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Kampf statt Klasse

Hereinspaziert! Die Babler-Stegreifbühne bringt den zweiten Akt ihres Ladenhüters "Mein Klassenkampf". Packen Sie ihr Wurstsemmerl aus, das schließlich – Babler sei Dank – um ganze 1,6 Cent billiger ist als noch vor zwei Monaten (was die Inflation natürlich in ungeahnten Maßen runtergedrückt hat), und genießen Sie!

Nur zur Erinnerung: Der erste Akt handelte von jenem traurigen Land namens Österreich, wo die Menschen im 21. Jahrhundert so arm sind, dass sie ihren Kindern nicht einmal jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können. Ach ja, und diese armen Kinder mussten dort auch ohne Winterschuhe durch den Schnee stapfen. Der strahlende Ritter Babler hat zum Kampf für die Hungrigen und Kaltfüßigen geblasen – und siehe da! Es gibt sie nicht mehr, ohne dass er irgendetwas gemacht hätte. Außer auf das Verzapfen solcher Raubersg‘schichten zu verzichten.

Die versprochene Rettung der armen Kinder hat zwar bei den darauffolgenden Wahlen nur das schlechteste Ergebnis der SPÖ gebracht. Aber aus Schaden wird man – naja, vielleicht doch nicht sehr klug, und so folgt jetzt der holprige Anlauf des Klassenkämpfers auf die nächste Windmühle: Der Retter der Entrechteten richtet seine Lanze jetzt auf die 200 Millionen, die die Sozialversicherung den privaten Krankenanstalten zahlt. Denn die, das weiß der rote Ritter, werden nur für die Schönheitsoperationen der Reichen missbraucht.

Mein Gott, Babler!

Vielleicht laden ihn die Barmherzigen Brüder einmal in ihr Spital ein, wo jeder ohne Ansehen des Kontostands exzellente Behandlung zu Sozialversicherungstarifen bekommt – und wo außerordentliche Qualität geboten wird. Oder in das Orthopädische Spital Speising, woher so manche neue Hüften und Knie zu Kassentarifen kommen.

Weder die Gesichtsliftings noch die Nasenverschönerungen gibt es hierzulande auf Kosten der Allgemeinheit (das einzuwerfen hätte vielleicht eine "Star"-Interviewerin außerhalb des linken ORF nicht versäumt). Und ohne die Mithilfe der Privaten wäre das österreichische Spitalswesen noch maroder (darauf hätte sie auch hinweisen können).

Aber wenn er schon nicht die erträumten Milliarden aus einer saftigen Reichensteuer zu den von ihm als gut erkannten Zwecken übers Land verteilen kann, dann will er wenigstens ein bisschen Neid auf einem Sektor einpflanzen, für dessen Verbesserung er zwar auch keine konstruktiven Ideen hat, der aber das Leben vieler Österreicher wirklich erschwert.

Es lebe der Klassenkampf!

Österreich lebt im 21. Jahrhundert und hat wirklich andere Sorgen. Um nur ein paar der drängendsten zu nennen:

  • Über 140.000 Anträge auf Staatsbürgerschaft liegen vor – hauptsächlich von jenen Syrern und Afghanen, die 2015 hereingeströmt sind. Sind sie erst einmal Österreicher, kann ihnen niemand mehr verbieten, ihre Frauen und Kinder nachzuholen. Wie sollen damit dann unsere Schulen, unsere Spitäler und unsere Sozialbudgets zurande kommen?
  • Immer mehr Unter-14-Jährige begehen wiederholt Gewaltverbrechen, werden oft von kriminellen Banden für Raub und Einbrüche vorgeschickt – weil man Kinder nicht strafen darf. Wer passt da endlich das Gesetz an die neue Wirklichkeit an?
  • Die Jahre des Erwerbslebens werden immer mehr zu einer "Episode" im Lebenslauf. Sogar wer die vorgesehenen 45 Jahre im Beruf verbringt, hat damit gerade einmal ein paar Jahre mehr als die Hälfte seines Lebens gearbeitet. Wie soll sich das in Zukunft noch ausgehen, wo immer weniger Berufstätige Steuer und Sozialversicherungsbeiträge zahlen und immer mehr Menschen immer länger auf die damit finanzierten Pensionen angewiesen sind?
  • Wie lange kann es sich ein kleines Land, dessen wertvollster Rohstoff die Gehirne seiner Bürger sind, noch leisten, dass die teuren Universitäten massenweise gratis Politologen, Soziologen, Genderisten und sonstige Unbrauchbar-ologen ausbilden, aber zu wenig Ärzte, Techniker und Informatiker?
  • Wie lange kann es sich noch Schulen leisten, die junge Menschen als funktionale Analphabeten ins Leben entlassen?

Statt Klassenkampf brauchen wir politische Intelligenz. Ob künstliche oder natürliche ist gleichgültig. Hauptsache intelligent.

PS: Aber zum Trost interessieren sich die Österreicher nicht mehr für den Herrn Babler. Sogar der unerträgliche Sozialporno "Liebesgeschichten und Heiratssachen" hatte mehr Zuseher. 

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