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Die externen Schocks bleiben nicht draußen

Pandemie, Krieg, Energieknappheit, Inflation, Zerstörung von Infrastrukturleitungen im Ozean: Die Schläge kamen zuletzt dicht auf dicht. Ökonomen nennen sie in ihrer nüchternen Sprache "externe Schocks". An der Wirkung dieser rund um den Globus spürbaren Katastrophen ändert es aber nichts, dass sie – derzeit – meist menschengemacht sind. Zu ihnen können immer auch noch echte Naturkatastrophen treten. Diese Schocks treffen jedoch auf eine Gesellschaft, die sich in den letzten Jahrzehnten im Inneren total verändert hat.

Die wichtigste Veränderung besteht darin, dass die Menschen das Fertigwerden mit diesen Schocks, die Reaktion darauf nicht mehr als primär persönliche Herausforderung ansehen, sondern durch die Bank als Aufgabe des Staates. Jahrzehntelang wurden sie ja durch die Politiker der repräsentativen Demokratie dahin erzogen, dass man nur die Partei A (B oder C …) wählen müsse, dann wären Sicherheit, Glück und Zufriedenheit garantiert. Wir selber müssten uns nur noch um die "Work-Life-Balance" kümmern, also nur dann arbeiten, wenn es Spaß macht.

Die psychologischen Folgen dieser maßlos überzogenen Versprechungen verdrängen die Tatsache, dass sich die Politik, die Staaten dadurch maßlos übernommen haben, dass am Ende absolut immer wir selber es sind, die diese Schocks, die die Risken des menschlichen Lebens zu tragen haben.

Mit hängender Zunge versuchen stattdessen die Staaten, ihren vielen Versprechungen hinterherzulaufen – und erzeugen nur immer mehr Frust, weil sich immer jemand zu kurz gekommen sieht. Dabei gibt es jetzt schon eine solche Fülle von Förderungen und Hilfen gegen die Folgen der Inflation, gegen die Folgen des Energiemangels, gegen die Folgen der Pandemie, dass vielerorts selbst Spitzenpolitiker den Überblick verloren haben, wo, wie, wer, wann aller (auf Kosten wachsender Schulden) "gerettet" wird.

Das muss zu einem bitteren Erwachen führen – oder zu einem Versinken in einem ständig rascheren Krisenstrudel. Vorerst sehen wir jedoch wenige Anzeichen eines stärker werdenden Bewusstseins um die Notwendigkeit der Eigenverantwortung. Lediglich die Schweizer haben das durch ihre direkte Demokratie gelernt. Kaum, dass ihnen etwa die wachsenden Probleme der Pensionsversicherung durch einen externen, wenn auch im Grund positiven Schock durch die steigende Lebenserwartung klar geworden sind, haben sie mehrheitlich beschlossen, das Rentenantrittsalter für Frauen anzuheben. Statt, wie anderswo, zur Strafe für ein unangenehmes Problem die Regierung abzuwählen …

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".

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