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Tugendboldereien

Der Mensch sei edel, hilfreich, gut –
nur muss ein Gutmensch eben
der Menschheit seinen Edelmut
auch noch zum Besten geben.

Man schafft es drum, selbst mit Boykott
den eignen Ruhm zu mehren,
und keiner sollte so was flott
gar für bigott erklären.

Denn schließlich ist es ein Verzicht
auf Gratis-Urlaubsreisen –
das sagt man aber eher nicht
in jenen hehren Kreisen.

Und gleichfalls nicht, dass aus Prinzip
man’s anders hält mit Großen,
um nicht vielleicht mit leisem Piep
sie vor den Kopf zu stoßen!

Mal blind, mal nicht, halt je nach Wind –
daran ist zu erkennen,
wie biegsam Menschenrechte sind,
die normativ sich nennen.

Sie sind’s, seit Jakobiner sie
pathetisch proklamierten –
gewiss mit stiller Ironie,
die viele nicht kapierten.

Denn solche Rechte schließen ein,
sie andern abzusprechen,
drum können dort Verbrechen sein,
was da nur kleine Schwächen.

Und Kiew oder Peking muss
erst recht man unterscheiden –
die Wertgemeinschaft, draus der Schluss,
darf nicht an Werten leiden!

So kommt es auch, dass allgemein
an Sanktions-Beschlüssen
vor allem oder ganz allein
die Falschen leiden müssen.

Kurzum, der Welt verkauft man dreist
als Praxis, tugendsame,
was sonst doch Sippenhaftung heißt,
Erpressung, Geiselnahme…

Pannonicus

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