Abonnenten können jeden Artikel sofort lesen, erhalten anzeigenfreie Seiten und viele andere Vorteile. Ein Abo (13 Euro pro Monat/130 pro Jahr) ist jederzeit beendbar und endet einfach durch Nichtzahlung.
Abonnenten können jeden Artikel sofort lesen, erhalten anzeigenfreie Seiten und viele andere Vorteile. Ein Abo (13 Euro pro Monat/130 pro Jahr) ist jederzeit beendbar und endet einfach durch Nichtzahlung.
Egal, wie es die Wiener Rathauspropagandisten drehen, relativieren und wenden; egal, wie sich ihr Parteifreund im Finanzministerium davor schraubt, die vorliegenden Fakten klar zu benennen; egal, wie die bestochenen Medien das Thema herunterspielen – es ist eindeutig: Die Gemeinde Wien hat ein katastrophales Schulden- und Defizit-Problem. Das geht aber nicht nur das Rathaus, nicht nur die Wiener, sondern alle Österreicher etwas an. Denn sowohl die EU als auch die internationalen Finanzmärkte bewerten Österreich als Einheit, sie unterscheiden nicht, auf welcher Ebene die Schulden entstehen (aus gutem Grund, denn sonst würden Staaten ihre Defizite leicht zwischen den einzelnen Ebenen, zwischen Ländern, Gemeinden, Sozialversicherungen oder dem Zentralstaat hin und her schieben). Damit werden alle Österreicher zum Opfer der Sünden Wiens, ohne diese irgendwie abstellen zu können. Erstmals reagiert man jetzt sogar im Rathaus ein wenig auf die katastrophale Situation. Das wäre trotz der völlig unzureichenden Dimension fast lobenswert – würde man nicht genau das Falsche machen, und das Richtige und Notwendige weiterhin unterlassen, wodurch das Problem noch schlimmer wird.
Denn eindeutig gäbe es in einer solchen Situation eine vordringliche Aufgabe: Die Konsumausgaben – die von den Rathausgenossen gerne Sozialausgaben genannt werden – zu drosseln und die Investitionen zu steigern oder zumindest gleich zu halten. Was tun sie jedoch? Sie würgen statt der Konsumausgaben die Investitionen ab, obwohl nur diese für neues Wachstum und Steuereinnahmen sorgen könnten.
Investitionen sind in Wien derzeit vor allem solche in den U-Bahnbau, dessen gegenwärtige Ausbauphase seit elf Jahren geplant wird und vor mehr als sieben Jahren mit voller Intensität (und viel Geld vom Bund) begonnen worden ist. Vor vier Jahren hat man absurderweise für diesen U-Bahnbau sogar mit gigantischem Aufwand eine Platane versetzt (in einen Park, in dem es mehr als genug Bäume gibt …). Damals tat man noch so, als ob Geld keine Rolle spielen würde.
Seither sind die Bürger und Gäste der Stadt jedenfalls von Baustellen, Umleitungen und dem Nichtfunktionieren etlicher Linien geplagt. Nunmehr wurde verkündet, dass die Fertigstellung um nicht weniger als vier Jahre hinausgeschoben wird, und dass in diesen Jahren zur Einsparung entsprechend weniger gebaut wird.
Diese nun offiziell verkündete massive Ausdünnung des U-Bahn-Ausbaus bedeutet, dass:
Welcher kleinstkarierte Geist im Rathaus herrscht, kann man auch daran merken, dass bei der öffentlichen Bekanntgabe der mindestens vierjährigen Verzögerung gleichzeitig allen Ernstes als vermeintlicher Trost verkündet wird, dass Blumenbeete und Radwege ohnedies plangemäß kommen. Auch, so wird weiter herumgeschwätzt, wolle man mit der Verlängerung der Bauphase den Wienern entgegenkommen, die ja nicht gewohnt seien, dass am gleichen Bahnsteig Züge zweier verschiedener U-Bahn-Linien ankommen – was aber passieren wird, sollte der geplante U-Bahn-Ausbau doch einmal kommen …
Es tut wirklich körperlich weh, in einer Stadt zu leben, in der geistige Schrebergärtner es wagen, so zu argumentieren. Diese Schrebergärtner haben es zugleich geschafft, binnen sechs Jahren die Schulden der Stadt zu verdoppeln! Ältere Wiener erinnern sich hingegen noch an Zeiten, da das einst florierende Wien ein Guthaben auf der Bank, die sogenannte "Rathaus-Milliarde" (allerdings in Schilling) hatte ...
Ein weiteres Element des Mega-Versagens der Stadt ist die Wirtschaftsfeindlichkeit auf allen Ebenen. Gewerbe- und Handelsbetriebe werden rund um die Uhr von einer Unternehmer-hassenden Bürokratie auf Rathausebene und noch mehr von den rot-grünen Bezirken schikaniert. Diese Betriebe wandern daher reihenweise in das gewerbefreundliche Wiener Umland aus. Oder gleich noch weiter weg. In den mittelosteuropäischen Reformstaaten werden sie ja nicht nur freundlich aufgenommen und behandelt, sondern dort brauchen sie auch nur eine viel niedrigere Flat-Tax zu zahlen.
Noch provozierender ist, dass die Rathaus-Genossen in jenen Bereichen absolut nicht einsparen wollen – und dass sie auch von den angeblich wirtschaftsfreundlicheren Neos in keiner Weise zu ökonomischer Vernunft gebracht worden sind –, wo Geld leicht und sinnvoll zu holen wäre.
Da fallen einem spontan folgende vier Bereiche ein:
Demokratie funktioniert nur dann, wenn bisweilen die Machthaber von den Wählern ausgetauscht werden können. In Wien funktioniert sie ganz offensichtlich nicht. Was zwar scheinbar eine rein politische Analyse ist. Was aber automatisch auch zu moralisch-ethischem Verfall führen muss. Und was damit auch eine Hauptursache des finanziellen Debakels ist. Für Sozialisten ist Verschuldung auf Kosten der nächsten Generation ja moralisch in Ordnung.