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Gemeindewohnungen: Mieter oder Eigentümer?

Mehrere Politiker diskutieren etwas Grundvernünftiges. Aber sie trauen sich das nur in einem "Geheimgespräch" zu tun und bereuen das dabei Gesagte gleich wieder öffentlich, nachdem einer der Gesprächsteilnehmer einen Mitschnitt an die Öffentlichkeit gespielt hat. Das ist ziemlich traurig – nicht nur das Abhören, sondern auch, dass sich die beiden größten Parteien Wiens sofort von einer klugen Idee distanzieren.   

Es geht um die Idee eines Verkaufs der Wiener Gemeindewohnungen. Das Wiener Rathaus besitzt nicht weniger als 220.000 Wohnungen und ist damit größter öffentlicher Wohnungseigentümer Europas. Ein Verkauf hätte jedenfalls viele Vorteile:

Der erste große Vorteil: Der Verkauf dieser Wohnungen würde Milliarden in die klammen Wiener Stadtkassen bringen, würde die Schuldenlast deutlich vermindern und den Wienern etliche Gebührenerhöhungen ersparen.

Zweites Positivum: Menschen, die ihre Wohnung nicht nur mieten, sondern auch im Eigentum haben, würden damit und ihrem ganzen Wohnhaus ganz anders umgehen.

Drittens: Eigentümer zu sein und nicht von Politikern abhängig zu sein macht frei, macht selbstbewusst. 

Viertens: Es würden sehr viele Wohnungen auf den Markt kommen. Denn jetzt werden sehr oft Gemeindewohnungen gehortet, da die Miete in solchen Wohnungen recht gering ist, während man in Wahrheit längst woanders lebt. Viele dieser Wohnungen würden dann zum Kauf angeboten werden.

Fünftens: Eine privatisierte Eigentümergesellschaft, an die alle Wohnungen gehen, deren Mieter sie nicht kaufen, kümmert sich viel effizienter um die Gebäude.

Und sechstens: Die schier unendliche Blase von berechtigten wie unberechtigten Vorwürfen der Korruption, der Parteibuchwirtschaft, der Bestechung, der Protektion und des Missbrauchs würde platzen.

Gewiss: Man kann mit den Ängsten der vielen Gemeindebau-Mieter hervorragend Wahlkampf machen. Aber der einst ebenso umstrittene Verkauf der Buwog-Wohnungen des Bundes zeigt inzwischen: Alle sind glücklich damit. Jene, die zu Eigentümern geworden sind. Jene, die bei einer sehr professionellen Gesellschaft Mieter sind. Und nicht zuletzt der damals entlastete Steuerzahler. Längst ist hingegen der politische Streit rund um die damalige Privatisierung entschlafen.

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Privatisierungsvorgang selbst zu einem bis heute mehr als fragwürdigen Strafprozess geführt hat. Bei diesem ist es im Grund nur um die Frage gegangen, ob der finale Bestbieter auf illegale Weise die Höhe des Gebots der Konkurrenz erfahren hat oder nicht, und wer ihm das diesbezügliche Wissen zugesteckt hat. Das ändert aber nichts an den Vorteilen der Privatisierung.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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