Abonnenten können jeden Artikel sofort lesen, erhalten anzeigenfreie Seiten und viele andere Vorteile. Ein Abo (13 Euro pro Monat/130 pro Jahr) ist jederzeit beendbar und endet einfach durch Nichtzahlung.
Abonnenten können jeden Artikel sofort lesen, erhalten anzeigenfreie Seiten und viele andere Vorteile. Ein Abo (13 Euro pro Monat/130 pro Jahr) ist jederzeit beendbar und endet einfach durch Nichtzahlung.
Es ist ein ganz intensiver Wettbewerb, der da stattfindet und der in den letzten Tagen mit dem winterlichen Weltwirtschaftsforum in Davos seinen Höhepunkt erreicht hat: Es ist der Wettbewerb jener internationalen Konferenzen, auf denen globale Spitzenpersönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen auftreten. Es ist kein Zufall, dass dieses WEF alljährlich die weitaus meiste Prominenz anzieht, während etwa die österreichischen Konkurrenzveranstaltungen dagegen total abstinken, wobei sich bei diesen in den letzten Jahren überdies auffallende ideologische Bewegungen gezeigt haben.
Der wichtigste Unterschied ist die totale ideologische Neutralität von Davos, während man bei Alpbach & Co immer eine klare Orientierung bemerkt. Und das hat einen klaren Grund: Davos ist ein rein privatwirtschaftliches Unternehmen, während die anderen weitgehend von Steuergeldern abhängen, die auf den verschiedensten Wegen fließen. Genau deswegen ist Davos aber auch geistig unabhängig und erfolgreich.
Heuer sind dort zum Beispiel neben allen wichtigen europäischen Spitzenmännern von Merz bis Macron etwa auch die Präsidenten der USA und Kanadas aufgetreten, die sich – nur durch wenige Stunden getrennt – ein globale Schlagzeilen produzierendes Duell geliefert haben. Dabei hat vor allem der kanadische Präsident Carney mit seinem Appell zur Zusammenarbeit zwischen den Mittelmächten gegen die drei Großen, die sich die Welt untereinander aufteilen würden, einerseits begeisterte Aufmerksamkeit und andererseits Trumps Zorn erregt.
Daneben sind aber auch die Chefs so gut wie aller größeren internationalen Konzerne anwesend, ebenso wie die von vielen wichtigen Organisationen, von NGOs, Geheimdiensten sowie spannende Universitätsprofessoren, Forscher, Publizisten und Intellektuelle. Das Ganze finanziert sich ausschließlich durch die satten Teilnahmegebühren der Wirtschaftsvertreter. Dabei ist besonders auffallend, dass in Davos – trotz Zahlung – überhaupt nur die jeweiligen Chefs zugelassen sind, also lediglich die CEOs und keine anderen Vorstandsmitglieder.
Diese haben dafür die Sicherheit, dass sich auch unter den anderen Teilnehmern nur Spitzenleute befinden. Sie zahlen dann jeweils satte sechsstellige Beträge, lediglich um dabeisein zu dürfen, um binnen weniger Tage die konzentrierte Möglichkeit zu haben, einerseits ein absolutes Spitzenprogramm an Veranstaltungen und Rednern hören zu können, um andererseits in total vertraulicher Umgebung Gesprächstermine mit anderen Topleuten absolvieren zu können. Das Zusammentreffen mit Wirtschaftsbossen ist natürlich auch für Regierungschefs & Co interessant (die selber nichts zahlen müssen, die aber auch kein Auftrittshonorar bekommen). Diese Davoser Möglichkeiten sind für sie auch dadurch angenehm, dass nach irgendwelchen privaten Begegnungen in Davos keine Journalisten warten und wissen wollen, was "herausgekommen" ist.
Dieses Geschäftsmodell macht Davos einmalig, erfolgreich – und vor allem geistig unabhängig. Was man auch daran sieht, dass etwa die Herrn Trump, Putin und Xi alle mindestens schon einmal in Davos aufgetreten sind.
Die Schweiz als Gastgeberland spielt nur im Hintergrund eine Rolle: durch die Logistik, durch die Schönheit der winterlichen Landschaft, durch die reibungslosen Abläufe, durch die große Sicherheit (etwa der Luftraum wird während der WEF-Tage sogar großräumig bis nach Österreich hinein abgesperrt), durch das schon geographisch einfache Fernhalten etwaiger Demonstranten. Die Schweizer Politik ist nur dadurch präsent, dass der jeweilige Schweizer Bundespräsident kurze Höflichkeitsgespräche mit den ausländischen Präsidenten absolviert. Zahlen tut sie nichts.
Vor einigen Jahren ist eine dümmliche Verschwörungstheorie rund um das WEF kursiert: Einige Politiker und Journalisten, die zu wenig wichtig waren, um dort eingeladen zu sein, verbreiteten die Behauptung, dass von Davos aus eine Weltregierung am Werk sei. In Wahrheit ist das Forum jedoch eine völlig neutrale Plattform für Spitzenleute aller Art.
Einzige Grundlage dieser Behauptungen war die Tatsache, dass Forumsgründer Klaus Schwab ein – reichlich schwaches – Buch mit seiner persönlichen Weltsicht veröffentlicht hatte. Jeder, der Davos kennt, weiß, dass die Weltsicht von Schwab dort überhaupt niemanden interessiert, dass er während der gesamten Davoser Veranstaltung nur ein höflicher Grüßaugust für die einlangenden Gäste und das ganze Jahr über ein guter Geschäftsmann ist. Er war freilich offensichtlich ein zu guter Geschäftsmann und finanzierte sich aus der WEF-Kasse auch einige private Aufwendungen. Er wurde deswegen vom inzwischen amtierenden Aufsichtsrat abgesetzt, darf künftig nach mehrjähriger Unterbrechung und Bereinigung der Abrechnungen zwar wieder in Davos auftreten – aber nur noch in einer Nebenrolle.
Mit Schwab und nach Schwab: Eines jedenfalls war in Davos immer oberstes Gebot – die absolute inhaltliche Neutralität der Veranstaltung. Wer wichtig, relevant und interessant war, wurde eingeladen und völlig gleich behandelt.
Was für ein Gegensatz zu Alpbach! Das dortige Sommer-Forum ist zu einem engen linksliberalen Think Tank und Treffen unter Gleichgesinnten degeneriert. Was nach dem Krieg unter den Molden-Brüdern im Nachkriegsösterreich geradezu heroisch angefangen hat, ist unter den letzten Präsidenten zu einem öden schwarz-roten Proporzunternehmen degeneriert, das weder relevant noch interessant ist. Jetzt ist Alpbach bei Othmar Karas gelandet ...
Um die Zuhörerreihen im großen Gebäude zu schließen, lädt man seit einigen Jahren viele ausländische Studenten mit Stipendien ein, die im Sommer das wunderschöne Alpbachtal genießen können. Der einzig prominente Gast ist jetzt meist schon ein EU-Kommissar, der seinen Urlaub unterbricht und beim Forum vorbeischaut. Da helfen auch keine Gratisbesuche bei einem Abend der Salzburger Festspiele mehr, um wirkliche Spitzenleute anzulocken.
Dafür wird Alpbach kräftig mit österreichischen Steuergeldern subventioniert. Deren Zahlung wird wohl nur deshalb nicht eingestellt, weil sonst die Tiroler sehr erbost wären, ist Alpbach doch der einzige Hauch von Internationalität in diesem Bundesland …
Eine köstliche politische Gegenbewegung hat eine noch kleinere Alternativveranstaltung durchgemacht, der sogenannte "Vienna Congress com.sult", der inzwischen zum 23. Mal stattfindet. Er war als Anti-Alpbach konzipiert worden, hat immer wieder auch den einen oder anderen interessanten Ausländer – Regierungschefs oder Nobelpreisträger – nicht zuletzt aus der jüdischen Welt nach Wien gebracht. Aber die Großstadt hat halt einen Riesennachteil: Während man nach Davos oder Alpbach in aller Regel auf mindestens drei Tage kommt (was schon durch die fast zweistündige Anfahrt vom nächsten großen Flughafen in Zürich oder München bedingt ist), sind Gäste des "Vienna Congress com.sult" oft nur für einen Halbtag dabei, können von Wien aus gleich wieder weiterreisen oder hier ganz andere Termine absolvieren.
Besonders interessant ist aber die politische Positionierung dieses Kongresses, die gleichsam in Gegenrichtung zu Alpbach verlaufen ist: Während er früher unter den Fittichen des Wiener SPÖ-Rathauses stattgefunden hatte, findet er jetzt in Zusammenarbeit mit der Wiener Universität und dem freiheitlichen Parlamentspräsident Walter Rosenkranz sowie dem sehr FPÖ-nahen "Liberalen Klub" statt …