Wer braucht einen Richterstaat im Staat?


Politik entmachtet sich selbst: Eine Bundesanwaltschaft wird als Errungenschaft der (neuen) Demokratie gefeiert. Aber wer braucht einen Richterstaat im Staat? Beispielsweise eine EU, die die Reste der Nationalstaaten entsorgen möchte. Oder eine Demokratie, deren Politiker angesichts mehrerer selbsterzeugter Totalkrisen (Von Merkel bis Green Deal, vom Geldbunker im Wiener Rathaus bis zum frei zugänglichen Kirchenasyl) ratlos wird und nicht mehr weiß, wie sie weiter entscheiden und agieren soll. weiterlesen

Anmaßung und Machbarkeitswahn: Die Hybris der Regierenden


Im Jahr 1984 erschien das wohl bekannteste Buch der amerikanischen Historikerin und Pulitzerpreisträgerin Barbara Tuchmann: Die Torheit der Regierenden (Originaltitel: The March of Folly). Anhand von historischen Ereignissen "von Troja bis Vietnam", beschreibt sie darin Fehlentscheidungen politischer Verantwortungsträger, die schwerwiegende Folgen nach sich zogen. Einer der hauptsächlichen Gründe für diese Fehlentscheidungen liegt in der Neigung der Regierenden, ihre Möglichkeiten maßlos zu überschätzen. Abseits utopischer Kopfgeburten – also im real existierenden irdischen Jammertal – kann der Glaube eben keine Berge versetzen. Der Wille allein reicht eben oft nicht aus, um ein beliebiges Ziel zu erreichen. Die beste Intention kann, sofern untaugliche oder gar kontraproduktive Mittel gewählt werden, das Gegenteil des Gewünschten bewirken. weiterlesen

KI-Rechenzentrum für Wien?


Eine erfreuliche Mitteilung: Die EU plant fünf Hochleistungsrechenzentren, um deren Standort sich verschiedene Staaten bewerben. Die Künstliche Intelligenz (KI) gilt als zukunftsweisende Technologie und ist aus unserem Alltag fast nicht mehr wegzudenken.  Wien soll jetzt zu einem führenden KI-Standort in der EU werden. weiterlesen



Ausgelagert an NGOs


Aufgaben, die eigentlich Staatsaufgaben sind, die eigentlich Teil der staatlichen Hoheitsverwaltung sein und von Staatsbehörden nach strengen Kriterien der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit unter Befolgung der staatlichen Verwaltungsverfahrensgesetze verrichtet werden müssten, die der Kontrolle durch die gewählten Vertretungskörper und die behördlichen Kontrollorgane unterliegen sollten, für die grundsätzlich die Steuern ja eingehoben und zur Verfügung gestellt werden, sind in Österreich zu einem guten Teil an privatrechtliche Organisationen, also an praktisch weitgehend selbstständige Vereine und Stiftungen, übertragen worden. Vom Bund und von den Ländern, voran von der Stadt Wien.  weiterlesen

Rote Besitzstandwahrer: Milliardengrab Pensionssystem


Die Katze ist aus dem Sack. Die EU plant die Einleitung eines Defizitverfahrens gegen Österreich. Kein Wunder, wurde und wird die Einhaltung der "Maastrichtkriterien" zum Budgetdefizit doch 2024 (um 4,7 Prozent/BIP) und 2025 (um 4,5 Prozent/BIP) klar verfehlt. weiterlesen

Zwei Volksfeste - kein Vergleich


Das von der Wiener SPÖ ausgerichtete Donauinselfest wird mit Steuermitteln veranstaltet. Die SPÖ feiert mit einem Verein gemeinsam das Donauinselfest, und dieser Verein bekommt 2 Millionen Steuergeld von der Stadt Wien an Förderungen. Damit bezahlt dieser Verein dann die Rechnungen der SPÖ, wobei in den letzten Jahren laut Rechnungshof einige Male mit Belegen ziemlich schlampig umgegangen worden ist. Stadteigene Unternehmen "dürfen" dann noch weitere Millionen zu diesem Parteifest beisteuern. weiterlesen



Über die Sicherung von Rohstoffen


Eines ist unbestritten: Donald Trump ist Meister darin, den Welthandel zu stören. Mit seinen Ad-hoc-Entscheidungen hat er kräftig Sand ins Getriebe des Welthandels gestreut und damit auch seine heimatliche Industrie geschädigt. Im Handelskampf mit China scheint er den Kürzeren gezogen zu haben. Ihm und seinen Beratern scheint es entgangen zu sein, dass China im Bereich des Rohstoffsektors dominant ist. Eines der wichtigen Ressourcen sind Kobalt, Lithium und eine Reihe Seltener Erden, oder Nischenelemente wie Gallium u.a. die China kontrolliert und ohne die modernen Waffen oder grüne Energieerzeugung derzeit nicht möglich sind. Aber Trump ist immer offen für einen Deal. So erlaubt er Studenten aus China in den USA zu studieren – gegen Lieferung seltener Erdmetalle. weiterlesen

Zum Schulmassaker in Graz


In der steirischen Landeshauptstadt Graz ereignete sich am 11. Juni 2025 ein Schulmassaker, wie man es hierzulande bis dato nicht erlebt hat. Ein 21-jähriger ehemaliger Schüler eines Bundesoberstufenrealgymnasiums tötete innerhalb von sieben Minuten neun ihm persönlich unbekannte Schüler und eine Lehrerin und verletzte elf weitere schwer, ehe er Suizid beging. Der Täter hatte beide Tatwaffen (eine Flinte und eine Glock-Pistole) rechtmäßig erworben. weiterlesen

Zwischenstand in Armageddon


Die gewünschten Bomber sind nun von Missouri nach Guam unterwegs, begleitet von einer Auftankflotte, schon um ihren Weiterflug Richtung Naher Osten, vermutlich nach Diego Garcia, zu gewährleisten. Niemand weiß, ob und wie Trump entschieden hat. Pakistan versucht sich nochmals als Retter der Mullahs: Man habe Trump offiziell zum Friedensnobelpreis vorgeschlagen. weiterlesen

Lernen durch Scheitern!


Die gigantischen Zwangsumverteilungen durch eine sonder- und regionalinteressenorientierte Enteignungs-Geldpolitik (Geldmengenausweitung/"Geld aus dem Nichts" und negative Realverzinsung) und durch eine "ergebnisgerechte" Finanzpolitik bewirken eine Fehlleitung von Ressourcen und Wohlstandsverluste. Immer mehr Abhängigkeit vom Staat und eine Erosion des liberalen Rechtsstaates, in dem Privateigentum und Vertragsfreiheit immer weniger geschützt werden, sind Folgen der supranationalen und der staatlichen Politik. weiterlesen

EU-Feindbild Trump


Schon während des 2024er Wahlkampfs zur US-Präsidentschaft war sich der politmediale Komplex Eurolands in seiner an Besessenheit grenzenden Feindschaft zu Donald Trump einig. Den Wunsch zum Vater seiner Gedanken erhebend, waren Nomenklatura, Medien und Intellektuelle davon überzeugt, dass Kamala Harris, ein politisches Leichtgewicht, das schon bei den 2019 erfolgten Vorwahlen der Demokraten ums Präsidentenamt mit Pauken und Trompeten durchgefallen war, diesmal auf wundersame Weise das Rennen machen würde. weiterlesen

Google Veo 3 – das Ende der Filmindustrie?


Ende Mai 2025 hat sich etwas verschoben. Nicht nur ein technologischer Meilenstein, sondern vielleicht auch ein kulturelles Beben. Google präsentierte Veo 3 – und mit einem Schlag wurde die Trennung zwischen Fantasie und Filmproduktion durchlässig wie nie zuvor. Ein paar Worte, ein Bild, ein flüchtiger Gedanke – und aus dem Nichts entstehen täuschend echte Videos, Dialoge, Musik, ganze Geschichten. Kein Green Screen, keine Kameras, kein Casting. Nur eine Eingabezeile. weiterlesen

Warum, warum, warum, san so vü Leut so dumm???


Eine Frage, die sich Mitglieder organisierter Gesellschaften wohl schon seit deren Bestehen, vor ein paar Tausend Jahren, gestellt haben. Dabei muss man wohl feststellen, dass Dummheiten nicht nur von Menschen mit niedrigem Intelligenzquotienten begangen werden. weiterlesen

Die letzten Stunden der Mullahs?


Mit der Lufthoheit Israels sogar über Teheran dürften die Mullahs ahnen, welche (weltgeschichtliche) Stunde ihrer Herrschaft geschlagen haben könnte. Der "gegenseitige Schlagabtausch", den die Journalisten in Europa verkünden, dürfte viel einseitiger verlaufen, als sie uns glauben machen wollen. (Besonders verbissen: ARD und ZDF, um "ORF" nicht mehr großbuchstabieren zu müssen.) weiterlesen

Digitaler Euro – überflüssig wie ein Kropf


Bargeld ist gedruckte Freiheit. Digitale Bezahlformen hinterlassen digitale Spuren. Anonymes Bezahlen ist mit dem Digitalen Euro nicht möglich, auch wenn die Propagandisten des Digitalen Euro das beteuern. Das Gesetzespaket gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung beseitigt die Anonymität. Die Kosten und Risiken tragen der Bürger und Unternehmer. weiterlesen

Wie man einen Wirtschaftsstandort ruiniert


Österreich bildet im Vergleich zu anderen Staaten der Eurozone das Schlusslicht im Hinblick auf die am BIP gemessene wirtschaftliche Entwicklung. Für 2025 sieht die Prognose der EU-Kommission eine weitere Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent vor. Das ist insofern bemerkenswert, als alle anderen EU-Länder sich nach der Corona-Pandemie schon wieder auf Wachstumskurs befinden. Irgendetwas ist faul im Staate Österreich. weiterlesen

Massenzuwanderung und sinkender IQ: Warum Europa immer dümmer wird


Die europäische Bevölkerung wird von Jahr zu Jahr dümmer. Das ist eine Tatsache, die niemand bestreiten kann. Das bestätigen nicht nur unsere Alltagserfahrungen, sondern auch zahlreiche Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse. Der durchschnittliche Intelligenzquotient (IQ) sinkt seit einigen Jahren kontinuierlich. »Die Folgen könnten dramatisch sein«, warnt der Psychologe Heiner Rindermann 2023 in seinem Fachaufsatz "The future of intelligence". Er bezieht sich dabei auf eine Studie, laut der die Intelligenz von deutschen Schülern zwischen 2010 und 2019 um mehr als zwei IQ-Punkte gesunken ist. Für diese Studie wurden 43 Schulleistungstests, darunter auch die berühmt-berüchtigten PISA-Tests, analysiert und ausgewertet. weiterlesen

Budget: Politikempfehlungen für eine radikale Wende


Eine echte Sanierung der Staatsfinanzen und eine nachhaltige Stärkung der österreichischen Wirtschaft erfordern nicht nur marginale Korrekturen, sondern eine radikale Wende hin zu den Prinzipien der Freiheit, des Privateigentums und der Marktwirtschaft. Aus Sicht des Hayek Instituts lassen sich folgende Kernempfehlungen formulieren: weiterlesen

Gaza und Südafrika: Der Linken fehlt ein moralischer Kompass


Zweierlei treibt moralinsaure Progressive gegenwärtig auf die Palme: Zum einen der Umstand, dass der böse Reaktionär und Sexist Donald Trump die Hegemonie der Linken in den USA erschüttert und zum anderen der "Völkermord", den Benjamin Netanjahu, Chef der Israel regierenden Koalition an den in Gaza lebenden "Palästinensern" verüben lässt. weiterlesen

Woke ist noch lange nicht "broke"


Als Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten antrat, erwarteten viele, dass "Woke" als progressive Leitkultur am Ende sei und eine "Revolution des gesunden Menschenverstandes" beginnen würde, wie sie Trump angekündigt hatte. Schon bald danach stellte sich allerdings heraus, dass Trump zwar gegen woke Irrtümer ankämpft, aber an ältere, mindestens so gefährliche Ideen anknüpft, nämlich an die des Merkantilismus, des Nationalismus und des Großmachtchauvinismus. Im Kampf gegen den Wokismus setzt die Trump-Administration außerdem Maßnahmen, die kaum weniger problematisch sind als jene, mit denen die EU ihre woke Ideologie durchsetzt. weiterlesen

Nachspruch zu einem Freispruch


Soweit bekannt: Der rechtskräftige Freispruch für Sebastian Kurz beherrschte am Dienstag, 27. Mai 2025, die Schlagzeilen und Kommentare der Medien. Auch bekannt: Selbstzitate von Journalisten riechen mitunter nach Besserwisserei. Manchmal beweist ein alter Artikel aber nur, dass bestimmte Ereignisse vorhersehbar waren. Der Autor braucht dann weder stolz zu sein noch kann er glücklich sein, wenn sich bestätigt, was er befürchtet hat. weiterlesen

Go East: Der globale Niedergang der westlichen Populärkultur


Südkoreanische Serien, japanische Mangas und chinesische Filme boomen, während Hollywood in der Krise steckt. Die von Linken beherrschte und durchideologisierte westliche Populärkultur verliert nach Jahrzehnten globaler Dominanz an Strahl- und Anziehungskraft. Auch im Kulturkampf gerät der dekadente, neosozialistische Westen in die Defensive. weiterlesen

Die Illusion der Energieautarkie


Das Magazin Stromline behandelt unter anderem den nötigen Ausbau der Stromerzeugungssysteme, die die Klimaneutralität und Autarkie bis 2040 sichern sollen. Bis dahin erwartet man eine Verdoppelung des Energiebedarfs. Ob dabei dem enormen Bedarf für Rechenzentren entsprochen wird, ist nicht erwähnt – falls der österreichische Weg zur Erreichung von Energieautarkie überhaupt möglich ist. weiterlesen

Falsche Rücksicht hilft keinem Migranten, bedroht aber unseren Frieden


Oziel Inácio-Stech ist 43 Jahre alt, stammt aus Brasilien und lebt seit 2010 in Deutschland. Dort arbeitet er mittlerweile über neun Jahre an der Berliner Carl-Bolle-Grundschule als Lehrer. Und er ist schwul. weiterlesen

Das Budget 2025/2026: Unzureichend und nicht nachhaltig


Für das Hayek-Institut durfte ich den Budgetentwurf der Bundesregierung sowie die begleitenden Dokumente einer fundamentalen ökonomischen Analyse unterziehen. Mein Ziel war es, die Weichenstellungen nicht nur darzustellen, sondern sie kritisch hinsichtlich ihrer Konsequenzen für individuelle Freiheit, marktwirtschaftliche Prozesse, Kapitalbildung und langfristigen Wohlstand zu bewerten. Trotz der von offizieller Seite betonten Notwendigkeit zur Konsolidierung der Staatsfinanzen werfen die vorgeschlagenen Maßnahmen und die zugrundeliegende Philosophie erhebliche Bedenken auf. weiterlesen

Der „Sparkurs“ ist eine Mogelpackung


Die Staatsverschuldung Österreichs läuft, besonders seit der Covid-Pandemie, völlig aus dem Ruder. Die "Maastricht-Kriterien" sind inzwischen längst nicht mehr einzuhalten. An einer Konsolidierung der Staatsfinanzen führt daher kein Weg vorbei – einerseits, um dem Staat durch Reduktion der Schuldzinszahlungen wieder finanziellen Spielraum zu verschaffen und andererseits, um ein einschlägiges Verfahren der EU abzuwenden, das Österreich – wie einst Griechenland – unter Finanzkuratel stellen würde. Diese Demütigung soll nach dem Willen der schwarzrotpinken Bundesregierung vermieden werden. weiterlesen

Ein Sieg Rumäniens


"Überraschung, Überraschung": Kaum einer der Kommentatoren, die sich zum Ausgang der rumänischen Präsidentenwahl geäußert haben, hatte in Betracht gezogen, dass der Bukarester Bürgermeister Nicușor Dan den Rechtspopulisten George Simion schlagen könnte. Immerhin hatte Simion in der ersten Runde 41 Prozent der Stimmen erhalten, also fast doppelt so viele wie Dan (21 Prozent). In der Stichwahl aber schlug Dan schließlich Simion mit knapp 54 zu 46 Prozent. weiterlesen

Böhmermann: Der Horror-Clown des Deep States


Rund 2 Millionen Deutsche sehen sich jeden Freitag ab 23 Uhr die von Jan Böhmermann präsentierte Sendung "ZDF Magazin Royal" an. Laut Eigenbeschreibung handelt es sich um eine "amüsante Satire-Show". Was das ZDF und Böhmermann unter amüsant verstehen, haben sie unter anderem in einer Sendung im Februar vergangenen Jahres demonstriert. Damals hatte Böhmermann seine rund 2 Millionen Zuschauer dazu aufgerufen, Andersdenkende zu ermorden. Er forderte sie auf, "einfach mal ein paar Nazis" zu "keulen", also wie krankes Vieh zu töten. Und unter "Nazis" versteht Böhmermann alle, die nicht seiner Meinung sind, sprich: sich nicht dem links-woken Zeitgeist unterwerfen. weiterlesen

Wehe den Besiegten!


Laut den Aufzeichnungen des römischen Geschichtsschreibers Leviticus prägte der gallische Heerführer Brennus im Zuge der Plünderung Roms nach seiner siegreich geschlagenen Schlacht an der Allia am 18. Juli 387 v. Chr. den in die Geschichte eingegangenen Spruch "Vae victis!" Es handelt sich um die auf den Punkt gebrachte Tatsache, dass ein Kriegsverlierer der Willkür des Siegers ausgeliefert ist. "The loser has to fall", wie es die Popgruppe Abba in "The Winner takes it all" besingt.

Michel de Montaigne wiederum verdanken wir folgende Einsicht: "Die Geschichtsschreibung ist der zweite Triumph der Sieger über die Besiegten." Mit anderen Worten: "Der Sieger schreibt die Geschichte", eine Feststellung, die zumindest drei Urhebern zugeschrieben wird: Napoleon Bonaparte, Herman Göring und Winston Churchill.

Die totale Niederlage des Besiegten tritt allerdings erst dann ein, wenn dieser das Narrativ des Siegers übernimmt und – wie das die Deutschen und Österreicher tun – einen regelrechten Schuldkult pflegen und sich in unentwegten Selbstbezichtigungen ergehen. Ein Blick ins Programmheft der "Informationssender" des deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunkts spricht Bände: Unausgesetzt werden Nazischauergeschichten mit einer Besessenheit zelebriert, über die man sich - 80 Jahre danach – nur wundern kann. Henryk M. Broder stellte sinngemäß fest, dass die antifaschistischen Veitstänze umso hysterischer ausfallen, je länger Hitler und seine Spießgesellen tot sind. Nach penibel recherchierten Reportagen über "Hitlers Helfer", "Nazi-Frauen" und "Verbrechen der Wehrmacht" fehlen gerade noch Beiträge über Hitlers Poolpfleger und Eva Brauns Osteopathen.   

Am zurückliegenden 8. Mai, also am 80. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, fanden in Deutschland und Österreich wieder groß angelegte Feierlichkeiten statt, die diesen Tag zum "Tag der Befreiung" verklärten. Zweifellos wurden die Insassen der NS-Konzentrationslager und überhaupt alle politisch, rassisch und wegen der "falschen" sexuellen Orientierung Verfolgten durch die siegreichen Alliierten befreit. Viele von ihnen verdankten deren Sieg über die deutsche Kriegsmaschine ihr Leben.

Aber wie verhielt es mit den "ganz gewöhnlichen Deutschen", wie Daniel Jonah Goldhagen sie in seinem Buch "Hitlers willige Vollstrecker" apostrophiert? Konnten auch sie sich befreit fühlen – und, wenn ja, wovon?

Ein Blick in die einschlägigen Chroniken ist allemal hilfreich: Die Alliierten kamen nach ihrem Selbstverständnis natürlich nicht als Befreier, sondern als Sieger nach Deutschland. In der sich in der Folge als antifaschistischer Musterstaat gerierenden "DDR" wurde der 8. Mai allerdings stets als Tag der Befreiung gefeiert, da man sich schließlich als Kreatur der siegreichen Sowjetunion verstand. In der Bundesrepublik dagegen war erst mit der berühmten Rede von Richard von Weizsäcker anno 1985 offiziell von Befreiung die Rede. Davor hieß es "Zusammenbruch" oder "Stunde null". In Österreich wurde die Moskauer Deklaration vom 30. Oktober 1943, in der das Land von den Alliierten zum ersten Opfer der nationalsozialistischen Aggression erklärt wurde, lange Zeit als Carte blanche verstanden, um sich aus der Verantwortung für die Verstrickung in NS-Verbrechen zu stehlen.

Deutschen und Österreichern, die in den Jahren 1945/46 von den Siegern vertrieben, ausgeplündert, misshandelt und vergewaltigt wurden, zu erklären, "befreit" worden zu sein, ist an Zynismus kaum zu übertreffen. Wir reden von immerhin bis zu 14 Millionen Vertreibungsopfern, die faktisch ihre gesamte Habe verloren, davon drei Millionen allein in der Tschechoslowakei. Viele dieser Menschen haben die Vertreibung nicht überlebt.

Die Konstanzer Historikerin Miriam Gebhardt hat in ihrem Buch "Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs" umfangreiche Untersuchungen zum Thema angestellt und erschreckende Erkenntnisse zutage gefördert. So fielen allein in Berlin rund 100.000 Frauen Vergewaltigungen durch Rotarmisten zum Opfer. Die spätere Ehefrau von Kanzler Kohl, Hannelore Renner, teilte als 13-Jährige (!) das Schicksal einer Massenvergewaltigung, die sie schwer verletzt und lebenslänglich traumatisiert überlebte.

Doch nicht nur Sowjets ("…komm Frau!") vergingen sich an deutschen Frauen, sondern – was weit weniger bekannt ist - auch die Sieger im Westen: Amerikaner, Briten und Franzosen. Miriam Gebhard zählt rund 190.000 Vergewaltigungsfälle allein durch US-GIs. Auch Misshandlungen, Plünderungen, willkürliche Verschleppungen, Uhren- und Fahrraddiebstähle durch Soldaten der Siegermächte standen 1945/46 auf der Tagesordnung.

Hier geht es nicht um einen Versuch zur Relativierung der Kriegsschuld (die ohnehin außer Frage steht) oder um eine Gegenüberstellung und Aufrechnung von Opferzahlen. Schuld und Leid sind nämlich stets individuell, niemals kollektiv zurechenbar. Bodycounts verbieten sich allein schon deshalb. Daher ist es Ausdruck einer haarsträubenden Geschichtsvergessenheit, wenn man den bedauernswerten Opfern gewalttätiger Übergriffe, von Mord und Totschlag an ihren Lieben, von Vergewaltigung und Raub zumutet, den Startschuss zu diesen Untaten als "Tag der Befreiung" zu begreifen. Um nicht mehr und nicht weniger als das festzuhalten, geht es in diesem Beitrag.

Mit dem Sieg der Alliierten im Mai 1945 wurde ein bösartiges Unrechtsregime beseitigt, das vielen Menschen Freiheit, Eigentum oder gar das Leben nahm. Für sie oder ihre Hinterbliebenen war und ist der 8. Mai zweifellos der Tag der Befreiung. Für viele Millionen "ganz gewöhnliche Deutsche" war er das indes ganz sicher nicht! 

Viel ist dieser Tage von künstlicher Intelligenz die Rede. Es ist bezeichnend für den Informationswert dieser Werkzeuge - konkret geht es um den Microsoft-Copilot -, wenn zwar bereitwillig Auskunft über den Missbrauch russischer Frauen durch die deutsche Soldateska 1941-1944 gegeben wird, auf die Frage nach der Vergewaltigung deutscher Frauen durch alliierte Soldaten die Antwort aber lautet: "Ich kann leider nicht über dieses Thema sprechen. Tut mir leid."

Deutsche taugen in diesem Kontext offenbar nur als Täter, nicht aber als Opfer. Wehe den Besiegten!

 

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.

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Warum musste sich jeder 1945 befreit fühlen?


Als Zeitzeuge – ich war heute vor 70 Jahren am 15. Mai 1955 im Belvedere-Garten auf der Prinz-Eugen-Straßenseite unter den jubelnden Massen dabei – finde ich die Geschichtsverdrehung unerträglich. Wer befreit wird, muss eine solche Befreiung auch empfinden. Und das war fürs erste bei hunderttausenden Österreichern in den April- und Mai-Tagen 1945 sicherlich nicht der Fall. Kein Freiheitsgefühl, sondern größte Angst herrschte in den Wiener Bezirken und in den Familien. Schon die ersten Tage der "Befreiung" durch die Russen zeigten, dass die Angst berechtigt war. Vergewaltigungen und Raub waren an der Tagesordnung. weiterlesen


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