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Der Vorfall ist eine Woche her. Und seither warte ich vergeblich auf einen Hauch eines Protestes der Medien oder auf ein Aktivwerden der sogenannten Korruptionsstaatsanwaltschaft. Doch alles ist ruhig im Staate Österreich. Dabei wäre eigentlich vor allem von jenen eine Reaktion angebracht gewesen, die sich über den Fall Wöginger maßlos erregt und darin einen unglaublichen Skandal geortet haben, obwohl Wöginger genau das getan hat, was wohl fast alle Abgeordnete von Regierungsparteien dieser oder früherer Koalitionen schon gemacht haben.
Zur Erinnerung: Der ÖVP-Klubobmann hatte – natürlich – von der WKStA ein noch immer nicht beendetes Monsterverfahren angehängt bekommen, das sein Image zertrümmert und seine politische Karriere wahrscheinlich beendet hat. Anlass: Er hatte zugunsten eines Parteifreundes, der Leiter eines Provinzfinanzamtes werden wollte, einen Parteifreund im Finanzministerium angerufen und gefragt, ob dieser nichts für den Bewerber tun könne. Der Mann im Ministerium tat wie erbeten und instruierte die – eigentlich weisungsfreie und daher in Wahrheit als einzige schuldige – Bestellungskommission; der Bewerber bekam den Job; die Republik musste einer anderen Kandidatin Schadenersatz zahlen, weil diese noch besser qualifiziert gewesen wäre.
Vor einer Woche hat nun ein SPÖ-Minister eine ehemalige SPÖ-Ministerin zur Leiterin der gesamten Bundestheater-Holding gemacht, nachdem eine Findungskommission mit einem weiteren SPÖ-Exminister als wichtigstem Mitglied ihm dies "vorgeschlagen" hatte.
Da kann man nur sagen: Finde den Unterschied.
Nun, es gibt in Wahrheit sogar zehn Unterschiede – die aber alle den Fall Babler-Scholten-Hammerschmid zu einem viel größeren Skandal machen, als der Fall Wöginger ist:
Diese Unterschiede sind ziemlich erstaunlich. Babler und die SPÖ können hingegen nur ein einziges Argument für die Bewerberin Hammerschmid vorbringen, wenn sie nicht von der Partei reden wollen: Das ist das Geschlecht der Bewerberin. Die Frauenbevorzugung ist allerdings für die SPÖ zum obersten aller Prinzipien geworden. Auch wenn das der Rechtsordnung widerspricht.
Ob man damit den Frauen Gutes tut?
All diese Unterschiede fallen erstaunlicherweise aber auch der größten Oppositionspartei, also der FPÖ, nicht auf, die sich sonst über jeden Muckser der Regierung erregt. Oder wollen die Freiheitlichen vielleicht gar deswegen derzeit nicht über einschlägige Probleme reden, weil man gerade über einen von der FPÖ gestellten Volksanwalt Unglaubliches hören muss? Er hat jetzt sein Amt dazu missbraucht, seiner Partei die Vorarbeit für den von der FPÖ einberufenen Untersuchungsausschuss abzunehmen, den sie ausgerechnet auf den abstrusen Verschwörungstheorien des (Ex?)-Trotzkisten und -Sozialisten Peter Pilz rund um den Tod des Sektionschefs Christian Pilnacek aufgebaut hat.
Dieser Ausschuss hängt freilich seit der Vorwoche völlig in der Luft, weil sämtliche Theorien des Herrn Pilz nun von einem Richter nach einem eingehenden, selbst von Pilz als fair bezeichneten Prozess als völlig beweisfreie Erfindung entlarvt worden sind.