Am besten gleich ohne Moderatoren diskutieren?

Lesezeit: 4:30

Im ORF werden Politiker zumeist äußerst unhöflich behandelt – letztlich können sie sich dann aber doch fast alles erlauben. Sollte es nicht eigentlich eher umgekehrt sein? Und warum mischen sich Moderatoren in Österreich dauernd selbst in Diskussionen ein – warum ergreifen auch Interviewer immer wieder Partei? Das passiert etwa in Deutschland viel seltener. Die Politiker sind andererseits zum Teil auch selber schuld, lassen sich viel zu leicht provozieren. Man könnte doch meist weit gelassener, souveräner reagieren. Man muss ja auch gar nicht auf alles eingehen. (Manchmal würde man sich überdies fast mehr statt weniger Parteieneinfluss wünschen im ORF. Denn die Parteien haben wenigstens eine gewisse demokratische Legitimierung…)

So ein dichtes Programm gab es für Freunde des politischen Infotainment in Österreich jedenfalls noch nie. ORF und Private, TV und Radio – überall treten die Spitzenkandidaten der wahlwerbenden Parteien auf: allein, gegeneinander, mitunter auch miteinander. Vielen (Zusehern) ist es schon zu viel; manchen – vor allem natürlich den noch nicht im Parlament vertretenen Parteien – ist es hingegen noch zu wenig. Was ist oder wäre eigentlich gerecht? Und wer sollte wie oft und von wem eingeladen werden?

Aus Sicht der Zuseher und Wähler – um die es ja vor allem gehen sollte – ist primär gute Information wichtig, um sich ein Bild machen zu können. Ein bisschen Unterhaltung kann dabei auch nicht schaden. Aus Sicht der Medien geht es vorrangig um Quoten und Geschäft: Wer nützt uns, bringt uns viele Zuseher, hohe Einnahmen? In manchen Medien kommt man ja fast nur (und dann auch nur positiv) vor, wenn man auch Werbespots oder Inserate schaltet. In anderen gibt es wieder eine deutliche politische oder ideologische Schlagseite.

„Gerecht“ kann ein Wahlkampf ohnehin nie sein. Jene, die Macht und/oder Geld haben, werden wohl nicht so leicht freiwillig darauf verzichten. Wer in die Medien kommen möchte, muss irgendwie interessant sein: Eben durch Macht oder Geld; oder aber auch durch gute Ideen, interessante Persönlichkeiten und Inhalte – oder durch irgendetwas, das aufregt, polarisiert oder Zündstoff für heiße Diskussionen liefert!

Einerseits lässt sich natürlich argumentieren, dass die Titelverteidiger (also Kanzler, Regierung usw.) ein gewisses Vorrecht auf Medienberichterstattung haben. Wenn man allerdings bedenkt, wie groß der Einfluss der Regierenden auf viele Medien ist – und wie hoch dazu auch noch die staatliche Parteienfinanzierung in Österreich ist – dann müssten eigentlich sogar eher die Herausforderer bevorzugt behandelt werden…

Ziemlich absurd ist aber jedenfalls die Logik, mehr oder weniger alle Parteien gleich zu behandeln, sobald sie nur einen Parlamentsklub haben. Sei dies nun das Team Stronach, das überhaupt noch nie bei einer Nationalratswahl angetreten ist; oder sei es das BZÖ, das vielleicht nie wieder antreten wird.

Statt also in allen möglichen Formaten gleichsam „jeden gegen jeden“ auftreten zu lassen, könnte man wohl etwas selektiver vorgehen. Zum Beispiel, indem sich jeder Kandidat ein oder zwei Kontrahenten selbst aussuchen kann, die er oder sie zu einer Diskussion einladen möchte. Und sicher sollten auch neue Parteien eine Chance bekommen, da sie ja finanziell ohnehin in einer deutlich schwächeren Position sind – und sich daher auch nicht so leicht (auf Kosten der Steuerzahler) Plakate oder Inserate leisten können!

Da aber nun schon so ziemlich alle nur denkbaren Formate getestet worden sind, könnte man es doch vielleicht einfach einmal ganz ohne Moderatoren probieren? Die jeweilige Redezeit könnte ja, auch für die Zuseher sichtbar, gestoppt und angezeigt werden. Ansonsten bliebe es eben den Diskutanten überlassen, wie sie miteinander umgehen. Im politischen Alltag ist schließlich auch nicht der ORF bei jeder Verhandlung mit Moderator anwesend. (Obwohl dies gerade bei den Koalitionsverhandlungen vielleicht durchaus interessant sein könnte!) Eine Diskussion ohne Moderator könnte jedenfalls einiges über Charakter und Persönlichkeit der Teilnehmer offenbaren. Und die Zuseher könnten erfahren, wie kreativ und konstruktiv Kandidaten mit Wettbewerb, Konflikten, aber auch Möglichkeiten zur Kooperation umgehen!

Immerhin recht unterhaltsam, wenn auch ziemlich skurril, waren ja die so genannten „Wahlfahrten“ im ORF mit Hanno Settele. Man stelle sich aber vor, wie unterhaltsam es erst sein könnte, wenn zum Beispiel Herr Strache Frau Glawischnig durch die „Begegnungszone“ in der Wiener Mariahilfer Straße chauffieren müsste – möglicherweise unter den Buhrufen Hunderter Radfahrer? Strache würde dann vielleicht sagen: „Frau Glawischnig, diese Bilder sprechen doch für sich…“ – Glawischnig wiederum entgegnen: „Aber meine Taferln sprechen dafür umso deutlicher für mich!“ Und alles LIVE – da würde der ORF einmal sehen, wie viel „Raum nach oben“ es noch bei den Quoten gibt!

Aber Spaß beiseite – später im Analysestudio könnte ja doch wieder alles einen ganz anderen „Spin“ bekommen. Und notfalls ließe sich auch noch in der ZIB 24 das eine oder andere zurechtrücken – oder spätestens beim „Faktencheck“ am nächsten Tag…

Also könnte man doch eigentlich einmal ganz locker auf die Moderatoren verzichten – oder? Einen Versuch wäre es wert.

Christoph Bösch, M.A. ist Publizist in Wien und Gründer der Initiative „Mehr Wahlrecht".

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die besten Kommentare

  1. Ausgezeichneter Kommentatorplusminus
    4x Ausgezeichneter Kommentar
    24. September 2013 21:37

    Die Moderatoren müssen sich wenigstens ebenso dem Publikum stellen und das erkennt ganz genau wie die einzelnen ORF-Journalisten ihren Job verrichten - nämlich mit einer Linkslastigkeit bis zum Erbrechen.

    Was noch viel entbehrlicher ist und endlich wegfallen sollte, sind die Analysen der Diskussionsrunden durch vom ORF ernannte (Pseudo-)Experten.
    Eine schamlosere, einseitige Linksagitation hat es bisher noch nie in diesem Staatsfunk gegeben. Mich wundert, daß es bei den entsprechenden Sendungen nicht einen Zusehersturm der Entrüstung gibt, oder wird ein solcher selbstherrlich von den Privilegienritter am Küniglberg einfach ignoriert?

  2. Ausgezeichneter KommentatorInger
    1x Ausgezeichneter Kommentar
    24. September 2013 09:13

    Am besten gleich ohne Moderatoren diskutieren? Eine gute Frage, aber wie soll das funktionieren, insbes. beim ORF? Da könnte es doch glatt einmal passieren, dass ein Moderator einen Politiker ausreden lässt und dann wüsste man, was der wirklich meint! Aber so!! Das Knopferl im Ohr befiehlt stopp und der Moderator oder die Moderatorin gehorcht. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Das ist doch alles so klar erkennbar, dass es zum Schämen ist. Diskussionen beim ORF haben eigentlich den Namen nicht verdient, die einen dürfen sagen, was sie möchten, den anderen wird das Wort genommen. Unmöglich.
    Und überhaupt, allein das Wort "Wahlkampf" ist so negativ, dass man von vorneherein weiss, dass es nichts Gutes sein kann. Da bewerben sich ein paar Parteien um die Sitze im Parlament und dann KÄMPFEN sie, muss das wirklich sein?
    Wenn die Sprache so verroht, dann ist ja das nächste Problem, dass alles verroht, auch die Diskussionen, weil da wird ja auch gekämpft. Alles in allem, irgendwie eigentlich zum Vergessen. Es ist gut, wenn die "Wahlkampfzeit", die ja eigentlich zur "Wahlkrampfzeit" ausgeartet ist, mit der unnötigen Überzahl der sogenannten Diskussionen wieder vorbei ist. Die Mitbewerber sollen zeigen was sie können, in welcher Zusammensetzung immer, und nicht unnötig darüber diskutieren. Man weiss ja, dass in Vorwahlzeiten viel geredet wird, was dann überbleibt, werden die nächsten Jahre zeigen.


alle Kommentare

  1. Nashwin Fuller (kein Partner)
    26. September 2013 13:38

    Einen Vorgeschmack, wie eine Diskussion ohne Moderatoren aussehen könnte, findet man auf neuwal.com.
    Meines Erachtens die gelungensten Zweierkonfrontationen dieser Wahl.

    Hier: http://neuwal.com/index.php/2013/09/23/grose-konfrontation-der-kleinen/

  2. Segestes (kein Partner)
    25. September 2013 14:34

    "Da könnte es doch glatt einmal passieren, dass ein Moderator einen Politiker ausreden lässt und dann wüsste man, was der wirklich meint!"

    Irgendwie naiv zu glauben, dass man dann wirklich wüsste, was der meint ^^

  3. plusminus
    24. September 2013 21:37

    Die Moderatoren müssen sich wenigstens ebenso dem Publikum stellen und das erkennt ganz genau wie die einzelnen ORF-Journalisten ihren Job verrichten - nämlich mit einer Linkslastigkeit bis zum Erbrechen.

    Was noch viel entbehrlicher ist und endlich wegfallen sollte, sind die Analysen der Diskussionsrunden durch vom ORF ernannte (Pseudo-)Experten.
    Eine schamlosere, einseitige Linksagitation hat es bisher noch nie in diesem Staatsfunk gegeben. Mich wundert, daß es bei den entsprechenden Sendungen nicht einen Zusehersturm der Entrüstung gibt, oder wird ein solcher selbstherrlich von den Privilegienritter am Küniglberg einfach ignoriert?

  4. Inger
    24. September 2013 09:13

    Am besten gleich ohne Moderatoren diskutieren? Eine gute Frage, aber wie soll das funktionieren, insbes. beim ORF? Da könnte es doch glatt einmal passieren, dass ein Moderator einen Politiker ausreden lässt und dann wüsste man, was der wirklich meint! Aber so!! Das Knopferl im Ohr befiehlt stopp und der Moderator oder die Moderatorin gehorcht. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Das ist doch alles so klar erkennbar, dass es zum Schämen ist. Diskussionen beim ORF haben eigentlich den Namen nicht verdient, die einen dürfen sagen, was sie möchten, den anderen wird das Wort genommen. Unmöglich.
    Und überhaupt, allein das Wort "Wahlkampf" ist so negativ, dass man von vorneherein weiss, dass es nichts Gutes sein kann. Da bewerben sich ein paar Parteien um die Sitze im Parlament und dann KÄMPFEN sie, muss das wirklich sein?
    Wenn die Sprache so verroht, dann ist ja das nächste Problem, dass alles verroht, auch die Diskussionen, weil da wird ja auch gekämpft. Alles in allem, irgendwie eigentlich zum Vergessen. Es ist gut, wenn die "Wahlkampfzeit", die ja eigentlich zur "Wahlkrampfzeit" ausgeartet ist, mit der unnötigen Überzahl der sogenannten Diskussionen wieder vorbei ist. Die Mitbewerber sollen zeigen was sie können, in welcher Zusammensetzung immer, und nicht unnötig darüber diskutieren. Man weiss ja, dass in Vorwahlzeiten viel geredet wird, was dann überbleibt, werden die nächsten Jahre zeigen.





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