Tode bedroht und erst Jahrhunderte später rehabilitiert wurde.
      Leider macht die evangelische, nun aber auch schon die katholische Kirche manche Zugeständnisse und Kompromisse in der Auslegung der Bibel, um dem heutigen Zeitgeist zu entsprechen. Stichworte: Abtreibung, Homosexuelle, Partnerschaften usw., die sie sich auch von linken politischen Parteien vereinnahmen lassen.
      Aber dies alles wird ja auch in der Bibel vorausgesagt.

      Übrigens gab und gibt es immer wieder ehem. Katholiken, auch Priester, welche zu den Protestanten oder Freikirchen über treten.

    • Jochen (kein Partner)
      30. November 2014 19:45

      Sehr geehrter Herr Pascher,

      ich beziehe mich ausschließlich auf Ihre Aussage, Jesus sei Jude gewesen. Wie kommen Sie (um Himmels willen) auf so etwas? Wäre er Jude, wäre er Mensch und könnte nicht das sündlose Lamm sein, das der Welt Sünden trägt. Ihre Sichtweise ist ganz und gar unbiblisch und geht am Evangelium vorbei. Jesus ist Sohn Gottes und durch den Heiligen Geist in der Jungfrau Maria gezeugt - ohne irgendeine menschliche Komponente. Wäre es nicht so, hätte kein Christ jemals Erlösung finden können. In seinen Adern floß das Blut Gottes - verstehen Sie?

    • Gerhard Pascher
      20. Dezember 2014 09:18

      Jochen:
      Vermutlich haben wir beide recht. Jesus ist in einer jüdischen Familie aufgewachsen, hatte sich zum Judentum bekannt und die jüdischen Sitten sowie Gebräuche bis zu seinem öffentlichen Auftreten gepflegt. Erst dann ist er als der im Alten Testament als der versprochene und erwartete "Erlöser" aufgetreten und wollte die Menschen von manchem Irrglauben befreien. Er hatte sich auch mehrmals als Gottes Sohn beschrieben, wollte aber keine neue Religion (Kirche) gründen, dies haben erst andere Gläubige viel später getan.
      Aber hier geht es ja im Wesentlichen um die Auswirkungen der Lehre von Martin Luther nach vielen Jahrhunderten.

  12. Haider
    18. November 2014 00:28

    Schweren Herzens ein zweiter Kommentar: Gehört diese Thema in diese Diktion wirklich hierher?

    • Harald Rassl
      19. November 2014 11:08

      @ Haider: Nein, ganz offensichtlich nein. Schon die Diktion ist für eine seröse Diskussion ungeeignet, vom Inhalt ganz zu schweigen, auf den man überhaupt nicht einzugehen braucht: der Gastkommentator lebt und denkt offenbar in einer verklärt- vorkonziliaren Geisteswelt von vorgestern; und traut sich dann nicht einmal, zu kritischen Kommentaren Stellung zu nehmen, sondern begnügt sich damit, Halbsternderln zu verteilen (oder verteilen zu lassen). Vergessen!

    • F.V. (kein Partner)
      19. November 2014 16:45

      Herr/Frau Haider,

      wenn Sie den ersten Absatz in Schremms GAstkommentar gelesen hätten, dann müßten Sie keine so - verzeihen Sie - dumme Frage stellen.

      "Die Antwort ist dreifach:
      Erstens stellt sich jedem Menschen die Frage nach der letzten Wahrheit, mithin auch die nach dem Sinn des eigenen Daseins.

      Zweitens sind es in letzter Analyse immer „religiöse“ bzw. „anti-religiöse“ Vorentscheidungen, die eine Gesellschaft und ihre Politik prägen, von woher es angezeigt ist, sich darüber explizit Rechenschaft zu geben.

      Und drittens steht speziell Luther für Weichenstellungen welthistorischer Bedeutung, nämlich für das Zerbrechen der religiösen und somit der politischen Einheit der Christenheit einerseits und für geistesgeschichtliche Entwicklungen mit katastrophalem Charakter andererseits."

  13. Haider
    18. November 2014 00:23

    Sie setzen wohl "antireligiös" mit "areligiös" gleich?

    • Günther (kein Partner)
      30. November 2014 16:49

      Die Schwächung der Kirche durch völlig unnötige Zersplitterung wird uns allen noch gehörig auf den Kopf fallen- Stichwort Islam.





Bitte OHNE Internet-Links (Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht)
verbleibende Zeichen: 700

Sicherheitsabfrage:
Bild neu laden